Die Erfindung der börsengehandelten Indexfonds (ETFs) war für Anleger ein Segen. Ihre Erfolgsgeschichte hat aber dazu geführt, dass das Angebot äußerst unübersichtlich geworden ist.

Das Prinzip des Investmentfonds ist ebenso einfach wie genial: Um ein global diversifiziertes Portfolio aus einzelnen Aktien und Anleihen zusammenzustellen, ist eine sehr hohe Anlagesumme erforderlich. Und auch dann geht es nur mit großem Aufwand: Jedes einzelne Wertpapier im Portfolio muss permanent beobachtet und notfalls ausgetauscht werden.

Doch nun kommt der Fonds ins Spiel: Man muss ihn sich vorstellen wie einen großen Topf, in den Anleger Geld einzahlen und von dessen Inhalt ein Experte dann eine breite Auswahl an Wertpapieren erwirbt. Der Anleger besitzt jetzt Anteile entsprechend der Höhe seiner Einzahlung an vielen verschiedenen Unternehmen und Schuldpapieren und hat damit sein Vermögen breit gestreut.

Das Problem: Die Anbieter klassischer Investmentfonds lassen sich ihre Arbeit teuer bezahlen. 1,5 bis 2 Prozent Gesamtkosten pro Jahr sind bei aktiven Fonds keine Seltenheit. Hinzu kommt in einigen Fällen noch eine Erfolgsprovision. Das kann die Rendite für den Anleger erheblich drücken – zumal es erwiesenermaßen nur einem kleinen Prozentsatz der Fondsmanager gelingt, den Index, an dem sie sich messen, dauerhaft zu schlagen oder auch nur mit ihm Schritt zu halten.

Mehrere Vorteile

Doch für Anleger gibt es eine Alternative zu diesen klassischen aktiven Investmentfonds: Die Rede ist von börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Im Vergleich zu aktiven Fonds haben ETFs gleich mehrere Vorteile: Sie bilden Aktienindizes wie zum Beispiel den DAX und den MSCI World oder Anleihenindizes wie den Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond Index ab. Der Anleger kann sich deshalb darauf verlassen, dass der ETF ähnlich abschneidet, wie der entsprechende Index. Die jährlichen Verwaltungsgebühren liegen bei den meisten ETFs deutlich unter 1 Prozent Wählt er einen ETF, der einen breit gestreuten Index abbildet, erzielt der Anleger mit nur einem einzigen Wertpapier eine sehr breite Streuung seines Kapitals. Und Weil ETFs nicht von einem (hoch bezahlten) Fondsmanager betreut werden müssen, sind zudem die Kosten deutlich niedriger als bei aktiven Fonds. Die jährlichen Verwaltungsgebühren liegen bei den meisten ETFs deutlich unter 1 Prozent. Ausgabeaufschläge, wie sie in vielen Fällen bei aktiven Fonds verlangt werden, fallen bei ETFs ebenfalls nicht an, weil ETFs nur über die Börse gehandelt werden und nicht wie aktive Fonds direkt von der Fondsgesellschaft erworben werden.

Erster ETF kam 1993 auf den Markt

Als akademische Väter des ETFs gelten die amerikanischen Ökonomen Harry Markowitz und Eugene Fama. Markowitz fand heraus, dass es durch die Streuung von Geldanlagen möglich ist, bei gleichen Renditechancen das Risiko zu verringern und so eine höhere risikoadjustierte Rendite zu erzielen. Diese Erkenntnis wurde Grundlage seiner in den 50er Jahren begründeten Portfoliotheorie, für die er später mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde.

Fama wiederum stellte in seiner Markteffizienzhypothese auf, dass die Preise, die in einem Markt erzielt werden, sämtliche verfügbare Informationen reflektieren. Deshalb sei kein Marktteilnehmer in der Lage, an den Märkten zu dauerhaft überdurchschnittlichen Gewinnen zu kommen. Auch Fama wurde mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Mit ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen sollten Markowitz und Fama ETFs den Weg ebnen. 1976 entwickelten John Bogle und Burton Malkiel den ersten Indexfonds für Privatanleger, den Vanguard 500. Er wurde zum Bestseller. Der Fonds war allerdings nicht börsennotiert und deshalb streng genommen noch kein ETF. Der erste richtige ETF kam erst 1993 auf den Markt. Es handelte sich um das Standard & Poor’s Depositary Receipt, das im Fachjargon aufgrund der für ihn verwendeten Abkürzung SPDR als Spider bezeichnet wurde. Der Fonds bildete den S&P 500 ab, also den maßgeblichen US-Index für Standardaktien, der 500 Aktien umfasst. Drei Jahre später kamen dann auch ETFs auf den Markt, mit denen Anleger in die Entwicklung der Aktienmärkte einiger anderer Länder als die USA investieren konnten.

Durchbruch um die Jahrtausendwende

Der endgültige Durchbruch gelang den ETFs aber erst um die Jahrtausendwende, als sie auch in Deutschland und vielen anderen Ländern zugelassen wurden. So startete in Deutschland im Jahr 2000 der ETF-Handel an der Börse.

Schnell erfreute sich das neue Anlageinstrument großer Beliebtheit. Und das, obwohl die meisten Banken mit dem offensiven Vertrieb von ETFs – gelinde gesagt – sehr zurückhaltend waren (und bis heute sind). Denn an ETFs verdienen sie aufgrund deren günstiger Kostenstruktur deutlich weniger als an aktiven Fonds. Insbesondere dann, wenn Bestandskunden bereits höhere Gebühren für klassische Fondsprodukte zahlen, besteht für die Banken kein Anreiz, den Vertrieb von ETFs offensiv zu gestalten, weil sie sonst ihr Geschäft mit den lukrativen aktiven Fonds gefährden würden.

Die Vorteile von ETFs sprachen sich unter aufgeklärten Anlegern trotzdem schnell herum. Die zunehmende Verfügbarkeit von Finanzinformationen über das Internet trug maßgeblich dazu bei. Immer mehr Menschen begannen in ETF zu investieren – teilweise sogar gegen den ausdrücklichen Rat ihres Bankberaters.

2004 kamen auch ETFs auf den Markt, die in bestimmte Regionen wie die Schwellenländer und die osteuropäischen Märkte oder in Anlageklassen wie Rohstoffe oder Immobilien investieren. Allein zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2007 verhundertfachte sich das Anlagevermögen in ETFs Auch wurden nun die ersten ETFs konstruiert, die eine bestimmte Anlagestrategie abbildeten. Allein zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2007 verhundertfachte sich das Anlagevermögen in ETFs. Mittlerweile gibt es auch so genannte Smart Beta-ETFs, die versuchen, einen Index zu schlagen oder ihn mit weniger Risiko nachzubilden. Bei Smart Beta wird ein vom Marktindex abgewandelter Index geschaffen, der regelbasiert nur die Unternehmen auswählt, die bestimmten Kriterien entsprechen und besser abschneiden sollen als der Marktdurchschnitt. Ziel ist es, die Vorteile von ETFs (niedrige Kosten) und aktiven Fonds (Chance auf Überrendite) zu nutzen.

Gebühren stark rückläufig

Heute sind ETF aus dem Anlageuniversum nicht mehr wegzudenken. Schätzungen zufolge entfällt bereits 30 Prozent des Anlagevolumens, das weltweit in Investmentfonds angelegt ist, auf sie – Tendenz stark steigend. Entsprechend steigt auch die Zahl der ETF stetig. Die Anbieter buhlen inzwischen mit mehreren Tausend verschiedenen ETF um die Gunst ihrer Kunden. Dieser harte Wettbewerb hat auch dazu geführt, dass die Gebühren für ETFs immer weiter zurückgehen – zur Freude der Anleger.

Der Nachteil dieser Entwicklung: Das Angebot an ETFs wird immer unübersichtlicher. Anleger, die sich nicht intensiv mit der Materie beschäftigen können oder wollen, sollten darüber nachdenken, sich an einen darauf spezialisierten digitalen Vermögensverwalter zu wenden. Diese treffen nicht nur eine sinnvolle Auswahl an Fonds, sondern tauschen diese auch regelmäßig wieder aus, wenn es bessere Alternativen gibt.

Trotz der guten Argumente für ETFs gibt es aber durchaus auch weiterhin Gründe, die für aktive Fonds sprechen können. Voraussetzung ist allerdings, dass sich ihre Kosten im Rahmen halten und dass die Fondsmanager fähig sind. So können sie in bestimmten Marktphasen durchaus Überrenditen erwirtschaften oder Risiken minimieren.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Weil aber die wenigsten aktiven Fonds dauerhaft besser als der Marktdurchschnitt abschneiden, sollten sie immer wieder überprüft und bei Bedarf ausgetauscht werden. Aufgrund des damit verbundenen Aufwands und der dadurch entstehenden Kosten sind aktive Fonds für Privatanleger, die ihr Depot selbst betreuen, nur bedingt geeignet. Diese Anleger sollten deshalb ETFs in aller Regel vorziehen. Einige digitale Vermögensverwalter setzen aber mit Erfolg neben ETF auch aktive Fonds ein und haben hier Zugang zu kostengünstigen Tranchen, die institutionellen Anlegern vorbehalten sind. Auf diesem Weg können auch Privatanleger in sinnvoller Weise in aktive Fonds investieren. Die digitalen Anbieter haben aber auch bei Anlagen in ETFs Vorteile für Anleger. So tauschen sie ETFs immer wieder aus, wenn ein günstigeres Produkt auf den Markt kommt. Für Privatanleger, die das selbst tun, bedeutet das viel Aufwand und hohe Gebühren für die Umschichtungen. Die digitalen Vermögensverwalter können diese Umschichtungen dagegen gebührenfrei durchführen.




Hinweis – Die Vermögensanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden und kann im Extremfall zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Auch Prognosen haben keine verlässliche Aussagekraft für künftige Wertentwicklungen. Wir erbringen keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Alle Inhalte auf unserer Webseite und im LIQID-Magazin dienen lediglich der Information.

Das könnte Sie auch interessieren