Institutionelle Investoren wie Universitäten, Stiftungen, Versicherer und Pensionsfonds investieren zunehmend in Private Equity. Denn mit dieser Anlageklasse können sie höhere Renditen erzielen als am Aktienmarkt. Und das bei überschaubaren Risiken.

Starökonom und Nobelpreisträger Robert Shiller ist zweifellos das Aushängeschild der berühmten Yale University. Doch wenn nur ein einziger Mitarbeiter der altehrwürdigen Hochschule als unentbehrlich bezeichnet werden dürfte, dann würde die Wahl wahrscheinlich nicht auf Shiller, sondern auf David F. Swensen fallen. Swensen ist seit über 30 Jahren Chef des Investments Office von Yale. Das bedeutet: Er ist für die Anlagestrategie des gesamten Vermögens der Universität verantwortlich.

Wie viele andere US-Universitäten auch verfügt Yale über einen Endowment Fund, also einen Stiftungs-Fonds. Diese Stiftungen erhalten Spenden und Zuwendungen, Ihre laufenden Ausschüttungen finanzieren zusammen mit den Studiengebühren Forschung und Lehre. Das Stiftungsvermögen der Universität Yale ist mit mehr als 25 Milliarden US-Dollar das zweitgrößte einer US-Universität. Einen großen Beitrag zum heutigen Vermögen lieferte Swensen mit seiner überaus erfolgreichen Anlagestrategie: In den letzten 30 Jahren erzielte er für die Stiftung eine durchschnittliche jährliche Kapitalrendite von 12,9 Prozent mit seinen Anlagen.

Ein bedeutender Erfolgspfeiler in Swensens Anlagestrategie – heute unter dem Namen Yale-Modell bekannt – ist Private Equity. Investiert man in diese Anlageklasse, erwirbt man Anteile an Unternehmen, die meist nicht an der Börse gelistet sind oder an börsennotierten Unternehmen, die komplett aufgekauft werden, um sie dann von der Börse zu nehmen. Die Investoren erwerben entweder direkte Beteiligungen an Unternehmen oder investieren über Fonds, die von Private-Equity-Gesellschaften gemanagt werden. Das Ziel der Investoren ist es, den Unternehmenswert durch operative Verbesserungen oder höheres Wachstum zu steigern und sie im Anschluss mit Gewinn zu verkaufen.

Fünf Prozent Überrendite in der Vergangenheit

Private Equity ist eine illiquide Anlageklasse: Beteiligungen können nicht, wie zum Beispiel Aktien, jederzeit wieder veräußert werden. Das Kapital ist für mehrere Jahre gebunden. Investoren bekommen ihren Erlös, wenn die Beteiligungen wieder an die Börse gebracht werden oder mit Gewinn an ein anderes Unternehmen verkauft werden. Gewissermaßen als Entschädigung für diese Illiquidität können Private-Equity-Investoren mit höheren Renditen als bei Aktien rechnen. Im langfristigen historischen Vergleich lagen die Überrenditen von Private Equity im Vergleich zum Aktienmarkt bei rund fünf Prozent. Diesen Renditevorteil macht sich Yale-Investmentchef Swensen seit Jahren erfolgreich zunutze. Und nicht nur er: In den USA ist es weit verbreitet, dass Institutionen oder Stiftungen in Private Equity investieren. Dementsprechend kommt ihren Investmentverantwortlichen wie bei Yale eine Schlüsselrolle zu. So auch Andrew K. Golden von der Princeton University, Seth Alexander vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), Paula Volent vom Bowdoin College und Ellen Shuman, die bis 2011 das Vermögen der Carnegie Corporation verwaltete und nun für die Brandywine Trust Group tätig ist. Alle Genannten arbeiteten früher für Swensen und konnten sich eine Menge von ihm abschauen.

Auch in Deutschland zunehmend beliebt

Doch in den USA investieren nicht nur Institutionen wie Universitäten und Stiftungen im großen Stil in Private Equity, sondern auch Pensionskassen oder Versicherungskonzerne. So haben US-Versicherungen schon vor Jahren im Schnitt fünf bis zehn Prozent ihres Anlagevolumens in Private Equity investiert.[1]

Auch die deutschen Versicherer legen ihr Geld zunehmend in Private Equity an. Noch ist der Anteil im Vergleich zu den USA relativ gering. Doch laut dem Branchenverband GDV steigt er rasant: 2014 flossen demnach 2,3 Prozent der gut 800 Milliarden Euro an Kapitalanlagen der Versicherer in Beteiligungen, 2016 waren es bereits
3,6 Prozent.[2] Kein Wunder: Die Branche sucht händeringend nach Investitionsmöglichkeiten, um ihren Kunden noch einigermaßen attraktive Renditen bieten zu können. Denn mit ihrem klassischen Anlageinstrument, sicheren Bundesanleihen, erwirtschaften die Versicherer im Zinstief keine Erträge mehr.

Das stellt sie vor gewaltige Probleme. Private-Equity-Beteiligungen sind für sie ein Teil der Lösung. Allerdings unterliegen deutsche Versicherer strengen Beschränkungen, was ihr Engagement in Private Equity angeht, da diese Anlageklasse als Risikobeteiligung gilt. Sie können also nicht in dem Maße in Private Equity investieren, wie es vielleicht ökonomisch für sie sinnvoll wäre.

Breite Streuung des Kapitals

Ganz frei in ihren Anlageentscheidungen sind dagegen Family Offices, also die Vermögensverwaltungen von sehr wohlhabenden Familien. Entsprechend sind Private-Equity-Beteiligungen unter Family Offices auch weit verbreitet. Einer Umfrage des Bayerischen Finanz Zentrums vom Frühjahr 2017 zufolge haben sie derzeit knapp 16 Prozent ihres Vermögens in dieser Form angelegt. Jedes fünfte Family Office plant demnach eine Aufstockung seiner Beteiligungen.

Natürlich sind Private-Equity-Beteiligungen nicht risikolos: Die Firmen, in die investiert wird, können zum Beispiel am Ende nicht den gewünschten Verkaufspreis erzielen oder im schlimmsten Fall Konkurs gehen. Doch wer über Private-Equity-Fonds in diese Anlageklasse investiert, reduziert sein Risiko erheblich: Denn die Fonds beteiligen sich nicht nur an einem Unternehmen, sondern streuen ihre Anlagen breit. Dadurch fiele selbst der Totalausfall einer Firma normalerweise nicht allzu sehr ins Gewicht: Er wird durch die Erlöse mit den anderen Beteiligungen wieder aufgefangen.

Die Mär von den Heuschrecken

Bleibt noch die Frage, ob Private-Equity-Beteiligungen von einem ethischen Standpunkt aus betrachtet überhaupt akzeptabel sind. Schließlich sind Private-Equity-Unternehmen bei vielen Deutschen als Heuschrecken verschrien, die gewissermaßen über ihre Zielfirmen herfallen, sie ausbeuten, ihnen hohe Schulden aufdrücken und dann wieder fallen lassen. Doch bei genauem Hinsehen stellt sich schnell heraus, dass in den meisten Fällen das Gegenteil der Fall ist: Die Manager von Private-Equity-Firmen sorgen für Druck auf das Management ihrer Zielfirmen. Gerade weil sie eine gute Rendite für ihr Kapital anstreben, ist es ihnen wichtig, dass die Firmen erfolgreich operieren.

Untersuchungen belegen, dass die meisten Engagements von Private-Equity-Investoren positiv für die Zielunternehmen sind. In nicht wenigen Fällen haben sie sogar das Überleben der Firma gesichert. Eines der prominentesten Beispiele ist das des Sanitärherstellers Grohe. Als im Jahr 2004 die US-Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group (TPG) die Firma übernahm, nannte dies Gründersohn Charles Grohe einen Termiteneinfall. Der damalige SPD-Chef Franz Müntefering griff die Metapher auf und prägte den Begriff der Heuschrecken für Finanzinvestoren, zu denen auch Private-Equity-Fonds gehören. Dabei war Grohe damals hoch verschuldet und auf fremde Hilfe angewiesen. Die berüchtigte Unternehmensberatung McKinsey legte den neuen Eigentümern damals den Abbau von 3.000 der 4.500 Mitarbeiter in Deutschland nahe. Doch TPG hat diese Empfehlung nicht umgesetzt und lediglich gut 830 Beschäftigte entlassen. Heute ist Grohe wieder stabil aufgestellt und wirtschaftlich gesund.

Ein weiteres positives Beispiel ist Brenntag: 2003 wurde das Chemiehandelsunternehmen von Bain Capital für 1,4 Milliarden Euro übernommen und 2005 an den Private Equity Fonds PC Partners weiterverkauft. Brenntags Gewinn stieg kräftig und seine Schulden wurden teilweise abgebaut. Das Unternehmen ging 2010 an die Börse und ist mittlerweile im MDax gelistet. Weitere bekannte Unternehmen, die erfolgreich Private Equity nutzen oder genutzt haben sind Rossmann, Fielmann, Rodenstock, Runners Point und Tom Tailor. Natürlich gibt es in der Private-Equity-Branche auch schwarze Schafe, die ihren Zielunternehmen tatsächlich hohe Schulden aufbürden und so versuchen, ihren Gewinn zu steigern. Doch auf lange Sicht kann eine solche Strategie gar nicht erfolgreich sein. Denn mit Gewinn verkaufen lassen sich Firmen für die Investoren nur, wenn sie auch an Wert zulegen. Deshalb liegt es in der Natur der Sache, dass den Private-Equity-Fonds am Erfolg und an einer soliden Finanzierung ihrer Zielunternehmen gelegen ist.


  1. [1] Stadler, W. (Hrsg.), Die neue Unternehmensfinanzierung - Strategisch finanzieren mit bank- und kapitalmarktorientierten Instrumenten, München, 2013, S.195. (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [2] GDV Kapitalanlagen: Struktur der Kapitalanlagen der Lebensversicherer (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)

Unser kostenloser Newsletter.

Wenn Sie mehr über das Thema Geldanlage und LIQID erfahren möchten, melden Sie sich hier für unseren monatlichen Newsletter an.

Sie können diese kostenlosen Informationen jederzeit abbestellen und der Verwendung Ihrer Daten für Werbezwecke widersprechen.