Portfolio-Diversifikation

Die richtige Mischung macht's

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LIQID Investments GmbH

Anleger investieren bevorzugt in Aktien ihres Heimatlandes. Das belegen zahlreiche Studien. Die Konzentration auf einen Markt führt aber auf lange Sicht zu schlechteren Anlageergebnissen. Ein global diversifiziertes Portfolio liefert aller Erfahrung nach höhere Renditen bei gleichzeitig geringeren Wertschwankungen.

Die regionale Ausrichtung von Aktienportfolios ist von erheblicher Bedeutung für den Anlageerfolg. So lag allein im 1. Quartal 2016 zwischen der Wertentwicklung des besten Aktienmarkts (Brasilien: +23 Prozent) und dem schlechtesten (Venezuela: -40 Prozent) ein Abstand von über 60 Prozentpunkten aus Sicht eines Euro-Anlegers. Auch an den Börsen der entwickelten Staaten können sich beträchtliche Unterschiede ergeben, wie beispielsweise seit einigen Jahren innerhalb Europas zu beobachten ist. Die regionale Verteilung des Vermögens entscheidet also ganz wesentlich über Erfolg und Misserfolg der Anlagestrategie.

Doch viele Anleger verzichten auf eine breite Streuung ihres Vermögens und investieren bevorzugt in den heimischen Aktienmarkt. Diese unbewussten Neigung nennen Wissenschaftler den sogenannten Home Bias. Er wurde von einem Zweig der Finanzmarktforschung, der sich mit Wahrnehmungsverzerrungen beschäftigt, bereits 1991 nachgewiesen. Nach Meinung der Wissenschaftler ist die Bevorzugung des Heimatmarkts durch den Unterschied zwischen wahrgenommenen und tatsächlichen Risiken zu erklären. So führt die Angst vor dem Unbekannten dazu, dass das Risiko von Anlagen an fremden Märkten höher eingeschätzt wird. Der Heimatmarkt wird dagegen als weniger riskant angesehen, weil man ihn besonders gut zu kennen glaubt.

Die Bevorzugung des Heimatmarktes ist nachteilig

Allerdings wird das besondere Vertrauen in den Heimatmarkt nicht belohnt, im Gegenteil. Anleger, die Aktien aus dem eigenen Land bevorzugen, fahren damit auf lange Sicht schlechter, als wenn sie ihre Strategie breit auf die internationalen Börsen ausrichten. Das veranschaulicht folgendes Beispiel:
Drei Investoren, davon einer in Amerika, einer in Deutschland und einer in Japan, sind davon überzeugt, dass Aktien langfristig die aussichtsreichste Anlageform darstellen. Sie verfügen über die nötige Toleranz gegenüber Kursschwankungen und einen langen Anlagehorizont. Entsprechend investieren sie ihr gesamtes Vermögen breit gestreut am Aktienmarkt ihres Heimatlandes und bleiben dort in guten wie in schlechten Zeiten investiert, ohne weitere Anpassungen vorzunehmen. Interessant sind nun drei Fragen:

  1. Welcher Investor hat mit der auf den Heimatmarkt beschränkten Strategie das beste Resultat erzielt?

  2. Wie sehen die Ergebnisse für jeden der drei Investoren aus, wenn sie statt in heimische Aktien in andere Märkte investiert hätten?

  3. Wie schneidet eine Strategie ab, bei der das Vermögen zu gleichen Teilen auf den deutschen, japanischen und US-Markt verteilt und diese Aufteilung vierteljährlich wiederhergestellt wird (Rebalancierung)?

Legt man als Startdatum den 31. Dezember 1969 zugrunde, hätte der US-Investor das beste Ergebnis erzielt. So wären aus einer Investition von 100 Dollar am breiten US-Aktienmarkt bei Wiederanlage der Dividenden bis 31. März 2016 eindrucksvolle 8.027 Dollar geworden. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 9,9 Prozent. Der deutsche Investor hätte aus einem Startbetrag von 100 D-Mark insgesamt 3.114 D-Mark oder 1.592 Euro gemacht, dies sind im Schnitt immerhin 7,7 Prozent pro Jahr. Den letzten Platz hätte der japanische Investor belegt: Aus seinen 100 Yen wären lediglich 1.695 Yen geworden, was einer jährlichen Rendite von 6,3 Prozent entspricht.

Währungseffekte bei internationalen Anlagen

Diese Ergebnisse bedeuten aber nicht automatisch, dass der US-Markt für jeden der drei Anleger der lukrativste gewesen wäre. Denn bei internationalen Investitionen muss auch noch der Einfluss von Wechselkursschwankungen berücksichtigt werden. Betrachtet man die Entwicklung der Devisenmärkte, erkennt man rasch: im Zeitraum seit 1970 hat der Dollar gegenüber Yen und DM (bzw. Euro) spürbar abgewertet. Die überdurchschnittlichen Kursgewinne der Anlagen am US-Markt wären aus Sicht deutscher und japanischer Anleger also durch wechselkursbedingte Verluste gemindert worden. Nichtsdestotrotz wäre unter dem Strich für jeden der drei Anleger der US-Aktienmarkt die beste Wahl gewesen (Stand: 8. April 2016). Umgekehrt hätte der US-Anleger bei vollständiger Anlage in Deutschland oder Japan zusätzlich Wechselkursgewinne erzielt. Die reichten allerdings nicht aus, um besser zu fahren als bei Anlage am heimischen Markt. Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse zusammen:

Renditen von In- und Auslandsanlagen im Vergleich

Japanischer AnlegerDeutscher AnlegerUS-Anleger
Jährliche Rendite bei Einmalanlage in…
den USA7,4 %8,3 %9,9 %
Deutschland6,8 %7,7 %9,4 %
Japan6,3 %7,2 %8,9 %

Quelle: MSCI Total-Return-Indizes, HQ Trust-Berechnung.

Bestes Ergebnis bei globaler Diversifizierung

Dennoch wäre es voreilig, aus diesen Resultaten den Schluss zu ziehen, dass die vollständige Anlage in den USA bei der gegebenen Auswahl an Regionen die beste aller möglichen Strategien gewesen wäre. Denn ein Portfolio, das zu je einem Drittel aus deutschen, japanischen und US-Aktien besteht (bei quartalsweiser Wiederherstellung der Ausgangsgewichtung) hätte für jeden der drei Investoren das beste Ergebnis gebracht, wie folgende Grafiken zeigen:

Entwicklung von 100 D-Mark

Quellen: MSCI Total-Return-Indizes, HQ Trust Berechnung, Stand: 8. April 2016.

Entwicklung von 100 Yen

Quellen: MSCI Total-Return-Indizes, HQ Trust-Berechnung, Stand: 8. April 2016.

Entwicklung von 100 US-Dollar

MSCI Total-Return-Indizes, HQ Trust-Berechnung, Stand 8. April 2016.

Den Endbeträgen von 4.455 D-Mark, 3.030 Yen und 9.075 Dollar entsprechen jährliche Renditen von 8,6 Prozent, 7,7 Prozent und 10,2 Prozent. Der erfreuliche Nebeneffekt dabei: Diese Ergebnisse wären in fast jedem Fall mit geringeren Schwankungen verbunden gewesen als bei Anlagen in nur einem Land. Auch liegt die Kurve, welche die Entwicklung des diversifizierten Portfolios zeigt, fast immer über den Kurven, die die Anlagen in jeweils einem Land repräsentieren (nur während der japanischen Spekulationsblase der späten 1980er Jahre war dies nicht der Fall).

Ein langer Atem wird belohnt

Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass Anleger von der Methode der globalen Diversifizierung oft keinen Gebrauch machen. Neben der bereits erwähnten Bevorzugung des Heimatmarkts könnte ein weiterer Grund darin liegen, dass in der Vergangenheit nur geduldige Anleger von einer solchen Strategie profitierten. Denn die Strategie einer anteiligen Abdeckung aller Märkte MUSS natürlich in jedem einzelnen Jahr schlechter sein als der jeweils beste Markt. Die regional diversifizierte Strategie war dennoch langfristig einer auf den Heimatmarkt beschränkten Anlage überlegen – unabhängig davon, ob ein Investor in Japan, Deutschland oder den USA ansässig ist. Der folgende Vergleich der mit den jeweiligen Strategien erzielbaren Endbeträge macht dies noch einmal deutlich:

Was aus 100 Geldeinheiten in jeweils lokaler Währung wurde

Quellen: MSCI Total-Return-Indizes, HQ Trust-Berechnung, Stand: 8. April 2016.

Zentrale Rolle der Diversifikation bei HQ Trust und Liqid

Die von HQ Trust für Liqid realisierte Portfolio-Konstruktion geht in der Praxis weit über die hier gezeigte Drei-Länder-Strategie hinaus. Aktuell ist das am breitesten diversifizierte Liqid-Portfolio weltweit in über 50 Ländern investiert, und dort jeweils in unterschiedliche Strategien und Manager. Zusätzlich berücksichtigt HQ Trust Marktbewertungs-Niveaus bei den Anlageentscheidungen, wodurch die Ertragschancen noch weiter verbessert werden. Dennoch zeigt bereits dieses einfache Beispiel, dass bei einem langen Anlagehorizont ein international diversifiziertes Portfolio nach bisheriger Erfahrung die beste Wahl darstellt. Wer dagegen aus falsch verstandener Heimatliebe den inländischen Markt bevorzugt, nimmt auf lange Sicht geringere Erträge und höhere Schwankungen in Kauf.

Allerdings sollte Anlegern immer bewusst sein, dass der gezeigte Zusammenhang auch von dem Startzeitpunkt der Analyse abhängt. Diversifizierte Portfolios brachten in der Vergangenheit NICHT immer den höchsten Ertrag, wenn am Ausgangspunkt der Untersuchung ein wesentlicher Teil der Märkte stark über- oder unterbewertet war. In den späten 1980er-Jahren war das zum Beispiel in Japan der Fall. Auch über kürzere Perioden von weniger als etwa 10 Jahren können globale Portfolios schlechter abschneiden als weniger gut diversifizierte Strategien.

Dessen ungeachtet sollten Anleger aber nicht vergessen, dass der beste aller möglichen Märkte vor der Investition generell unbekannt ist. Ebenso der schlechteste. Durch Diversifikation wird die Wahrscheinlichkeit eines wirklich schlechten Resultates (was ja auch auf den Heimatmarkt zutreffen könnte) drastisch reduziert. Zudem kann die Aktienquote angehoben werden, ohne größere Risiken einzugehen, weil die Schwankungsintensität in einem breit diversifizierten Portfolio geringer ist.

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