Wer in den vergangenen zehn Jahren auf diese fünf Aktien setzte, hat, rückblickend betrachtet, zweifellos alles richtig gemacht: Apple, Alphabet (Google), Microsoft, Amazon und Facebook. Bei allen fünf Aktien ging der Kurs steil nach oben. Dadurch sind sie aber mittlerweile sehr hoch bewertet. Für die Aktionäre steigt damit das Risiko von heftigen Kursrückschlägen. LIQID ist deshalb vorsichtig und untergewichtet diese Werte bei der Auswahl der Fonds für seine Select-Portfolios.

An der Börse ist die Großwildjagd schwer in Mode: Statt auf Elefanten, Büffel, Nashörner, Löwen und Leoparden, die auf Safaris als die Big Five gelten, machen Anleger Jagd auf Apple, Alphabet, Amazon, Microsoft und Facebook. Die Kursentwicklung der Big-Five-Aktien war in den vergangenen zehn Jahren geradezu atemberaubend. Bei Microsoft betrug der Zuwachs von Anfang 2008 bis Anfang 2018 in Euro gerechnet über 150 Prozent. Die Aktie von Alphabet (das ist seit einigen Jahren der offizielle Name von Google) legte seitdem um rund 240 Prozent zu, die von Apple um etwa 580 Prozent und die von Amazon sogar um fast 1.300 Prozent. Die Facebook-Aktie, die erst seit Mai 2012 an der Börse gehandelt wird, hat seitdem auch schon um mehr als 500 Prozent zugelegt (siehe Charts). Bei Microsoft und Apple kommen noch Dividenden zu den Kurssteigerungen dazu.

Fünf Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung

Die Folge dieser spektakulären Kurssteigerungen: Die fünf genannten Aktien sind mittlerweile die teuersten der Welt, und das obwohl sie alle noch recht junge Unternehmen sind. Gemeinsam bringen es die Big Five inzwischen auf einen Börsenwert von fast drei Billionen Euro. Damit entfällt allein auf sie fast fünf Prozent der Marktkapitalisierung des weltweiten Aktienmarktes. Und dort sind immerhin rund 35.000 verschiedene Unternehmen gelistet. [1]

Viele Anleger fragen sich deshalb: Wird sich die Erfolgsgeschichte der Big Five an der Börse fortsetzen? Oder sind sie bereits maßlos überbewertet? Natürlich haben auch wir keine Glaskugel, die es uns erlauben würde, diese Frage mit Sicherheit zu beantworten. Doch der Blick auf einige wesentlich Bewertungskennzahlen liefert hier zumindest Anhaltspunkte über künftige Chancen und Risiken.

Kursentwicklung der Facebook-Aktie

Quelle: Morningstar Direct

Bewertung nach dem Kurs-Gewinn-Verhältnis

Ziehen wir zunächst die wohl bekannteste und gängigste Kennzahl heran, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es sagt aus, zum wievielfachen eines Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet ist. Mit anderen Worten: Das KGV drückt aus, wie viele Jahre es dauert, bis das Unternehmen seinen aktuellen Börsenkurs wieder verdient hat. Je niedriger das KGV, desto günstiger ist ein Unternehmen bewertet.

Ein Beispiel: Eine Aktie kostet aktuell 100 Euro und der Jahresgewinn betrug zuletzt fünf Euro. Das entspricht einem KGV von 20. Die Aktie wird also mit ihrem 20-fachen Jahresgewinn bewertet. Im Deutschen Aktienindex (DAX) beträgt das durchschnittliche KGV aktuell etwa 15, im amerikanischen S&P 500 liegt es dagegen bei etwa 25. US-Aktien sind also deutlich höher bewertet als deutsche Standardaktien.

Der Blick auf einige wesentlich Bewertungskennzahlen liefert hier zumindest Anhaltspunkte über künftige Chancen und Risiken.
Von den Big Five hat Apple derzeit mit Abstand das niedrigste KGV. Demzufolge ist Apple aktuell die preiswerteste der fünf großen Aktien. Legt man den erwarteten Gewinn des Jahres 2017 zugrunde, beträgt es rund 17. Bei Microsoft beträgt das KGV etwa 25, bei Facebook 32 und bei Alphabet 35. Aus der Reihe fällt Amazon mit einem KGV von etwa 290. Wäre das KGV das einzige Bewertungskriterium müsste man die Aktie des Online-Versandhändlers also als völlig überteuert bezeichnen.
Doch das KGV sagt eben nicht alles aus. Sein großer Schwachpunkt: Es berücksichtigt nur den Gewinn eines bestimmten Jahres und nicht, ob ein Unternehmen wächst, ob es stagniert oder sogar schrumpft. Zudem hat das Management viele Möglichkeiten, den Gewinn zu beschönigen und damit das Unternehmen günstiger bewertet erscheinen zu lassen, als es tatsächlich ist.

Kursentwicklung der Amazon-Aktie

Quelle: Morningstar Direct

Analysten versuchen diesen Schwachpunkt auszugleichen, indem sie den Unternehmensgewinn für die nächsten Jahre schätzen und das KGV entsprechen fortschreiben. Dadurch relativiert sich zum Beispiel die Überbewertung von Amazon: So kommt der Onlinehändler für 2018 auf ein KGV von rund 150 und für 2019 nur noch auf rund 90. Doch auch dieser Wert ist noch vergleichsweise sehr hoch. Für die vier anderen Top-Aktien haben die Analysten dagegen keine größeren Veränderungen des KGV in den nächsten Jahren errechnet. Allerdings hat auch dieser Ansatz einen Haken: Künftige Gewinne lassen sich nur sehr schwer zuverlässig schätzen. Je weiter die Schätzungen in die Zukunft reichen, umso weniger verlässlich ist auch das entsprechende KGV.

Bewertung nach dem Kurs-Buchwert-Verhältnis

Als weitere Methoden, um die korrekte Bewertung einer Aktie und ihr Potenzial zu ermitteln, gelten unter anderem das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV). Das KBV errechnet sich aus der Summe aller materiellen Vermögensgegenstände, die ein Unternehmen laut Bilanz besitzt, abzüglich der Verbindlichkeiten. Dieser bilanzielle Buchwert wird dann ins Verhältnis zur Marktkapitalisierung gesetzt: Ein Wert von eins bedeutet, dass das Unternehmen genau zu seinem Buchwert bewertet wird. Je höher das KBV, desto teurer ist das Unternehmen, je niedriger, desto billiger.

Amazon bringt es aktuell auf ein KBV von rund 19 – wird also mit dem 19fachen Buchwert bewertet. Ein enorm hoher Wert, allerdings werden Amazon-Fans möglicherweise zu Recht argumentieren, dass es auf den Buchwert bei einer Hightech-Wachstumsfirma gar nicht so sehr ankommt: Denn der Erfolg von Amazon hängt weniger vom Wert seines Fuhrparks oder seiner Maschinen ab, sondern ist vor allem in seinem cleveren Geschäftsmodell begründet. Dennoch: Auch die anderen vier Überflieger-Aktien sind stark wachsende Hightech-Unternehmen, ihr KBV ist aber deutlich niedriger: Das von Apple beträgt rund 6, das von Alphabet sogar nur etwa 4, Microsoft kommt auf rund 7,5 und Facebook auf 5,5. Gleichwohl sind diese Werte alle vergleichsweise hoch: Im S&P 500 zum Beispiel beträgt das durchschnittliche KBV nur gut 3, bei europäischen Aktien im Schnitt sogar nur etwa 2. [2]

Kursentwicklung der Apple-Aktie

Quelle: Morningstar Direct

Bewertung nach dem Kurs-Cashflow-Verhältnis

Der Cashflow (Geldfluss) wiederum gibt an, wie hoch die Einnahmen sind, die einem Unternehmen faktisch zufließen. Es gibt also über die Finanzkraft einer Firma Auskunft. Der Vorteil: Anders als der Gewinn lässt sich der Cashflow nur schwer durch Bilanztricks verändern. Beim KCV wird der Cashflow nun ins Verhältnis zum Aktienkurs gesetzt. Auch hier gilt: Je niedriger das KCV, umso besser. Amazon bringt es hier auf rund 23 und ist nach dieser Kennzahl in etwa so hoch bewertet wie Facebook. Die anderen drei Top-Aktien kommen auf einen deutlich niedrigeren KCV: Bei Apple beträgt er knapp 13, bei Microsoft rund 14 und bei Alphabet knapp 16.

Bewertung nach der PEG-Ratio

Eine weitere bewährte Kennziffer ist die Price-Earning-To-Growth (PEG)-Ratio – zu Deutsch: Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis. Sie wird berechnet, indem das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum gesetzt wird. Dabei werden für das erwartete Gewinnwachstum in der Regel die nächsten drei bis fünf Jahre herangezogen. Die Kennzahl berücksichtigt also in besonderem Maße die Vorteile von Wachstumsunternehmen wie den Big Five und liefert deshalb einen aussagekräftigen Anhaltspunkt, um festzustellen, wie hoch sie bewertet sind. Auch hier gilt wieder: Je niedriger die PEG-Ratio, desto günstiger ist die Aktie bewertet. Im Allgemeinen gilt ein Wert von 1 als neutral. Auch was diese Kennziffer betrifft, ist Amazon sehr teuer: Die PEG-Ratio beträgt etwa 15. Bei den anderen Top-Aktien liegt sie dagegen einigermaßen im Rahmen: Bei Apple beträgt sie etwa 1,4; bei Alphabet rund 1,9; bei Microsoft 2,4 und bei Facebook sogar nur rund 1,2.


Wertentwicklung der Alphabet-Aktie (Google)

Quelle: Morningstar Direct

Bewertung nach der Free Cashflow Ratio

Darüber hinaus achten viele Investoren auf eine Kennziffer, die einen komplizierten Namen hat, aber auch eine hohe Aussagekraft: Die Free Cashflow Yield oder wahlweise die Free Cashflow Ratio. Mit Free Cashflow ist dabei der Geldzufluss abzüglich aller Verbindlichkeiten wie Löhnen, Betriebskosten, Kreditraten oder Investitionen gemeint – also das Geld, das dem Unternehmen tatsächlich noch – zum Beispiel für Dividendenausschüttungen an die Aktionäre – zu Verfügung steht. Der Free Cashflow Yield setzt den Free Cashflow ins Verhältnis zur Marktkapitalisierung und drückt damit aus, wieviel Prozent der aktuelle Free Cashflow des Unternehmens von der Marktkapitalisierung ausmacht.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Um das ganze leichter mit den anderen Kennzahlen vergleichbar zu machen, wird aus diesem prozentualen Ergebnis eine Verhältniszahl (Ratio) gebildet. Sie wird Free Cashflow Ratio genannt und drückt aus, wie viele Jahre das Unternehmen benötigt, um durch seinen Free Cashflow die Marktkapitalisierung oder den Unternehmenswert zu erwirtschaften. Auch hier gilt natürlich: Je kleiner die Zahl, desto günstiger ist das Unternehmen bewertet. Das Problem für Privatanleger: Die Free Cashflow Ratio (FCR) ist schwer zu ermitteln und wird zuverlässig nur von kostenpflichtigen Finanzplattformen wie Bloomberg errechnet. Auch nach dieser Kennziffer ist Amazon die höchstbewertete Aktie unter den Big Five: Bloomberg zufolge betrug die FCR für die Aktie des Onlinehändlers Ende 2016 (die aktuellste verfügbarste Zahl) rund 37. Bei Apple betrug sie knapp 16, bei Alphabet gut 21, bei Microsoft 17 und bei Facebook knapp 30.


Kursentwicklung der Microsoft-Aktie

Quelle: Morningstar Direct

Fazit für Anleger

Nach allen gängigen Kennzahlen ist die Aktie von Amazon extrem hoch bewertet, für die anderen vier Lieblingsaktien vieler Anleger gilt dies zumindest teilweise. Der iPhone-Hersteller Apple, das teuerste Unternehmen der Welt, ist insgesamt die am günstigsten bewertete Big Five Aktie. Allerdings scheint das Wachstumspotenzial von Apple im Vergleich zu den anderen vier auch stärker begrenzt.

Fakt ist jedenfalls: Aufgrund ihrer gigantischen Marktkapitalisierung haben die Big Five inzwischen auch ein enormes Gewicht in wichtigen Aktienindizes wie dem S&P 500 oder dem MSCI World eingenommen. Ohne sie und ihre hohen Kurssteigerungen wäre der Zuwachs dieser Indizes deutlich geringer ausgefallen.

Wie LIQID zu den Big Five steht

Das Investment-Team des digitalen Vermögensverwalters LIQID ist angesichts der hohen Bewertung der Big Five schon länger sehr vorsichtig und untergewichtet in seinen aktiv gesteuerten Select-Portfolios deshalb Fonds, die in diese Aktien investieren. Das bedeutet: In den Select-Portfolios sind diese Aktien durchaus auch vertreten, nicht aber entsprechend ihrem Gewicht in den Indizes. So ist aktuell zum Beispiel die Microsoft-Aktie mit einem Gewicht von rund 0,5 Prozent sogar die größte Aktienposition in den Fonds der Select-50-Portfolios. Der Anteil von Microsoft an der Marktkapitalisierung aller Aktien weltweit beträgt aber rund ein Prozent.

Nach allen gängigen Kennzahlen ist die Aktie von Amazon extrem hoch bewertet, für die anderen vier Lieblingsaktien vieler Anleger gilt dies zumindest teilweise.

Die Untergewichtung der Big Five ist einer der wesentlichen Gründe, warum die Select-Portfolios – insbesondere die mit hohem Aktienanteil – 2017 nicht ganz so gut gelaufen sind wie die entsprechenden passiven Global-Portfolios. Denn in den passiv gemanagten Global-Portfolios sind die Big Five entsprechend ihrer Bedeutung in den Indizes vertreten. Allerdings sind die Global-Portfolios entsprechend der Wirtschaftskraft und nicht der Marktkapitalisierung der einzelnen Regionen gewichtet, was insgesamt dazu führt, dass die USA als Region in den Global-Portfolios nicht so stark vertreten ist wie beispielsweise im MSCI World Index, der die weltweiten Aktienmärke abbildet. Dadurch sind die Big Five auch in den Global-Portfolios untergewichtet, aber nicht in so starkem Ausmaß wie in den Select-Portfolios.

Die Erfahrung lehrt, dass überbewertete Aktien bei einem Rückschlag an der Börse meist auch überdurchschnittlich starke Kurseinbußen erleiden. Für die Big Five dürfte das in einem besonderen Ausmaß gelten. Zudem steht auch noch lange nicht fest, ob insbesondere Amazon, Alphabet und Facebook den enormen Wachstumserwartungen der Anleger, die sich in den hohen Kursen widerspiegeln, auch tatsächlich gerecht werden können. Bei Apple und Microsoft wiederum hängt viel davon ab, ob sie ihre hohen Umsätze mit ihren Bestsellern iPhone, iPad und den Mac-Computern (Apple) sowie Office, Xbox und Windows (Microsoft) halten oder sogar weiter steigern können.

Kommt es hier zu Enttäuschungen, sind heftige Kursrückschläge programmiert. Das LIQID-Investment-Team sieht die Untergewichtung der Big Five in den Select-Portfolios daher als Teil seines Risikomanagements an: „Aufgrund ihrer hohen Bewertung nach allen gängigen Kennziffern sind bei den Big Five aus unserer Sicht die Risiken aktuell erhöht. Deshalb sind wir bei diesen Aktien sehr vorsichtig und übergewichten lieber Fonds, die unterbewertete Aktien favorisieren", sagt Kim Felix Fomm, Head of Investment Product bei LIQID.


  1. [1] Bundeszentrale für politische Bildung: Aktienbestand und Aktienhandel (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [2] Deutsche Bank AG: Was die hohe Bewertung von US-Aktien rechtfertigt (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)



Hinweis – Die Vermögensanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden und kann im Extremfall zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Auch Prognosen haben keine verlässliche Aussagekraft für künftige Wertentwicklungen. Wir erbringen keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Alle Inhalte auf unserer Webseite und im LIQID-Magazin dienen lediglich der Information.