Auch wenn Anleger mit einem scharfen Kursrückgang rechnen, sollten sie sich niemals vom Aktienmarkt verabschieden. Denn nur wer langfristig investiert bleibt, hat auf Dauer an der Börse Erfolg. Besser sind Absicherungsstrategien. Diese sollten aber nur für einen begrenzten Zeitraum an- gewendet werden. Auf Dauer kosten sie zu viel Rendite.

Am 24. April 2017 war es endlich so weit: Der DAX ist auf ein neues Rekordhoch geklettert und hat damit seinen zwei Jahre alten Höchststand überwunden. Auslöser des plötzlichen Höhenfluges war die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl vom Vorabend: Der Liberale Emanuel Macron konnte die meisten Stimmen auf sich vereinigen und da- mit die Anleger beruhigen. Es galt als sicher, dass er sich gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen durchsetzen würde. In den Wochen zuvor hatte die Börse unter Höhenangst gelitten. Nachdem es mit den Aktien- kursen monatelang steil bergauf gegangen war und der DAX Anfang April knapp einen neuen Rekord verfehlte, bekamen viele Investoren offenbar kalte Füße und stießen Papiere ab. Das ließ die Kurse wieder deutlich zurückfallen.

Gewinne mitnehmen?

Der neue Rekord lässt nun aber wieder zahlreiche Anleger zweifeln. Sie fragen sich besorgt, ob sie verkaufen und damit die durchaus üppigen Gewinne, die sie in den vergangenen Jahren am Aktienmarkt erzielt haben, sicherstellen sollten. Experten raten vor einem solchen Schritt allerdings ab. Und zwar aus zwei Gründen. Der wichtigste: Selbst den wenigsten Profis gelingt an der Börse das richtige Timing. Will heißen: Den optimalen Zeitpunkt für Ein- und Ausstieg an der Börse zu finden, gleicht einem Lotteriegewinn. Sicher ist aber: Wer an der Börse nicht dauerhaft dabei ist, der setzt eine attraktive Rendite aufs Spiel. Mit einem globalen, gut diversifizierten Aktienportfolio erzielten Anleger in den vergangenen Jahrzehnten im Durchschnitt Jahresrenditen von rund sieben bis acht Prozent. Dies setzte aber voraus, dass sie Schwankungen aushielten und immer investiert blieben. Denn wer in einem Börsenjahr die besten Tage verpasst, kann sich die Rendite für das ganze Jahr vermasseln.

Der zweite Grund, der aktuell gegen einen Ausstieg vom Aktienmarkt spricht: Mit Ausnahme von Immobilien, die aber in der Regel sehr viel Kapital binden, fehlt es an vernünftigen Anlagealternativen. Mit Bundesanleihen, Tagesgeld, Festgeld oder dem Sparbuch ist schon seit Jahren so gut wie nichts zu holen. Und das dürfte auf absehbare Zeit auch so bleiben. Die Inflation zehrt unverzinstes Vermögen aber auf. Wer heute nicht am Aktienmarkt investiert ist, hat also kaum Chancen, langfristig sein Vermögen zu erhalten.

Put-Optionschein bei fallenden Kursen

Dennoch gibt es für Anleger einen Weg, sich gegen drohende Kursverluste abzusichern, ohne auf die Chancen zu verzichten, die sich am Aktienmarkt bieten: Sie können so genannte Put-Optionsscheine auf die Aktien kaufen, die sie im Depot halten. Ein Put-Optionsschein berechtigt seinen Inhaber, eine Aktie zu einem vorher festgelegten Preis bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verkaufen. Dafür zahlt er eine Prämie, den Preis für den Optionsschein. Fällt der Aktienkurs, steigt der Preis des Put-Optionsscheins – und zwar in der Regel deutlich überproportional. Das bedeutet: Der Anleger kann sich mit einem relativ geringen Kapitaleinsatz gegen den Kursverlust seiner Aktien absichern. Steigen die Aktienkurse aber, verliert der Put-Optionsschein überproportional an Wert und schmälert die Rendite des Anlegers entsprechend.

Dauerhaft lohnt sich der Einsatz von Put-Optionsscheinen für Privatanleger an der Börse nicht, denn die Prämien würden zu viel Rendite kosten. In bestimmten Marktphasen können sie aber für Anleger, die sich absichern wollen, sinnvoll sein. Auch LIQID setzt für seine Kundendepots zeitweise Put-Optionsscheine als Absicherungsinstrumente ein– aber immer in einem vernünftigen Ausmaß und unter Berücksichtigung der Prämienkosten. Abhängig von den Schwankungen der Märkte schwanken nämlich auch die Prämien von Optionsscheinen. Ist die Prämie günstig und die Absicherung aus unserer Sicht vorteilhaft sichern wir ab.

Rebalancing zur Risikokontrolle

Eine wirkungsvolle Alternative oder Ergänzung zur (teilweisen) Kursabsicherung per Put-Optionsschein kann das Rebalancing darstellen, wie es zum Beispiel LIQID für seine Global- und Index-Portfolios systematisch nach festen Regeln durchführt: Dabei wird in regelmäßigen Abständen die Aktienquote immer wieder dem persönlichen Risikoprofil angepasst. Sind also zum Beispiel die Aktienkurse zuletzt kräftig gestiegen, werden Aktien zu Gunsten von Anleihen umgeschichtet. Untersuchungen über lange Zeiträume haben ergeben, dass das Chance-Risiko-Verhältnis von Portfolios, die rebalanciert werden, besser ist, als das von Portfolios, bei denen kein Rebalancing erfolgt.

Für Privatanleger, die ihr Depot selbstständig steuern, ist es sehr aufwendig und oft gar nicht praktikabel, ein regelmäßiges systematisches Rebalancing in Eigenregie durchzuführen. Dennoch sollten sie zumindest von Zeit zu Zeit darauf achten, dass sie ihr Depot wieder in die richtige Balance bringen – vor allem nach größeren Kursbewegungen. So kann es nach kräftigen Kurssteigerungen von Aktien durchaus sinnvoll sein, einen Teil der Gewinne mitzunehmen und das Geld in Anleihen umzuschichten. Umgekehrt kann es ratsam sein, nach einem Aktien-Kurssturz zu günstigen Kursen nachzukaufen und sich im Gegenzug von einem Teil der Anleihen im Depot zu trennen. Ein solches Verhalten ist kein Widerspruch zur grundsätzlichen Empfehlung, zu jeder Zeit am Aktienmarkt investiert zu bleiben. Denn es geht ja beim Rebalancing explizit nicht darum, alles zu verkaufen, sondern nur darum, das Verhältnis im Depot zwischen riskanteren Papieren wie Aktien und anderen Anlageklassen wieder ins Lot zu bringen.

Wer so vorgeht, handelt antizyklisch: Er kauft Aktien hinzu, wenn die Kurse gerade niedrig sind, und reduziert seinen Bestand wieder, wenn die Kurse hoch stehen. Ein gewisses Maß an antizyklischem Verhalten, ist genau das, was viele Experten Anlegern ausdrücklich empfehlen. Damit können auf Dauer Überrenditen im Vergleich zum Marktdurchschnitt erzielt werden. Es erfordert aber viel Mut, als Anleger immer wieder bewusst Kauf- und Verkaufsentscheidungen nach diesem Prinzip zu treffen. Nicht zuletzt ist es für Anleger auch psychologisch einfacher, wenn solche Transaktionen automatisch und regelbasiert erfolgen, wie zum Beispiel bei LIQID.

Stop-Loss-Aufträge? Vorsicht!

Mit Vorsicht genießen sollten Anleger eine andere beliebte Strategie zur Kursabsicherung: Stop-Loss-Aufträge. Zwar ist die Idee hinter dieser Strategie einleuchtend: Ein Stop Loss soll mögliche Verluste begrenzen, in dem Wertpapiere automatisch verkauft werden, sobald sie auf einen vom Anleger festgelegten Kurs gefallen sind oder diesen Kurs unterschreiten. Doch was sich nach einer sinnvollen Strategie anhört, um Verluste zu begrenzen, kann sich als ganz großer Renditekiller herausstellen. Denn allzu häufig kommt es vor, dass eine Aktie für kurze Zeit stark nachgibt, sich dann aber schnell wieder erholt. In einer solchen Situation kann sich eine Stop-Loss-Order fatal auswirken: Der Anleger verkauft möglicherweise zum Tiefpunkt.

Sinnvoller ist es, alle Aktien (und Aktienfonds) im Depot von Zeit zu Zeit einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Oft hilft es dabei, wenn Anleger sich für jede Aktie die einfache Frage stellen, ob sie sie heute noch zum aktuellen Kurs kaufen würden. Verneinen Sie diese Frage, müssten sie diese Aktie konsequenterweise eigentlich verkaufen. Denn warum sollte man eine Aktie behalten, die man heute nicht mehr kaufen würde? Tatsächlich kann es dafür in manchen Fällen aber Gründe geben – zum Beispiel steuerliche: Wer noch Aktien im Depot hat, die er vor 2009 erworben hat, muss sämtliche Kursgewinne, die er seit dem Erwerb dieser Aktien erzielt hat nicht versteuern, egal wann er diese Aktien verkauft. Das kann ein Grund sein, an Aktien festzuhalten, von denen man sich sonst eigentlich trennen würde.

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