Viele Anleger halten nichts von Hedgefonds, schließlich eilt der Anlageklasse ein zweifelhafter Ruf voraus. Richtig eingesetzt, können solche Vehikel im Portfolio aber wertvolle Dienste leisten – vorausgesetzt, man wählt den richtigen Hedgefonds aus.

Zockerei, Millionengehälter und windige Versprechen: Bei Hedgefonds denken viele Anleger erst einmal an hoch riskante Fonds, die mit Hebel waghalsige Spekulationen eingehen. Ganz unberechtigt ist dieser Ruf nicht: Zuletzt hatten sich mehrere Fonds mit einer Wette auf Aktienkursverluste des im TecDax notierten Zahlungsdienstleisters Wirecard verhoben. Auch viele so genannte Absolute-Return-Fonds, die ähnlich wie Hedgefonds danach streben, Marktzyklen zu trotzen und in jeder Lage Erträge zu liefern, erreichen ihre hoch gesteckten Ziele oftmals nicht: „In der Praxis ist die Enttäuschung deshalb bei vielen Anlegern groß“, sagt Valentin Bohländer, Experte für Hedgefonds bei der mit LIQID kooperierenden Vermögensverwaltung HQ Wegen der niedrigen Zinsen sind viele Portfolios derzeit sehr aktienlastig. Hedgefonds können den diversifizierenden Part übernehmen, den früher Renten innehatten. Trust. Aber: Trotz der regelmäßigen Negativ-Schlagzeilen hält Bohländer die Anlageklasse für unverzichtbar, wenn Anleger eine ausgewogene Mischung im Depot erzielen wollen. „Wegen der niedrigen Zinsen sind viele Portfolios derzeit sehr aktienlastig. Hedgefonds können den diversifizierenden Part übernehmen, den früher Renten innehatten. Man muss bei der Auswahl der Fonds allerdings sehr genau hinschauen.“

Denn das Investment-Universum ist groß, weltweit stehen Anlegern rund 10 000 Hedgefonds zur Wahl. Der Begriff umfasst völlig unterschiedliche Strategien: Der auf solche Fonds spezialisierte Datenanbieter HFR zählt allein rund 60 Unterkategorien. Aus Sicht von Vermögensverwalter Bohländer haben allerdings maximal 10 bis 20 Prozent der Fondsmanager überhaupt ein attraktives Konzept. „Uns interessieren nur langfristig tragfähige Strategien, die auf Sicht von fünf bis zehn Jahren ausgerichtet sind“, sagt Bohländer.

Der richtige Einsatz von Hedgefonds

Wichtig ist für den erfolgreichen Einsatz von Hedgefonds aus Sicht des Experten zweierlei: Erstens muss die strategische Ausrichtung eines Hedgefonds zum Portfolio des Anlegers passen. Zweitens ist die Auswahl der jeweiligen Fonds deutlich anspruchsvoller und zugleich erfolgsentscheidender für die erzielte Rendite als bei klassischen Aktienfonds. Denn die Unterschiede der Risikoprofile bei guten und schlechten Fonds sind enorm. Jedes Jahr verschwinden hunderte von Hedgefonds wegen Erfolglosigkeit in der Versenkung, allein im Jahr 2015 musste weltweit fast jeder zehnte Hedgefonds dicht machen. „Der Durchschnitt der Fonds ist entsprechend wenig beeindruckend“, sagt Bohländer. „Man muss schon die richtigen Produkte aussuchen.“ Allerdings sind wichtige Daten wie die Fondsrendite häufig nur schwer zugänglich und Vergleiche zwischen einzelnen Produkten schwierig. Denn viele Hedgefonds sind nicht als Publikumsfonds zugelassen und damit auch nicht verpflichtet, ihre Kennzahlen offenzulegen. test

Flexibles Investment in jeder Marktphase

Für die Vermögensverwalter von HQ-Trust lohnt sich der Aufwand: „Hedgefonds sind fürs Gesamtportfolio interessant, weil sie in allen Marktphasen erfolgreich sein können und Anlegern bei der Diversifikation ihres Portfolios helfen“, sagt Kim Felix Fomm, Leiter Portfoliomanagement bei LIQID. Das Standard-Portfolio mit 60 Prozent Aktienanteil investiert aktuell rund 15 Prozent des Vermögens in Hedgefonds. Derzeit stehen vor allem so genannte Makro-Strategien hoch im Kurs, die in sämtliche Anlageklassen wie Aktien, Renten, Rohstoffe und Währungen investieren und dort jeweils auf steigende und fallende Kurse setzen können. Ende vergangenen Jahres haben entsprechende Fonds zum Beispiel von den anziehenden Zinsen in den USA profitiert: Weil viele Marktakteure mit einer steigenden Inflation in den USA und weiteren Zinsschritten der amerikanischen Hedgefonds können verschiedene Anlageklassen kombinieren, sodass diese sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln und starke und schwache Phasen ausgleichen. Notenbank rechnen, sanken die Kurse von US-Staatsanleihen. Manager von klassischen Renten- oder Multi-Asset-Fonds können in solchen Phasen nur eines tun: Anleihen verkaufen und sich nach anderen Investments umschauen. Das Beispiel Makro-Strategien zeigt: Die Manager von Hedgefonds können in jeder Marktphase investieren, wenn sie von einer bestimmten Entwicklung überzeugt sind. „Das ist ein großer Vorteil gegenüber klassischen Investmentfonds“, sagt Fomm. Weiterer Pluspunkt: Hedgefonds können verschiedene Anlageklassen kombinieren, sodass diese sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln und starke und schwache Phasen ausgleichen. Und punkten damit unterm Strich gerade in Zeiten niedriger Zinsen mit ihrem flexiblen Investment, das ähnlich wie Rentenfonds regelmäßig Erträge bei geringen Kursschwankungen erwirtschaftet, aber eben unabhängig vom Zinsniveau.

Hedgefonds-Strategien und Risikomanagement

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Korrelation von Bohländers aktuellem Hedgefonds-Portfolio zum Welt-Aktienindex Das Portfolio erwirtschaftet seine Rendite unabhängig von den Kursschwankungen bei Aktien und Anleihen. Und eignet sich damit gut zum Beimischen und Diversifizieren. MSCI World und zu wichtigen Rentenmärkten liegt seit Auflegung vor vier Jahren bei nahe Null, hat sich aber gleichzeitig jedes Jahr positiv entwickelt. Heißt: Das Portfolio erwirtschaftet seine Rendite unabhängig von den Kursschwankungen bei Aktien und Anleihen. Und eignet sich damit gut zum Beimischen und Diversifizieren.

Der Vermögensverwalter investiert zudem in weitere Hedgefonds-Strategien, um das Gesamtportfolio zu diversifizieren. Dazu zählen zum Beispiel die so genannte Distressed Strategie, bei der Fondsmanager in Anleihen insolventer Unternehmen investieren, die nach panikartigen Verkäufen vieler Investoren häufig fehlbewertet sind. Hinzu kommen so genannte marktneutrale Aktienstrategien. Sie investieren einerseits wie klassische Fonds, um von steigenden Kursen zu profitieren. Allerdings tätigen die Manager zusätzlich Leerverkäufe von Aktien, die sie für überbewertet halten, und bei denen sie im Falle einer Marktkorrektur besonders starke Kursverluste erwarten. Im Ergebnis wirkt diese Strategie als Puffer, die die potenziellen Verluste des Fonds verringern. Bei steigenden Kursen fährt eine solche Strategie tendenziell weniger Gewinn als ein klassischer Aktienfonds ein. Im Moment sei dieser Ansatz für viele Anleger besonders sinnvoll, erklärt Bohländer: „Auf diesem Weg lassen sich Risiken begrenzen, die aus den hohen Aktien-Quoten in vielen Depots entstehen.“

Fazit: Die passenden Hedgefonds fürs eigene Portfolio zu finden, ist mit hohem Aufwand verbunden. Doch der kann lohnen, weil Hedgefondsstrategien gerade in Zeiten niedriger Zinsen zur Diversifikation von Portfolios beitragen.

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