Anleihen von Staaten mit sehr hoher Kreditwürdigkeit zählen zu den sichersten Kapitalanlagen. Diese festverzinslichen Wertpapiere stützen sich auf andere Sicherungssysteme als Bankeinlagen. Wegen der niedrigen Zinsen sind die Renditeaussichten derzeit allerdings sehr gering. Wie Anleihen funktionieren, erklärt Summit.

Die Herausgabe (Emission) von Anleihen ist eine wichtige Finanzierungsquelle von Staaten und für Unternehmen eine Alternative zur Aufnahme von Bankkrediten. Jedes Jahr decken Länder wie die Bundesrepublik Deutschland, die USA und Japan ihre Haushaltsdefizite mit der Emission von Anleihen. Allein im Jahr 2016 platziert die Bundesrepublik frische Anleihen im Wert von rund 200 Milliarden Euro. Das Gesamtvolumen von handelbaren Bundeswertpapieren, die Ende 2015 noch im Umlauf waren, summierte sich nach Angaben der Finanzagentur des Bundes auf gut 1,1 Billionen Euro.

Zu den Käufern dieser Papiere zählen institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen sowie Privatanleger. Sie schätzen den verlässlichen Charakter von sicheren Anleihen. Für den Kredit, den die Anleger den Emittenten geben, erhalten sie einen über die Laufzeit festen Zinssatz (Kupon). Das haben Anleihen, die wegen der regelmäßigen Zinseinnahmen auch „Renten“ genannt werden, mit Sparbriefen und Festgeldern gemein. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Handelbarkeit. Während Festgelder vor Ablauf der Frist unantastbar sind, können häufig gehandelte (liquide) Anleihen jederzeit zu Geld gemacht werden. Das Handelsvolumen mit Bundeswertpapieren betrug 2015 mehr als 4,7 Billionen Euro. Statistisch gesehen wechselte demnach jede Anleihe mehr als drei Mal pro Jahr den Besitzer.

Das bedeutet aber auch, dass ihr Wert anders als bei Spareinlagen während der Laufzeit schwankt. Doch bei Fälligkeit erhalten die Anleger ihr Kapital vollständig zurück, vorausgesetzt sie haben für die Anleihe nicht mehr als deren Nennwert bezahlt (das ist der Betrag, der auf der Anleihe steht) und der Herausgeber gerät nicht in Zahlungsschwierigkeiten. Denn Anleihen sind nicht wie Bankguthaben von der Einlagensicherung geschützt.

Großes Angebot unterschiedlicher Papiere

Der Markt für Anleihen ist vielfältig: Es gibt sie mit Laufzeiten von wenigen Monaten bis zu mehr als 30 Jahren. Anleihen mit Fälligkeiten unter einem Jahr werden als Geldmarktpapiere bezeichnet. Anleihen sind in allen wichtigen Währungen wie Euro, US-Dollar, Schweizer Franken und japanischen Yen zu haben. Ihr Nennwert rangiert meistens zwischen 1 000 und 100 000 Euro.

Häufig werden Anleihen nur mit hohem Nennwert emittiert. Diese Tranchen richten sich ausschließlich an institutionelle Investoren. Kleinanleger können in diese Papiere nur über Fonds investieren.

Angeboten werden zudem Unternehmensanleihen, besicherte Anleihen, die sich in Deutschland Pfandbriefe nennen, und sogenannte Hochzinsanleihen (High-Yields). Letztere sind Risikopapiere von Herausgebern mit einer geringen Kreditwürdigkeit (Bonität). Unter den Emittenten von Anleihen tummeln sich neben großen und kleinen Staaten multinationale Unternehmen wie Daimler, Siemens und VW, mittelständische Firmen und natürlich Banken.

Kurse und Renditen

Bei Anleihen setzt sich die Rendite, also der Ertrag im Verhältnis zum investierten Kapital, zusammen aus

  • den festgeschriebenen Zinszahlungen (dem sogenannten Zinskupon),
  • dem Kaufkurs,
  • dem Rückkaufkurs, der meistens dem Nennwert entspricht,
  • und der Restlaufzeit.

Auch das ist ein Unterschied zu Festgeldern, bei denen der effektive Festzins immer gleich der Rendite ist.

Der Kurs einer Anleihe wird in Prozent ihres Nennwerts gemessen. Beträgt der Nennwert beispielsweise 1  000 Euro und der Kurs 90 Prozent, kostet das Papier 900 Euro (plus Nebenkosten). Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht der Anleihepreis genau dem Nennwert.

In der Regel weicht der Preis allerdings schon bei der Ausgabe einer Anleihe vom Nennwert ab. Anschließend kann er auf dem freien Markt steigen oder fallen.

Beispiel:

  • Eine Anleihe ist mit einem Zinskupon von 5,5 Prozent ausgestattet.
  • Ihr Kaufkurs beträgt an der Börse 110 Prozent,
  • der Rückzahlungskurs 100 Prozent
  • und die Restlaufzeit 5 Jahre.

Die jährliche Rendite, die ein Anleger erzielt, der diese Anleihe einen Tag nach einer Kuponzahlung kauft, beträgt näherungsweise 3,18 Prozent. Die Rendite ist geringer als der Zinskupon, weil der Kaufkurs über dem Rückzahlungskurs liegt. Der Besitzer der Anleihe erhält zwar jährlich 5,5 Prozent Zinsen. Doch weil er 10 Prozent mehr für das Papier bezahlt hat als er am Ende dafür zurückerhält, entsteht ein Kursverlust, der mit dem Zinsgewinn verrechnet werden muss.

Die wichtigsten Kennzahlen von Anleihen im Überblick

KennzahlErklärung
Rating:Ein Anhaltspunkt für die Kreditwürdigkeit eines Emittenten ist das sogenannte Rating. Dabei handelt es sich um Bonitätsnoten, die von Ratingagenturen vergeben werden (siehe Tabelle unten). Vorsichtige Anleger sollten nur Anleihen mit dem Prädikat „Investment Grade“ kaufen.
Zinskupon:Dabei handelt es sich um die feste laufende Verzinsung, die ein Anleger jährlich erhält.
Rendite:Zinskupon und Rendite sind bei Anleihen nicht das Gleiche. Letztere errechnet sich aus dem Kaufpreis, dem Kupon, dem Rückzahlungsbetrag und der Laufzeit. Die Rendite schwankt täglich. Ist der Kaufpreis höher als der Rückzahlungsbetrag, ist die Rendite niedriger als der Kupon – und umgekehrt.
Kurse & Nennwert:Anleihekurse werden in Prozent des Nennwerts angegeben. Der Nennwert ist der nominelle Betrag, der auf einer Anleihe steht. Auf ihn beziehen sich die Verzinsung, Rückzahlungsbetrag und Emissionspreis.
Rückzahlungsbetrag:Der Rückzahlungsbetrag entspricht in der Regel 100 Prozent des Nennwertes.
Emissionspreis:Das ist der Preis (in Prozent), den Anleger bei der Zeichnung einer Anleihe bezahlen. Er weicht meistens vom Nennwert ab.
Kurswert:Den aktuellen Kurswert einer Anleihe müssen Investoren bezahlen, wenn sie sie nach ihrer Emission bei einer Bank oder an einer Börse kaufen. Zusätzlich müssen sie die Stückzinsen vorstrecken. Hinzu kommen Erwerbskosten.
Stückzinsen:Stückzinsen werden immer fällig, wenn Anleihen nach ihrer Emission den Besitzer wechseln. Der Käufer zahlt die Stückzinsen an den Verkäufer für die Zinsanteile der Anleihe, die seit dem jüngsten Zinszahlungstermin (Kupontermin) bis zum Verkaufstag aufgelaufen sind. Beim nächsten Kupontermin kriegt der Käufer des Papiers die Zinsen zurück, die er quasi vorgestreckt hatte.

Sichere Rendite bis zur Fälligkeit

Die durchschnittliche jährliche Rendite, die sich beim Kauf einer Anleihe errechnet, ist Anlegern sicher, wenn sie das Papier bis zur Fälligkeit halten. In der Zwischenzeit werden der Kurs der Anleihe und ihre Rendite aber schwanken. Steigende Kurse führen zu fallenden Renditen und sinkende Kurse zu steigenden Renditen. Anleihekurse steigen und fallen, weil der Zinskupon fix ist und sich nicht anpassen kann, wenn sich die Zinsen auf einem Markt ändern. Die einzig mögliche Stellschraube ist der Kurs der Anleihe.

Bei vorzeitigem Verkauf sind Kursgewinne und -verluste möglich

Beispiel: Angenommen der Kurs der oben genannten Beispiel-Anleihe steigt innerhalb eines Jahres von 110 auf 114 Prozent. Dann sinkt ihre Rendite. Ihr Zinskupon beträgt zwar immer noch 5,5 Prozent, aber ein Käufer muss dann

  • einen Kaufkurs von 114 Prozent bezahlen,
  • der Rückzahlungskurs beträgt immer noch 100 Prozent,
  • die Restlaufzeit aber nur noch 4 Jahre.

Folge: Unter dem Strich beträgt die Rendite für den neuen Käufer nur noch 1,81 Prozent.

Der ursprüngliche Besitzer der Anleihe hat hingegen einen zwischenzeitlichen Kursgewinn von 3,6 Prozent gemacht und den Zinskupon von 5,5 Prozent (auf den Nennwert) eingestrichen. Er realisiert seinen Gewinn, wenn er die Anleihe schon nach einem Jahr wieder verkauft. Dann hätte er eine Rendite von 8,6 Prozent erwirtschaftet.

Andersherum könnte der Kurs der Anleihe in zwölf Monaten von 110 auf 105 Prozent fallen, während die Rendite der Anleihe für einen neuen Käufer auf 3,86 Prozent steigt. Der Anleihebesitzer erleidet einen Kursverlust von 4,5 Prozent. Das hat keine Auswirkungen auf seine zu Anfang berechnete Durchschnittsrendite, wenn er das Papier bis zur Fälligkeit hält. Falls er aber – aus welchem Grund auch immer – schon nach einem Jahr verkaufen muss, beträgt seine Rendite nur 0,45 Prozent.

Hohe Kreditwürdigkeit – Niedrige Renditen

Doch was beeinflusst die Kurse von Anleihen und deren Renditen? Letztlich werden sie natürlich von Angebot und Nachfrage gesteuert. Dabei ist ein maßgeblicher Faktor die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens oder Staates, der sie herausgibt. Sie hängt im Wesentlichen davon ab, ob dessen Gesamtverschuldung und Wirtschaftskraft in einem gesunden Verhältnis stehen. Einem Land mit solidem Wirtschaftswachstum, geringer Arbeitslosigkeit, einem leistungsfähigen Steuersystem und einer moderaten Schuldenquote wie der Bundesrepublik Deutschland wird die beste Bonität bescheinigt. Anleihekäufer können in solchen Fällen ziemlich sicher sein, dass der Staat dauerhaft genügend Einnahmen erzielt, um Zinsen und Tilgung pünktlich zu bezahlen. Anleihen von erstklassigen Herausgebern werden deshalb gerne gekauft. Die Renditen sind wegen der geringen Risiken und der hohen Nachfrage niedrig.

Steigen aber plötzlich die Schulden eines Landes stark an, ohne dass Wirtschaft und Steueraufkommen entsprechend wachsen wie etwa im Fall von Griechenland, wird dessen Zahlungsfähigkeit mehr und mehr in Zweifel gezogen. Für das steigende Verlustrisiko wollen Anleger entschädigt werden. Sie kaufen diese Anleihen nur noch, wenn sie eine höhere Rendite bekommen. In der Folge sinken deren Kurse, weil sie sonst keinen Käufer mehr finden. Umgekehrt kann sich die Bonität des Herausgebers natürlich auch verbessern. Dann steigt der Kurs seiner Anleihen meistens (und die Renditen sinken). Grundsätzlich gilt: Je geringer das Zahlungsausfallrisiko einer Anleihe, desto niedriger ist die Rendite.

Die Bonität von Staaten und Unternehmen bewerten sogenannte Ratingagenturen. Sie benoten die Emittenten und teilen sie in verschiedene Risikogruppen ein (siehe Tabelle). Für Anleger sind die Noten der Ratingagenturen ein Anhaltspunkt bei der Auswahl von Anleihen. Allerdings lagen auch diese von der Finanzindustrie nicht vollkommen unabhängigen Bonitätswächter schon total daneben. Beispielsweise hatten die Ratingagenturen massenweise Schrottpapiere als sicher eingestuft – und damit der Finanzkrise den Boden bereitet.

Die Notenskala der Bonitätsprüfer

Moody ’sStandard & Poor ’s, FitchWas steckt hinter der Note ?
Investment GradeAaaAAAHochqualitative Anleihen. Die Rückzahlung von Zinsen und des eingesetzten Kapitals gilt als sehr sicher.
Aa1; Aa2; Aa3AA+; AA; AA−Anleihen mit sehr hoher Sicherheit, geringes Ausfallrisiko. Zins und Tilgung werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geleistet.
A1; A2; A3A+; A ; A−Gute Bonität. Viele Kriterien deuten darauf hin. dass Zins und Tilgung geleistet werden. Es gibt aber ein Restrisiko.
Baa1; Baa2; Baa3BBB+; BBB; BBB−Durchschnittliche Bonität. Anleger, die nicht spekulieren wollen, sollten keine schlechter bewerteten Anleihen kaufen.
Non-Investment GradeBa1; Ba2; Ba3BB+; BB; BB−Hohes Risiko. Zurzeit werden Zins und Tilgung zwar noch gezahlt, doch langfristig ist das Risiko eines Zahlungsausfalls hoch.
B1; B2; B3B+; B ; B−Spekulative Anlage. Rückzahlung der Anleihen ist stark gefährdet.
Caa; Ca; CCCC ; CC ; CHoch spekulativ. Zahlungsverzug ist eingetreten (Moody ’s) oder es besteht eine direkte Gefahr für einen Zahlungsverzug (S & P).

Längere Laufzeit – höhere Renditen

Nicht nur die Kreditwürdigkeit des Herausgebers hat Einfluss auf die Rendite einer Anleihe, sondern auch ihre Laufzeit. Je länger sie ist, desto höher ist meistens der Ertrag. Das liegt daran, dass Anleger einen Ausgleich dafür verlangen, wenn sie länger auf ihr Geld verzichten – sie kaufen eine länger laufende Anleihe also meist nur, wenn sie eine höhere Rendite bietet. Hinzu kommt eine größere Unsicherheit. Über einen längeren Zeitraum ist zum Beispiel die Gefahr höher, dass sich die Bonität verschlechtert. Es gab zwar in der Vergangenheit auch Marktphasen, in denen die Renditen von kurzfristigen Papieren höher waren als die von langfristigen. Doch das kommt recht selten vor.

Wie das Zinsniveau am Markt entsteht

Den größten Einfluss auf Anleiherenditen und deren kurzfristige Schwankungen hat das allgemeine Marktzinsniveau in einzelnen Währungsräumen wie etwa der Eurozone. Steigt es an, sinken meistens die Kaufpreise der umlaufenden Anleihen und die Renditen steigen – und umgekehrt. Das Marktzinsniveau, das sich quasi aus dem Durchschnitt einer kaum überschaubaren Anzahl von einzelnen Zinssätzen für jedes Kreditrisiko zusammensetzt, wird von den wichtigsten Referenzzinssätzen maßgeblich beeinflusst.

Dazu gehört der Leitzins, den die Europäische Senkt oder erhöht die EZB den Leitzinzins, wirkt sich das meistens auch auf einige Marktzinssätze aus. Zentralbank (EZB) festlegt. Senkt oder erhöht sie ihn, wirkt sich das meistens auch auf einige Marktzinssätze aus. Weitere maßgebliche Referenzgrößen sind der sogenannte Euribor (Euro Interbank Offered Rate), der die Zinssätze für kurzfristige Kredite zwischen Banken misst, und die Rendite für sichere Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Sie wird häufig als repräsentative Größe für das allgemeine Marktzinsniveau betrachtet und täglich in vielen Zeitungen veröffentlicht.

An den Referenzzinssätzen orientieren sich die Herausgeber von Anleihen und die Käufer. Ihre Angebots- und Nachfrageentscheidungen sorgen dafür, dass alle anderen Marktzinssätze zumindest in einem losen Verhältnis mit den Referenzgrößen mitschwanken.

Angenommen, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe beträgt 2 Prozent und die für eine riskantere Unternehmensanleihe mit gleicher Laufzeit 3 Prozent. Nun steigt die Rendite der Bundesanleihe auf 3 Prozent. Die Unternehmensanleihe erscheint jetzt im Vergleich zu teuer, weil Anleger die gleiche Rendite bei einem geringeren Risiko erzielen können. Sie stoßen sie deswegen ab beziehungsweise kaufen sie nicht mehr, die Nachfrage geht zurück. Die Folge: Der Kurs sinkt und die Rendite steigt – bis sie wieder in einem Verhältnis zur Bundesanleihe steht, das den Anlegern als angemessen erscheint. Die Höhe solcher Renditedifferenzen, im Finanzmarktjargon auch „Spread“ genannt, schwankt über die Zeit. Natürlich ist dieses Beispiel stark vereinfacht. Doch im Prinzip funktionieren die Anleihemärkte nach diesem Mechanismus.

Steigende Inflation drückt Anleihekurse

Die Referenzzinssätze werden von volkswirtschaftlichen Faktoren bestimmt. Im Mittelpunkt steht die Inflation. Die EZB hat die Aufgabe, für stabile Preise zu sorgen. Mit ihrer Zinspolitik soll sie die Inflation in Schach halten. Sieht sie Anzeichen für eine über die Maße steigende Teuerungsrate, erhöht sie die Leitzinsen. Bei schwachem Wirtschaftswachstum sind die Inflationsgefahren geringer. Das erlaubt ihr Zinssenkungen, die die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft ankurbeln sollen.

Auch in den Renditen sicherer Staatsanleihen spiegeln sich die Inflationserwartungen der Anleger. Gehen sie Tendenziell sinken die Kurse von Anleihen, wenn die Inflation steigt. Höhere Preise erwarten Anleger meistens, wenn die Konjunktur anzieht. zum Beispiel von steigenden Verbraucherpreisen aus, werden auch die Renditen als Ausgleich für eine höhere Inflation steigen. Tendenziell sinken die Kurse von Anleihen, wenn die Inflation steigt. Höhere Konsumentenpreise erwarten Anleger meistens, wenn die Konjunktur anzieht, Produktionskapazitäten und Arbeitskräfte knapp werden und schließlich mit steigenden Löhnen auch die Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern zunimmt.

Auch Krisen, in denen das Sicherheitsbedürfnis der Investoren sprunghaft steigt wie während der Finanzkrise, können zu extremen Verschiebungen an den Anleihemärkten führen. Dann explodiert die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen. Demzufolge steigen deren Kurse, was wiederum die Renditen in den Keller drückt. Diejenigen, die die Papiere schon zuvor besessen haben, machen ein Bombengeschäft. Neueinsteiger müssen sich dagegen mit mageren Erträgen zufriedengeben.

Langläufer reagieren auf Zinsänderungen am stärksten

Wenn sich auf einem Anleihemarkt die Zinsen ändern, verändern sich auch die Preise der umlaufenden Anleihen. Steigen die Zinsen, sinken ihre Kurse. Der Effekt ist umso stärker, je länger die Anleihe noch läuft. Steigt beispielsweise der Marktzins von 5 auf 6 Prozent, dann sinkt der Kurs einer Anleihe, die zum Nennwert notiert, mit einem Kupon von 5 Prozent ausgestattet ist und noch 10 Jahre läuft, um 7 Prozent (siehe Tabelle). Sinkt der Zins, ist der Effekt genau umgekehrt.

Wie stark eine Anleihe oder ein Rentenfonds auf Zinsänderungen reagiert, lässt sich näherungsweise an der sogenannten modifizierten Duration ablesen. Diese Kennzahl wird in der Regel von Rentenfonds-Anbietern angegeben. Die modifizierte Duration ist nur bei kleinen Zinsänderungen aussagekräftig.

Kursänderung einer Anleihe bei einem Zinsanstieg um einen Prozentpunkt

Restlaufzeit in Jahren1510
Modifizierte Duration1,04,37,7
Kurs in Prozent999693

Kursänderung einer Anleihe bei einer Zinssenkung um einen Prozentpunkt

Restlaufzeit in Jahren1510
Modifizierte Duration1,04,37,7
Kurs in Prozent101104108

Die Kursschwankungen sind in dem obigen Beispiel bei einer Restlaufzeit von 10 Jahren am höchsten, weil die Zinsänderung für mehr Laufzeitjahre kompensiert werden muss.

Fazit: In einer Niedrigzinsphase, wenn über kurz oder lang wieder steigende Zinsen zu erwarten sind, sollten Anleger Anleihen mit kürzeren Laufzeiten kaufen. Mit Langläufern setzen sie sich einem höheren Kursverlustrisiko aus oder binden sich über viele Jahre an eine niedrige Rendite. Umgekehrt sind in Zeiten hoher Zinsen lang laufende Anleihen attraktiv. Sinken die Zinsen wieder, können Anleger hohe zusätzliche Kursgewinne realisieren. Da niemand mit Sicherheit Zinsänderungen vorhersagen kann, ist ein gemischtes Portfolio aus Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten ein goldener Mittelweg.

Kosten beim Anleihekauf

Wer Anleihen kaufen möchte, benötigt zunächst ein Wertpapierdepot, das Anleger bei jeder Online- oder Filialbank eröffnen können. Beim Erwerb einer Anleihe fallen dann folgende Kosten an:

  • Bankprovision: Bei jedem Kauf einer Anleihe verlangt das Kreditinstitut eine Provision. Am Filialschalter sind das im Schnitt 0,5 Prozent des Kurswertes. Preisgünstiger ist die Konkurrenz im Internet: Direktbanken berechnen etwa die Hälfte.
  • Börsenpauschale: Für die Nutzung der Börse wird eine Pauschale berechnet. Sie ist unabhängig vom Transaktionsvolumen.
  • Spread: Hinzu kommt die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis, der sogenannte Spread. Der Verkaufspreis ist immer ein wenig höher als der Ankaufspreis, den Anleger erhalten, wenn sie die Anleihe wieder verkaufen. Je höher die Umsätze mit einer Anleihe sind, desto enger ist meistens der Spread. Bei sehr häufig gehandelten Bundesanleihen liegt er im Promillebereich, bei Unternehmensanleihen ist er höher.

Wer Anleihen über ein Online-Depot bei seiner Direktbank kauft, kann zwischen mehreren Börsen wählen. Gerade bei Unternehmensanleihen lohnt ein Vergleich der Kurse, die an den verschiedenen Handelsplätzen angeboten werden. Sie weichen zum Teil recht deutlich voneinander ab. Anleger sollten immer bedenken, dass sie ihre Transaktionskosten noch von der angegebenen Rendite abziehen müssen, um ihren tatsächlichen Ertrag zu berechnen. Besonders in Phasen niedriger Zinsen ist es wichtig, auf die Erwerbskosten zu achten. Sie können den Anlageertrag spürbar schmälern.

Stückzinsen müssen vorgestreckt werden

Neben dem Kaufkurs und den Nebenkosten werden beim Erwerb einer Anleihe nach ihrer Emission auch sogenannte Stückzinsen fällig. Sie zahlt der Käufer an den Verkäufer für die Zinsanteile der Anleihe, die zwischen dem jüngsten Zinszahlungstermin (Kupontermin) und dem Verkaufstag aufgelaufen sind. Der Käufer streckt die Stückzinsen also nur vor. Beim nächsten Zinszahlungstermin bekommt er den vollen Kupon ausgezahlt – und damit sein Geld zurück.

Bequem investieren mit Fonds

Anleger müssen Anleihen nicht direkt kaufen. Sie können in diese Anlageklasse auch über Fonds investieren. Auf diesem Weg ist es möglich, sich schon mit kleinen Beträgen an breit gestreuten Portfolios zu beteiligen, die Anleihen mit unterschiedlichen Bonitäten und Laufzeiten enthalten. Besonders bei riskanteren Anleihen mit schlechterer Bonität (Non-Investment Grade) sind Fonds zu empfehlen.

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