Wertvolle Geigen sind nicht nur ein Genuss für die Sinne, sie können auch eine gute Geldanlage sein. Als Zusatzrendite winken Privatkonzerte und der persönliche Kontakt zu herausragenden Musikern

Stradivari. Der Name hat einen ganz besonderen Klang. Selbst musikalische Laien wissen, dass er für den größten Geigenbauer, ja den größten Instrumentenbauer überhaupt in der Geschichte steht: Antonio Stradivari. Zwischen 1666 und 1737 fertigte der Meister aus dem italienischen Cremona über 1.000 Streichinstrumente, die meisten davon Violinen, aber auch einige Bratschen und Celli.

Für viele Violonisten ist es das höchste der Gefühle, eine echte Stradivari spielen zu dürfen. Doch ob die Geigen des Meisters aus Cremona tatsächlich unnachahmlich sind, darüber streitet die Fachwelt. Schweizer Wissenschaftler behaupten, dem wichtigsten Geheimnis des berühmten Geigenbauers auf die Spur gekommen zu sein: dem besonderen Holz, aus dem die Stradivaris geschnitzt sind und das als eine wichtige Komponente für den außergewöhnlichen Klang dieser Violinen gilt.

Eine Stradivari-Geige vom 3-D-Drucker?

Als Stradivari seine berühmten Geigen erschuf, war Europa den Forschern zufolge gerade am Ende einer langen Periode mit langen Wintern und kühlen Sommern angelangt: Unter diesen klimatischen Bedingungen sei ein ganz spezielles Holz entstanden, das eine geringere Dichte als sonst aufwies. Dieses Holz sei ein Grund für den besonderen Klang der Stradivaris. Doch mittels einer Pilzbehandlung sei es heute möglich, Holz mit den exakt gleichen Eigenschaften zu versehen, wie es zu Stradivaris Zeiten war. Dadurch, so die Wissenschaftler, könnten heute Violinen gebaut werden, die den Stradivaris klanglich in nichts nachstehen [1]. Andere machen es sich noch leichter und sind der Meinung, eine Stradivari ließe sich inzwischen auch ganz leicht am 3D-Drucker kopieren [2].

Moderne Instrumente schneiden in Blindtests besser ab

Einige Menschen behaupten sogar, dass moderne Geigen den Stradivaris überlegen seien. Wie viele Stradivari-Exemplare heute noch erhalten sind, ist nicht genau bekannt. Die Schätzungen reichen von 450 bis 800 Um dies nachzuweisen, haben sie Blindtests durchgeführt, bei denen den Teilnehmern dasselbe Musikstück abwechselnd mit einer modernen Geige und mit einer Stradivari vorgespielt wurde, ohne ihnen zu verraten, welches Instrument gerade eingesetzt wurde. Tatsächlich bevorzugten in diesen Tests sowohl Fachleute als auch Hobby-Musikliebhaber mehrheitlich den Klang der modernen Geigen gegenüber dem von echten Stradivaris. Sie empfanden ihn als schöner und tragfähiger [3].

Die Aussagekraft dieser Blindtests ist allerdings äußerst umstritten. „Da werden Äpfel mit Birnen verglichen und das auch noch unter ganz bestimmten, künstlichen Bedingungen“, sagt Christian Reister im Gespräch mit Summit. Reister ist Geschäftsführer von Violin Assets in Bedburg bei Köln, einem Händler, der sich auf den Verkauf von wertvollen Streichinstrumenten an Anleger spezialisiert hat. Zudem gebe es natürlich sehr gut klingende moderne Instrumente und auf Grund von größeren Restaurierungen und Verletzungen eingeschränkt oder nicht herausragend klingende Stradivaris. Sein Urteil lautet deshalb: „Blindtests sind unseriös.“

Auch von der Theorie, Stradivaris könnten durch die Verwendung von pilzbehandeltem Holz leicht imitiert oder gar durch die Benutzung von 3D-Druckern einfach reproduziert werden, hält Reister nichts: „Stradivari war ein Genius. Seine Violinen sind einzigartige Gesamtkunstwerke.“

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Noch rund 600 Stück erhalten

Der Nachfrage nach Stradivari-Violinen tun solche Diskussionen ohnehin keinen Abbruch. Denn der Name Stradivari ist ein Mythos. Zudem ist die begrenzte und nicht vermehrbare Stückzahl dem Wert dieser besonderen Geigen natürlich zuträglich. Wie viele Stradivari-Exemplare heute noch erhalten sind, ist nicht genau bekannt. Die Schätzungen reichen von 450 bis 800. In den meisten Quellen ist von rund 600 Stück die Rede [4]

Einer der größten Stradivari-Kenner weltweit ist Reisters Geschäftspartner Jost Thöne. Seine Expertise ist gefragt, wenn es zum Beispiel um die Wertermittlung oder auch die Datierung der berühmten Geigen geht. Dadurch kommt er auch immer wieder an Instrumente heran, die zum Verkauf stehen und die er seinen Kunden anbieten kann.

Insgesamt wurden Thöne bereits 300 verschiedene Stradivaris zur Begutachtung anvertraut. Jede einzelne von ihnen hat Thöne minutiös untersucht und seine Arbeit in einer achtbändigen Publikation mit originalgroßen Abbildungen dokumentiert.
Die Violinen Stradivaris sind, wie die von Giuseppe Guarneri del Gesú, dem anderen großen Violinen-Bauer aus dieser Zeit, auch kunsthistorisch von einzigartiger Bedeutung. Guarneri lebte ebenfalls in Cremona, seine Werkstatt befand sich in unmittelbarer Nähe von der Manufaktur Stradivaris. Wenn einmal eine Stradivari oder eine Guarneri auf den Markt kommt, zum Beispiel auf einer Auktion, erzielt sie einen Millionenerlös.

“Lady Blunt” für 11,6 Millionen Euro versteigert

Manchmal werden für Guarneri-Violinen sogar höhere Preise geboten als für Stadivaris, denn sie sind noch seltener, von ihnen sind lediglich etwa 200 Exemplare erhalten. So wurden für Geigen von Guarneri die zweit- dritt- und vierthöchsten Preise erzielt, die offiziell jemals für Violinen bezahlt wurden.Bei anderen Gelegenheiten wurden andere Stradivaris allerdings zu noch höheren Preisen verkauft als 11,6 Millionen Euro „Klanglich unterscheiden sie sich von Stradivaris dadurch, dass sie etwas gröber, bäuerlicher und rauer klingen als letztere, dafür aber auch wärmer. Stradivaris wiederum klingen heller, klarer und brillanter“, erklärt Experte Jost Thöne. Welcher von beiden Meister-Geigenbauern bevorzugt werde, sei eine Frage des individuellen Geschmacks.

Rekordhalter, was den offiziell gehandelten Preis angeht, ist eine Stradivari: die „Lady Blunt“ aus dem Jahr 1721. Bei einer Wohltätigkeits-Auktion zugunsten der Opfer des Erdbebens in Japan im Jahr 2011 erzielte sie einen Erlös von 11,6 Millionen Euro [5].

„Bei anderen Gelegenheiten wurden andere Stradivaris allerdings zu noch höheren Preisen verkauft als 11,6 Millionen Euro“, weiß Reister zu berichten. „Hier haben sich Käufer und Verkäufer aber bedeckt gehalten und den Preis nie veröffentlicht.“ Ein zweistelliger Millionenbetrag für eine Violine? Ist das überhaupt noch angemessen? Die Frage kann natürlich niemand seriös beantworten. Fakt ist aber: Im Vergleich zu Gemälden alter Meister wie Leonardo da Vinci oder auch von Künstlern jüngeren Datums wie Pablo Picasso, für die schon über 100 Millionen Euro bezahlt wurden, sind selbst Stradivari- oder Guarneri-Violinen ein Schnäppchen. Noch.

Moderne Violinen ab 30.000 Euro als Geldanlage geeignet

Doch natürlich muss eine gute Geige keine Millionen kosten. Gute historische Instrumente, die mindestens 100 Jahre alt sind, sind ab 100.000 Euro zu finden. Zeitgenössische Spitzenviolinen, die sich für die Geldanlage eignen, gibt es sogar schon ab rund 30.000 Euro. Manche Experten warnen bei modernen Geigen indes vor der Gefahr eines Wertverlusts, sollte der Geigenbauer noch zahlreiche weitere Exemplare fertigen und damit den Seltenheitswert für seine Erzeugnisse senken. Diese Sorge hält Reister allerdings für unbegründet: “Die besten lebenden Geigenbauer fertigen heute nur vier bis acht Instrumente pro Jahr.” Stradivari mit seinen mehr als 1.000 gefertigten Exemplaren sei für heutige Geigenbauer kein Maßstab. Der Meister aus Cremona war nicht nur was die Qualität, sondern auch was die Anzahl der von ihm gebauten Instrumenten angeht, eine Ausnahmeerscheinung.

Einen detaillierten Überblick über die Wertentwicklung von Geigen, Bratschen und Violoncelli liefert das international anerkannte Referenzwerk „Taxe der Streichinstrumente“ von Albert Fuchs, das seit 1907 regelmäßig neu erscheint und im Buchhandel zu beziehen ist.

Käufer teurer Violinen sind oft Musikliebhaber, die nicht nur Freude am Besitz der Instrumente haben, sondern die sich davon auch eine kräftige Wertsteigerung erhoffen. Reister zufolge konnten mit hochwertigen Violinen in der Vergangenheit jährliche Renditen zwischen fünf und acht Prozent erzielt werden. Bei Stradivaris sei der jährliche Wertzuwachs sogar zweistellig gewesen. Eine Garantie, dass der Wertzuwachs in der Zukunft ähnlich hoch sein wird, gibt es natürlich nicht.

Steuerfreier Wertzuwachs

Der besondere Vorteil für Anleger: Da es sich um einen Sachwert handelt, sind erzielte Wertzuwächse steuerfrei, sofern zwischen Erwerb und Weiterverkauf des Instruments mindestens ein Jahr liegt. Ganz ohne Kosten ist der Besitz eines wertvollen Streichinstruments indes nicht: Um sicherzugehen, dass die Qualität erhalten bleibt, empfiehlt es sich, das Instrument zweimal im Jahr von einem Spezialisten durchchecken zu lassen. Ein solcher Check kostet jeweils rund 200 Euro. Anders als die landläufige Meinung besagt, müssen Streichinstrumente aber nicht regelmäßig gespielt werden. „Bei richtiger Lagerung können sie sogar Jahrzehnte unbenutzt bleiben, ohne an Qualität einzubüßen“, sagt Jost Thöne. „Innerhalb weniger Monate kann ein solches Instrument wieder zum Leben erweckt werden.“ Aus Sicherheitsgründen sollte das Instrument in einem Tresor oder Schließfach gelagert werden.

Aber wäre es nicht eine Sünde, eine wertvolle Geige einfach nur ins Schließfach wegzusperren und sie nicht zu spielen? Viele Käufer verleihen ihr Instrument aus genau diesem Grund an begabte Musiker, die sich ein solch wertvolles Instrument niemals selbst leisten könnten.Auf Wunsch vermitteln Händler wie Violin Assets den Anlegern talentierte Musiker. Auf diese Weise kann der Kauf einer guten Violine dem Anleger nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine emotionale Genussrendite bringen: in Form eines direkten Austausches mit dem Musiker oder auch schon mal durch ein Privatkonzert „seines“ Künstlers.

Auf Echtheitszertifikat achten

Auf Wunsch vermitteln Händler wie Violin Assets den Anlegern talentierte Musiker. Deren Bedarf nach hochklassigen Streichinstrumenten ist riesig. Violin-Assets-Mitgründer Thöne erfüllt es mit stolz, dass sich „alle Instrumente, die wir verkauft haben, in Musikerhänden befinden.“

Verleiht der Anleger sein Instrument an einen Musiker, sollte er unbedingt eine Versicherung abschließen, die greift, falls das Instrument verloren geht, gestohlen oder beschädigt wird. Die Versicherungskosten betragen in der Regel zwischen 0,3 und 0,75 Prozent des Marktwerts pro Jahr. Oft teilen sich der Musiker und der Eigentümer diese Kosten.

Doch wie kann der Anleger sichergehen, dass er ein wertvolles Original und keine Fälschung erwirbt? „Dafür gibt es ja Experten“, sagt Thöne. „Sie untersuchen jedes Instrument sehr genau und greifen dabei auf einen Fundus von Vergleichsinstrumenten zurück. Jeder Geigenbauer hat seine eigene Handschrift“, erläutert er. „So kann ein Instrument sehr genau analysiert werden, seine Provenienz festgestellt und auch relativ exakt das Herstellungsdatum ermittelt werden“. Wer ein teures Instrument von einem seriösen Händler erwerbe, erhalte immer ein Echtheitszertifikat aus fremder Hand, das von anerkannten Fachleuten ausgestellt wird. „Ein solches Zertifikat ist wie der Fahrzeugbrief für das Auto“, so Thöne.

Andere Instrumente zur Geldanlage ungeeignet

Violin Assets hat übrigens nur Streichinstrumente im Angebot, denn nur diese sind aus Reisters und Thönes Sicht für die Geldanlage geeignet. Bei hochwertigen Exemplaren, die gut gepflegt werden, bleibt die klangliche Qualität über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte erhalten oder nimmt sogar noch zu. „Denn im Lauf der Zeit entwickelt sich das Instrument klanglich weiter, insbesondere in den Händen eines Solisten”, erläutert Jost Thöne.

Für andere Instrumente gilt diese Aussage nicht. Selbst die besten Klaviere und Flügel können allenfalls einige Jahrzehnte, in Ausnahmefällen vielleicht einmal 100 Jahre auf höchstem Niveau gespielt werden. Anschließend lassen sie in der Qualität deutlich nach. Bei Blasinstrumenten ist die Halbwertszeit noch deutlich kürzer. Und auch Gitarren sind nicht für die Ewigkeit gebaut – es sei denn, sie wurden nachweislich von einem berühmten Musiker gespielt. Das verschafft ihnen einen enormen Liebhaberwert.

So fand zum Beispiel die Gitarre, die Rockstar Jimmy Hendrix beim legendären Woodstock-Festival spielte, für rund zwei Millionen Dollar einen Käufer. Noch etwas mehr, nämlich 2,7 Millionen Dollar, erzielte eine von Mick Jagger, Keith Richards, Eric Clapton, Paul McCartney, Brian May, David Gilmour und zahlreichen anderen Rock-Größen signierte Gitarre, die zugunsten eines karitativen Zwecks versteigert wurde.

Doch wer als Anleger ein Instrument erwerben möchte, das nicht nur hinter einer Glasvitrine eine gute Figur macht, sondern mit dem auch künftige Generationen von Musikern noch die Sinne ihrer Zuhörer erfreuen werden, der kommt an einem hochwertigen Streichinstrument nicht vorbei.



  1. [1] Wissenschaft.de: Der Stradivari-Pilz (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [2] 3D Grenzenlos Magazin: Stradivari-Violine aus dem 3D-Drucker (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [3] Spiegel: Blindtest entzaubert die Stradivari (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [4] Zeit: Die Meisterschüler von Stradivari (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [5] Amazona: Die teuersten Gitarren der Welt (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)

Das könnte Sie auch interessieren