Ein Beitrag aus unserer Reihe Im Gespräch.

Wie sollte man sich angesichts des Rekordhochs an den Aktienmärkten jetzt verhalten? Summit-Redakteur Sebastian Wolff versetzt sich in die Haut eines fiktiven hin- und hergerissenen Anlegers. Kim Felix Fomm, der bei LIQID gemeinsam mit HQ Trust, dem Multi Family Office der Familie Harald Quandt, für die Anlagestrategien zuständig ist, weiß Rat.


ANLEGER: Es ist wirklich ärgerlich: Seit acht Jahren boomt die Börse, und ich habe nur einen kleinen Teil meines Geldes investiert. Aber jetzt ist es zu spät. Dax und Dow stehen praktisch auf Rekordniveau. Nach so einem Anstieg kommt bestimmt bald ein Einbruch. Ich glaube, ich verkaufe alles.

FOMM: Das würde ich mir gut überlegen.

ANLEGER: Warum denn? Nach einem reinigenden Gewitter an der Börse steige ich später zu tieferen Kursen wieder ein. Das ist doch ein kluger Schachzug.

FOMM: Wenn das so einfach wäre! Nur den allerwenigsten Anlegern gelingt es, den genau richtigen Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg zu finden. Und wenn es gelingt, dann eher zufällig: Es ist etwa wie einen Sechser im Lotto zu haben. Mit anderen Worten: Es ist praktisch unmöglich.

ANLEGER: Sie glauben also nicht, dass es demnächst zu einer Korrektur an den Märkten kommt?

FOMM: Das habe ich nicht gesagt. Rückschläge gibt es an der Börse immer wieder. Aber niemand weiß genau, wann sie kommen. Eine wichtige Börsenregel lautet deshalb, dass man Gewinne laufen lassen sollte. Es kann sein, dass sich der Aktienboom noch ein paar Jahre fortsetzt, unsere Modelle zeigen aktuell eine neutrale Einschätzung. Vor allem in Europa sind die Aktienmärkte fundamental noch nicht überbewertet. Auch die politischen Risiken sind nach unserer Einschätzung zuletzt wieder etwas gesunken: Weder in den Niederlanden noch in Frankreich sieht es derzeit so aus, als kämen die Populisten an die Macht. Und auch in Deutschland hat die AfD zuletzt deutlich an Zustimmung verloren.

ANLEGER: Heißt das, LIQID bleibt mit seinen Kundenportfolios in der aktuellen Lage voll investiert? Spielen Sie da nicht Roulette mit dem Geld Ihrer Kunden?

FOMM: Wie viel Risiko er eingehen möchte, entscheidet bei uns jeder Kunde selbst. Der Kunde legt von Anfang an fest, welchen Anteil seiner Anlagesumme er in riskantere Papiere wie Aktien investieren möchte. Hier hat der Kunde die Wahl zwischen einer Bandbreite von zehn bis 100 Prozent riskanter Anlagen.

ANLEGER: Und von diesem vorgegebenen Anteil weicht LIQID auch nie ab?

FOMM: Doch. Das lässt sich gar nicht verhindern. Ein Beispiel: Nehmen wir an, ein Kunde möchte basierend auf seinem Risikoprofil jeweils 50 Prozent in riskanteren Papieren wie Aktien und 50 Prozent in Anleihen investieren. Kräftige Kurssteigerungen der Aktien wie zuletzt sorgen nun dafür, dass der Aktienanteil auf 55 Prozent steigt. LIQID wird daraufhin einen Teil der Aktienfonds verkaufen und sie durch Anleihefonds ersetzen, um wieder zur ursprünglichen Gewichtung von 50/50 zu gelangen. Dieses sogenannte Rebalancing erfolgt in unseren Anlagekonzepten LIQID Index und LIQID Global automatisch in regelmäßigen Abständen.

Es erfüllt zwei Funktionen: Erstens wird sichergestellt, dass das ursprünglich vom Kunden gewählte Risikoprofil nicht überschritten wird. Zweitens stellt das Rebalancing antizyklische Investitionen sicher. Das heißt vereinfacht, Aktien werden verkauft, wenn sie teuer sind und nachgekauft, wenn sie günstig sind. In unserm LIQID-Select-Konzept kann es dagegen kurzfristig zu Abweichungen von diesen Vorgaben kommen.

ANLEGER: Warum?

FOMM: LIQID Select setzt ja, anders als LIQID Index und LIQID Global, nicht nur auf passives, sondern auch auf aktives Management. Wenn wir zum Beispiel der Meinung sind, dass auf Basis unserer Markteinschätzung eine zeitweise Über- oder Untergewichtung Chancen bietet oder Risiken reduzieren kann, dann tun wir das. Langfristig orientieren wir uns immer an der vom Kunden gewünschten Gewichtung.

ANLEGER: Welche Marktchancen nutzt LIQID Select im Moment denn ganz konkret?

FOMM: Aktuell halten auch wir angesichts der starken Kursgewinne der letzten Monate, genauso wie Sie, die Gefahr eines Rückschlags durchaus für gegeben. Wir fahren deshalb den Aktienanteil aber nicht zurück, sondern wir sichern einen Teil der Aktien mit Put-Optionsscheinen gegen einen Kursverfall ab.

ANLEGER: Wie funktioniert das?

FOMM: Put-Optionen berechtigen zum Verkauf einer Aktie zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einem vorher definierten Preis. Fällt der Aktienkurs, steigt damit automatisch der Wert des Put-Optionsscheines, weil der Anleger die Aktie ja jetzt günstiger kaufen, aber zu einem festgelegten höheren Preis später wieder verkaufen könnte.

ANLEGER: Und was, wenn der Aktienkurs steigt?

FOMM: Dann sinkt der Preis des Optionsscheines oder er wird sogar wertlos. Man muss ein solches Papier als eine Art Versicherung gegen fallende Kurse sehen: Steigen die Aktienkurse, verfällt die Versicherung. Dafür werfen die Aktien aber Gewinne ab. Fallen die Aktienkurse dagegen, steigt der Preis für den Optionsschein und der Anleger reduziert seine Verluste. Der Charme der Put-Optionsscheine ist also: Man kann sich mit ihnen gegen Kursverluste absichern, ohne eine einzige Aktie verkaufen zu müssen.

ANLEGER: Wenn ich Sie so sprechen höre, dann muss ich mir ja direkt überlegen, ob ich noch mehr anlege. Der größte Teil meines Geldes liegt praktisch unverzinst auf Spar- und Festgeldkonten herum.

FOMM: Das kann ich nur empfehlen. Mit unserem LIQID-Global-Anlagekonzept zum Beispiel hätten Sie im vergangenen Jahr je nach Risikoklasse zwischen 5,3 und 10,4 Prozent Rendite erzielt. Eine Garantie für die Zukunft ist das natürlich nicht. Es kann auch mal zu Jahren mit Kursverlusten kommen. Auf lange Sicht aber, das zeigen unsere eigenen Berechnungen und alle seriösen Studien, waren mit Aktien deutlich höhere Renditen als mit allen anderen gängigen Anlageformen wie Immobilien, Lebensversicherungen, dem Sparbuch, Tagesgeld und Anleihen zu erzielen – egal, zu welchem Zeitpunkt Sie eingestiegen sind.

ANLEGER: Das klingt überzeugend. Ich glaube, ich löse meine Sparguthaben und Festgelder auf und investiere alles bei LIQID. Gerade kommt mir ein Gedanke: Sollte ich konsequenterweise die niedrigen Zinsen dazu nutzen, mein Depot zu beleihen und mit einem billigen Kredit auf Pump noch mehr Aktien kaufen? Die Profis machen es ja auch nicht anders.

FOMM: Nun werden Sie mal nicht gleich übermütig! Investitionen in Wertpapiere auf Kredit sind sehr riskant. Geht es mit den Kursen abwärts, kann es passieren, dass Sie Ihre Beleihungsgrenze unterschreiten und dass die Bank ihr Geld sofort zurückfordert. Dann haben Sie ein echtes Problem. Und Ihre gesamten Ersparnisse würde ich auch nicht auflösen, um sie an der Börse zu investieren. Es empfiehlt sich immer, einen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben zu behalten. Außerdem sollten Sie Geld, das für bereits absehbare Zahlungen benötigt wird, eher nicht in risikobehaftete Anlagen investieren.

ANLEGER: Bei LIQID kann ich doch aber auch jederzeit an mein Geld heran. Wozu brauche ich da noch einen Notgroschen?

FOMM: Es stimmt, Sie können Ihr Geld bei LIQID jederzeit wieder abziehen. Aber kurzfristig müssen Sie immer mit Kursschwankungen rechnen. Es kann also passieren, dass die Kurse gerade niedrig sind, wenn Sie das Geld brauchen. Deshalb sollten Sie immer eine eiserne Reserve, zum Beispiel Geld auf einem Tagesgeldkonto, vorhalten. Ich würde hierfür drei bis sechs Monatsgehälter empfehlen, die richtige Summe hängt aber von Ihren individuellen Umständen ab.

Herr Fomm, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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