Aktien sind Anteilsscheine an Unternehmen, dem Motor jeder Volkswirtschaft. Doch die Papiere gelten bei vielen als Teufelszeug – zu Unrecht. Zwar können die Kurse von Aktien zeitweise kräftig schwanken. Langfristig haben sie aber in der Vergangenheit eine ansehnliche Rendite abgeworfen. Auch vorsichtige Anleger kommen heute kaum an Aktien vorbei, wenn sie die Kaufkraft ihres Vermögens erhalten wollen.

Trotz der durchschnittlich hohen Renditen, die sich in der Vergangenheit langfristig mit Aktien erzielen ließen, stehen diese Wertpapiere bei deutschen Anlegern nicht hoch im Kurs. Folgt man der Statistik des Deutschen Aktieninstituts, dann ist die Zahl der Aktionäre und Aktienfondsbesitzer im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends erheblich zurückgegangen. Ein Blick auf die Börsenentwicklung zeigt, warum: Ende der 1990er-Jahre, als die Aktienkurse während des Internetbooms in den Himmel schossen, lockte die Aussicht auf märchenhafte Gewinne immer mehr Menschen an den Aktienmarkt. Doch als deutlich wurde, dass die meisten der jungen Unternehmen der sogenannten New Economy nur vage Ideen und keine Profite zu bieten hatten, brach der Markt zusammen. Die Anschläge auf das World Trade Center in New York und Bilanzfälschungsskandale in Großkonzernen, die als durch und durch solide galten, verstärkten den Abwärtssog.

Millionen von Anlegern, die hierzulande auf dem Höhepunkt der Aktieneuphorie auf den fast schon entgleisten Zug aufgesprungen waren, verloren viel Geld – und wollen nun von Aktien nichts mehr wissen. Das ist nachvollziehbar, aber nicht die beste Entscheidung. Natürlich stehen den hohen Renditechancen auf Aktienmärkten auch hohe Risiken gegenüber. An den Börsen ist immer unsicher, was die Zukunft bringt. Aktienkurse schwanken zum Teil heftig, besonders bei Ausbruch von Krisen, und Anleger müssen sich darauf einstellen, zeitweise in die Verlustzone zu rutschen. Dennoch: Auf lange Sicht und in der richtigen Dosierung sind Aktien auch für vorsichtige Anleger eine empfehlenswerte Investition. In einem gemischten Portfolio mit festverzinslichen Anlagen heben sie die Gesamtrendite an.

Aktiengesellschaften – die wichtigsten Fakten

Wer eine Aktie kauft, wird Miteigentümer einer Aktiengesellschaft (AG). Entsprechend der Anzahl der insgesamt ausgegebenen Aktien gehört dem Anleger ein winziger Teil des Unternehmens. Eine AG ist eine eigenständige juristische Person, die von einem Vorstand geleitet wird. Der Vorstand wird vom Aufsichtsrat ernannt und kontrolliert. Und ein Teil der Aufsichtsratsmitglieder wird von den Aktionären gewählt. Alle handelnden Personen können beliebig ausgetauscht werden, ohne dass sich an der Existenz und an den Verpflichtungen und Rechten der AG etwas ändert. Das ist ein wesentlicher Vorteil dieser Gesellschaftsform.

Die Eigentümer haften in der Höhe ihrer Einlagen für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Im Fall einer Insolvenz können die Aktien der Gesellschaft wertlos werden. Umgekehrt sind die Aktionäre an den Gewinnen des Unternehmens beteiligt. Das bedeutet: Im Fall einer Insolvenz können die Aktien der Gesellschaft wertlos werden. Umgekehrt sind die Aktionäre an den Gewinnen des Unternehmens beteiligt. Ein Teil davon wird an sie ausgeschüttet. Diese Zahlung, über deren Höhe die Aktionäre auf der jährlichen Hauptversammlung abstimmen, heißt Dividende. Aus solchen Ausschüttungen und Kursgewinnen oder -verlusten setzt sich die Aktienrendite zusammen. Allerdings gibt es auch viele Unternehmen, die ihre Gewinne vollständig einbehalten, um damit ihre Expansion zu finanzieren. Das ist besonders bei jungen Firmen häufig der Fall. Hier profitieren die Anleger dann nicht von Dividenden, sie setzen allein auf Kursgewinne.

Aktiengesellschaften sind in Deutschland und in den meisten anderen Ländern gesetzlich verpflichtet, ihre Aktionäre regelmäßig über die Entwicklung der Geschäftsaktivitäten zu informieren. Für börsennotierte Unternehmen sind die Berichtspflichten besonders umfangreich. Beispielsweise müssen die Konzerne, die im Deutschen Aktienindex Dax notiert sind, jedes Quartal über Umsatz und Gewinn Rechenschaft ablegen.

Aktiensegmente und Indizes

An den Börsen gelistete Unternehmen werden abhängig von ihrer Größe, den im freien Handel befindlichen Aktien und ihrem Geschäftsfeld in verschiedene Kategorien eingeteilt. Die Unternehmensgröße wird am Börsenwert der jeweiligen Gesellschaft, der sogenannten Marktkapitalisierung, gemessen. Sie errechnet sich aus der Anzahl der ausgegebenen Aktien multipliziert mit dem jeweiligen Kurs. Im Dax sind die 30 deutschen börsennotierten Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung zusammengefasst, der M-Dax enthält die 70 nächstgrößeren Konzerne, der sogenannte Tec-Dax Firmen aus dem Technologiesektor.

Weltweit wird für alle Länder mit entwickelten Börsen eine Vielzahl solcher Marktindizes zusammengestellt und berechnet. Der Index mit den größten oder besonders wichtigen Unternehmen gilt jeweils als der sogenannte Leitindex. Dessen Entwicklung wird meistens repräsentativ für den Aktienmarkt eines Landes in Zeitungen und im Internet veröffentlicht.

Was die Kurse an der Börse treibt

Der Preis für eine Aktie richtet sich nach Angebot und Nachfrage – wie auf jedem anderen Markt. Der Kurs hängt davon ab, wie viele Aktionäre sich gerade von ihren Papieren trennen wollen und wie viele Käufer dafür bereitstehen. Gibt es mehr Käufer als Verkäufer, steigen die Kurse – und umgekehrt. Doch unter welchen Umständen geraten Anleger in Kauflaune und treiben die Aktienpreise nach oben? Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Sehr viele Faktoren beeinflussen das Kaufverhalten und damit die Kurse. Selbst im Nachhinein lässt sich kaum zweifelsfrei nachvollziehen, was genau die Preise bewegte. Die Erklärungen von Experten, die Zeitungen und Zeitschriften regelmäßig veröffentlichen, sind letztlich nur Mutmaßungen.

Erwartungen bestimmen die Preise

Grundsätzlich werden an den Aktienbörsen Erwartungen gehandelt. Investoren interessieren sich wenig für Gegenwart und Vergangenheit. Es geht nicht darum, wie gut oder schlecht ein Unternehmen in der Gegenwart dasteht, sondern wie es sich in Zukunft entwickeln wird. Sie gehen meistens davon aus, dass alle bekannten Informationen über ein Unternehmen bereits in dessen Aktienkurs berücksichtigt sind. Gleiches gilt für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und das konjunkturelle Umfeld. Es geht demnach nicht darum, wie gut oder schlecht ein Unternehmen in der Gegenwart dasteht, sondern wie es sich in Zukunft entwickeln wird. Wie etwa künftige Gewinne ausfallen, ob die Rentabilität steigt und eine verbesserte Marktposition im Vergleich zu Wettbewerbern wahrscheinlich ist. Schätzen viele Investoren die Aussichten eines Konzerns positiv ein, wird der Aktienkurs des Unternehmens steigen. Zeichnet sich aber ab, dass die Erwartungen nicht eintreffen, geben die Notierungen nach.

Diese Mechanismen führen regelmäßig zu Irritationen. Beispielsweise wenn in den Nachrichten über die glänzenden Gewinne eines Unternehmens berichtet wird und gleichzeitig der Aktienkurs fällt. Oder ein Konzern meldet einen Verlust, was an der Börse mit steigenden Aktienpreisen gefeiert wird. Der Grund für solche vermeintlichen Perversionen sind meistens enttäuschte oder übertroffene Erwartungen. Ist der Gewinn hoch, aber kleiner als erhofft, wenden sich manche Aktionäre ab. Fällt ein Verlust geringer aus als befürchtet, werten Anleger das als Indiz für künftig schwarze Zahlen – und kaufen die Aktie.

Es ist demnach nicht ungewöhnlich, dass die Börse boomt, wenn Wirtschaft und Unternehmen gar nicht so gut dastehen. Das hat sich erneut während der Finanzkrise bestätigt. Ein guter Einstiegszeitpunkt ist also nicht unbedingt während einer Hochkonjunktur, sondern eher in einer Rezession. Die Börse feiert den nächsten Aufschwung häufig schon, bevor er begonnen hat. Denn dann gilt für die Unternehmen und ihre Profite das Credo des amerikanischen Präsidenten Barack Obama: „Das Beste kommt erst noch.“

Indizien für einen günstigen Kaufzeitpunkt:

  1. Aktienindizes liegen ein Drittel oder mehr unterhalb ihrer früheren Höchststände.
  2. Anleger fliehen aus Aktienfonds und setzen lieber massenhaft auf sichere Zinsanlagen.
  3. Die Stimmung an den Aktienmärkten ist extrem pessimistisch.
  4. Geplante Börsengänge werden verschoben, es gibt so gut wie keine Neuemissionen.
  5. Banken werben vorwiegend mit Garantieprodukten.
  6. Die wirtschaftliche Lage ist desolat, Experten sehen keine Anzeichen für Besserung.

Anleger sollten sich aber nicht zu viele Gedanken über einen vermeintlich guten Einstiegszeitpunkt machen. Wer zu lange zögert, investiert möglicherweise nie. Auf lange Sicht ist der Einstiegszeitpunkt auch gar nicht so entscheidend, wie die historischen Daten zeigen. Das gilt insbesondere für diejenigen, die regelmäßig anlegen – und das machen aller Erfahrung nach die meisten Anleger. Überschüssiges Kapital aus ihrem Einkommen investieren sie laufend in ihr Depot.

Zinsen, Herdenverhalten und Politik

Die Erwartungen an den wirtschaftlichen Erfolg der Aktiengesellschaften sind aber nur eine Seite der Medaille. Häufig dominiert das politische und ökonomische Umfeld die Börsenentwicklung:

  • Zinsen: Den größten Einfluss haben die Zinsen. Sinken sie, beflügelt das tendenziell die Kurse. Aktien werden im Vergleich zu festverzinsten Anlagen attraktiver. Zudem sinken die Finanzierungskosten. Das macht Investitionen profitabler. Steigende Zinsen bewirken das Gegenteil. Sie können für erhebliche Verunsicherung an den Aktienbörsen sorgen, besonders wenn die Konjunktur als fragil gilt. Einen maßgeblichen Einfluss auf die Zinsentwicklung üben die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik aus.

  • Herdenverhalten: Eine große Rolle spielt auch das Herdenverhalten. Was für die Mode gilt, trifft auch an der Börse zu: Hat sich erst einmal ein Trend etabliert, machen immer mehr Menschen mit – und verstärken ihn. Das Problem ist nur: Jeder Trend endet irgendwann. Die Letzten, die noch auf der Welle reiten wollen, beißen die Hunde. Es kann sehr lukrativ sein, mit der Herde zu laufen, wenn man es schafft, rechtzeitig auszuscheren. Ein Musterbeispiel für Herdenverhalten ist die oben beschriebene Börseneuphorie Ende der 1990er-Jahre, die erst zu hoffnungslos überbewerten Aktienmärkten führte und schließlich mit einem Crash endete.

  • Risikobereitschaft: Die Neigung von Anlegern, Risiken einzugehen, schwankt. Besonders zu Beginn von Finanzkrisen geht die Risikobereitschaft schlagartig zurück. Investoren verkaufen dann riskante Anlagen wie Aktien und setzen lieber auf sichere Wertpapiere. Es kann Jahre dauern, bis die Stimmung wieder umschlägt.

  • Politik: Auch Regierungen mischen an den Märkten kräftig mit. Sie bestimmen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Per Gesetz können sie die Wirtschaft als Ganzes oder einzelne Branchen beeinflussen. Ein Beispiel in Deutschland ist der beschlossene Ausstieg aus der Atomkraft. Die sogenannte Energiewende belastet die großen Energieversorger RWE und E.ON wirtschaftlich und drückte deren Aktienkurse in den Keller – trotz guter Stimmung an den Börsen.

Die genannten Faktoren sind Chance und Risiko zugleich. Sie können die Aktienkurse positiv und negativ beeinflussen. Das sollte Anlegern immer bewusst sein. Wer sich klare Ziele setzt und langfristig in Aktien investiert, kann das Auf und Ab der Kurse aber relativ gelassen verfolgen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, am Ende mit einer ordentlichen Rendite nach Hause zu gehen.

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