Reinhard Panse, Chief Investment Officer von HQ Trust und LIQID-Chef Christian Schneider-Sickert im Gespräch mit dem Journalisten Sebastian Wolff über das Anlageverhalten von Hochvermögenden, die fatale Sparleidenschaft der Deutschen und den Erfolg der Partnerschaft zwischen HQ Trust und LIQID.

WOLFF: Herr Panse, HQ Trust ist einer der renommiertesten und erfolgreichsten Vermögensverwalter in Deutschland und betreut seit Jahrzehnten ausschließlich Familien mit zweistelligem Millionenvermögen. Warum stellen Sie Ihre Expertise jetzt auch Anlegern zur Verfügung, die deutlich weniger Geld haben? Wir glauben fest, dass eine unabhängige Kompetenz bei der Geldanlage kein Privileg von Hochvermögenden bleiben soll

PANSE: Wir glauben fest, dass eine unabhängige Kompetenz bei der Geldanlage kein Privileg von Hochvermögenden bleiben soll. Deshalb stellen wir unsere Expertise mit LIQID nun einem breiteren Kreis von Anlegern zur Verfügung. Auch wir profitieren davon: denn die Digitalisierung wird alle Bereiche der Finanzindustrie erfassen.

WOLFF: Herr Schneider-Sickert, LIQID ist der einzige digitale Vermögensverwalter, der eine Partnerschaft mit einem erfolgreichen Multi Family Office, also einem traditionellen Vermögensverwalter, der das Kapital von sehr wohlhabenden Familien betreut, eingegangen ist. Was waren die Gründe für diese Entscheidung?

SCHNEIDER-SICKERT: HQ Trust verfügt über eine Expertise und über Ressourcen, die wir als Startup nicht alleine bereitstellen könnten. Daneben hat HQ Trust – als Teil eines Familienunternehmens mit über 15 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen – Zugang zu Konditionen und Anlageopportunitäten, von denen unsere Kunden unmittelbar profitieren. Indem wir die Vermögensverwaltung von HQ Trust nun auch Anlegern zur Verfügung stellen, die keine Millionen investieren können, demokratisieren wir einen bisher sehr exklusiven Bereich der Finanzindustrie. Natürlich bringt uns die Partnerschaft auch viel Vertrauen ein. Kein anderer digitaler Vermögensverwalter in Europa kann seinen Kunden Ähnliches bieten. Damit heben wir uns von unseren Wettbewerbern ab.

WOLFF: Die Mindestanlagesumme bei LIQID beträgt allerdings 100.000 Euro. Die Demokratisierung hat also ihre Grenzen.

SCHNEIDER-SICKERT: Wir haben unser Angebot bewusst auf die Bedürfnisse von anspruchsvollen Anlegern fokussiert, die der „Bank an der Ecke“ entwachsen sind, die von Privatbanken und anderen Anbietern aber nicht so behandelt werden, wie es sein sollte. Auch unser Betreuungsansatz ist für diese Anleger konzipiert.

WOLFF: Herr Panse, haben die Hochvermögenden bestimmte Eigenschaften, die sich auf alle Anleger übertragen lassen?

PANSE: Hochvermögende haben, und das wird Sie vielleicht überraschen, in Finanzdingen im Grunde dieselben Sorgen und Nöte wie andere Privatanleger. Zum Beispiel fragen sie sich, ob ihr Vermögen ausreicht, um ihren Lebensstandard im Alter aufrecht zu erhalten, oder ob sie sich ihre Traumimmobilie – die vielleicht nicht die einzige oder erste ist – leisten können.

WOLFF: Und welche Antworten finden die Hochvermögenden auf diese Fragen? Ihr Erfolgsrezept ist im Grunde einfach: Sie denken langfristig, achten auf die Kosten und vertrauen auf eine bankenunabhängige Kompetenz – zum Beispiel uns.

PANSE: Ihr Erfolgsrezept ist im Grunde einfach: Sie denken langfristig, achten auf die Kosten und vertrauen auf eine bankenunabhängige Kompetenz – zum Beispiel uns. Dank LIQID können nun viel mehr Menschen dieses Erfolgsrezept umsetzen.

WOLFF: Was machen die meisten Privatanleger bei der Geldanlage denn falsch?

PANSE: Kaum ein Volk spart einen so hohen Prozentsatz seines Einkommens wie das deutsche. Und trotzdem hat der durchschnittliche Österreicher, Spanier, Franzose und sogar Italiener trotz der Krise des Landes ein höheres Vermögen als der Durchschnittsdeutsche. Der Grund: Die meisten Bundesbürger sparen ihr Geld nur auf dem Tagesgeld- oder Festgeldkonto und erhalten dafür schon lange praktisch keine Zinsen mehr. Die Bürger der anderen genannten Länder investieren einen höheren Anteil ihres Einkommens an den Kapitalmärkten, was langfristig mit deutlich höheren Erträgen belohnt wird. Die Bundesbürger aber lassen sich von den Schwankungen, vor allem am Aktienmarkt, stark verunsichern und meiden ihn deshalb mehrheitlich. Die Folgen für die Entwicklung ihres Vermögens sind fatal.

WOLFF: Was tun Sie, um Ihren Kunden diese Ängste zu nehmen?

PANSE: Wir streuen das Geld unserer Kunden breit über verschiedene Anlageklassen, Branchen und Regionen. Das reduziert die kurzfristigen Schwankungen in den Portfolios erheblich, ohne die Chancen auf Kursgewinne zu schmälern. Bei LIQID können Kunden zusätzlich eine Untergrenze definieren, unter die ihr verwaltetes Vermögen auch in Krisenzeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht fallen wird.

WOLFF: Bei LIQID werben Sie mit dem Slogan „Sie vermögen mehr“. Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen, Herr Schneider-Sickert?

SCHNEIDER-SICKERT: Wir wollen unseren Kunden und Interessenten damit zeigen, dass es sich lohnt, bei der Geldanlage etwas über das Sparbuch und Festgeld hinaus zu unternehmen. Man muss nur etwas Geduld mitbringen und vor allem eine klare Strategie verfolgen. Bei LIQID können sich Anleger in wenigen Klicks an den Kapitalmärkten engagieren, ohne sich selbst um ihre Anlage kümmern zu müssen. Dann können sie in der Gewissheit ruhen, dass ihr Vermögen ständig von einem der erfahrensten Anlageteams in Deutschland überwacht wird. Wir bezeichnen das als die perfekte Symbiose von Mensch und Maschine.

WOLFF: Die meisten Ihrer Wettbewerber setzen lediglich auf kostengünstige Indexfonds (ETF). Bei LIQID setzen Sie zum Teil auch auf aktive Fonds, warum?

SCHNEIDER-SICKERT: Weil es für beides gute Argumente gibt. Wir überlassen dem Kunden die Wahl, ob er sich für einen passiven Anlagestil entscheidet, der nur in ETF investiert oder für einen aktiven Anlagestil, der auch aktive Fonds mit einbezieht und die Vermögensverwaltung der HQ Trust-Kunden spiegelt. Über HQ Trust investieren wir in aktive Fonds zu Großanleger-Konditionen. Dadurch können wir den Kostennachteil dieser Fonds gegenüber ETF reduzieren.

WOLFF: Wo möchten Sie mit LIQID noch hin?

SCHNEIDER-SICKERT: Obwohl wir erst seit September 2016 am Markt aktiv sind, zählen wir bereits heute zu den größten digitalen Vermögensverwaltern in Europa. Diese Position möchten wir festigen und wenn möglich ausbauen. Unabhängig von unseren unternehmerischen Zielen wäre es aber mein Wunsch, wenn sich in breiten Bevölkerungsschichten die Erkenntnis durchsetzen würde, dass Banken für die Geldanlage nicht unbedingt geeignet sind und dass seriöse Vermögensverwalter wie wir eine kompetente und kostengünstige Alternative sind.

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