Die Aktienmärkte boomen. An der Börse purzeln die Rekorde, ist in den Medien zu lesen. Doch trotz der mittlerweile acht Jahre andauernden Börsen-Rallye sind die Kurse vieler im Deutschen Aktienindex (DAX) enthaltenen Aktien noch deutlich von ihren alten Rekordständen entfernt. Dennoch hat der DAX seit dem Jahr 2000 um etwa 50 Prozent zugelegt. Wie erklärt sich das?

Die Aktienmärkte boomen. An der Börse purzeln die Rekorde, ist in den Medien zu lesen. Doch das ist nicht überall der Fall. Die meisten europäischen Aktien jedenfalls hinken ihren Höchstständen noch ziemlich deutlich hinterher. Das gilt auch für Deutschland: Trotz der mittlerweile acht Jahre andauernden Börsen-Rallye sind die Kurse vieler im Deutschen Aktienindex (DAX) enthaltenen Aktien noch deutlich von ihren alten Rekordständen entfernt, die sie im Zuge der Aktieneuphorie der Jahrtausendwende erreichten.

Das DAX-Schwergewicht Allianz

Einige Beispiele: Die Aktie des DAX-Schwergewichts Allianz notiert aktuell bei knapp 170 Euro und damit fast doppelt so hoch wie vor fünf Die Aktie des DAX-Schwergewichts Allianz notiert aktuell bei knapp 170 Euro und damit fast doppelt so hoch wie vor fünf Jahren. Vom Rekordhoch von 427 Euro ist sie jedoch meilenweit entfernt. Jahren. Von ihrem Rekordhoch ist sie aber noch meilenweit entfernt: Den hatte die Aktie des Münchner Versicherungskonzerns im März 2000 erreicht, kurz bevor die Jahrtausendblase an der Börse platzte. Damals kletterte die Allianz-Aktie bis auf 427 Euro. Damit steht sie heute noch immer gut 60 Prozent unter ihrem damaligen Rekordhoch. Die Aktie des Automobilkonzerns Daimler steht aktuell bei etwa 70 Euro und damit immerhin rund 60 Prozent höher als vor fünf Jahren. Im April 1999 notierte sie allerdings noch deutlich höher als heute: Damals kletterte sie bis auf 93 Euro.

Noch krasser ist das Beispiel der Aktie der Deutschen Telekom. Anfang März 2000 erreichte die T-Aktie, wie sie damals werbewirksam genannt wurde, ein Rekordhoch von 103,50 Euro. Heute notiert sie bei 16 Euro und damit 85 Prozent unter dem damaligen Kurs. Die Aktie der Deutschen Bank wiederum erreichte nicht im Jahr 2000, sondern 2007 ihr bisheriges Rekordhoch von ebenfalls knapp über 100 Euro. Eine Finanzkrise und unzählige Skandale später wird die Aktie aktuell für nur noch rund 17 Euro gehandelt. Auch andere DAX-Werte wie RWE, Eon, Bayer, BMW oder Commerzbank notieren aktuell noch weit unter ihren früheren Rekordständen.

Der Dax allerdings, dessen Punktestand maßgeblich von den oben genannten Aktien beeinflusst wird, hat seit dem Jahr 2000 um etwa 50 Prozent zugelegt und ist aktuell nur noch wenige Hundert Punkte von seinem Rekordstand entfernt, den er im April 2015 erreicht hat. Wie erklärt sich das? Sicher, es gibt auch DAX-Werte wie Adidas, BASF, Henkel, Fresenius oder SAP, die in den vergangenen 17 Jahren kräftig hinzugewonnen haben und aktuell nahezu auf Rekordhoch notieren. Doch das reicht als Erklärung nicht aus: Zu sehr lasten die zahlreichen Schwergewichte, die momentan deutlich von ihren Höchstständen entfernt sind, insgesamt auf dem Index.

Von den Medien nicht beachtet: Der Kursindex des DAX

Des Rätsels Lösung: Der DAX, wie ihn die meisten Menschen aus den Medien kennen, ist ein Performance-Index, der die tatsächliche Rendite Weniger von den Medien beachtet wird aber täglich auch ein DAX-Kursindex errechnet, der die Dividenden außen vor lässt. Seine Entwicklung ist deutlich unspektakulärer als die des eigentlichen DAX. misst, den die DAX-Konzerne ihren Aktionären einbringen. Neben den Kursveränderungen fließen auch alle ausgeschütteten Dividenden mit ein. Deutlich weniger von den Medien beachtet wird aber täglich auch ein DAX-Kursindex errechnet, der die Dividenden außen vor lässt. Seine Entwicklung ist deutlich unspektakulärer als die des eigentlichen DAX: Trotz der jüngsten Kursgewinne notiert der DAX-Kursindex aktuell unter dem Stand, den er im März 2000 erreicht hatte, also vor 17 Jahren.

DAX schlägt DAX: Performance- versus Kursindex

Quelle: Deutsche Börse AG

Euro Stoxx hinkt hinterher

Dass der Performance-Index beim DAX im Vordergrund steht und der Kursindex medial nur ein Schattendasein fristet, ist eine Ausnahme. Bei fast allen anderen international bekannten Börsenindizes wird in der Berichterstattung üblicherweise der Kursindex herangezogen. Das gilt auch für die Börsenindizes, die üblicherweise verwendet werden, um den europäischen Aktienmarkt abzubilden: der Euro Stoxx 50 (für die wichtigsten Aktien der Euro-Länder) und der Stoxx Europe 50 (für Aktien der Euro-Länder und Nicht-Euro-Länder wie der Schweiz). Sie haben sich seit der Jahrtausendwende noch bescheidener entwickelt als der DAX-Kursindex: So hinken Stoxx Europe und Euro Stoxx 50 nicht nur ihrem Rekordhoch aus dem Jahr 2000 weit hinterher, sondern stehen heute auch noch deutlich unter ihrem Niveau von 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise.

Noch weiter von seinen alten Rekorden entfernt ist der maßgebliche japanische Aktienindex, der Nikkei 225, der ebenfalls ein Kursindex ist. Ende 1989 notierte er bei knapp 39.000 Punkten. Eine hartnäckige wirtschaftliche Krise in dem Land ließ den Nikkei in den darauffolgenden Jahren um bis zu 80 Prozent verlieren. Heute notiert er noch immer nur bei etwa 50 Prozent seines damaligen Wertes.

Historische Entwicklung des Nikkei 225

Quelle: wallstreet-online.de

US-amerikanische Indizes

Anders sieht es in den USA aus: Dort stehen die bekannten Aktienindizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq alle auf Rekordniveau – obwohl sie Auch der MSCI World Index, ebenfalls ein Kursindex, notiert aktuell in der Nähe seines Allzeithochs. Kein Wunder: US-Unternehmen haben ein Gewicht von rund 60 Prozent in dem Index. Kursindizes sind. Auch der MSCI World Index (ebenfalls ein Kursindex), der die Kursentwicklung der wichtigsten Aktien von 23 Industrieländern abbildet, notiert aktuell in der Nähe seines Allzeithochs. Kein Wunder: US-Unternehmen haben ein Gewicht von rund 60 Prozent in dem Index.

Historisch gesehen sind US-Aktien im Moment deshalb zweifellos relativ teuer. Das lässt sich auch am durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der US-Aktien ablesen, der angibt, wie oft man den aktuellen Gewinn eines Unternehmens, auf eine einzelne Aktie heruntergebrochen, bezahlt, wenn man die Aktie zum aktuellen Kurs kaufen würde. Je niedriger das KGV, desto günstiger also die Aktie. Im Moment steht der KGV der US-Aktien bei etwa 20, der von europäischen Aktien dagegen nur bei etwa 14.

Die günstigere Bewertung spricht also für europäische und gegen US-Aktien. Doch der Bewertungsunterschied zwischen beiden Regionen besteht schon lange, er hat sich in den vergangenen Jahren, entgegen der Erwartungen vieler Experten, sogar noch verschärft. Nicht ausgeschlossen, dass die US-Märkte in den kommenden Jahren weiter besser laufen als die europäischen – auch wenn fundamental viel dagegen spricht. Anleger verteilen ihr Vermögen deshalb am besten in beide Regionen – oder, noch besser, streuen weltweit. Dann laufen sie nicht Gefahr, auf’s falsche Pferd zu setzen.

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