Nur wenige Frauen trauen sich, ihr Geld in Wertpapieren anzulegen. Doch wenn sie es tun, sind sie dabei oft erfolgreicher als Männer. Insgesamt können die Geschlechter bei der Geldanlage voneinander lernen.

Früher war Geldanlage eine reine Männersache. Und auch heute noch ist es eine Domäne, die viele Frauen scheuen. Damit begehen sie einen großen Fehler, findet Antonia Grohmann, Expertin für finanzielle Entwicklung beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW): „Für Frauen ist das Thema noch wichtiger als für Männer. Denn sie haben andere Lebenswege: Statistisch leben sie länger, haben öfter Erwerbsunterbrechungen und verdienen weniger“, sagt die DIW-Expertin im Gespräch mit Summit. Diese drei Faktoren müssten eigentlich dazu führen, dass Frauen noch mehr vorsorgen als Männer, um im Alter auf den gleichen Lebensstandard zu kommen, so Grohmann.

Defizite bei finanzieller Bildung

Das Problem ist nur: Bei vielen Frauen scheint es an der finanziellen Bildung zu hapern: „Weil sie weniger verdienen, sehen sie vielleicht auch weniger die Notwendigkeit, sich mit Geldanlage zu beschäftigen und zu diesem Zweck ihre Finanzkenntnisse auszuweiten“, beklagt Grohmann.

Doch wenn Frauen ihr Geld auf praktisch unverzinsten Sparbüchern oder Tagesgeldkonten herumliegen lassen, droht ihnen im Alter eine Versorgungslücke. „Wichtig wäre es deshalb, das Bewusstsein der Frauen für Finanzen und Geldanlage zu stärken. Sie sollten wissen, dass es ihre Aufgabe ist, sich selbst darum zu kümmern“, so Grohmann. Die DIW-Expertin hält es deshalb für dringend geboten, dass die finanzielle Bildung in der Schule verbessert wird. Denn die Schule sei der einziger Ort, der alle Bevölkerungsschichten erreiche.

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Immerhin, die Frauen holen auf: sowohl beim Einkommen als auch bei der finanziellen Bildung. Demzufolge wächst auch der Anteil der Frauen, die ihr Geld in Wertpapiere investieren. „Insgesamt kann man feststellen, dass Frauen mit höheren Vermögen sich mehr um die Geldanlage kümmern als Frauen mit niedrigem Vermögen“, sagt Grohmann. Allerdings unterscheide sich das Anlageverhalten von Frauen deutlich von dem von Männern: So seien Frauen im Schnitt vor allem weniger risikofreudig als Männer.

Bestätigt werden Grohmanns Aussagen durch die Ergebnisse einer aktuellen Studie des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, für die weltweit 28.000 Personen, davon 2.000 in Deutschland, befragt wurden. [1]
Demnach lehnen 72 Prozent der Frauen, aber „nur“ 59 Prozent der Männer Investments in Wertpapiere ab. Lediglich elf Prozent der Frauen vertrauen dem Aktienmarkt gegenüber 23 Prozent der Männer. Dabei scheint das persönliche Finanzwissen ausschlaggebend: Von denen, die Wertpapierinvestments ablehnen, fühlen sich nur zwölf Prozent in Finanzfragen gut informiert, bei Frauen sind es sogar nur sieben Prozent. Insgesamt fühlen sich ein Viertel aller Befragten in Finanzfragen gut informiert, bei Frauen sind es nur 14 Prozent. 18 Prozent der Befragten sind bereit, Anlagerisiken in Kauf zu nehmen, aber nur zwölf Prozent der befragten Frauen. Was für Frauen im Allgemeinen gilt, trifft allerdings nicht auf die Kundinnen des digitalen Vermögensverwalters LIQID zu: Die meist gewählte Risikoklasse ist sowohl bei weiblichen als auch bei männlichen LIQID-Kunden die Klasse 7 – also 70 Prozent schwankungsreiche Wertpapiere wie Aktien.

Männer überschätzen sich häufig

Die geringere Risikofreude sei aber nicht unbedingt angeboren, sondern vielmehr eine Folge davon, dass Frauen im Schnitt weniger Geld zur Verfügung hätten, sagt Grohmann. Deshalb könnten sie es sich oftmals schlicht nicht leisten, bei der Geldanlage höhere Risiken einzugehen. Das sei aber nicht der einzige Grund für ihre insgesamt geringere Risikobereitschaft. „Frauen neigen weniger dazu, ihre eigenen Fähigkeiten bei der Geldanlage zu überschätzen“, sagt Grohmann. Konkret bedeutet das: Männer schichten ihre Depots häufiger um, weil sie glauben, mithilfe dieser Manöver die Märkte schlagen zu können. Frauen trauen sich das tendenziell viel weniger zu und verzichten auf häufige Umschichtungen. Einer Auswertung der DAB-Bank von 480.000 Kundendepots zufolge führten die Kundinnen der Bank im Jahr 2012 im Schnitt nur 3,2 Transaktionen durch – und damit nicht einmal halb so viele wie die männlichen Kunden, die es im Schnitt auf 6,9 Transaktionen brachten. [2]

Bestätigt werden die Zahlen der DAB-Bank von einer Untersuchung der Ökonomen Brad Barer und Terrance Odean, die im Jahr 2001 anonyme Börsendaten von 35.000 US-amerikanischen Haushalten auswerteten und dabei herausfanden, dass Männer im Schnitt um 45 Prozent mehr Börsentransaktionen durchführten als Frauen. Allein das schmälerte ihren jährlichen Nettogewinn um 2,7 Prozentpunkte. Frauen hingegen schmälerten ihre Erträge durch Umschichtungen nur um 1,7 Prozentpunkte. [3]
Denn wer häufig kauft und verkauft, der lässt insbesondere seine Bank davon profitieren. Das scheinen Frauen eher begriffen zu haben als Männer. Das erklärt auch, warum Männer selbst in guten Börsenjahren, in denen sich ihre höhere Risikofreude eigentlich auszahlen sollte, meistens nicht besser als Frauen abschneiden. Denn viele männliche Anleger wechseln gerade bei steigenden Kursen oft hektisch von einem Papier ins andere, statt an gut laufenden Wertpapieren einfach festzuhalten. Die häufigen Transaktionen aber verursachen hohe Kosten und drücken ihre Rendite – getreu der Börsenweisheit „hin und her macht Taschen leer“. Frauen, die sich üblicherweise bei den Transaktionen stärker zurückhalten, sparen dadurch Kosten. Das wirkt sich positiv auf ihre Rendite aus.

Auswirkung auf die Performance

Die Folge: Frauen erzielen häufig trotz geringerer Risikobereitschaft häufig sogar bessere Anlageergebnisse als Männer. Eine Studie der ING-DiBa aus dem Jahr 2015 untersucht 584.000 Kundendepots und kommt zu dem Ergebnis, dass Frauen im Schnitt eine Rendite von 5,8 Prozent erzielen, Männer hingegen nur 4,1 Prozent. [4]
Auch laut der DAB-Untersuchung, die einen Vierjahreszeitraum betrachtet, schneiden die Frauen besser ab als die Männer, wenn auch nur knapp: Die Kundinnen der Bank brachten es von Anfang 2009 bis Ende 2012 auf eine Jahresrendite von 6,3 Prozent, die männlichen Kunden auf 6,0 Prozent. Und das, obwohl der Aktienanteil bei den Männern mit 53,3 Prozent höher war als der der Frauen (48,8 Prozent.) Allerdings hatten Frauen mit 35,4 Prozent gegenüber 31,6 Prozent einen höheren Anteil an Investmentfonds (die in Aktien und Anleihen investieren). Nur im außerordentlich guten Börsenjahr 2012 konnten die Männer die Frauen minimal hinter sich lassen: Sie brachten es im Schnitt auf 7,72 Prozent Rendite, die Frauen auf 7,66 Prozent.
Was also können Männer von Frauen bei der Geldanlage lernen – und umgekehrt?
„Frauen sind sicher vorsichtiger und vielen Männern könnte es auch nicht schaden so zu handeln. Frauen können dafür von Männern lernen, ein Stückweit mehr Risiko einzugehen“, sagt DIW-Expertin Grohmann. Sie ist zuversichtlich, dass sich Frauen in den nächsten Jahren dank steigender Berufstätigkeit, wachsendem Einkommen und auch durch Erbschaften zu mehr Geld kommen werden und sich deshalb auch mehr mit dem Thema Geldanlage beschäftigen werden.

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  1. [1] Blackrock: Global Investor Pulse Deutschland (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [2] DAB BNP Paribas: Männer und Frauen liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Geldanlage (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [3] Haas Faculty, University of California, Berkeley: Boys will be boys: Gender, overconfidence and common investment (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [4] ING DiBa: Privatanlegerstudie: Wertpapiere (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)

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