Nach dem kurzen Börsencrash Anfang Februar schien es so als sei es mit dem Aufschwung am Aktienmarkt vorbei. Doch wie sich zeigte, handelte es sich um eine gesunde Korrektur. Solche kurzfristigen Abwärtsbewegungen kommen historisch immer wieder vor und widersprechen nicht einem langfristigen Aufwärtstrend an den Aktienmärkten.

In der ersten Februarwoche 2018 hat es an der Börse richtig gerappelt. An mehreren Tagen ging es mit den Kursen kräftig abwärts. Innerhalb kürzester Zeit verloren die Aktienmärkte in den USA und an den wichtigsten Börsen in Europa und Asien rund zehn Prozent ihres Kurswerts.

Was war passiert? Ausgelöst wurde die Abwärtsbewegung ironischerweise durch eine eigentlich gute Nachricht, nämlich überraschend stark ausgefallenen Arbeitsmarktdaten in den USA. Für die Arbeitnehmer ist eine steigende Beschäftigungsquote natürlich positiv. Für die Wirtschaft ist sie das vielleicht wichtigste Signal, dass die Konjunktur brummt. Dennoch hat sie aus Sicht der Unternehmen auch einen schalen Beigeschmack, führt sie doch in der Regel zu höheren Lohnkosten. Höhere Löhne wirken wiederum inflationstreibend.

Allein der Gedanke, dass die Preise infolge der guten Beschäftigungszahlen steigen könnten, verunsicherte in dieser Situation viele Anleger. Denn damit einher ging die Befürchtung, dass eine stark anziehende Inflationsrate die US-Notenbank Fed dazu zwingen könnte, die Leitzinsen schneller und stärker anzuheben als bislang erwartet. Hohe Zinsen aber gelten als Gift für die Aktienmärkte: Zum einen erhöhen sie die Investitionskosten für Unternehmen, zum anderen werden dadurch Anleihen als Anlagealternative zu Aktien wieder interessanter.

Der Kurseinbruch war also eine Überreaktion von Investoren. Er resultierte aus einer gedanklichen Wirkungskette, die viele Anleger nach den guten Arbeitsmarktdaten bildeten und die keinesfalls in der Realität so eintreffen muss. Aus fundamentalen Gesichtspunkten jedenfalls war der Kurseinbruch übertrieben.

Drastischer Anstieg der Volatilität

Begünstigt wurde die Abwärtsbewegung aufgrund der besonderen Marktsituation, die zu diesem Zeitpunkt herrschte: Die Volatilität (also die Schwankungsintensität) der Aktienkurse hatte sich seit vielen Monaten auf einem enorm niedrigen Niveau eingependelt. Die Abwärtsbewegung aber ließ die Volatilität plötzlich drastisch ansteigen. „Viele Anleger haben zuvor auf ein weiteres Absinken der Volatilität gesetzt“, erklärt Reinhard Panse, Chief Investment Officer von HQ Trust. Dies erfolgte zum Beispiel über den Einsatz von Derivaten auf Aktienindizes. „Als die Volatilität plötzlich kräftig stieg, rutschten diese Derivate tief in die Verlustzone. Um diese Verluste zu begrenzen, mussten die Anleger ihre Positionen schließen und im Gegenzug Aktienpositionen verkaufen.“

Paradoxerweise verstärkte sich der Crash noch dadurch, dass sich heutzutage zahlreiche Anleger gegen Kursverluste mit Risiko-gesteuerten Anlagestrategien wie Value-at-Risk [1] und Risk-Parity [2] abzusichern versuchen: Diese Strategien reagieren sofort auf steigende Schwankungen und lösen dann Verkaufsorders aus – so wie auch in diesem Fall geschehen. Das hatte einen regelrechten Domino-Effekt zur Folge, der die Märkte innerhalb weniger Tage um über zehn Prozent einbrechen ließ.

Doch eine anhaltende Baisse blieb in der Folge aus. Der Grund: Fundamental orientierte Anleger (so genannte Value-Investoren) griffen beherzt bei Aktien zu, als sie billig zu haben waren. Diese Anleger richten sich bei ihren Entscheidungen nämlich nach den Bewertungen der Aktienmärkte. Und die waren durch den Kurssturz wieder relativ niedrig geworden, so dass diese Investoren eine günstige Gelegenheit für Käufe erkannten. Daraufhin stabilisierten sich die Aktienmärkte nicht nur, sie holten sogar schnell einen Großteil ihrer Verluste wieder auf. Für die Value-Investoren hat sich das also zumindest kurzfristig ausgezahlt.

Geeignet für Anleger mit niedriger Risikotragfähigkeit

Wer dagegen auf Strategien wie Value-at-Risk oder Risk-Parity setzt, musste erleben, wie Aktien ausgerechnet zu dem Zeitpunkt verkauft wurden, als sie gerade stark gefallen waren und profitierte dadurch nicht in vollem Maße von der anschließenden Erholung. Über lange Investitionszeiträume von zehn Jahren oder mehr fallen Korrekturen erfahrungsgemäß kaum ins Gewicht. Doch das bedeutet nicht, dass diese Strategien keine Berechtigung hätten. Denn hätte sich der Kursabschwung fortgesetzt, wären diese Strategien in dieser Situation aufgegangen: Sie hätten die Kursverluste für die Anleger, die darauf setzen, wirkungsvoll abgefedert. Strategien wie Value-at-Risk oder Risk-Parity können sich also für Anleger eignen, die nur eine niedrige Risikotragfähigkeit haben.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Rückschläge gehören zum Wesen der Kapitalmärkte. Wer möchte, kann sich dagegen absichern. Langfristig orientierte Anleger, die Schwankungen aushalten und ihr Vermögen breit über verschiedene Anlageklassen, Branchen und Regionen diversifizieren, können sich den Einsatz von Absicherungsstrategien aber eigentlich sparen. Denn über lange Investitionszeiträume von zehn Jahren oder mehr fallen Korrekturen erfahrungsgemäß kaum ins Gewicht. Mutige Value-Investoren nutzen solche Rückschläge sogar regelmäßig, um ihr Investment zu günstigen Kursen aufzustocken und auf diese Weise ihre Performance langfristig zu erhöhen.




  1. [1] : Der Value-at-Risk (VaR) ist ein weit verbreitetes Risikomaß. Er beschreibt einen Verlustbetrag, der mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit während einer definierten Zeitperiode (meist ein Jahr) nicht überschritten wird. Beispielsweise bedeutet ein 95%-Value-at-Risk von zehn Prozent, dass bei einem Anlagebetrag von 1.000 Euro mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit in den kommenden zwölf Monaten nicht mehr als EUR 100 Verlust zu erwarten sind. Anlagestrategien, die auf den VaR setzen, begrenzen deshalb mögliche Verluste, indem sie zum Beispiel automatisch Aktien verkaufen, wenn die Verlustschwelle von fünf Prozent überschritten zu werden droht. Dadurch sinkt das Gesamtrisiko für den Anleger, in der Regel auf lange Sicht aber auch seine Rendite gegenüber einem weniger zyklischen Investmentansatz. Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.
  1. [2] : Risk Parity ist ein Investmentansatz, der darauf abzielt, Risiken paritätisch, also gleichmäßig zu verteilen. So sind in einem klassischen Portfolio mit jeweils 50 Prozent Aktien und Anleihen beide Anlageklassen nach dem Marktwert gleich gewichtet. Da Aktien aber normalerweise schwankungsreicher als Anleihen sind, dominieren sie das Risikoprofil – allerdings maßgeblich auch die Rendite. In einem Risk Parity-Portfolio wird dagegen der Anteil von Aktien zugunsten von Anleihen soweit reduziert, sodass beide Anlageklassen je zur Hälfte zum Portfoliorisiko beitragen. Dadurch sinken ebenfalls Gesamtrisiko und Renditeaussichten im Vergleich zu einem neutralen Umsatz. Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.