Family Offices verwalten die Vermögen von Multi-Millionären und Milliardären. Bei der Anlagestrategie gehen sie allerdings recht unterschiedliche Wege. Oberstes Ziel ist der Erhalt des Kapitals. Entsprechend konservativ investiert die Mehrheit der Hochvermögenden. Dabei setzen die Meisten auf aktives Portfolio-Management. Unter den bevorzugten Anlageklassen spielen neben Aktien und Anleihen auch außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen, sogenannte Private-Equity-Investments, eine wichtige Rolle.

Jedes Jahr schwärmen Rechercheure aus, um zu ermitteln, wer weltweit die größten Vermögen angehäuft hat. Solche Rankings der Superreichen werden auch für einzelne Länder ermittelt. Weil Superlative seit jeher die Menschheit faszinieren, schenkt die Öffentlichkeit diesen Ranglisten hohe Aufmerksamkeit und verfolgt Auf- und Abstiege des Geldadels – zweifellos nicht ohne Neid und Häme.

Kaum bekannt ist dagegen, wie Superreiche ihre Vermögen anlegen. Viele von ihnen lassen ihr Geld von Family Offices verwalten, die sich nicht in die Karten gucken lassen. Denn Diskretion ist in diesem Gewerbe das oberste Gebot. Dem Bayerischen Finanz Zentrum (BFZ) und dem Schweizer Beratungsunternehmen Complementa gaben im vergangenen Jahr dennoch 92 Family Offices im Rahmen einer Untersuchung Einblick in ihre Anlagestrategien. 30 Prozent der Studienteilnehmer waren Single Family Offices, die das Vermögen einer einzelnen Familie betreuen. Bei den anderen 70 Prozent handelte es sich um Multi Family Offices, die zum Teil für mehr als zehn Mandanten tätig sind.

Auch der Geldadel agiert emotional

Die Ergebnisse ihrer Erhebung fassten die Marktforscher in einer anonymisierten Studie zusammen. Danach ist der Erhalt des Kapitals das oberste Ziel der Hochvermögenden. Wichtig sind ihnen zudem die Erwirtschaftung stetiger Erträge, die für den Lebensunterhalt verwendet werden können, und die Erzielung einer Rendite oberhalb der Inflationsrate. Die Superreichen streben nach positiven Erträgen in allen Marktphasen.Denn andernfalls würde der reale Wert des Vermögens, also dessen Kaufkraft, schrumpfen. Auch streben die Superreichen nach positiven Erträgen in allen Marktphasen. Relative Vergleiche mit Marktindizes, die in der Investmentbranche weit verbreitet sind, interessieren die gut Betuchten dagegen so gut wie gar nicht. Denn nach dieser Logik ist auch ein Verlust ein gutes Anlageergebnis, falls er geringer ausfällt als am Vergleichsmarkt.

Die BFZ-Complementa-Studie, die seit 2009 insgesamt vier Mal durchgeführt wurde, zeigt, dass auch Hochvermögende emotionale Menschen sind, deren Einstellung zu Risiken mit der Marktentwicklung schwankt. 2010 stuften 39 Prozent der Single Family Offices ihre Mandanten als „risikofreudig“ ein. 2015 waren es nur noch 4 Prozent. Von „spekulativen Anlagekonzepten“ und „innovativen Geschäftsideen“ mit hohen Renditechancen wollte kaum noch jemand etwas wissen. Entsprechend erwartete die Mehrheit der Family Offices im Jahr 2015 eine Rendite zwischen 0 und 5 Prozent.

Die Strategien, mit denen Family Offices die Anlageziele ihrer Klienten verfolgen, sind recht unterschiedlich. Gemeinsam ist allen, dass sie aktives Portfolio-Management betreiben, dabei aber auch passive Finanzprodukte wie börsengehandelte Indexfonds (ETF) einsetzen. In der Mehrheit der Depots finden sich die klassischen Anlageklassen Aktien, Anleihen, Immobilien und Bargeld. Auch außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen, sogenannte Private-Equity-Investments, sind weit verbreitet.

Durchschnittliche Vermögensaufteilung von Family Offices im deutschsprachigen Raum (in Prozent)

MittelwertMedianMaximalwertMinimalwert
Aktien27.1830800
Anleihen19.8820700
Immobilien15.2610800
Liquidität13.68101000
Private Equity12.9610600
Hedgefonds5.790950
Rohstoffe / Infrastruktur3.270200
Exotische Sachwerte1.650600
Andere0.320150

Quelle: BFZ-Complementa, Mai 2015.

Anders sieht es dagegen bei Hedgefonds und Rohstoffen aus. Von solchen Anlagen lässt die Mehrheit der Family Offices die Finger. Einzelne von ihnen investieren aber 95 Prozent ihres Kapitals in Hedgefonds (siehe Tabelle Maximalwert) und bis zu 20 Prozent in Rohstoffe. Auch bei exotischen Sachwerten wie Kunst, Antiquitäten, Oldtimern oder Weinen gibt es keinen Konsens. Die meisten Familienbüros ignorieren diese illiquiden Anlagen, einzelne legen jedoch bis zu 60 Prozent ihres Vermögens in diesem Segment an.

Um solche Unterschiede sichtbar zu machen, weist die BFZ-Complementa-Studie nicht nur die Extremwerte aus, sondern auch den Median. Dabei handelt es sich um einen Zentralwert, der anders als das arithmetische Mittel von Ausreißern nach oben oder unten unbeeinflusst bleibt. Der Median teilt eine Anzahl absteigender Werte in jeweils die Hälfte mit den höchsten und die mit den niedrigsten Werten. Beispielsweise bedeutet ein Median von null in der Spalte Rohstoffe, dass wenigstens die Hälfte der Family Offices nicht in diese Anlageklasse investiert hat. 2010 lagen die Dinge übrigens noch anders. Damals betrug der Median für Rohstoffe 5 Prozent.

Der Anteil von Private-Equity-Investments steigt

Hochgeschraubt haben die Family Offices dagegen ihre Engagements in Private Equity. Während 2010 im Schnitt (Median) nur 5 Prozent des Vermögens der Superreichen in direkten Unternehmensbeteiligungen steckten, waren es 2015 bereits 10 Prozent (siehe Tabelle). Family Offices konzentrieren sie sich vor allem auf schnell wachsende Unternehmen und auf Firmen mit bereits bewährten Geschäftsmodellen.In diesem Segment erwarten die Family Offices neben Aktien in den nächsten Jahren die höchsten Renditen, nämlich zwischen 10 und 20 Prozent pro Jahr. Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf schnell wachsende Unternehmen und auf Firmen mit bereits bewährten Geschäftsmodellen. Ob Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen eingegangen werden, hängt nach Angaben der befragten Familienbüros vom Einzelfall ab. Als wichtigsten Grund für ein verstärktes Engagement im Private-Equity-Bereich geben sie eine bessere Kontrolle ihrer Investments an. Anders als bei großen Aktiengesellschaften, wo kleinere Aktionäre nicht viel zu melden haben, ist es möglich, bei direkten Beteiligungen an kleineren Unternehmen Einfluss auf die Geschäftspolitik zu nehmen.

Gemessen an den Milliarden-Beträgen, die die großen internationalen Private-Equity-Gesellschaften investieren, sind die Engagements der Family Offices eher bescheiden: Pro Unternehmen rangiert das investierte Volumen zwischen einer und zehn Millionen Euro. Bei 16 Prozent der Beteiligungen fließen der BFZ-Complementa-Studie zufolge mehr als zehn Millionen Euro in die jeweiligen Unternehmen. Geeignete Kandidaten finden die Family Offices in erste Linie über das eigene Netzwerk. Beratungsfirmen und Investmentbanken spielen bei diesen Geschäften kaum eine Rolle. Für die meisten Hochvermögenden sind Private-Equity-Deals mittel- bis langfristige Investments, die sie zwischen drei und sieben Jahren oder länger halten. Meistens verkaufen sie die Beteiligung dann weiter.

Europäische Family Offices sind konservativer als US-Stiftungsfonds

Auch wenn Family Offices den Bereich Private-Equity ausgebaut haben – im Vergleich zu den Stiftungsfonds US-amerikanischer Universitäten investieren sie deutlich konservativer (siehe Tabelle unten). Dabei verfolgen beide Gruppen ähnliche Ziele: Sie müssen zum einen das Kapital erhalten und zum anderen laufende Erträge erwirtschaften. Die Aktienquote von US-Stiftungsfonds ist deutlich höher. Zudem haben Hedgefonds in ihren Portfolios ein viel höheres Gewicht. Liquidität in Form von kurzfristigen Anleihen oder Termingeldern halten sie so gut wie gar nicht. Auch bei Anleihen sind sie deutlich zurückhaltender. Dafür ist die Rohstoffquote höher und auch in sehr speziellen Anlagesegmenten wie notleidenden Krediten, die der Punkt „Andere“ zusammenfasst, sind sie deutlich aktiver.

Vermögensaufteilung US-Stiftungsfonds und deutschsprachige Family Offices im Vergleich

Family OfficesStiftungsfonds US-Universitäten*Differenz
Aktien27.1835-7.82
Anleihen19.88910.88
Immobilien15.2669.26
Liquidität13.68310.68
Private Equity12.9615-2.04
Hedgefonds5.7920-14.21
Rohstoffe / Infrastruktur3.276-2.73
Exotische Sachwerte1.6501.65
Andere0.326-5.68

*US-Dollar-gewichtet

Quellen: BFZ-Complementa, Mai 2015, Nacubo - Commonfund Study of Endowments, Januar 2016.

Kostenloser Newsletter

Sollen wir Sie über das Thema Geldanlage auf dem Laufenden halten? Dann melden Sie sich für unseren monatlich erscheinenden Newsletter an.

Sie können diese kostenlosen Informationen jederzeit abbestellen und der Verwendung Ihrer Daten für Werbezwecke widersprechen.