Diese Frage stellt sich die Menschheit seit Jahrtausenden – ohne zu einer abschließenden Antwort zu kommen. Doch immerhin bieten uns die Dichter und Denker der Geschichte interessante und originelle Aussagen zu dieser Frage aller Fragen.

Die Philosophen der Antike

Unter den Philosophen der Antike waren Geld und Reichtum eher verpönt. Am konsequentesten verkörperte der Grieche Diogenes diese Geisteshaltung. Außer Essen, Trinken, Kleidung, Schlafen und Geschlechtsverkehr lehnte er alle Bedürfnisse ab. Demonstrativ lebte er vollkommen bedürfnislos und hatte keinen festen Wohnsitz. Die Nächte verbrachte er bisweilen in einer Tonne. Einer bekannten Anekdote zufolge traf Alexander der Große einmal auf ihn und fragte ihn gönnerhaft, welchen Wunsch er ihm erfüllen könne. Daraufhin soll Diogenes dem mächtigen Herrscher nur lapidar geantwortet haben: “Geh mir aus der Sonne!”

Die radikale Lebensweise des Diogenes war seinem berühmten Landsmann Aristoteles zwar fremd. Doch auch er verbindet Glück nicht mit dem schnöden Mammon, wenn er sagt: “Glück ist Tugend und Tüchtigkeit”. Genauso wenig spielt Geld zumindest vordergründig bei Epikur eine Rolle, wenn es um ein erfülltes Leben geht, obgleich er es etwas profaner sieht als Aristoteles: “Glück”, so Epikur, sei Unerschütterlichkeit und körperliche Gesundheit.

Die christliche Weltanschauung

Bei den großen christlichen Philosophen des Mittelalters steht Gott und die Barmherzigkeit und nicht das Geld im Zentrum allen Strebens. So ist von Augustinus das Zitat überliefert: “Glück ist Gott haben und Dasein für den Mitmenschen”. Ganz ähnlich sah es Thomas von Aquin für den Glück ist Gott haben und Dasein für den Mitmenschen “Glück die Gebote Gottes zu halten” bedeutete. Ganz auf dieser Linie ist auch der Reformator Martin Luther, der Glück als die “Gnade Gottes” bezeichnete. Und für den großen deutschen Philosophen der Aufklärung Immanuel Kant war Glück nichts anderes als Pflicht.

Von Goethe bis Bob Dylan

Doch längst nicht alle großen Dichter und Denker hatten eine solch fromme oder asketische Grundeinstellung gegenüber dem Glücksbegriff – und das auch schon vor Jahrhunderten. Besonders unmissverständlich ist ein Satz, der von keinem geringerem stammt als von Deutschlands größtem Dichter Johann Wolfgang von Goethe.
“Ein gesunder Mensch ohne Geld ist halb krank”. Goethes Zitat erinnert sehr an ein berühmtes Bonmot, dessen Schöpfer unbekannt ist. Es lautet: “Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts”.

Auch folgendes Zitat der deutschen Dichterin Gertrude Stein geht in diese Richtung: “Ich war reich und ich war arm. Es ist besser, reich zu sein.” Nichts anderes sagt im Grunde auch der irische Schriftsteller Oscar Wilde, er drückt es nur humorvoller aus: “Als ich klein war, glaubte ich Geld sei das Wichtigste im Leben. Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt.” In dieselbe Richtung, aber eine Spur sarkastischer ist folgender Ausspruch, der keiner bestimmten Person zugeschrieben wird: “Besser reich und gesund als arm und krank”.

Nicht direkt mit Geld in Verbindung bringen die beiden großen englischen Philosophen Thomas Hobbes und John Locke den Begriff “Glück” zwar, aber aus ihren Aussagen lässt sich zweifellos schließen, dass sich das Glück aus ihrer Sicht mit Geld viel leichter finden lässt. So sagt Hobbes “Glück heißt den Begierden folgen” und Locke: “Glück ist ein Höchstmaß an Vergnügen”.

Besonders clever – man könnte auch sagen trickreich – äußerte sich zu dem Thema Bob Dylan, seines Zeichens lebende Musiker-Legende und Literaturnobelpreisträger: „Was bedeutet schon Geld? Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt.“ Was bedeutet schon Geld? Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt Vordergründig stellt Dylan also Geld als unwichtig dar, um einen Menschen glücklich zu machen. Doch das tut Dylan nicht ohne ein Augenzwinkern. Denn in Dylans Zitat steckt natürlich unausgesprochen auch die Aussage, dass nur derjenige den ganzen Tag tun und lassen kann was ihm gefällt, der sich keine Sorgen um die Finanzierung seines Lebensunterhalts machen muss.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Was die Wissenschaft sagt

Wenn sich also schon die Dichter und Denker nicht einig über das Zusammenwirken von Glück und Geld sind, dann muss die Forschung herangezogen werden. Eine der wohl bekanntesten wissenschaftlichen Studien zu dem Thema datiert aus dem Jahr 1974 und stammt von dem US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Richard Easterlin. Entscheidend ist, ob ein Mensch mehr besitzt oder weniger als andere in seinem unmittelbaren Umfeld. Dieser wies nach, dass ein höheres Einkommen zwar positiv mit einem subjektiven Glücksgefühl korreliert ist, ab einer bestimmten Schwelle aber nicht mehr zwangsläufig eine Verbesserung dieses Glücksempfinden einhergeht. Anhand von Langzeitbefragungen in 19 Ländern fand Easterlin heraus, dass das absolute Einkommensniveau eines Menschen wenig Einfluss darauf habe, ob ein Mensch glücklich werde oder nicht. Entscheidend sei vielmehr, ob ein Mensch mehr besitze oder weniger als andere in seinem unmittelbaren Umfeld. Demnach sei ein Mensch, der 100.000 Euro im Jahr in einem Unternehmen verdiene, relativ unglücklich, wenn seine Kollegen im Schnitt 120.000 Euro verdienen. Wesentlich glücklicher sei dagegen jemand mit einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro, wenn seine Kollegen im Durchschnitt nur 60.000 Euro verdienen.

Dieser Zusammenhang wird in der Forschung nach seinem Erfinder Easterlin als Easterlin-Paradox bezeichnet. Für die ganz Armen gilt das Easterlin-Paradox allerdings nicht: Bei ihnen habe jede Steigerung des Einkommens in aller Regel einen erheblichen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit – egal, ob es ihnen damit besser geht als ihren engsten Freunden und Bekannten oder nicht. Nicht jeder ist schließlich ein Diogenes.

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