Family Offices

Wie Superreiche ihr Vermögen verwalten lassen

liqid.de
LIQID Investments GmbH

Viele Hochvermögende trauen Banken nicht über den Weg. Denn deren Mitarbeiter sind Interessenkonflikten ausgesetzt, bei denen die Kunden meist das Nachsehen haben. Multi-Millionäre lassen ihr Geld deshalb lieber von eigenen Angestellten in Family Offices betreuen. Oder schließen sich Multi Family Offices an, die das Vermögen mehrerer Familien verwalten.

Als die Familie Rodenstock Anfang des neuen Jahrtausends ihren Brillen-Konzern verkaufte, stand sie vor der Frage, wohin mit dem Erlös. Statt ihr Vermögen einer Bank anzuvertrauen gründeten die Unternehmer eine eigene Firma, ein sogenanntes Family Office, um das Familienkapital verwalten zu lassen. „Die Banker haben immer noch ihre Listen mit Produkten, die sie Kunden verkaufen müssen. In bankeigenen Zertifikaten oder geschlossenen Fonds können die sehr gut hohe Gebühren verstecken“, begründete Benedict Rodenstock diesen Schritt vor einigen Jahren im manager magazin.

Mit ihrem Misstrauen gegenüber Banken befinden sich die Rodenstocks in guter Gesellschaft. Auch die Familien Jacobs (Kaffee), Henkel (Konsumgüter) und viele andere gründeten nach dem Verkauf ihrer Unternehmen eigene Family Offices. Schätzungen zufolge operieren in Deutschland mehr als 400 dieser exklusiven Büros, die zusammen rund 180 Milliarden Euro verwalten sollen. Valide Zahlen gibt es nicht. Denn die Branche ist verschwiegen und ebenso scheu wie das Kapital, das sie erhalten und vermehren soll. So manches Family Office klassifiziert selbst das eigene Gründungsjahr als topsecret, obwohl diese Information in der Regel im Handelsregister für jedermann zugänglich ist.

Je größer das verwaltete Vermögen, desto geringer die relativen Kosten

Die elitäre Branche unterscheidet zwischen sogenannten Single und Multi Family Offices. Erstere betreuen ausschließlich das Vermögen einer einzelnen Familie. Letztere sind für mehrere Superreiche tätig. Viele beginnen als Single Family Office und öffnen sich dann für andere Familien so wie Focam, das Büro der Jacobs. Nach Schätzung von Branchenkennern lohnt sich der Betrieb eines Single Family Office ab einem Vermögen von 150 bis 200 Millionen Euro. Laut einer Studie des Bayerischen Finanz Zentrums in Zusammenarbeit mit der Complementa Investment­Controlling AG und dem Schweizer Ableger von J.P. Morgan Asset Management sinken die relativen Kosten mit zunehmendem Vermögen. Während bei kleinen Family Offices, die weniger als 250 Millionen Euro verwalten, durchschnittlich 0,9 Prozent Kosten pro Jahr anfallen, sind es bei Familienbüros mit mehr als einer Milliarde Euro nur 0,4 Prozent.

Dass gut betuchte Familien ihre eigenen Berater anstellen, ist nichts Neues: Sogenannte Hausmeier verwalteten im Mittelalter die Besitztümer der europäischen Fürstenhäuser. Heute ist es der alte und neue Geldadel, der moderne Family Offices in seine Dienste stellt. Das erste Büro dieser Art gründete die US-amerikanische Unternehmerfamilie Morgan im Jahr 1838. Das „Haus of Morgan“ gilt als das erste Single Family Office. 44 Jahre später eröffnete John Rockefeller sein eigenes Familienbüro. In Deutschland reicht die Tradition bei weitem nicht so lange zurück. Nach einem Bericht der Zeitschrift Impulse gründeten Hochvermögende hierzulande erst in den 1980er-Jahren die ersten Family Offices.

Auch Reisen werden von Family Offices organisiert

Die Aufgaben von Family Offices sind vielfältig und komplex. Sie wachen ganzheitlich über weitverzweigte Vermögen, die nicht nur aus börsennotieren Wertpapieren wie Aktien bestehen. Viel von dem Geld der Reichen fließt auch in direkte Unternehmensbeteiligungen (Private Equity), in Sachanlagen wie Immobilien, Wald und Ackerland sowie in Kunstgestände und Sammlerobjekte wie Oldtimer. Die Aufgaben von Family Offices sind vielfältig und komplex. Sie wachen ganzheitlich über weitverzweigte Vermögen, die nicht nur aus börsennotieren Wertpapieren wie Aktien bestehen. Nicht selten sind solche Vermögen über eine Vielzahl von Ländern verstreut. Die Mitarbeiter des Family Offices sollen diese Werte erhalten und vermehren. Zusätzlich erbringen sie Dienstleistungen, die nicht mit der Verwaltung von Kapital zusammenhängen: Etwa die Organisation von Reisen und Veranstaltungen der Familie, die Vorbereitung der nächsten Generation auf den Umgang mit Vermögen und die Koordination von Hauspersonal.

Carolin Decker, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bremen, hat zwei neue Betätigungsfelder ausgemacht. Die Wissenschaftlerin, die mehrere Jahre die Aktivitäten von Family Offices erforschte, stellte in den USA eine wachsende Nachfrage nach Gesundheitsberatung fest. Mitarbeiter von Family Offices helfen ihren Mandanten bei der Auswahl des richtigen Arztes, bei der Kontrolle der Rechnungen und bei Patientenverfügungen. Auch die Spendenberatung gewinnt laut Decker an Bedeutung. Family Offices wählen zuwendungswürdige Organisationen und Projekte für ihre Auftraggeber aus und überwachen, ob die gespendeten Gelder auch dem Zweck entsprechend verwendet werden.

Kern der Family Offices bleibt aber die Betreuung von Vermögen. Dabei gehen die Büros unterschiedliche Wege. Manche beschränken sich auf die Auswahl, Koordination und Überwachung von externen Spezialisten. Andere betreiben aktives Portfolio-Management mit dem Ziel, überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften. Zu diesen Family Offices zählt beispielsweise HQ Trust, der Portfolio-Manager von LIQID.

Interessenkonflikte führen zu fragwürdigen Beratungs- und Anlageergebnissen

Die Gründe, warum Superreiche ihr Geld lieber Family Offices als Banken anvertrauen, sind vielfältig: Beispielsweise ist die Mitarbeiterfluktuation bei Banken hoch. Das schürt Ängste, dass sensible Daten abfließen könnten. Zudem sind viele Vermögen so komplex, dass Banken keine ganzheitliche Verwaltung anbieten können. Denn sie konzentrieren sich vor allem auf Investitionen in liquide Wertpapiermärkte.

Das wichtigste Argument dürften aber die Interessenkonflikte sein, denen Mitarbeiter von Banken ausgesetzt sind. Bankberater sind immer auch Verkäufer. Sie sind in erster Linie ihrem profitorientierten Arbeitgeber verpflichtet, der oft Umsatz- und Vertriebsvorgaben macht. Hohe Profite für die Banken können aber nur mit möglichst vielen Transaktionen und mit teuren Finanzprodukten erwirtschaftet werden. Doch was für die Geldinstitute vorteilhaft ist, schmälert in aller Regel die Renditen der Kunden.

Das Problem der Interessenkonflikte teilt der Geldadel mit dem einfachen Volk, das täglich in den Bankfilialen schlecht beraten wird, wie zahlreiche Untersuchungen belegen. Sie zeigen etwa, dass häufig Finanzprodukte in den Depots der Kunden landen, die nicht ihren Bedürfnissen entsprechen. Zudem sind die Produkte meistens teuer. Die Vertriebs- und ein Teil der hohen Verwaltungskosten fließen als Provisionen an die vermittelnden Banken.

Eine Studie der Frankfurt School of Finance & Management legt nahe, dass Banken ihren Kunden in der Vergangenheit sogar Aktien unterschoben, die sie selber loswerden wollten. Sie verkauften zudem Schrottpapiere, verschleierten deren Risiken und lösten so die Finanzkrise aus. Seitdem jagt ein Skandal den anderen: Unter anderem manipulierten Großbanken die wichtigsten Referenzzinssätze und den Goldpreis. Sie halfen Griechenland, sich mit geschönten Zahlen in die Europäische Währungsunion zu mogeln – die Liste der Verfehlungen ist lang.

Für Privatanleger gibt es heute Alternativen zu Banken

Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass Multi-Millionäre sich bei Family Offices besser aufgehoben fühlen. Auch Privatanleger mit kleinen Vermögen sind nicht auf die Beratung und das Vermögensmanagement von Banken angewiesen. Sie können sich beispielsweise ihr eigenes Portfolio aus börsengehandelten Indexfonds, sogenannten Exchange Traded Funds (ETF), bei einer günstigen Online-Bank zusammenstellen. Das ist nicht schwierig, erfordert aber ein wenig Zeit, um sich das nötige Wissen anzueignen. Der Lohn: Die Wahrscheinlichkeit mit einem solchen Depot eine bessere Rendite zu erzielen als mit einem Portfolio, das ein Bankberater zusammengestellt hat, ist hoch.

Wer sich das nicht zutraut oder wem der Aufwand zu hoch erscheint, kann sich von Honorarberatern helfen lassen. Sie werden wie Mitarbeiter eines Family Office ausschließlich vom Kunden bezahlt und dürfen keine Provisionen von Dritten annehmen. Interessenkonflikte sind so ausgeschlossen. Eine weitere Möglichkeit ist die Geldanlage bei einem transparenten Vermögensverwalter im Internet, der keine Provisionen kassiert. Diese sogenannten Robo-Advisor bieten fertige Wertpapier-Portfolios für jede Risikoneigung an.

Weitere Empfehlungen der Redaktion


Kostenloser Newsletter

Sollen wir Sie über das Thema Geldanlage auf dem Laufenden halten? Dann melden Sie sich für unseren monatlich erscheinenden Newsletter an.

Sie können diese kostenlosen Informationen jederzeit abbestellen und der Verwendung Ihrer Daten für Werbezwecke widersprechen.