Die Kurse von Fußballaktien schwanken extrem und sind nur etwas für sehr mutige Anleger. Für die Clubs aber ist der Gang an die Börse eine clevere Form der Finanzierung – wenn sie es richtig anstellen. Doch der Schuss kann auch nach hinten losgehen.

Angesichts der zahlreichen Erfolge auf dem Rasen haben bei Borussia Dortmund (BVB) nicht nur die Fans, sondern auch die Aktionäre des Fußballclubs immer wieder Grund zum Jubeln. Unter dem offiziellen Namen Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA ist der BVB nämlich an der Börse notiert – und beschert den Anlegern seit Jahren kräftige Kurszuwächse. So war die Aktie im Mai 2010 noch weniger als ein Euro wert. Gut sieben Jahre später notierte sie Anfang September 2017 bei über sieben Euro.

Gründe für den rasanten Kursanstieg der Aktie sind neben den sportlichen Erfolgen auch die zunehmend bessere wirtschaftliche Lage des BVB: Dank hoher Einnahmen durch TV-Gelder, Sponsoren, Zuschauer, Vermarktung von Fan-Utensilien und Transfererlösen für Spielerverkäufe erzielt der früher tief in den roten Zahlen steckende Club steigende Gewinne. Von ihrem Ausgabepreis ist die Aktie allerdings noch immer ein gutes Stück entfernt. Stolze elf Euro mussten Anleger im Oktober 2000 je Aktie zahlen, als der BVB an die Börse ging. Ein Preis, der sich damals schnell als völlig überhöht herausstellte und eine Folge der Aktien-Euphorie der Jahrtausendwende war. Für den Verein war der Zeitpunkt allerdings optimal, um einen hohen Erlös beim Börsengang erzielen zu können.

Entwicklung der BVB Aktie

Morningstar

In Deutschland ist Borussia Dortmund noch immer der einzige börsennotierte Fußballverein. In anderen Ländern wagten allerdings einige bekannte Clubs schon deutlich früher als die Dortmunder den Gang auf das Parkett: Vorreiter war der Londoner Verein Tottenham Hotspur im Jahr 1983. Andere prominente Clubs, die den Londonern folgten waren Manchester United, Arsenal London, Juventus Turin, Lazio Rom, der AS Rom, Olympique Lyon, Benfica Lissabon, Sporting Lissabon, der FC Porto, Celtic Glasgow, die Gasgow Rangers, Ajax Amsterdam, der FC Porto, Galatasaray Istanbul, Fenerbahce Istanbul und Bröndby Kopenhagen.

Der Erfolg ist nicht planbar

Heute sind weltweit rund 30 Fußballaktien an einer Börse notiert. Etwa drei Viertel davon können von deutschen Anlegern direkt erworben werden. Für die Aktionäre sieht die Bilanz indes gemischt aus: Ein großer Teil der Fußballaktien notiert heute – wie die BVB-Aktie – unter ihrem Ausgabepreis. Einige wenige haben dafür kräftig zugelegt. Insgesamt ist die Performance der Fußballaktien also durchwachsen. In den letzten fünf Jahren ist immerhin ein insgesamt positiver Trend zu verzeichnen. Das lässt sich am internationalen Football Index STXE ablesen.

Auch in Zukunft seien Fußballaktien nur etwas für sehr risikofreudige Anleger, sagt Roland Häussermann, Steuerberater und Experte für das Fußballgeschäft der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY), im Gespräch mit Summit. „Der große Unterschied zu normalen Wirtschaftsunternehmen ist, dass der künftige sportliche Erfolg nicht mit Sicherheit planbar ist, selbst für Vereine, die sehr viel dafür investieren und solide geführt werden“, sagt Häussermann. „Verpasst ein Verein zum Beispiel die Champions-League-Qualifikation, kann das die gesamte Planung über den Haufen werfen.“ Anleger müssten daher auch mit großen Kursschwankungen bei den Fußballaktien rechnen. Echten Fans allerdings dürfte das nicht viel ausmachen. Für sie sind Aktien ihres Lieblingsclubs eher Devotionalien.

Eine andere Frage, die viel seltener behandelt wird, lautet: Was hat der Gang an die Börse den Clubs eigentlich gebracht? Und warum folgen nicht mehr Vereine ihrem Beispiel?

Was Borussia Dortmund angeht, so stand der Verein im Jahr 2000, also kurz vor dem Börsengang, zwar wirtschaftlich solide da, er befand sich aber sportlich in einer Talsohle. Die Bundesliga-Saison 1999/2000 hatte der erfolgsgewohnte BVB nur auf Platz elf beendet – und war damit sogar hinter Clubs wie 1860 München und Spielvereinigung Unterhaching gelandet.

Mit dem Börsengang im Jahr 2000 wollte der BVB offiziell wirtschaftlich expandieren. Faktisch erhoffte sich die damalige Vereinsführung davon die Mittel, um sportlich wieder nach der Spitze greifen zu können. Und das gelang auch: 143 Millionen Euro spülte der Verkauf der Aktien in die Vereinskasse. „Der BVB ist nun einer der wohlhabendsten Sportvereine der Welt“, sagte der damalige Vereinspräsident Gerd Niebaum zum Börsenstart. Das Geld wurde in teure Spieler reinvestiert – wie zum Beispiel in den Brasilianer Amoroso für die damalige Rekordablösesumme von 50 Millionen Mark (gut 25 Millionen Euro) – und das zahlte sich sportlich auch aus: 2002 holte der BVB die deutsche Meisterschaft.

Kurz vor der Insolvenz

Doch dann schied der Verein frühzeitig in der Champions League aus und eine Abwärtsspirale begann: Die Einnahmen blieben aus, um die teuren Gehälter zu finanzieren, sportlich ging es wieder abwärts und es türmte sich ein Schuldenberg auf. In seiner finanziellen Not verkaufte der Verein 2003 das vereinseigene Westfalenstadion, um es zurückzuleasen.

Zudem versuchte die BVB-Führung mit Tricksereien die Löcher in der Bilanz zu kaschieren. Doch es half nichts: Allein in der Saison 2003/04 verbuchte der Club einen Verlust von fast 68 Millionen Euro. Die Vereinsführung musste sich den Vorwurf der Verschwendung und des Missmanagements gefallen lassen. 2005 stand der BVB sogar kurz vor der Insolvenz. Der Aktienkurs brach ein.

Erst mit der Verpflichtung von Trainer Jürgen Klopp in der Saison 2007/2008 ging es sportlich und finanziell wieder aufwärts.

2011 und 2012 gewann der Verein die Meisterschaft und qualifizierte sich seitdem mit Ausnahme von 2015 immer für die Champions League. Die Schulden wurden konsequent abgebaut und auch mit dem Aktienkurs ging es allmählich wieder aufwärts. 2014 spülte eine Kapitalerhöhung rund 110 Millionen Euro in die Kassen. In der Saison 2016/17 erzielte der Club dank hoher Zuschauereinnahmen und Transfererlöse einen Rekordumsatz von 406 Millionen Euro.

Hat sich der Börsengang für Borussia Dortmund am Ende also doch noch gelohnt? „Aus meiner Sicht ja“, sagt EY-Experte Häussermann. „Es hat dem Club einen Wachstumsschub verpasst und ihn dauerhaft unter den Großen in Europa etabliert.“ Allerdings stößt die Börsennotierung für Dortmund im Alltag auch auf ungeahnte Probleme. So sah sich der Verein vergangenes Jahr verpflichtet, die Wechselabsicht seines Leistungsträgers Mats Hummels zu Bayern München als ad-hoc-Meldung zu veröffentlichen. Transferverhandlungen können daher, anders als in nicht börsennotierten Clubs, bei Dortmund praktisch nicht mehr im Geheimen ablaufen.

Für die Clubs sind Aktien besser als Anleihen

Und wie sieht es bei anderen börsennotierten Fußballvereinen in Europa aus? In vielen Fällen hat der Geldsegen aus dem Börsengang die Vereinsführung zum sorglosen Umgang mit Geld verführt – und insgesamt die Ablösesummen und Spielergehälter nach oben geschraubt. „Die Vereine, die an die Börse gegangen sind, haben viel Geld eingenommen, es aber nicht immer sinnvoll eingesetzt“, bestätigt EY-Experte Häussermann.

Clever angestellt hat es zweifellos Manchester United. Dank des Börsengangs 1991 gelang der Wiederaufstieg zu einem der sportlich erfolgreichsten und reichsten Vereine der Welt. Doch so schlau wie Manchester United waren die wenigsten. Börsenpionier Tottenham Hotspur zum Beispiel hat bereits die Reißleine gezogen. Die Kursentwicklung der Aktie war sehr enttäuschend verlaufen. Und das erwies sich im Jahr 2012 als hinderlich für die Finanzierung der erforderlichen Sanierung des Stadions. Für die Verantwortlichen bei Tottenham war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Im selben Jahr verabschiedete sich der Verein von der Börse. Auch zahlreiche andere britische Clubs haben sich mittlerweile aus unterschiedlichen Gründen von der Börse wieder zurückgezogen.

Trotz der vielen Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, hält EY-Experte Häussermann grundsätzlich den Börsengang für eine sehr sinnvolle Finanzierungsform für Fußballvereine, um ihren Handlungsspielraum im sportlichen Bereich zu erweitern. Es sei meist eine bessere Form, sich Kapital zu beschaffen, als Anleihen auszugeben, bei dem sich die Clubs oft hoch verschulden. Noch riskanter sei es für die Vereine, wenn sie Markenrechte wie den Vereinsnamen oder ihr Logo verpfänden. „Das sind die Kronjuwelen der Clubs. Wenn es schiefgeht, sind die in fremden Händen“, warnt der Experte.

„Aktien erhöhen dagegen das Eigenkapital und stellen die Vereine finanziell auf sicherere Beine“, so Häussermann. „Letztlich hängt der Erfolg eines Börsengangs aber auch davon ab, ob er in sportliche Erfolge umgemünzt wird“, betont der Experte. Zudem festige die Umwandlung der Vereine in Aktiengesellschaften in der Regel die Führungs- und Entscheidungsstrukturen in den Clubs. Das Fazit des EY-Experten: „Börsengänge fördern die Professionalisierung von Fußballvereinen, was ihnen wiederum langfristig weitere Finanzierungsmöglichkeiten eröffnet. Ob diese Möglichkeiten auch immer gut genutzt werden, ist aber eine andere Frage.“

Bezeichnend ist allerdings trotz aller damit verbundenen Vorteile, dass der deutsche Branchenprimus Bayern München einen Börsengang niemals ernsthaft erwogen hat. Doch auch ohne diesen Schritt gehören die Bayern nicht nur sportlich zu den erfolgreichsten Fußballvereinen der Welt, sie sind auch wirtschaftlich kerngesund. Ein Grund: Sie generieren Jahr für Jahr so viele Millionen von Sponsoren, dass sie auf die Einnahmen eines Börsengangs gar nicht angewiesen sind. Mit über 600
Millionen Euro ist ihr Jahresumsatz noch um gut 50 Prozent höher als der von Borussia Dortmund.

Heute ist ein Börsengang für die Bayern erst recht kein Thema mehr. Allerdings ist auch der FC Bayern München seit 2001 eine Aktiengesellschaft. An ihr sind mit jeweils gut acht Prozent die Konzerne Adidas, Allianz und Audi beteiligt. Ganz ohne fremde Investoren geht es auch beim großen FC Bayern nicht.

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