Der technologische Fortschritt ermöglicht es dem Menschen, immer entlegenere Regionen des Alls zu durchforsten. Auch bemannte Missionen zum Mars erscheinen heute nicht mehr als Utopie. In absehbarer Zeit könnten sich sogar die ersten Touristen auf Reise in den Weltraum begeben. Zahlreiche Unternehmen treiben die Entwicklung voran. Einige davon sind börsennotiert und beflügeln die Fantasie der Anleger.

Fremde Planeten, Sterne und Galaxien faszinieren die Menschheit seit jeher. Jahrhunderte lang konnten sie nur bestaunt werden – erst lediglich mit bloßem Auge und später mit immer leistungsfähigeren Teleskopen. Dann begann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Zeitalter der Raumfahrt: Menschen schickten Satelliten und Raketen ins All und verließen bald auch selbst unseren Planeten: 1961 flog der russische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum. 1969 betrat der amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.

Seitdem sind bemannte Weltraummissionen schon zur Routine geworden. Darüber hinaus dringen unbemannte Flugkörper in immer tiefere Bereiche des Alls vor und erkunden Planeten und interplanetaren Raum.

Mittlerweile haben die auf diesem Gebiet führenden Nationen USA und Russland ihre Budgets für die Raumfahrt zwar zurückgeschraubt. Doch in die Bresche springen zunehmend private Unternehmen. Schon in wenigen Jahren könnten sie dafür sorgen, dass nicht nur Raumsonden und Astronauten, sondern auch Touristen den Weltraum erkunden.

Erfolgt schon in wenigen Jahren die erste bemannte Mars-Mission?

Der Gründer des Elektroautobauers Tesla, Elon Musk, gehört zu denjenigen, die das Projekt Weltraumtourismus mit großer Energie vorantreiben. Mit seinem Unternehmen SpaceX will er ein kommerzielles Geschäft daraus machen. Unternehmen aus mehr als 60 Ländern investieren in Weltraumtechnologie Er setzt darauf, Satelliten kostengünstig ins All zu bringen und in nicht allzu ferner Zeit mithilfe der Big Falcon Rocket Weltraumtourismus zu erschwinglichen Preisen zu ermöglichen. Künftig werde jeder Mensch zu Mond, Mars und anderen Planeten fliegen, ist sich Musk sicher. Ihm schwebt vor, bereits 2024 die erste Rakete mit Menschen an Bord zum Mars zu schicken. Anleger können an Musks Projekt allerdings bislang nicht partizipieren. Im Gegensatz zu Tesla ist SpaceX kein börsennotiertes Unternehmen – jedenfalls noch nicht.

Wer als Anleger von der Erforschung des Weltraums und damit von einer der faszinierendsten technologischen Entwicklungen profitieren möchte, kann das aber auch ohne den Visionär Musk tun. Unternehmen aus mehr als 60 Ländern investieren in Weltraumtechnologie. Einige davon sind börsennotiert. Angekurbelt wird die jüngste Entwicklung davon, dass der Bau von Satelliten immer günstiger wird.

Wer in diesem Bereich investiert, muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass viele dieser Unternehmen nicht nur in der Raumfahrt tätig sind, sondern auch in der zivilen Luftfahrt und in der Rüstung. Denn naturgemäß sind diese Branchen eng miteinander verwandt.

Werfen wir nun einen Blick auf einige interessante Firmen der Branche. Dazu vorab ein Hinweis: Wir wollen ausdrücklich keine Anlageempfehlung für bestimmte Aktien aussprechen. Als digitaler Vermögensverwalter favorisieren wir stets eine breite Streuung des Kapitals über verschiedene Anlageklassen, Branchen und Regionen. Es geht uns lediglich darum, Ihnen spannende Unternehmen aus einer interessanten Industrie vorzustellen.

Die beiden großen Luft- und Raumfahrtkonzerne

Die wohl bekanntesten Unternehmen der Weltraumindustrie sind wahrscheinlich Airbus und Boeing. Der europäische Konzern Airbus, der seinen juristischen Sitz im niederländischen Leiden hat, ist weltweit nach Boeing die Nummer zwei unter den großen Luft- und Raumfahrtkonzernen und Europas Nummer eins – aber auch Europas zweitgrößter Rüstungskonzern. Unter anderem baut Airbus die Trägerrakete Ariane, führte den Endausbau des Raumlabors Columbus für die Internationale Raumstation ISS durch, baut Satelliten und Raumsonden, Antriebssysteme, Raumfahrtausrüstung sowie Elektronik für Raumfahrtplattformen und für weltraumgestützte Nutzlasten.

Wertentwicklung der Airbus-Aktie gegenüber dem Euro Stoxx 50

Quelle: Morningstar

Eines der aktuell interessantesten Raumfahrt-Projekte von Airbus ist das Europäische Servicemodul (ESM), das derzeit im Bremer Airbus-Werk gefertigt wird und zusammen mit der Astronautenkapsel die künftige Raumfähre Orion bilden wird. Voraussichtlich Ende 2019 soll Orion nach den Plänen der US-Raumfahrtbehörde NASA zu einem ersten unbemannten Testflug ins All starten. Die Mission soll das Raumschiff bis zu 64.000 Kilometer hinter den Mond bringen – später auch mit Menschen an Bord.

Nicht nur wegen solcher Projekte läuft es für Airbus an der Börse derzeit gut: In den vergangenen zehn Jahren legte der Aktienkurs um fast 800 Prozent zu (Stand: 17.07.2018).

Auch Airbus-Dauerrivale Boeing lässt die Herzen von Weltraumfans hoch schlagen: Boeing hat nämlich auf Ersuchen der NASA bereits ein konkretes Konzept für eine Raumstation beim Mond als Ausgangspunkt für bemannte Missionen zum Mars vorgestellt. Ziel der NASA ist es, in der Dekade zwischen 2030 und 2040 die erste bemannte Mars-Mission durchzuführen Ziel der NASA ist es, in der Dekade zwischen 2030 und 2040 die erste bemannte Mars-Mission durchzuführen. Als Antrieb setzt Boeing auf ein Ionentriebwerk. Ein besonderer Raumtransporter soll die Passagiere vor den Gefahren der intensiven Strahlung schützen. Denn der Schutz vor Strahlung ist gegenwärtig eines der größten Probleme auf dem Weg zum Mars.

Für die Boeing-Aktie lief es zuletzt ähnlich gut wie für die Airbus-Aktie: In den vergangenen zehn Jahren betrug der Kurszuwachs (umgerechnet in Euro) mehr als 600 Prozent.

Ein Rüstungskonzern entdeckt den Weltraum

Doch neben den Global-Playern Airbus und Boeing gibt es noch zahlreiche weitere interessante Unternehmen mit dem Geschäftsmodell Weltraum. Zum Beispiel Orbital Science ATK. Das 1982 von drei Absolventen der Harvard Business School gegründete Unternehmen baut Trägerraketen wie Antares, Minotaur und Pegasus. Für die NASA hat Orbital Antares-Raketen eingesetzt, um damit das Frachtraumschiff Cygnus zur Internationalen Raumstation (ISS) zu bringen. Minotaur-Raketen werden ebenfalls als Trägerraketen aber auch im Rahmen von Raketenabwehrtests eingesetzt. Mit Pegasus-Trägerraketen wiederum werden Nutzlasten in den niedrigen Erdorbit transportiert. Gestartet werden Pegasus-Raketen von Flugzeugen aus. Geplant ist auch, dass Orbital in das Orion-Projekt der NASA eingebunden wird.

An der Orbital-Aktie hatten Anleger in den vergangenen Jahren große Freude: In den vergangenen zehn Jahren bescherte die Aktie ihnen inklusive Dividende einen Wertzuwachs von rund 200 Prozent. Doch die Zeiten der Eigenständigkeit für Orbital sind gezählt: Im September 2017 teilte der Rüstungskonzern Northrop Grumman mit, Orbital ATK für knapp acht Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Die Transaktion wurde im Juni 2018 von der US-amerikanischen Wettbewerbsbehörde FTC genehmigt.

Durch die Übernahme von Orbital wird natürlich auch Northrop Grumman selbst zu einem interessanten Raumfahrtunternehmen. Die Performance der Aktie in der Vergangenheit war jedenfalls schon einmal eindrucksvoll: In den vergangenen zehn Jahren legte der Aktienkurs um mehr als 600 Prozent zu (in Euro) – dies allerdings in erster Linie durch Rüstungsgeschäfte, die auch nach einer Übernahme von Orbital das wichtigste Standbein für den Konzern bleiben dürften.

Vom Reifenhersteller zum Raumfahrtunternehmen

Geradezu ein Dinosaurier der Branche ist Aerojet Rocketdyne Holdings. Das Unternehmen wurde ursprünglich als Reifenhersteller General Tire and Rubber Company im Jahr 1915 gegründet. Seit den 1940er Jahren begann Aerojet mit Raketen zu experimentieren. Heute stellt Aerojet Antriebssysteme für die Raumfahrt her. Unter anderem baut Aerojet Motoren für die Raketen, die für Marsexpeditionen eingesetzt werden. Eine kürzlich vereinbarte Kooperation mit dem Rüstungsgiganten Raytheon für die Herstellung von Antriebssystemen soll zu erheblichen Kosteneinsparungen führen. Auch für die Aktionäre von Aerojet lief es ganz gut. Das Kursplus in den vergangenen zehn Jahren betrug in Euro mehr als 400 Prozent.

Ein weiteres interessantes Raumfahrtunternehmen ist die Société Européenne des Satellites (SES). Der französische Konzern betreibt über 50 geostationäre Satelliten, die 99 Prozent der Weltbevölkerung erreichen. An der Börse hat SES zunächst einen Höhenflug hingelegt. Seit etwa drei Jahren läuft es für die Aktie aber nicht mehr rund: Seitdem hat der Kurs der Aktie mehr als die Hälfte seines Wertes verloren. Was zahlreiche Anleger offenbar abschreckt, ist die Tatsache, dass das Unternehmen hoch verschuldet ist.

Ein anderer großer Satellitenbetreiber ist die European Telecommunications Satellite Organization (Eutelsat), ebenfalls mit Sitz in Frankreich. Eutelsat ist allerdings eine übernationale Organisation von 26 europäischen Staaten und wurde für die Vermarktung der Kommunikationssatelliten für die Satelliten der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA gegründet. Heute ist Eutelsat allerdings kein Raumfahrtunternehmen im engeren Sinne mehr: Das Unternehmen betreibt rund 40 Satelliten und überträgt etwa 6.000 Fernsehkanäle an über 200 Millionen Haushalte in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Die Satelliten dienen zudem dazu, Telekommunikations- und Internetdienstleistungen zu vertreiben. Die Aktionäre von Eutelsat erlebten ein ständiges Auf und Ab. Aktuell notiert die Aktie tiefer als vor zehn Jahren.

Infrastruktur für Erdbeobachtung

Ebenfalls in Frankreich sitzt Thales. Der Luft- und Raumfahrtkonzern schafft unter anderem die Infrastruktur für Telekommunikation und Erdbeobachtung im Weltraum und betreibt Navigationssatelliten. Die Tochter Thales Alenia Space betreibt Dienstleistungen für Raumfahrtprogramme. Auch die Aktionäre dürften zufrieden sein: Seit 2008 beträgt der Kurszuwachs rund 200 Prozent.

Nicht in der Raumfahrt tätig, aber von der Raumfahrt profitiert Orbcomm: Das Unternehmen aus Fort Lee im US-Bundesstaat New Jersey betreibt ein Datenkommunikationsnetz, das von jedem Punkt der Erde aus Textmitteilungen weiterleitet. Orbcomm sichert zu, dass 90 Prozent der Mails innerhalb von sechs Minuten ihre Adressaten erreichen Orbcomm stützt sich dabei auf 27 Kleinsatelliten, die die Erde in sechs Umlaufbahnen umkreisen. Orbcomm sichert zu, dass 90 Prozent der Mails innerhalb von sechs Minuten ihre Adressaten erreichen. Im Vergleich zum Kurs, den die Aktie zum Börsengang im Jahr 2006 aufwies, notiert die Aktie aktuell im Minus.

Ein interessanter deutscher Spieler ist OHB aus Bremen. Das Unternehmen ist bereits seit 2001 an der Börse und damit der erste deutsche börsennotierte Raumfahrtkonzern. Kern und Treiber des Unternehmens ist die Tochter OHB Systems AG. Das auf Satellitensysteme und Raumfahrtanwendungen spezialisierte Unternehmen wurde im Januar 2010 mit der Entwicklung und dem Bau von 14 Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo beauftragt.

Inzwischen liegen dem Unternehmen nach eigener Darstellung bereits Bestellungen für 34 Galileo-FOC Satelliten vor. Zudem sicherte sich die OHB System AG gemeinsam mit Thales Alenia Space aus Frankreich den Auftrag für die Entwicklung und den Bau der europäischen Wettersatelliten Dritter Generation (MTG).

Zulieferer für das Ariane-Programm

Eine weitere OHB-Tochter, MT Aerospace aus Augsburg, ist nach eigener Darstellung Deutschlands größter Zulieferer für das europäische Ariane 5-Programm. Am europäischen Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guyana), von dem aus die Trägerrakete Ariane ins All startet, ist das Unternehmen zudem mit umfassenden Dienstleistungen betraut.

Auch arbeitet OHB an Projekten für Ausstattung und Betrieb der internationalen Raumstation ISS sowie an Konzepten für die Erforschung des Sonnensystems.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Neuestes Projekt von OHB ist die Erforschung autonomer Ökosysteme auf dem Mond (Cubehab), sowie von biologischen Wasser-Monitorsysteme (Aquahab) und zur Durchführung biologischer Experimente in Schwerelosigkeit (Biosat). Zudem erforscht das Unternehmen biologische Techniken, die auf Mond- und Marsgestein für Pflanzenwachstum sorgen sollen.

OHB befindet sich auf einem soliden Wachstumskurs. 2017 kletterte der Umsatz um 18 Prozent. An der Börse hatten Anleger bislang viel Freude mit der OHB-Aktie. In den vergangenen zehn Jahren konnte sich der Kurs der Aktie mehr als verdreifachen.

Alle in diesem Artikel genannten Unternehmen haben eine Gemeinsamkeit: Die Kurschancen für Anleger sind hoch, gleichzeitig aber auch die Risiken – zumal die meisten hier beschriebenen Aktien bereits relativ teuer sind. In den derzeitigen Kursen steckt eben schon viel Zukunftsfantasie. Raumfahrtaktien sollten also, bei aller Begeisterung für die Thematik, wenn überhaupt, nur ein kleiner Baustein in einem breit diversifizierten Depot sein.

Faszinierende mögliche zukünftige Geschäftsfelder

Die beschriebenen Unternehmen sind jedoch nicht nur wegen ihrer derzeitigen Aktivitäten im Weltraum interessant. Vorstellbar sind noch zahlreiche weitere Geschäftsfelder, denen einige von ihnen, aber auch ganz andere Firmen, in Zukunft nachgehen könnten. Laut dem Informationsportal Statista hat der wertvollste Asteroid einen astronomischen Rohstoffwert von 27 Trillionen US-Dollar Dazu gehört beispielsweise die Beseitigung von Weltraummüll – ein wachsendes Problem angesichts der steigenden Zahl von Weltraummissionen. Und sollte tatsächlich Weltraumtourismus einmal zum Alltag werden, dürfte sich dieses Problem noch massiv verschärfen. Immer wichtiger dürfte auch das Thema Wartung von Satelliten, Raumstationen und Raumfahrzeugen werden.

Noch viel faszinierender ist die Vorstellung, dass künftig sogar Rohstoffe im Weltraum abgebaut werden könnten. Das ist gar kein abwegiger Gedanke. Denn Asteroiden, Kometen und Meteoriten können sehr hohe Konzentrationen an Edelmetallen und auch an seltenen Erden enthalten – ein potenzielles sehr lukratives Betätigungsfeld für darauf spezialisierte Unternehmen. Laut dem Informationsportal Statista hat der wertvollste Asteroid einen astronomischen Rohstoffwert von 27 Trillionen US-Dollar.

Doch das ist lange noch nicht alles. So hat die US-Raumfahrtbehörde NASA einen 3D-Drucker entwickelt, der auch in Schwerelosigkeit problemlos drucken kann. Theoretisch könnte es so einmal möglich sein, eine ganze Raumstation im Weltall zu „drucken” – auch das ein mögliches Geschäftsfeld für so manches Unternehmen. Das gleiche gilt für andere Technologien, deren Entwicklung durch die Raumfahrt ermöglicht oder beschleunigt werden kann, wie künstliche Intelligenz, und Robotertechnik.





Hinweis – Die Vermögensanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden und kann im Extremfall zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Auch Prognosen haben keine verlässliche Aussagekraft für künftige Wertentwicklungen. Wir erbringen keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Alle Inhalte auf unserer Webseite und im LIQID-Magazin dienen lediglich der Information. Bei den in diesem Text genannten Unternehmen handelt es sich nicht um Anlageempfehlungen.

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