Anleger, die Aktien kaufen, tun dies normalerweise, weil sie sich davon eine attraktive Rendite versprechen. Doch es gibt auch Investoren, die im großen Stil am Aktienmarkt einsteigen und für die die Rendite nur eine untergeordnete Rolle spielt. Sie verfolgen ganz andere Ziele mit ihren Investments. Die Rede ist von Notenbanken wie der Schweizerischen Nationalbank (SNB) oder der japanischen Bank of Japan. Theoretisch sind sie in der Lage, den globalen Aktienmarkt komplett aufzukaufen. Das nötige Geld drucken sie sich einfach.

Umgerechnet stolze 137 Milliarden Euro hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) bislang am Aktienmarkt investiert. Sie steht damit weltweit auf Platz acht der größten öffentlichen Investoren. Die SNB besitzt alleine für gut eine Milliarde Euro Facebook-Aktien und damit mehr als Konzerngründer Mark Zuckerberg. Den größten Batzen davon hat sie keineswegs in heimische Werte wie Nestlé oder Roche investiert, sondern in US-Konzerne wie Microsoft, Ebay, Nike und Disney. Auch bei Facebook ist die SNB im großen Stil engagiert: Immerhin 0,28 Prozent der gesamten Facebook-Aktien befinden sich in der Hand der SNB. Damit besitzt die SNB alleine für gut eine Milliarde Euro Facebook-Aktien und damit mehr als Konzerngründer Mark Zuckerberg. Insgesamt ist das US-Aktienpaket der SNB rund 80 Milliarden Euro wert.

Ein Grund für das massive Engagement der SNB am Aktienmarkt: Sie will nicht mehr nur auf Anleihen setzen. Denn mit ihren Anleihen verdient die SNB angesichts der Nullzinsen praktisch kein Geld mehr. Von den Aktivitäten ihrer Notenbank erwartet das Schweizer Finanzministerium aber Gewinne, die in den staatlichen Haushalt fließen sollen. Und die lassen sich mit Aktien in Zeiten wie diesen nun einmal deutlich leichter erzielen als mit Anleihen.

Aktien zur Entlastung der Schweizer Wirtschaft

Die SNB kauft aber Aktien nicht nur, um ihr Vermögen zu diversifizieren und um ihre Der Franken ist so stark, dass er der heimischen Wirtschaft massiv schadet. Viele Schweizer Unternehmen sind dadurch international kaum mehr wettbewerbsfähig. Rendite zu steigern. Sie will damit auch den Wechselkurs des Franken drücken. Denn der Franken ist so stark, dass er der heimischen Exportwirtschaft massiv schadet. Viele Schweizer Unternehmen sind dadurch international kaum mehr wettbewerbsfähig, weil sie mit ihren teuren Produkten im Ausland nicht mehr konkurrieren können. Auch die Zahl ausländischer Touristen war von 2015 und 2016 rückläufig. Viele wählen angesichts der horrenden Preise in der Schweiz andere Ferienziele – kein Wunder, wenn man bei den Eidgenossen mancherorts für einen Kaffee umgerechnet fünf Euro, für ein Glas Bier zehn Euro und für einen Teller Nudeln 20 Euro zahlen muss.

Das ungewöhnliche Vorgehen der SNB hat deshalb durchaus seine Berechtigung. Schließlich zählt Inflationsbekämpfung zum wichtigsten Ziel der Schweizer Währungshüter.

Theoretisch könnte die SNB immer mehr Franken drucken und weiter massiv Aktien kaufen – bis sie irgendwann alle großen ausländischen Erstaunlich ist es schon, dass die SNB überhaupt in der Lage ist, derartig massiv Aktien aufzukaufen. Es hat damit zu tun, dass der Franken sich gewissermaßen den Naturgesetzen der Marktwirtschaft entzieht, weil er die wahrscheinlich beliebteste Krisenwährung auf dem Globus ist. Unternehmen vollständig besitzt. Soweit wird es natürlich nicht kommen. Irgendwann würde der Kurs des Franken so stark einbrechen, dass er nicht mehr in ausreichende Mengen Devisen getauscht werden könnte. Doch erstaunlich ist es schon, dass die SNB überhaupt in der Lage ist, derartig massiv Aktien aufzukaufen. Es hat damit zu tun, dass der Franken sich gewissermaßen den Naturgesetzen der Marktwirtschaft entzieht, weil er die wahrscheinlich beliebteste Krisenwährung auf dem Globus ist. Anders gesagt: Normalerweise müsste eine Währung automatisch gegenüber anderen Währungen an Wert verlieren, wenn sie sich in größerem Umfang als diese vermehrt. Denn dann verteilt sich das Sozialprodukt des Landes auf mehr Einheiten dieser Währung. Jede einzelne Einheit (in diesem Fall der Franken) ist dann weniger wert. Eigentlich.

Doch für den Franken gelten diese Gesetzmäßigkeiten seit langem nicht mehr. Denn die Schweizer Währung genießt weltweit ein ungeheures Renommee bei Investoren. Und das obwohl die Zinsen in der Schweiz fast immer deutlich niedriger waren als in anderen Ländern. Das nahmen die Franken-Fans aber bewusst in Kauf, weil für sie Sicherheit über alles geht und ihnen der Franken diese Sicherheit suggeriert.

Nachfrage hat sich verschärft

Inzwischen hat sich die Nachfrage der Anleger nach Franken sogar noch verschärft. Denn der Zinsnachteil des Franken ist mittlerweile verschwunden: Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland und in den meisten anderen reichen Industrieländern ist der Zinssatz für Spareinlagen oder Anleihen praktisch bei Null angelangt. Von den Zinsen her bringt es Anlegern also keinen Nachteil mehr, ihr Geld in Franken anzulegen. Der (vermeintliche oder echte) Sicherheitsvorteil des Franken bleibt aber.

Diese Entwicklung hat wiederum dazu geführt, dass der Kurs des Franken in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen ist. Allein von Mai 2010 bis Anfang August 2011 stieg der Wechselkurs des Schweizer Franken um über 30 Prozent gegenüber dem Euro und näherte sich schon der Parität. So bekam man für den Euro im Jahr 2007 noch mehr als 1,60 Franken. In den darauffolgenden Jahren stieg der Franken kontinuierlich. Die Entwicklung verschärfte sich noch mit der Eurokrise, die die Nachfrage nach der Schweizer Währung noch einmal hochschnellen ließ: Allein von Mai 2010 bis Anfang August 2011 stieg der Wechselkurs des Schweizer Franken um über 30 Prozent gegenüber dem Euro und näherte sich schon der Parität. Im September zog die SNB schließlich die Reißleine und legte offiziell den Mindestkurs bei 1,20 Franken fest. Offiziell teilte die SNB mit: „Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen.“

Die Ankündigung verfehlte ihre Wirkung nicht: Unmittelbar danach erholte sich der Euro schlagartig gegenüber dem Franken. In den folgenden Jahren pendelte sich sein Kurs bei gut 1,20 Franken ein. Doch im Januar 2015 hob die SNB den Mindestkurs wieder auf. Sie begründete dies mit dem starken Anstieg des US-Dollar gegenüber dem Euro, wodurch sich aufgrund der Kopplung des Franken an den Euro auch der Franken zum Dollar abgeschwächt habe. Der Mindestkurs hätte deshalb nur noch mit sehr hohen Interventionen aufrechterhalten werden können, was wiederum zu großen wirtschaftlichen Verzerrungen geführt hätte.

Schlagartig fiel daraufhin der Kurs des Euro unter die Parität zum Schweizer Franken. In den darauffolgenden Monaten erholte sich der Euro wieder leicht. Aktuell notiert er wieder deutlich über der Parität zum Franken, aber noch weit unter der Marke von 1,20 Franken, die über Jahre von der SNB festgelegt worden war.

Diese neue Kursstabilität des Franken auf höherem Niveau ist auch eine Folge der massiven globalen Aktienkäufe der SNB: Solange der Franken stark bleibt, wird die SNB wohl an ihren Aktienkäufen im großen Stil festhalten, um die Wirtschaft des Landes zu entlasten. Ohne sie hätte sich der Euro/Franken-Wechselkurs womöglich sogar unter der Parität eingependelt. Solange aber der Franken stark bleibt, wird die SNB wohl an ihren Aktienkäufen im großen Stil festhalten, um die Wirtschaft des Landes zu entlasten. Und damit könnte die SNB wiederum ihren Teil dazu beitragen, dass sich der nun schon seit 2009 andauernde Höhenflug an den weltweiten Aktienmärkten noch eine ganze Weile fortsetzt.

Doch was, wenn auch andere große Notenbanken auf die Idee kommen, ihre Währung durch Eingriffe am Aktienmarkt zu schwächen, um ihre heimische Wirtschaft zu stützen? Wenn es also zu einem Abwertungswettlauf der Währungen über die Börse kommt? Diese Möglichkeit ist Experten zufolge nicht von der Hand zu weisen. Denn mit ihren milliardenschweren Anleihekaufprogrammen haben sie in dieser Hinsicht kaum etwas bewirkt.

Mit Aktienkäufen könnten sie ihr Ziel eher erreichen, vermutet der Vermögensverwalter Peter E. Huber von Starcapital. Statt wertlose Staatsanleihen ohne Verzinsung aufzukaufen, die sowieso nicht zurückgezahlt werden können, sollten die Notenbanken lieber Aktien kaufen und damit in werthaltige Sachwerte investieren. Die durch eine Höherbewertung der Dividendenpapiere entstehenden Gewinne könnten abgeschöpft und in Infrastrukturprogramme, Sicherung der Altersvorsorge oder Abbau von Staatsschulden investiert werden. Anstatt über die Aufnahme von Krediten eigene Aktien zurückzukaufen, würden Unternehmen so motiviert, über die Aufnahme von Eigenkapital neue Investitionen zu finanzieren. Eine völlig neue Unternehmens- und Gründerkultur könnte entstehen.

Auch andere Notenbanken kaufen Aktien

Neben der SNB kauft auch die Bank of Japan (BoJ) im großen Stil Aktien. Sie investiert aber nicht international, sondern am heimischen Aktienmarkt. Bei mehr als 50 japanischen Konzernen ist die BoJ bereits der größte Aktionär. Auch andere Notenbanken wie die aus Hongkong, Korea oder aus Tschechien haben bereits vereinzelt Aktien erworben. Insgesamt haben sich gut ein Dutzend Notenbanken bereits am Aktienmarkt engagiert. Die Fed, die EZB und die BoE haben zu diesem Mittel noch nicht gegriffen. Auch andere Notenbanken wie die aus Hongkong, Korea oder aus Tschechien haben bereits vereinzelt Aktien erworben. Insgesamt haben sich gut ein Dutzend Notenbanken bereits am Aktienmarkt engagiert. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) haben zu diesem Mittel noch nicht gegriffen. Fed und BoE ist das momentan auch gar nicht erlaubt.

Doch was, wenn sich das ändert und Fed, EZB und BoE beginnen, irgendwann im großen Stil am Aktienmarkt einzusteigen? „Aktien sind die letzte verbliebene Anlagekategorie”, sagt Matthew Beesley, von Henderson Global Investors in London. „Wenn man Dividendenrenditen hat, die über den Anleiherenditen liegen, ist das ein sehr logischer Schritt”, so Beesley. Ähnlich sieht das Paul Price, Leiter International Distribution and Client Relations bei Morgan Stanley Investment Management in London: „Die Zentralbanken schauen sich Anlageklassen an, mit denen ich in der Vergangenheit nicht unbedingt gerechnet hätte”, so Price. „Niedrige Renditen und Ratingveränderungen bei bestimmten Staaten zwingen die Zentralbanken zu überdenken, wie sie Rendite anstreben und wie sie in diesem Zusammenhang Aktien sehen”.

So schwer die volkswirtschaftlichen Folgen einzuschätzen wären – Anleger, die am Aktienmarkt engagiert sind, dürften einer solche Entwicklung durchaus etwas Positives abgewinnen.

Summit – Das Online-Magazin für Geldanlage


Unser kostenloser Newsletter.

Wenn Sie mehr über das Thema Geldanlage und LIQID erfahren möchten, melden Sie sich hier für unseren monatlichen Newsletter an.

Sie können diese kostenlosen Informationen jederzeit abbestellen und der Verwendung Ihrer Daten für Werbezwecke widersprechen.