Seltene alte Autos sind nicht nur eine Augenweide und bescheren ihren Eigentümern viel Fahrvergnügen. Die Oldtimer können auch eine hervorragende Geldanlage sein. Allerdings sind die Unterhaltskosten hoch und es lauern auch einige Risiken. Was Interessenten beachten sollten

Wann immer Friedrich Schubert* (Name geändert) in Berlin ist, zieht es ihn zur Classic Remise. Oldtimer-Freunde wie er kommen in dem ehemaligen Straßenbahndepot aus der wilhelminischen Zeit im Berliner Stadtteil Moabit voll auf ihre Kosten: Wie auf einer permanenten Modenschau präsentieren Händler dort ihre besten Stücke: prachtvolle Autos aus vergangenen Tagen – vom 1899er Benz bis zum Jaguar aus den 1970er Jahren. Zwischendrin Werkstatt- und Servicebetriebe, Anbieter von Ersatzteilen und Zubehör, sowie von Modellautos und Accessoires. Auch Luxusboote können zahlungskräftige Kunden in der Classic-Remise erwerben, darüber hinaus gibt es dort Autoclubs sowie Bistros, Restaurants und ein Biergarten für den leiblichen Genuss. Alles unter einem Dach. Nicht nur Liebhabern wie Friedrich Schubert gehen da die Augen über.

Seit 2003 gibt es die Classic Remise. Es ist eine Art Einkaufszentrum für Oldtimer. Der Betreiber lebt lediglich von den Mieteinnahmen, ist aber nicht am Umsatz beteiligt. Seit 2006 gibt es auch eine Filiale in Düsseldorf.

„Ich bin ein begeisterter Oldtimer-Sammler”, gibt Friedrich Schubert freimütig zu. Der 62-jährige besitzt rund ein Dutzend Oldtimer-Fahrzeuge. Und er ist ständig auf der Suche nach Erweiterungen für seine Sammlung.

Preise für einige Modelle seit den 80er Jahren vervierfacht

Schubert ist ein echter Liebhaber, einer, für den Geld praktisch keine Rolle spielt, wenn er sich in einen Wagen „verguckt”, wie er es ausdrückt. Welchen Wert andere seinen Schätzen beimessen und zu welchem Preis er sie wieder verkaufen könnte, interessiert ihn herzlich wenig.
Damit gehört er allerdings zu einer Minderheit der Oldtimer-Fans. Die meisten schauen sehr wohl aufs Geld – insbesondere darauf, dass sie einen Wagen erwerben, der eine hohe Wertsteigerung verspricht. Denn in Zeiten von Nullzinsen sind Oldtimer zu einer begehrten Anlage-Alternative geworden.

Wer auf die richtigen Karten – sprich Fahrzeugmodelle setzte, konnte in den vergangenen Jahrzehnten auch einen guten Schnitt machen, weiß Burkhard Steins, einer der Händler, die von Anfang an in der Classic Remise dabei sind. Pre Select heißt sein Geschäft. Es ist auf europäische Fahrzeuge der 50er bis 70er Jahre spezialisiert. „Seit den 80er Jahren haben sich die Preise für begehrte Fahrzeuge etwa vervierfacht”, sagt Steins.

Krisenresistente Sachwerte

Allerdings sollten Anleger sich von solchen Entwicklungen nicht blenden lassen. Denn erstens sagen Wertsteigerungen, die in der Vergangenheit stattfanden, nichts über die Preisentwicklungen in der Zukunft aus. Und zweitens gibt es bei der Wertentwicklung riesige Unterschiede zwischen den Marken und Modellen: Der Preis vieler Modelle stagnierte über diesen langen Zeitraum, manche verloren sogar an Wert. Auf der anderen Seite haben sich sehr seltene Autos seit Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren massiv verteuert. Dazu trugen zum einen die niedrigen Zinsen bei, zum anderen die Tatsache, dass viele gut betuchte Anleger in Zeiten wie diesen nach krisenresistenten Sachweren suchen – und bei solchen Premium-Oldtimern fündig werden.

32 Millionen Euro für einen Ferrari

Als teuerster Oldtimer der Welt gilt ein roter Ferrari 250 GTO Berlinetta aus dem Jahr 1962. Im August 2014 wechselte ein solches Fahrzeug bei einer Versteigerung für 32,5 Millionen Euro den Besitzer. Das Fahrzeug mit 3-Liter V12 Motor wurde von Anfang an in historischen Rennen, Bergrennen und Touren eingesetzt und hervorragend gepflegt. Insgesamt wurden nur 39 Exemplare der GTO-Familie hergestellt. Auf einen ähnlich hohen Preis brachte es ein Mercedes-Benz W196, ein Formel-1-Rennwagen der Saison 1954 und 1955, von dem es insgesamt noch zehn Exemplare gibt. Er wurde bei einer Auktion im Jahr 2013 für 25 Millionen Euro versteigert. Auf Platz Drei in der Wert-Rangliste landet ein Aston Martin DBR1 aus dem Jahr 1956, von dem nur fünf Stück gebaut wurden. Der Rennwagen wurde 2017 für 19 Millionen Euro versteigert.

Seit den 80er Jahren haben sich die Preise für begehrte Fahrzeuge etwa vervierfacht. Solche Summen können nur die allerwenigsten Anleger investieren. Doch auch wer nur einen Bruchteil dieser Summen zur Verfügung hat, sollte auf bestimmte Dinge achten, wenn er einen Oldtimer als Renditeobjekt erwerben möchte. „Am wichtigsten sind die Marke, das Design, die Seltenheit, der Erhaltungszustand und die Authentizität des Fahrzeugs”, sagt Händler Steins. Zu seinen Favoriten zählen die Marken Mercedes, Porsche. Ferrari, Maserati, Alfa Romeo und Facel Vega, eine französische Luxusmarke aus den 50er Jahren.

Cabrios und Rennwagen besonders begehrt

Sehr begehrt und deshalb in der Regel auch deutlich teurer als Limousinen ähnlichen Typs sind Cabrio-Modelle und Rennfahrzeuge. Bei Porsche macht Steins allerdings Abstriche: „Im Moment sind davon einfach zu viele auf dem Markt”, sagt er. „Oldtimer sind immer auch Modetrends unterworfen, das ist wie in der Kunst”, sagt Steins. Hinzu kämen neue Vorlieben durch einen Generationswechsel: “Die Kinder der Sammler mögen vielleicht gar keine Oldtimer oder sie entscheiden sich für andere Marken”, sagt Steins.

So habe es um Porsche-Fahrzeuge vor ein paar Jahren einen regelrechten Hype gegeben. Käufer aus Japan und den USA hätten damals riesige Sammlungen zusammengestellt und damit die Preise nach oben getrieben. „Dadurch ist eine Blase entstanden”, so Steins. Oldtimer sind immer auch Modetrends unterworfen, das ist wie in der Kunst. Doch die wirtschaftliche Rezession in Japan und der starke Dollar hätten dazu geführt, dass heute viele dieser Fahrzeuge wieder auf den Markt kämen. Das drücke die Preise wieder nach unten. Auch für die meisten britischen Marken würden sich zur Zeit nur weniger Käufer interessieren. Stark gefragt seien derzeit dagegen italienische Fabrikate.

Wer aber darauf achtet, nur Modelle zu erwerben, bei denen die Stückzahlen sehr gering sind, läuft deutlich weniger stark Gefahr, auf das falsche Fabrikat zu setzen und damit einen Verlust zu erleiden. „Wenn von einem Modell weniger als 1.000 Stück produziert wurden, ist das schon sehr gut”, sagt Stein. Dann könne man davon ausgehen, dass vielleicht noch 200 bis 300 Fahrzeuge dieses Modells existieren. „Solche Raritäten werden immer gefragt bleiben – sofern der Erhaltungszustand gut ist und die Fahrzeuge authentisch sind.” Hier kann es auch – wie beim Wein – auf den genauen Jahrgang ankommen: Das gleiche Modell aus dem Jahr 1955 kann zum Beispiel einen ganz anderen Wert haben als eines von 1956. Selbst bestimmte Jahrgänge und Modelle des VW-Käfer, der ja millionenfach gefertigt wurde, sind selten und begehrt und damit als Anlageobjekt geeignet.

Bonus für Prominentenfahrzeuge

Grundsätzlich sollten Anleger Steins zufolge kein Fahrzeug kaufen, das weniger als 20.000 bis 25.000 Euro kostet. „Darunter ergibt es keinen Sinn, denn bei günstigeren Fahrzeugen stehen die laufenden Unterhaltskosten in keinem Verhältnis zum Anschaffungspreis und das frisst dann die Wertsteigerung auf.”

Wichtig ist, dass die Fahrzeuge fahrtüchtig sind und die Technik funktioniert. Schäden, vor allem Rost, mindern den Wert erheblich. Und mit „authentisch” meint Steins: Der Wagen sollte sich noch zu allergrößten Teilen im Originalzustand befinden und keine Rekonstruktion sein. Ersatzteile sind aber natürlich – in Maßen – erlaubt, sofern sie vom selben Hersteller stammen. Oft werden die Ersatzteile für ein Fahrzeug bis heute gefertigt, auch wenn die Produktion des entsprechenden Fahrzeugs schon vor Jahrzehnten ausgelaufen ist.

Von unschätzbarem Vorteil ist es, wenn ein Wagen eine „durchgängige Geschichte” hat, wie Steins es ausdrückt. Wenn also alte Dokumente wie Fahrzeugbriefe oder Reparaturbelege genau nachweisen, wem das Auto gehörte, welche Schäden es hatte und wie es gepflegt wurde. Einen Zusatzbonus bekommen Fahrzeuge, die im Besitz von Prominenten waren. Denn wer möchte nicht ein Fahrzeug sein Eigen nennen, an dessen Steuer früher James Dean oder Marilyn Monroe saßen?

Autos müssen regelmäßig gefahren werden

Bedenken müssen Anleger, dass man einen Oldtimer – anders als Aktien oder auch andere Passion-Investments wie Wein oder Diamanten – nicht einfach liegen lassen und zusehen kann, wie der Wert steigt. So muss ein Oldtimer regelmäßig gefahren werden, damit er nicht einrostet. Mindestens 1.000 Kilometer pro Jahr sollten es schon sein. Zwar ist jede Fahrt auch wieder ein Risiko, weil natürlich immer ein Unfall oder eine Panne passieren kann. Doch aus Erfahrung weiß Steins: „Standschäden sind häufiger als Fahrschäden.” Für Oldtimer-Besitzer dürfte das keine schwere Bürde sein. Schließlich sind die allermeisten von ihnen nicht nur nüchterne Anleger, sondern haben auch große Freude daran, ihr Fahrzeug gelegentlich „auszuführen”.

Nur sehr wertvolle Fahrzeuge – manchmal sind das Einzelstücke – deren Wert im Millionenbereich liegt, werden nicht gefahren. Das wäre schlicht zu gefährlich. Diese besonderen Raritäten sind deshalb reine Sammlerexemplare oder stehen in Museen. Ob sie tatsächlich noch fahrtüchtig sind, spielt bei diesen außergewöhnlichen Modellen im Grunde keine Rolle mehr. Eine Ausnahme, bei denen solche sündhaft teuren Fahrzeuge doch nochmal auf die Straße kommen können, sind historische Rennveranstaltungen wie zum Beispiel das Goodwood Revival in Südengland.

Laufende Kosten berücksichtigen

Wissen müssen Anleger auch, dass Oldtimer regelmäßig von einem Fachbetrieb gewartet und gegebenenfalls die eine oder andere Reparatur vorgenommen werden muss, damit sie in Schuss bleiben – egal wie häufig sie gefahren werden. Dafür fallen natürlich Kosten an, was die die mögliche Rendite schmälert. Nicht geringe Kosten verursachen auch die Versicherungsprämien, auch wenn es hier Spezialanbieter gibt, die relativ günstige Tarife anbieten. Und schließlich muss auch ein Oldtimer regelmäßig durch den TÜV – sofern er auf öffentlichen Straßen gefahren wird.

Wer möchte nicht ein Fahrzeug sein Eigen nennen, an dessen Steuer früher James Dean oder Marilyn Monroe saßen? Oldtimer-Besitzer sollten unbedingt auch für einen angemessenen Stellplatz sorgen. Denn wer seinen Wagen auf der Straße stehen lässt, riskiert, vor allem im Winter schwere Schäden durch die Witterung, aber auch zum Beispiel durch Vandalismus. Die Classic Remise bietet solche Stellplätze an – mit dem erfreulichen Nebeneffekt, dass alle Besucher der Remise etwas davon haben, weil sie die Fahrzeuge bestaunen können.

Ein theoretisches Risiko besteht zudem darin, dass die Politik irgendwann den Betrieb von Oldtimern einschränken oder sogar ganz verbieten könnte. Bei den Grünen gibt es immer wieder Überlegungen, die in diese Richtung gehen. Konkrete Anzeichen, dass derartige Pläne mittelfristig umgesetzt werden können, gibt es derzeit zwar keine – zumal die Grünen nicht Teil der Bundesregierung sind. Aber im Hinterkopf sollten Anleger diese Gefahr trotzdem haben.

Wer mit dem Kauf eines Oldtimers liebäugelt, sollte also nicht nur den Anschaffungspreis im Blick haben, sondern zuvor auch nüchtern durchrechnen, welche laufenden Kosten und Risiken auf ihn zukommen. „Mir sind die Kosten durchaus bewusst”, sagt der leidenschaftliche Oldtimer-Sammler Friedrich Schubert. „Aber ich nehme sie gerne in Kauf. Schließlich bekomme ich auch regelmäßig eine Spaßdividende in Form des Genusses, den ich empfinde, wenn ich eines meiner Babys ausfahre”.




Alle Fotos in diesem Artikel wurden von Sebastian Wolff, mit Genehmigung von Classic Remise, gemacht.

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