In Deutschland ist Sparen ein Volkssport. Doch auch in anderen Regionen der Erde wird gespart – wenn auch teilweise auf ganz andere Art und Weise als hierzulande. Ein Überblick über die originellsten Sparformen auf dem Globus.

Das Sparen gilt als eine ur-typisch deutsche Eigenschaft: Schon als Kind füttern wir unser Sparschwein mit unserem Taschengeld, wenn wir älter werden, bringen wir das Geld zur Bank und zahlen es aufs Sparbuch ein, wahlweise auch auf unser Festgeld- oder Tagesgeldkonto. Der Zinssatz ist den meisten von uns nicht so wichtig. Hauptsache das Geld ist sicher. Manchen erscheint selbst das Bankkonto noch zu riskant und verstecken ihr Erspartes buchstäblich unter dem Kopfkissen, der Matratze, dem Sparstrumpf und im Wäscheschrank oder deponieren es in einem Schließfach.

Doch das Klischee der Deutschen als Sparweltmeister ist falsch. Andere Nationen sparen noch einen wesentlich höheren Teil ihres Einkommens als die Bundesbürger. Die eigentlichen Sparweltmeister sind die Schweizer. Während die Deutschen im Schnitt seit Jahren knapp zehn Prozent ihres Einkommens sparen, bringen es die Schweizer fast auf das Doppelte. Auch die Schweden (knapp 16 Prozent Sparquote), Luxemburger (rund 15 Prozent) sparen einen höheren Teil ihres Einkommens als die Bundesbürger.

Interessanter sind aber die Spargewohnheiten in anderen Ländern als den bislang genannten, weil sie sich fundamental von denen in Deutschland unterscheiden. Hier ein Überblick über einige der originellsten Methoden, wie Menschen in anderen Regionen der Erde Geld für später zurücklegen.

Susu in Schwarzafrika und der Karibik

In Ghana wurde vor rund 50 Jahren eine besondere Form des Sparens entwickelt, die mittlerweile in vielen anderen afrikanischen Ländern und auch in Karibikstaaten wie Jamaika, Haiti und Grenada sowie im südamerikanischen Guyana weit verbreitet ist. Doch auch in der Weltfinanzmetropole New York wird diese Form des Sparens in bestimmten Kreisen praktiziert. Sie nennt sich Susu. Im Grunde handelt es sich um eine Mischform aus Sparen und der Aufnahme eines Kredits. In dieser Hinsicht hat Susu sogar eine gewisse Gemeinsamkeit mit einer bestimmten deutschen Sparform, dem Bausparen, das ebenfalls eine Spar- und eine Kreditkomponente enthält. Doch ansonsten ist Susu natürlich nicht mit Bausparen zu vergleichen.

Susu funktioniert folgendermaßen: Ländliche Kleingewerbetreibende, die keinen Zugang zum normalen Bank- und Kreditsystem haben und ein Darlehen möchten, müssen zunächst mindestens drei Monate lang sparen. Daraufhin können sie ein Darlehen erhalten, das allerdings maximal 200 Prozent der angesparten Summe betragen kann. Mit dem Susu-System hat CRAN in Ghana gute Erfahrungen gemachtIn regelmäßigen Abständen – das kann täglich oder auch einmal pro Woche sein – besuchen Susu-Geldsammler die Sparer, um den Geldbetrag abzuholen und ihn zu einer zentralen Sammelstelle zu bringen. Wenn dann ein bestimmter Betrag zustande gekommen ist, wird die Gesamtsumme auf ein Gemeinschaftskonto einer Geschäftsbank eingezahlt. Denn angesichts der bescheidenen Summen, die sie zurücklegen können, lohnen sich für die meisten Menschen in diesen Ländern eigene Sparkonten nicht. Der Verwaltungsaufwand für die Banken wäre sonst so hoch, dass diese dafür eine Gebühr berechnen würden, die das Sparen sinnlos machen würde.

Das Hilfsnetzwerk CRAN hat das Susu-System weiterentwickelt, indem es ein Netz von Dorfkassen gegründet hat. Für die Kleinsparer bedeutete das eine bedeutende Verbesserung, denn in der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass Susu-Kollektoren mit den einkassierten Beträgen einfach verschwanden. Sie ausfindig und dingfest zu machen, war praktisch nicht möglich, denn die Betrüger besaßen meist nicht einmal einen festen Wohnsitz. In den Dorfkassen können die Kunden ihr Geld selbst einzahlen. Wohnen sie zu weit weg, holen CRAN-Mitarbeiter das Geld per Moped ab. Zinsen gibt es allerdings für die Sparer keine, denn von diesen Erträgen wird das Susu-Personal bezahlt.

Der Mindestbetrag beträgt lediglich umgerechnet zehn Cent. Im Durchschnitt betragen die Einzahlungen umgerechnet 3,50 Euro. Solche kleineren Summen können die Händler regelmäßig aufbringen. Viele Imbiss- oder Ladeninhaber zahlen ihre Tageseinnahmen in die Dorfkassen ein. Laufen die Geschäfte schlecht, lässt sich Sparrate nach den Bedürfnissen des Schuldners flexibel verändern.

Mit dem Susu-System hat CRAN in Ghana gute Erfahrungen gemacht: 94 Prozent der Darlehen werden pünktlich zurückgezahlt. Durch das regelmäßige Einsammeln der Beträge halten die Mitarbeiter der Gemeinschaftskasse engen persönlichen Kontakt mit den Kunden und wissen dadurch frühzeitig Bescheid, wenn sich bei einem Kunden Probleme andeuten. Vor allem bei Frauen – meist kleine Gewerbetreibende – kommt Susu sehr gut an: Ihr Anteil an den Darlehensnehmern beträgt etwa 80 Prozent.

Eine Variante des Susu erinnert mehr an eine Lotterie mit Wohlfahrtskomponente: Die Teilnehmer vereinbaren die Höhe des Geldbetrages, der gemeinsam angesammelt werden soll. Jeder Teilnehmer bezahlt dann pro Runde – also täglich oder wöchentlich – seinen anteiligen Beitrag an einen Kollektor (beziehungsweise an eine Kollektorin, denn meist übernehmen Frauen bei dieser Susu-Variante diese Funktion). Es wird jedoch kein größerer Geldbetrag angespart, sondern nach jeder Runde wird der gesamte eingesammelte Geldbetrag (die hand) an einen bestimmten Teilnehmer ausgezahlt – und zwar entweder an denjenigen, der es nach Meinung der meisten Teilnehmer am dringendsten nötig hat oder es wird gelost. In der nächsten Runde erhält dann ein anderer Teilnehmer die hand. Es werden so viele Runden gespielt, bis jeder Teilnehmer einmal eine hand erhalten hat. Die erste hand behält die Susu-Kollektorin allerdings in der Regel bis zum Schluss als Sicherheit zurück. Neue Teilnehmer oder solche, die ihre Zahlung unpünktlich leisten, kommen meist erst später mit der Auszahlung an die Reihe.

Zinsverbot in islamischen Ländern

In streng-islamischen Ländern ist Sparen im engeren Sinne faktisch nicht möglich, denn dort herrscht ein Geldzinsverbot. Dem liegt die These zugrunde, dass Geld für sich allein genommen keinen Mehrwert schafft. Es darf daher nicht ohne Gegenleistung aus sich selbst heraus einen Ertrag erwirtschaften. Deshalb ist es laut Koran weder erlaubt, Zinsen zu verlangen, noch Zinsen zu zahlen. Wird das Geld dagegen in der Realwirtschaft investiert, ist das unter bestimmten Voraussetzungen islam-konform. Faktisch bedeutet das: Wird das Geld in der Realwirtschaft investiert, ist das unter bestimmten Voraussetzungen islam-konform Zinsorientierte Finanzprodukte wie Sparbücher, Festgeld oder konventionelle Anleihen sind nach islamischem Recht (der Scharia) nicht erlaubt, Aktien und Aktienfonds dagegen schon. Ausgeschlossen sind allerdings Branchen wie Waffenhandel, Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Wetten, Erotik, Musikindustrie, Schweinefleischproduktion, aber auch konventionelle Banken und Versicherungen. Ein weiteres Ausschlusskriterium bei der Auswahl von Wertpapieren ist der Verschuldungsgrad des Unternehmens, in das investiert wird: Er darf ein Drittel der Marktkapitalisierung nicht übersteigen.

Eine Alternative zu Aktien und Aktienfonds sind nach islamischem Recht Sukuk. Hierbei handelt es sich um spezielle Anleihen, die im Rahmen einer Beteiligungsstruktur ausgegeben werden und bei denen keine Zinsen auf das angelegte Kapital gezahlt werden. Stattdessen erfolgen Beteiligungsausschüttungen an die Anteilseigner. Die Scharia erlaubt nämlich die Verteilung von Gewinnen. Islamische Banken kaufen für den Emittenten der Sukuk Güter ein und geben sie später mit Gewinn an ihn weiter. Durch diese Konstruktion erhält der Emittent keinen festen Zinssatz, sondern wird über sein Guthaben Teilhaber der Bank. Die Bank tritt als Zwischenhändler auf und hält sich damit ebenfalls an das islamische Recht.

Heimliches Sparen in Japan

In japanischen Familien gilt die Frau inoffiziell als die Finanzministerin. Sie regelt die Familienausgaben und -ersparnisse und gewährt dem häufig alleinverdienenden Ehemann ein Taschengeld. Darüber hinaus sparen kluge japanische Frauen heimlich für die Familie, aber auch für ihre eigenen Bedürfnisse – zum Beispiel für ungeplante Konsumwünsche, aber auch für den Fall einer Scheidung. Denn durch das japanische Eherecht sitzen Männer in Japan finanziell am längeren Hebel. Deshalb bleibt den Frauen nichts anderes übrig, als sich durch heimliche Ersparnisse finanziell abzusichern. Zum Teil legen sie daher hohe Beträge beiseite.

Die heimlichen Ersparnisse der japanischen Frauen sind auch unter der Bezeichnung Hesokuri bekannt. Japanische Lebensversicherungen erfragen regelmäßig die Höhe des Hesokuri, um daraus Rückschlüsse zu ziehen, wie liquide die Privathaushalte sind. So gesehen, sind die Ersparnisse der Frauen dann doch wieder nicht so geheim. In den vergangenen Jahren stellten die Lebensversicherungen deutliche Zuwächse bei den Hesokuri fest.

Leichenschmaus in Südafrika

Wegen traditionell hoher Inflationsraten, die zu schneller Geldentwertung führt, ist Sparen in Südafrika eigentlich wenig populär. Doch für ein wichtiges Ereignis im Leben machen die Südafrikaner eine Ausnahme und sparen ein Leben lang. Nein, nicht für die Hochzeit, sondern für das eigene Begräbnis. Wegen traditionell hoher Inflationsraten, ist Sparen in Südafrika wenig populärDenn so makaber es klingt: Zu einem gelungenen südafrikanischen Begräbnis gehört auch immer ein ausgesprochen großzügig zelebrierter Leichenschmaus. Und der kostet nun einmal viel Geld. Bezahlt wird der Leichenschmaus traditionell vom Vermögen des Verstorbenen. Auch die Ärmsten der Armen sorgen in der Regel für dieses Großereignis, das sie selbst gar nicht mehr miterleben werden, vor und zahlen ein Leben lang in eine Sterbekasse ein. Die Südafrikaner bringen damit eine Mentalität zum Ausdruck, die für die meisten Deutschen wahrscheinlich nur schwer nachvollziehbar ist.

Ansonsten setzen Südafrikaner, die es sich leisten können, auf Immobilien. Doch genauso wichtig wie der Besitz einer eigenen Immobilie ist vielen Südafrikanern ein möglichst repräsentatives Auto. Sehr häufig werden diese Statussymbole über Darlehen finanziert.

Ungenehmigte Bautätigkeit in Brasilien

Die Brasilianer sind nicht gerade bekannt dafür, dass sie viel an die Zukunft denken. Vielmehr leben die Bewohner des bevölkerungsreichsten Landes Südamerikas im Hier und Jetzt. Sie genießen den Moment und feiern das Leben in vollen Zügen – so sagt es zumindest das Klischee. An diesem Klischee ist natürlich auch etwas dran. Tatsächlich sind die Brasilianer traditionell extrem konsumfreudig und wenig sparfreudig. Auf das neue Smartphone oder schicke Kleidung wollen die meisten Brasilianer nicht lange warten und kaufen sie deshalb gern auf Pump per Ratenkredit.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Im Hinblick auf die seit Jahrzehnten extrem hohe Inflationsrate in Brasilien ist dieses konsumfreudige Verhalten auch gar nicht so irrational. Entsprechend kommt der durchschnittliche Brasilianer auf ein Sparguthaben von weniger als 800 Euro. Die einzige weit verbreitete Form des nachhaltigen Vermögensaufbaus in Brasilien ist das jahrelange Bauen am eigenen Haus. Doch diese Tradition hat einen Haken: Viele Brasilianer errichten Gebäude ohne Genehmigung – wodurch diese Vermögenswerte auf buchstäblich auf unsicheren Füßen stehen.

Geizen in Schottland

Sprichwörtlich für ihre Neigung zum Sparen bekannt sind seit vielen Generationen die Bewohner ganz im Norden der britischen Insel, die Schotten. Wahrscheinlich entstand das Klischee der geizigen Schotten aus der Perspektive des früh industrialisierten Englands wegen des kargen Landes, das dessen Bewohner zu größerer Sparsamkeit zwang als die Engländer im Süden. Doch mittlerweile hat sich das Klischee überholt: Nicht nur in Schottland, in ganz Großbritannien ist Sparen zum Volkssport geworden. Womöglich spielt auch die Verunsicherung eine Rolle, die durch den bevorstehenden Brexit, den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, bei vielen Einwohnern der Insel hervorgerufen wurde. Viele Briten gelten zudem als „Secret Saver“ und verfügen über ein geheimes Sparguthaben, das sie selbst vor ihrem Ehepartner verbergen.