Viele Anleger, die sich selbst um ihr Depot kümmern, neigen dazu, ihre Wertpapiere häufig umzuschichten. Studien zufolge ist das allerdings wenig erfolgversprechend. Denn oft handeln Privatanleger, die hektisch kaufen oder verkaufen, zu ungünstigen Zeitpunkten. Hinzu kommt: Anleger verursachen durch die vielen Umschichtungen eine Menge Kosten, die ihre Performance zusätzlich belasten.

Es ist wahrscheinlich die berühmteste Börsenweisheit: „Hin und her macht Taschen leer.“ Will heißen: Wer sein Depot häufig umschichtet, dessen Vermögen verliert auf Dauer laufend an Wert. Doch was ist dran an dieser Weisheit? Hält sie einer Überprüfung in der Realität stand? Und fahren Anleger mit einer Buy-and-Hold-Strategie, bei der sie Aktien kaufen und sie dann einfach jahrelang liegen lassen, tatsächlich dauerhaft besser?

Verhängnisvolle Stop-Loss-Order

Ein klassisches Reaktionsmuster von Anlegern ist es zum Beispiel, Aktien nach einem Kursrückschlag sofort zu verkaufen. Oft erteilen sie zu diesem Zweck schon prophylaktisch eine Stop-loss-order: Hier wird eine Aktie automatisch verkauft, Privatanleger in den USA brachten es im Durchschnitt in den vergangenen 20 Jahren auf eine jährliche Rendite von 4,79 Prozent. Anleger jedoch, die ihr Geld einfach 20 Jahre lang in den S&P 500 investierten hätten, wären auf eine von Rendite 7,68 Prozent gekommen. wenn sie unter einen bestimmten Kurs rutscht. Doch damit erleiden Anleger häufig Schiffbruch. Denn oft erholen sich die Kurse schnell wieder. Dann aber sind diese Anleger beim nachfolgenden Aufschwung nicht mehr dabei. Hätten sie ihre Aktien einfach behalten, wären sie in vielen Fällen deutlich besser gefahren. Solche typischen Fehler haben laut dem renommierten US-amerikanischen Finanz-Research-Unternehmen Dalbar dazu geführt, dass Privatanleger in den USA im Durchschnitt in den vergangenen 20 Jahren deutlich schlechter abgeschnitten haben als der breite Markt. Demnach brachte es ein durchschnittliches Privatanleger-Depot mit 100.000 Dollar Startkapital zwischen 1996 und 2016 auf eine jährliche Rendite von 4,79 Prozent. Am Ende betrug das Vermögen knapp 255.000 Dollar. Nicht schlecht, möchte man meinen. Doch hätte der Anleger sein Geld einfach 20 Jahre lang in den maßgeblichen US-Aktienindex investiert, den S&P 500, und nichts weiter unternommen, hätte seine Rendite 7,68 Prozent betragen. Sein Vermögen wäre auf beeindruckende 439.000 Dollar angewachsen. [1]

Vor allem bei niedrigen Kursschwankungen lohnen sich Umschichtungen nicht

Eine großangelegte deutsche Studie[3] zur Auswirkung der Transaktionshäufigkeit auf die Rendite kommt zu einem etwas anderen Ergebnis: Demnach gebe es bestimmte Situationen, in denen sich das Umschichten tatsächlich lohne. Diese Aussage ist allerdings mit Vorsicht zu genießen.

Denn Auftraggeber der Studie waren die vier Direktbanken Comdirect, Consors, DAB und ING-DiBA: Diese Banken verdienen in erster Linie an den Provisionen, die ihre Kunden für Wertpapierkäufe- und Verkäufe zahlen. Sie sind also naturgemäß an häufigen Umschichtungen in den Kundendepots interessiert. Dennoch sind die Ergebnisse interessant und liefern einige Aufschlüsse. Untersuchungszeitraum waren die Jahre 2013 und 2014. Analysiert wurden 1,6 Millionen Privatkundendepots der beteiligten Direktbanken.

Für das Jahr 2013 bestätigt auch diese interessengeleitete Studie tatsächlich die Börsenweisheit: Die Privatanleger, die im Laufe des Jahres nur eine oder zwei Wertpapiertransaktionen durchgeführt hätten, hätten sich über eine durchschnittliche Performance ihres Depots in Höhe von rund 12 Prozent freuen können. Die Depotinhaber, die 2013 aktiver gewesen seien, hätten dagegen im Schnitt bei Performancewerten zwischen 10 und 11 Prozent gelegen. Je mehr ein Anleger gehandelt habe, desto niedriger sei im Durchschnitt seine Performance ausgefallen.

Der gegenteilige Effekt hingegen sei allerdings im Börsenjahr 2014 aufgetreten. Kunden, die in dem Jahr nicht gehandelt hätten, hätten eine Rendite von lediglich zwei Prozent erzielt. Anleger mit mindestens einer Transaktion hätten dagegen ein Plus von rund fünf Prozent verzeichnet.

Grund für die unterschiedlichen Effekte in beiden Jahren: 2013 gab es an den Aktienmärkten nur relativ wenig Bewegung, 2014 kam es dagegen zu größeren Schwankungen. Schlussfolgerung der Studienautoren: „Die Auswertung zeigt: In den Jahren, die von größeren Schwankungen an den Märkten geprägt sind, kann es sinnvoll sein, Positionen im Depot zu ändern. Ein gut überlegtes „Hin und her“ macht in solchen Jahren die Taschen sogar voll. In eher ruhigen, von einer wenig volatilen Aufwärtsbewegung geprägten Börsenjahren wie 2013 ist dagegen eine Strategie der ruhigen Hand tatsächlich von Vorteil.“

Da diese Studie bereits Anleger mit einer einzigen Transaktion pro Jahr in die Kategorie der Trader einstuft, die ihr Depot umgeschichtet haben, kann man davon ausgehen, dass das Ergebnis so hingebogen wurde, dass es den Direktbanken ins Konzept passt. Eine differenziertere Darstellung nach Häufigkeit der Umschichtungen hätte nämlich vermutlich ergeben, dass die durchschnittliche Rendite der Depots mit steigender Zahl an Transaktionen abnimmt.[2]

Vom Steuerstundungseffekt profitieren

Fakt ist: Jede Transaktion kostet den Kunden Geld. Er zahlt eine Provision an seine Bank und darüber hinaus eine Gebühr für den Handelsplatz, über den die Order abgewickelt wird. Hinzu kommt ein weiterer renditeschmälernder Aspekt, den die wenigsten Anleger, die gerne und häufig ihr Depot umschichten, auf ihrer Rechnung haben dürften: Jedes Mal, wenn ein Anleger ein Wertpapier verkauft, fallen für die Kursgewinne, die er damit seit dem Kauf erzielt hat, 25 Prozent Abgeltungssteuer an. Außerdem fällt bei börsengehandelten Wertpapieren eine Geld-Brief-Spanne an. Das wirkt sich negativ auf seine Rendite aus. Hinzu kommt ein weiterer renditeschmälernder Aspekt, den die wenigsten Anleger, die gerne und häufig ihr Depot umschichten, auf ihrer Rechnung haben dürften: Jedes Mal, wenn ein Anleger ein Wertpapier verkauft, fallen für die Kursgewinne, die er damit seit dem Kauf erzielt hat, 25 Prozent Abgeltungssteuer an. Rechnet man noch den Solidaritätszuschlag hinzu und die Kirchensteuer, die gegebenenfalls dazu kommt, beträgt die Abgeltungssteuer sogar rund 28 Prozent. Der Erlös, den er neu anlegen kann, reduziert sich also um die abgezogene Abgeltungssteuer. Jedes Mal, wenn er Papiere verkauft und andere Papiere dafür erwirbt, wiederholt sich dieses Spielchen.

Fährt der Anleger dagegen eine sogenannte Buy-and-Hold-Strategie, bei der er die einmal gekauften Wertpapiere viele Jahre lang im Depot hält, profitiert er von einem Steuerstundungseffekt. Sein volles Kapital bleibt angelegt und kann dadurch höhere Erträge abwerfen, auch wenn man unterstellt, dass die Rendite, die er mit seinen Anlagen erzielt, die gleiche ist, die er erwirtschaftet hätte, wenn er sein Depot ständig umgeschichtet hätte. Abgeltungssteuer auf die gesamten Kurszuwächse fällt nämlich erst an, wenn der Anleger die Papiere nach vielen Jahren verkauft. Weil sich das Geld aber zuvor jahrelang vermehren konnte, ohne dass steuerliche Abzüge vorgenommen wurden, ist das Gesamtvermögen für den Anleger am Ende höher.

Nicht dogmatisch an Wertpapieren festhalten

Fazit: Geduld zahlt sich bei der Aktienanlage langfristig aus und ist auf Dauer die bessere Strategie, als laufend sein Depot hektisch umzuschichten. Dennoch ist auch ein stures Festhalten an der Buy-and-Hold-Strategie nicht das Ei des Kolumbus bei der Geldanlage. In bestimmten Situationen kann es auch einmal sinnvoll sein, sich von einem Wertpapier zu trennen, wenn sich zum Beispiel die Perspektiven für dieses Papier eingetrübt haben. Das kann nicht nur mit Aktien passieren, sondern zum Beispiel auch mit Fonds. Anleger, denen es zu mühsam ist oder die nicht die Zeit haben, sich darum zu kümmern, ihr Depot ständig auf den Prüfstand zu stellen, sollten sich an einen Experten wenden, wie zum Beispiel einen digitalen Vermögensverwalter.


  1. [1] American Funds: A Buy-and Hold Strategy Can Serve Investors Well. (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [2] Extra Magazin: Hin und her macht Taschen leer? (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [3] Broker-Test: Deutschlands größte Direktbankstudie: Macht ein "Hin und Her" wirklich die Taschen leer? (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)

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