Über 50.000 Anleger müssen nach der Pleite des Containervermittlers P&R damit rechnen, dass der Großteil ihres Einsatzes verloren ist. Warnzeichen gab es genug. Doch die Anleger ließen sich von den hohen Renditeversprechen des Anbieters locken. Ein altbekanntes Muster, dem schon viele zum Opfer gefallen sind.

Im Bezug auf die Geldanlage sind die Deutschen ein widersprüchliches Volk: Die Mehrheit meidet Aktien und Aktienfonds, weil das Verlustrisiko angeblich viel zu hoch sei. In den Augen so mancher Bundesbürger ist diese Anlageklasse gar Teufelszeug. Paradoxerweise sind es bisweilen dieselben Menschen, denen Aktien zu riskant sind, die sich zu zweifelhaften Investments hinreißen lassen.

Seltsame Faszination für den Grauen Kapitalmarkt

So übt der graue Kapitalmarkt eine seltsame Faszination auf viele Deutsche aus. Das sind Anlagen, die weniger strengen Regulierungsvorschriften unterliegen als andere. Die Anbieter benötigen keine Erlaubnis der Finanzaufsicht BaFin und müssen nur wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen. [1]

Häufige Anlagen am Grauen Kapitalmarkt gehen in Schiffe, alternative Energieanlagen, Filmfonds, Genussrechte, Crowdfunding, Nachrangdarlehen, Kauf- und Rückvermietungsverträge, Kryptowährungen oder auch Container.
Bei all diesen Anlageformen hoffen die Anleger auf hohe Renditen, erleben mitunter aber ein böses Erwachen. So wie jüngst die Kunden des Münchner Containervermittlers P&R. Das Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Daraufhin wurde einer der größten Betrugsfälle in der Geschichte der Bundesrepublik aufgedeckt: Betroffen sind etwa 54.000 Anleger. Die Schadenssumme beläuft sich auf insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro. Im Schnitt hat jeder betroffene Anleger also 65.000 Euro investiert, von denen sie wohl, wenn überhaupt, nur einen Bruchteil wiederbekommen werden.

Fast zwei Drittel der verkauften Container existierten gar nicht

Was war passiert? Das Unternehmen soll über einen Zeitraum von zehn Jahren deutlich mehr Container an Anleger verkauft haben als in Wahrheit vorhanden waren: Von den auf dem Papier angegebenen 1,6 Millionen Containern waren nur gut 600.000 vorhanden. Mit dem eingenommenen Geld soll das Unternehmen Altlasten und Verbindlichkeiten aus Mietzahlungen ausgeglichen haben, also eine Art Schneeballsystem betrieben haben. Bis der Schwindel aufflog. Für den Oktober 2018 sind zwei Gläubigerversammlungen angesetzt, die aufgrund der Masse der betroffenen Anleger in der Münchner Olympiahalle stattfinden sollen.

Doch Experten zweifeln, ob am Ende mehr als ein Trostpflaster für die Anleger herauskommt. So könnten die Betroffenen laut dem Anlageberater Kai-Wilfried Schröder und dem Anlegeranwalt Klaus Seimetz aus heutiger Sicht schon zufrieden sein, wenn sie eine Quote zwischen 15 und 20 Prozent erreichen. Zudem wird gerade juristisch geklärt, ob Anleger Mieten, die sie – womöglich sogar mehrfach – für nicht vorhandene Container erhalten haben, zurückerstatten müssen. Sollte das zutreffen, droht den Anlegern im schlimmsten Fall sogar, dass sie weiteres Geld nachschießen müssen. [2]

Dabei klang das Konzept von P&R so verführerisch: Die Anleger kauften der Firma die Container ab, um sie ihr dann zu einem attraktiven Mietzins zurückzuvermieten. Den Anlegern schien das ein sicheres Geschäft mit hohen Renditen. Sie vergaßen dabei aber die wichtigste Grundregel der Geldanlage zu beachten. Sie lautet: Außergewöhnlich hohe Renditen gibt es bei der Geldanlage nicht ohne Risiko.

Nicht der erste Pleitefall

P&R ist nicht der erste Pleitefall in diesem Bereich. 2016 ging bereits der Containervermittler Magellan pleite, der ein ähnliches Geschäftsmodell wie P&R verfolgte. Doch die Anleger haben offenbar aus dem Fall nichts gelernt oder – was wahrscheinlicher ist – sich gar nicht über diesen Fall informiert, bevor sie ihr Geld gutgläubig der Firma P&R anvertrauten. Dabei gab es eindeutige Parallelen im Gebaren der beiden Firmen. So hatte Magellan genauso wie P&R den Anlegern versprochen, dass jeder Container seinem jeweiligen Besitzer zugeordnet werde. Tatsächlich aber ließ sich diese Zuordnung der Container bei Magellan nicht belegen.

Der Magellan hätte für die Anleger also ein abschreckendes Beispiel sein können. Und es gab noch weitere Warnzeichen, dass bei P&R etwas nicht stimmte. Anlageberater Schröder zufolge konnte den Bilanzen und Verkaufsprospekten 2017 bereits entnommen werden, dass die Investorengelder von P&R offensichtlich nicht für den Kauf von Containern verwendet, sondern an Konzerngesellschaften verliehen wurden. Das, so Schröder, hätte die Anleger misstrauisch machen müssen.

Doch bedeutet der Fall P&R nun, dass von Anlagen in Containern (oder in Wechselkoffern, das ist das Gegenstück zu Schiffscontainern für Lkw) grundsätzlich abzuraten ist? Im Internet werben Anbieter mit jährlichen Renditen von bis zu 14 Prozent. Faktisch lagen bei seriösen Anbietern von Container-Investments die Renditen in den letzten Jahren deutlich niedriger und zwar zwischen vier und sieben Prozent pro Jahr. [3]
Generell kann auf zwei Arten in Container investiert werden: Entweder können Anleger direkt Container erwerben, so wie das bei P&R der Fall war, oder sie investieren in einen Container-Fonds – streuen ihre Investition also über eine Vielzahl von Containern.

Container sind immer ein riskantes Geschäft

In beiden Fällen erfolgt die Verwaltung und Vermietung der Container über den Anbieter der Kapitalanlage. Die Miete wird in der Regel quartalsweise an den Anleger ausgezahlt. Zum Laufzeitende der Beteiligung, die in der Regel auf fünf bis acht Jahre angesetzt ist, kauft das Emissionshaus die Container vom Anleger zurück. Je nach Zustand der Container beträgt der Rücknahmepreis 50 bis 60 Prozent des Neupreises. Doch ob dieser Preis angemessen ist, ist für den Anleger schwer zu ermitteln. Die Höhe des Rücknahmepreises kann die Rendite aber signifikant beeinflussen.

Generell sollte dem Anleger bewusst sein, dass der Containermarkt ein sehr riskantes Geschäft ist, sagt Schröder. So komme es zum Beispiel immer wieder vor, dass Reedereien insolvent würden. Dann falle die Miete für den Eigentümer des Containers aus. Aus seiner Sicht sind die unternehmerischen Risiken bei dieser Geldanlage im Vergleich zur angebotenen Rendite deshalb viel zu hoch. [4]

Nicht besser erging es den Kunden des Kryptowährungs-Förderers Envion. Rund 30.000 Anleger, darunter viele deutsche, hatten dem Unternehmen Anfang 2018 etwa 100 Millionen Dollar in die Kasse gespült. Für je einen US-Dollar erwarben die Anleger sogenannte Tokens. Damit wollte das Unternehmen das Energieproblem der Kryptowährungsbranche angehen. Denn die Herstellung von Bitcoin und Co. frisst riesige Strommengen. Das sogenannte Mining, also die Förderung von Kryptowährungen, sollte daher in mobile Container verlegt werden, die an Kraftwerke angeschlossen werden können. Doch wenige Monate später waren die Millionen verschwunden. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, mehr Anteile ausgegeben zu haben als angekündigt. Wo die überschüssigen Tokens abgeblieben sind, ist aber unklar. Heute ist jeder Token nur noch rund 7 Cent wert. Für die Anleger kommt das praktisch dem Totalverlust gleich.

Grundsätzlich sei es das Problem von Anlagen am Grauen Kapitalmarkt, dass viele Anbieter sich immer noch so intransparent wie möglich darstellen und den wahren wirtschaftlichen Erfolg des Geschäftsmodells verschleiern würden, so Schröder.

Der Rat des Verbraucherschützers

„Bei hohen Renditeversprechen sollten Anleger immer vorsichtig sein”, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucherportals Finanztip. „Anleger sollten sich im Klaren darüber sein, dass ein Anbieter, der Zinsen von acht Prozent oder mehr ohne Risiko verspricht, nicht seriös sein kann.” Grundsätzlich würden die Deutschen nicht häufiger auf unseriöse Anlageprodukte hereinfallen als die Menschen in anderen Ländern, sagt Tenhagen. „Die Deutschen sind auch nicht dümmer als andere”, ist er überzeugt.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Eine Besonderheit der Bundesbürger sei aber ihre ausgeprägte Risikoaversion, so Tenhagen: „Deshalb meiden sie den Aktienmarkt, weil es dort keine sicheren Erträge gibt und zugleich immer unkalkulierbare Verluste drohen, sagt der Verbraucherschützer. „Andererseits fallen sie aber gern auf scheinbar sichere Angebote herein, wenn die angeblich garantierten Renditen nur hoch genug sind.” Doch nicht nur zweifelhafte Anbieter am Grauen Kapitalmarkt, auch viele Banken würden die Anleger bisweilen über den Tisch ziehen”, sagt Tenhagen. „Denen geht es häufig nur darum, die Kunden dazu zu bringen, ihr Depot möglichst häufig umzuschichten”, wettert er. „Dadurch kassieren sie kräftig Gebühren, für die Anleger bleiben aber nur mickrige Renditen”.

Zu den Produkten, zu denen Bankberater ihre Kunden überreden würden, zählen laut Tenhagen offene Immobilienfonds. „Immobilien gelten als sicher. Da kassieren sie sofort fünf Prozent Ausgabeaufschlag. Die Anleger aber müssen bei diesen Fonds schon froh über Erträge von zwei Prozent pro Jahr sein”, so Tenhagen. Wer langfristig Vermögen aufbauen wolle, komme aber am Aktienmarkt nicht vorbei. Hier empfiehlt er Anlegern vor allem kostengünstige börsengehandelte Indexfonds (ETFs).
Die Produktpalette an ETFs ist allerdings riesig. Wer sich nicht selbst darum kümmern möchte, kann die Auswahl der ETFs einer professionellen digitalen Vermögensverwaltung anvertrauen.

  1. [1] BaFin: Grauer Kapitalmarkt (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [2] Süddeutsche Zeitung: Totalschaden (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [3] Financescout24: Containerinvestment (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [4] Wirtschaftswoche: „Die Quote für Anleger kann sehr dünn werden“ (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)