An der Frage, ob aktives Fondsmanagement sinnvoll ist, scheiden sich die Geister. Immerhin belegen zahlreiche Studien, dass die allermeisten Aktienfonds über lange Zeiträume schlechter abschneiden als der Marktdurchschnitt beziehungsweise als die Benchmark, an der sie sich messen. Was liegt für Anleger also näher, als auf teure aktiv gemanagte Fonds zu verzichten und stattdessen in kostengünstige Indexfonds (ETF) zu investieren?

Trotzdem gibt es auch gute Argumente für aktive Aktienfonds. So können Fondsmanager durch ihre Anlageentscheidungen Risiken reduzieren, ein spezielles Subsegment abdecken oder in besonderen Marktphasen einen klar definierten Zweck in einem diversifizierten Portfolio erfüllen. Doch für Privatanleger ist es schwer, diese Fonds zu identifizieren. Und falls es ihnen tatsächlich gelingt, sie ausfindig zu machen, stehen sie vor der Herausforderung, den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen, wann es besser ist, sich wieder von ihnen zu trennen.

Fakt ist: Für aktive Aktienfonds haben Für aktive Aktienfonds haben viele Anleger jahrelang hohe Gebühren bezahlt, ohne dafür einen Mehrwert im Vergleich zu ETF zu bekommen. viele Anleger jahrelang hohe Gebühren bezahlt, ohne dafür einen Mehrwert im Vergleich zu ETF zu bekommen. Viele Fonds, die sich aktiv nennen, weichen in ihren Anlageentscheidungen so wenig von ihrer Benchmark ab, dass sie rechnerisch gar keine Chance haben, ihre Benchmark zu schlagen. Aus diesen Gründen sind aktive Aktienfonds in der Regel nur für Anleger geeignet, die ihr Portfolio von Profis steuern lassen. Denn Experten, die den Überblick haben, können beurteilen, in welchen Phasen es sich lohnen kann, bestimmte aktive Aktienfonds im Portfolio zu haben.

Bei Anleihenfonds sieht vieles ganz anders aus

Zu einem ganzheitlichen Anlagekonzept gehören jedoch nicht nur Aktien, sondern auch andere, weniger schwankungsreiche Anlageklassen wie Anleihen oder auch defensive Hedgefonds.

Bei Anleihefonds sehen die Erfahrungen ganz anders aus als bei Aktienfonds. So zeigen Untersuchungen, dass bei aktiven Anleihefonds Überrenditen gegenüber dem Marktdurchschnitt auch langfristig möglich sind. Laut dem Finanzinformationsdienst Morningstar haben zum Beispiel in den vergangenen zehn Jahren die meisten Anleihenfondsmanager bei US-Anleihen mittlerer Laufzeit den Marktdurchschnitt schlagen.

Anleihen: anders konstruiert als Aktien

Denn Anleihen sind anders konstruiert als Aktien. Ein wichtiger Unterschied: Ihre Kursentwicklung lässt sich zuverlässiger prognostizieren. Sofern der Emittent nicht in Schwierigkeiten gerät, ist der Kursverlauf eng mit der allgemeinen Zinsentwicklung verknüpft. Steigen die Zinsen, sinkt der Kurs der Anleihe, weil neue Anleihen dann attraktiver werden – sinken dagegen die Zinsen, steigt im Umkehrschluss der Kurs der Anleihe. Zudem nähern sich Anleihenkurse gegen Ende ihrer Laufzeit ihrem Nennwert, also in der Regel 100 Euro. Denn zur Rückzahlung dieses Betrages hat sich der Emittent zum Laufzeitende verpflichtet. Mit diesen Konstanten können Anleihen-Fondsmanager also rechnen.

Ein weiterer Unterschied zu Aktien: Führen Unternehmen eine Kapitalerhöhung durch und bringen neue Aktien auf den Markt, kann das den Aktienkurs erheblich unter Druck setzen. Investoren sehen in der Begebung neuer Anleihen im Allgemeinen ein Signal, dass das Unternehmen seine Investitionen ankurbeln möchte. Denn Investoren sehen eine Kapitalerhöhung häufig als ein negatives Zeichen. Sie werden misstrauisch, weil sie kein Verständnis dafür haben, dass das bisherige Kapital nicht ausreicht. Zudem verteilt sich der Gewinn des Unternehmens dann auf eine größere Zahl von Aktien. Der Gewinn pro Aktie reduziert sich also. Bei Anleihen gibt es diesen Zusammenhang nicht: Investoren sehen in der Begebung neuer Anleihen im Allgemeinen ein Signal, dass das Unternehmen seine Investitionen ankurbeln möchte. Auch wirkt sich eine höhere Zahl an Anleihen nicht negativ für die Altgläubiger aus. Sofern das Unternehmen nicht zahlungsunfähig wird, bleiben ihre Zinserträge identisch und sie können sich weiterhin darauf verlassen, ihre Einlage am Laufzeitende zurückbezahlt zu bekommen.

Vorteile für Anleihenfondsmanager

Hinzu kommt bei Anleihen, dass Anleger mit ihnen üblicherweise andere Ziele verfolgen als mit Aktien. So kaufen beispielsweise Zentralbanken ausländische Anleihen, um die Wechselkurse zu stabilisieren. Auch viele Geschäftsbanken und institutionelle Anleger wie Versicherungen investieren, trotz aktuell sehr niedriger Renditen, im großen Stil in Anleihen und meiden weitgehend Aktien, um bilanzielle Anforderungen zu erfüllen und um keine Herabstufung durch Ratingagenturen zu riskieren. Das bedeutet: Diese Investoren sorgen dafür, dass es auch in Zeiten extrem niedriger Zinsen stets Nachfrage nach Anleihen gibt, selbst wenn die Renditen dann sehr mager oder in manchen Fällen sogar negativ sind. In Zeiten sehr hoher Zinsen wiederum werden Anleihen auch für die breite Masse der Anleger so attraktiv, dass die Nachfrage nach ihnen massiv steigt, wodurch wiederum der Zinsanstieg gebremst wird. Außerdem kaufen die Zentralbanken weltweit seit der Finanzkrise Anleihen mit dem Ziel, die Zinsen zu drücken. Der vorhersehbare Effekt auf Anleihen waren steigende Kurse. All das trägt dazu bei, die Kursentwicklung von Anleihen berechenbar zu machen. Aus alledem lässt sich der Schluss ziehen: Ein Anleihencrash ist auch in außergewöhnlichen Zeiten sehr viel unwahrscheinlicher als ein Aktiencrash. Auch darauf können die Fondsmanager bauen.

Einen Vorteil gegenüber Privatanlegern haben institutionelle Anleger wie zum Beispiel aktive Fonds auch bei Neuemissionen von Anleihen. Denn die mit der Emission der neuen Anleihen betrauten Investmentbanken bedienen Großanleger in der Regel zu günstigeren Kursen als Kleinanleger – weil schlicht die Masse zählt. Dieser Preisvorteil im Einkauf wirkt sich positiv auf die Performance aus und trägt dazu bei, dass Anleihenfondsmanager den Marktdurchschnitt leichter schlagen können.

Aktienfondsmanager haben diesen Vorteil nicht: Bei einem Börsengang ist der Ausgabekurs in der Regel für alle Anleger identisch. In bestimmten Fällen, wie beim Telekom-Börsengang 1996, erhalten Kleinanleger aus politischen Gründen sogar einen kleinen Abschlag.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten für aktive Anleihenfondsmanager, ihre Performance positiv zu beeinflussen – so zum Beispiel durch den geschickten Einsatz von Derivaten oder durch das Erkennen von fehlbewerteten Risikoprämien aufgrund von politischen oder regulatorischen Faktoren.

Aktive Aktienfonds nur mit seriösen Profis im Hintergrund

Zusammenfassend kann man also feststellen: Wer seine Geldanlagen von seriösen Profis steuern lässt, kann durchaus auf günstige aktive Fonds setzen. Sowohl im Aktienbereich als auch im Anleihenbereich stehen die Chancen für den Anleger gut, dass er trotz mit einem Fonds verbundenen höheren Kosten am Ende höhere Erträge erzielt als mit einem Depot, das ausschließlich aus passiven Indexfonds (ETF) besteht.

Anleger, die sich selbst um ihr Portfolio kümmern, sollten aktive Aktienfonds dagegen meiden. Im Anleihenbereich können sie aber durchaus bewährte aktive Fonds statt Indexfonds wählen, wenn sie bereit sind, sich ein wenig Mühe bei der Suche nach den richtigen Fonds zu geben.

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