Es gibt zahlreiche Börsenweisheiten, an die sich auch viele Anleger halten. Doch welche haben sich tatsächlich bewährt und welche sind einfach nur Unsinn? Wir haben zehn der bekanntesten Regeln einem Faktencheck unterzogen.

The trend is your friend – Gewinne laufen lassen

Viele Anleger machen den Fehler, bei steigenden Kursen zu verkaufen, weil sie schon einen hübschen Gewinn eingefahren haben und diesen nicht gefährden wollen. Doch das ist in der Regel ein Fehler: In Phasen steigender Kurse gibt es im Allgemeinen keinen Grund, zu verkaufen. Denn dann stehen die Chancen gut, dass der Anstieg noch eine ganze Weile anhält. Nur wenn die Kurse so hoch sind, dass die Bewertungen eine Höhe erreicht haben, die nicht mehr vertretbar sind (wie etwa Anfang 2000 kurz vor dem Platzen der Internet-Blase) kann man über einen Verkauf nachdenken. Doch aktuell ist das für die allermeisten Aktien nicht der Fall: Sie gelten trotz des relativ hohen Niveaus noch als vernünftig bewertet.

Langfristig orientierte Anleger sollten am besten gar nicht verkaufen, so lange sie das Geld nicht brauchen. Denn je länger die Anlagedauer, desto weniger fallen Schwankungen ins Gewicht. Selbst die kräftigen Kursdellen der Jahre 2000 bis 2003 und von 2008/2009 nach Ausbruch der Finanzkrise sind inzwischen längst ausgebügelt. Zwar klingt es verlockend, zu hohen Kursen zu verkaufen und zu niedrigeren wieder einzusteigen. Doch erfahrungsgemäß gelingt es kaum einem Privatanleger, mit solchen Manövern auf Dauer den Markt zu schlagen. Die meisten, die das versuchen, scheitern und erzielen dadurch deutlich schlechtere Ergebnisse als wenn sie ihre Wertpapiere einfach behalten hätten.

Unser Fazit:

Verluste begrenzen

Zahlreiche Anleger sichern sich mit Stop-Loss-Ordern gegen Kursverluste ab. Dann wird das Wertpapier automatisch verkauft, wenn ein bestimmter Kurs unterschritten wird. Das Problem: Oftmals handelt es sich nur um einen kurzen Rücksetzer und das Wertpapier steigt danach wieder. Dann ist der Anleger nicht mehr dabei. Stop-Loss-Order können deshalb dazu führen, dass Anleger schlechter abschneiden als der Marktdurchschnitt.

Andererseits kann es richtig sein, bestimmte Wertpapiere aus dem Depot zu verbannen, die ihren Zweck nicht mehr erfüllen – zum Beispiel, weil die Perspektiven für das Unternehmen sich stark eingetrübt haben. Dann ist es sinnvoll, sich von dem Papier zu trennen. Solche Entscheidungen sollten aber immer im Einzelfall getroffen werden und nicht automatisch durch eine Stop-Loss-Order ausgelöst werden.

Unser Fazit

Nicht in fallende Messer greifen!

Wertpiere, die gerade einen heftigen Kurssturz hinter sich haben, üben auf manche Anleger eine seltsame Faszination aus. „Wenn diese Aktie so billig zu haben ist, muss ich die Gelegenheit doch nutzen“, sagen sie sich. Doch was sie nicht bedenken: Wenn ein Wertpapier einen heftigen Kurssturz erleidet, dann hat das in aller Regel gute Gründe. So können sich zum Beispiel die Gewinnaussichten eines Unternehmens stark verschlechtert haben oder die Firma kann in einen Skandal verstrickt sein.

In diesen Fällen sollten Anleger nicht den Fehler machen, einfach beherzt zuzugreifen, denn womöglich war der jüngste Kurssturz nur der Anfang eines langen Niedergangs des Unternehmens. Doch verallgemeinern kann man diesen Rat nicht. Denn an der Börse kommt es bei manchen Wertpapieren auch immer wieder zu Übertreibungen nach unten. Anleger sollten deshalb nicht nur auf den Kurs schauen, sondern sich intensiv mit einem Wertpapier beschäftigten, bevor sie es erwerben und nur zugreifen, wenn die Fundamentaldaten stimmen: Insbesondere sollten sie sich folgende Fragen stellen und darauf eine Antwort suchen: Ist das Unternehmen gesund? Erwirtschaftet es aktuell Gewinne und wie sieht die Gewinnprognose für das laufende Jahr aus? Wie ist es um die Branche bestellt, in der das Unternehmen tätig ist? Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) helfen hier nur bedingt. Zwar ist ein niedriges KGV ein Zeichen dafür, dass die Aktie günstig bewertet ist, doch ist ein optisch billiges Wertpapier nicht unbedingt tatsächlich billig. Denn das KGV beschreibt immer nur die aktuelle Situation: Trüben sich die Perspektiven für ein Unternehmen stark ein, können das KGV und andere Kennzahlen schnell zur Makulatur werden. Wer also auf „gefallene Engel“ an der Börse setzen will, sollte sich unbedingt vorher intensiv mit ihnen beschäftigen.

Unser Fazit:

Kaufen, wenn die Kanonen donnern

Diese Empfehlung, die dem legendären Börsen-Altmeister André Kostolany zugesprochen wird, klingt wie ein Widerspruch zu: „nicht in fallende Messer greifen“ – und ein bisschen ist sie das auch tatsächlich. Denn wie will der Anleger wissen, ob die Kurse ganz unten sind, oder ob sie noch weiter fallen?

Doch anders als die vorige Börsenweisheit bezieht sich diese hier nicht auf einzelne Wertpapiere, sondern auf den Gesamtmarkt. Und sie will natürlich auf etwas Anderes hinaus: Man soll nicht kaufen, wenn das alle anderen Anleger tun und die Papiere entsprechend teuer sind, sondern wenn alle anderen verkaufen und sie billig zu haben sind. Denn wie jeder vernünftige Kaufmann weiß: Im Einkauf liegt der Gewinn. Und das gilt natürlich auch an der Börse. Antizyklisches Handeln wird diese Strategie genannt. Es gehört jedoch viel Mut dazu, sie durchzuhalten und stets das Gegenteil dessen zu tun, was die Masse macht.

Unser Fazit:

Buy on bad news, sell on good news

Das ist im Grunde eine Abwandlung von „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“. Gemeint ist: Gibt es schlechte Nachrichten zum Beispiel von einem Unternehmen, sollte man das nicht zum Anlass geben, sich von dem Wertpapier zu trennen. Denn das tun dann schon viele andere. Die Folge: Der Kurs stürzt ab. Das sollte man nutzen, um das Papier – auch wieder antizyklisch – zu kaufen. Umgekehrt gilt: Gibt es sehr gute Nachrichten von einem Unternehmen, steigt in der Regel der Kurs. Ein guter Zeitpunkt, um sich von dem Papier zu trennen.


Grundsätzlich ist es tatsächlich tendenziell sinnvoll, bei hohen Kursen zu verkaufen und bei niedrigen Kursen zu kaufen. Doch so einfach, wie diese Empfehlung klingt, ist es in der Realität selten. Die schlechte Nachricht kann auch nur der Auftakt zu einer ganzen Serie von Hiobsbotschaften sein und die gute Nachricht kann auch die erste von vielen weiteren hervorragenden Neuigkeiten sein. Denn wahr ist auch: Ein Unternehmen, das gute Nachrichten produziert, ist in der Regel auch erfolgreicher als ein Unternehmen, von dem schlechte Nachrichten zu hören sind. Der Anleger sollte also den Einzelfall genau prüfen und erst dann seine Entscheidung treffen.

Unser Fazit:

Buy the rumour, sell the fact

Kaufe das Gerücht, verkaufe den Fakt. Diese Börsenweisheit klingt ähnlich, wie die vorhergehende, sagt jedoch etwas ganz Anderes aus: Tauchen, beispielsweise in den Medien, Gerüchte über ein Unternehmen auf, dass es von einem anderen Unternehmen aufgekauft wird, treibt das häufig den Kurs der Aktie hoch. Dann sollte man dieser Börsenregel zufolge kaufen. Wird die Nachricht dann später bestätigt, steigt der Kurs noch einmal an – dann sollte man das Papier laut dieser Regel wieder verkaufen.

Die Empfehlung ist aus mehreren Gründen nicht sehr überzeugend: So kann es leicht passieren, dass ein Gerücht sich nicht bewahrheitet oder dass zum Beispiel Fusionsverhandlungen noch scheitern. Dann fällt der Kurs des Papiers häufig wieder auf den alten Stand zurück, zu dem es notierte, bevor die Gerüchte auftauchten. Wird das Gerücht dagegen bestätigt, ist das keine Überraschung mehr. Nicht selten steigt dann der Kurs des Papiers kaum noch. Die Empfehlung ist also eher für kurzfristig orientierte Anleger geeignet, die ein bisschen zocken wollen, nicht aber für seriöse Langfristanleger.

Unser Fazit:

Sell in May and go away ... but remember to come back in September

Diese Börsenweisheit symbolisiert den sehnlichsten Wunsch eines jeden Anlegers: Immer nur investiert sein, wenn es mit den Kursen nach oben geht – also stets aussteigen, bevor die Kurse fallen und rechtzeitig wieder einsteigen, bevor sie wieder steigen. Was so einfach klingt, ist in Wahrheit an den Börsen die größte Kunst. Denn kurzfristig ist es enorm schwer, die Entwicklung an den Aktienmärkten zu prognostizieren. Dennoch sind zahlreiche Anleger überzeugt, dass dies möglich ist und versuchen zum Beispiel saisonale Muster der Schwankungen an der Börse zu erkennen und sie in die Zukunft zu übertragen.

Am weitesten verbreitet ist hierbei die Ansicht, dass die Börse jeweils im Frühherbst beginnt, Fahrt aufzunehmen, der Aufschwung bis zum nächsten Frühjahr andauert und die Börse dann im Sommer in Lethargie verfällt oder sogar kräftig nach unten korrigiert, bevor die Kurse im Herbst wieder zu steigen beginnen. Daraus entstand die griffige Formulierung, dass man sich am besten jedes Jahr im Mai von der Börse verabschiedet und im September zurückkehrt. Ob die These stimmt, lässt sich aber nicht eindeutig nachweisen: Manche Langfriststudien kommen zu dem Ergebnis, dass es tatsächlich eine Art Sommerloch an den Börsen gibt, in anderen wiederum lautet die Schlussfolgerung, dass es solche signifikanten Zusammenhänge nicht gibt.

Fakt ist: In manchen Jahren läuft es tatsächlich wie beschrieben, in anderen kommt es genau umgekehrt: Die Kurse dümpeln dann im Winterhalbjahr vor sich hin oder fallen sogar und ziehen in der wärmeren Jahreszeit dann plötzlich an. So war es zum Beispiel in den Jahren 2003 und 2009 an den internationalen Aktienmärkten: Nach jeweils monatelanger Talfahrt kam es in beiden Fällen im Frühjahr zu einer Trendwende und die Kurse stiegen in den darauffolgenden Monaten kräftig.

Wer diese Börsenregel befolgt, für den kann die Rechnung aufgehen, wenn er Glück hat. Er läuft aber immer auch Gefahr, die besten Handelstage zu verpassen. Auch hier lautet die Schlussfolgerung: Auf lange Sicht scheitern Anleger meist mit dem Versuch, durch geschicktes Timing den Markt zu schlagen. Wer auf Nummer sicher geht, bleibt deshalb stetig investiert und ignoriert kurzfristige Schwankungen.

Unser Fazit:

Nicht alle Eier in einen Korb legen

Von allen Börsenregeln ist diese wahrscheinlich die am wenigsten umstrittene. Mit „nicht alle Eier in einen Korb legen“ ist gemeint: Anleger sollten ihr Geld nicht nur in einen Markt wie zum Beispiel den DAX und schon gar nicht nur in ein einziges Unternehmen investieren, sondern es möglichst breit über viele verschiedene Anlageklassen, Branchen und Regionen streuen. Auf diese Weise werden Risiken wirkungsvoll reduziert: Geht zum Beispiel ein Unternehmen Pleite oder gerät eine Region in die Krise, fällt das in einem breit gestreuten Portfolio in der Regel kaum ins Gewicht, weil die Verluste mit anderen Wertpapieren wieder aufgefangen werden.

Darüber hinaus sind manche Anlageklassen negativ korreliert: Steigen die Aktienkurse, verlieren zum Beispiel Anleihen und Gold tendenziell an Wert – und umgekehrt. Diese negative Korrelation sorgt dafür, dass Verluste mit einer Anlageklasse durch Gewinne mit einer anderen Anlageklasse aufgefangen werden können.

Unser Fazit:

Hin und her macht Taschen leer

Viele Anleger, die sich selbst um ihr Depot kümmern, neigen dazu, ihre Wertpapiere häufig umzuschichten. Studien zufolge ist das allerdings wenig erfolgversprechend. Denn oft handeln Privatanleger, die hektisch kaufen oder verkaufen, zu ungünstigen Zeitpunkten. Hinzu kommt: Der Anleger verursacht durch die vielen Umschichtungen eine Menge Kosten, die seine Performance zusätzlich belasten. Wie erheblich sich das auswirkt, zeigt eine Untersuchung des renommierten US-amerikanischen Finanz-Research-Unternehmen Dalbar. Die Experten von Dalbar haben errechnet, dass Privatanleger in den USA im Durchschnitt in den vergangenen 20 Jahren deutlich schlechter abgeschnitten haben als der breite Markt. Demnach brachte es ein durchschnittliches Privatanleger-Depot mit 100.000 Dollar Startkapital zwischen 1996 und 2016 auf eine jährliche Rendite von 4,79 Prozent. Am Ende betrug das Vermögen knapp 255.000 Dollar. Hätte der Anleger sein Geld einfach 20 Jahre lang in den maßgeblichen US-Aktienindex investiert, den S&P 500, und nichts weiter unternommen, hätte seine Rendite 7,68 Prozent betragen. Sein Vermögen wäre auf beeindruckende 439.000 Dollar angewachsen. Fakt ist: Jede Transaktion kostet den Kunden Geld: Er zahlt eine Provision an seine Bank und darüber hinaus meist eine Gebühr an den Handelsplatz, über den die Order abgewickelt wird. Außerdem fällt bei börsengehandelten Wertpapieren eine Geld-Brief-Spanne an. Das ist die Differenz zwischen dem angebotenen An- und Verkaufskurs. Die Bank oder ein Broker stellt beide Kurse und verdient an der Differenz. Geduld zahlt sich bei der Aktienanlage also langfristig aus und ist auf Dauer die bessere Strategie, als laufend sein Depot hektisch umzuschichten.

Unser Fazit:

Eine Aktie, die man nicht 10 Jahre zu halten bereit ist, darf man auch nicht 10 Minuten besitzen

Diese Weisheit stammt vom legendären Investor Warren Buffett. Gemeint ist: Die Aktienanlage lohnt sich nur langfristig. Wer eine Aktie kauft, weil er sich von ihr einen kurzfristigen Gewinn verspricht, sollte das nur tun, wenn er auch langfristig von ihr überzeugt ist. Denn kurzfristig ist die Kursentwicklung einer Aktie kaum zu prognostizieren, die Spekulation kann also schief gehen. Bei Qualitätsaktien macht das aber nichts. Denn langfristig setzen sie sich durch – so Buffetts Motto. Und dem kann man eigentlich nur zustimmen.

Unser Fazit:

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