Viele Hochvermögende trauen Banken nicht über den Weg. Denn deren Mitarbeiter sind Interessenkonflikten ausgesetzt, bei denen die Kunden meist das Nachsehen haben. Multi-Millionäre lassen ihr Geld deshalb lieber von eigenen Angestellten in Family Offices betreuen. Oder schließen sich Multi Family Offices an, die das Vermögen mehrerer Familien verwalten.

Als die Familie Rodenstock Anfang des neuen Jahrtausends ihren Brillen-Konzern verkaufte, gründete sie eine eigene Firma, ein sogenanntes Family Office, um den Erlös verwalten zu lassen. „Die Banker haben immer noch ihre Listen mit Produkten, die sie Kunden verkaufen müssen. In bankeigenen Zertifikaten oder geschlossenen Fonds können die sehr gut hohe Gebühren verstecken“, begründete Benedict Rodenstock diesen Schritt im manager magazin.

Mit ihrem Misstrauen gegenüber Banken befinden sich die Rodenstocks in guter Gesellschaft. Schätzungen zufolge operieren in Deutschland mehr als 400 dieser exklusiven Büros, die zusammen rund 180 Milliarden Euro verwalten.

Je größer das verwaltete Vermögen, desto geringer die relativen Kosten

Beschreibung

Quelle: McKinsey Wealth Management Report (2015)

Die elitäre Branche unterscheidet zwischen sogenannten Single und Multi Family Offices. Erstere betreuen ausschließlich das Vermögen einer einzelnen Familie. Letztere sind für mehrere Superreiche tätig. Viele beginnen als Single Family Office und öffnen sich dann für andere Familien. Denn je größer das verwaltete Vermögen ist, desto geringer sind am Ende die Kosten in Relation zum Anlagebetrag. Branchenkennern zufolge lohnt sich der Betrieb eines Single Family Office ab einem Vermögen von 150 bis 200 Millionen Euro. Je größer das verwaltete Vermögen, desto geringer die Kosten.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Die Aufgaben von Family Offices sind vielfältig und komplex. Sie wachen ganzheitlich über weitverzweigte Vermögen, die nicht nur aus börsennotieren Wertpapieren wie Aktien bestehen. Viel von dem Geld der Reichen fließt auch in direkte Unternehmensbeteiligungen (Private Equity), in Sachanlagen wie Immobilien, Wald und Ackerland sowie in Kunstgestände und Sammlerobjekte wie Oldtimer. Zusätzlich erbringen die Family Offices Dienstleistungen wie die Organisation von Reisen und Veranstaltungen der Familie, die Vorbereitung der nächsten Generation auf den Umgang mit Vermögen und die Koordination von Hauspersonal.

Kern der Family Offices bleibt aber die Betreuung von Vermögen. Dabei gehen die Büros unterschiedliche Wege. Manche beschränken sich auf die Auswahl, Koordination und Überwachung von externen Spezialisten. Andere betreiben aktives Portfolio-Management mit dem Ziel, überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften. Zu diesen Family Offices zählt beispielsweise HQ Trust,
der Portfolio-Manager von LIQID.

Interessenkonflikte führen zu fragwürdigen Beratungs- und Anlageergebnissen

Die Gründe, warum Superreiche ihr Geld lieber Family Offices als Banken anvertrauen, sind vielfältig: Beispielsweise ist die Mitarbeiterfluktuation bei Banken hoch. Das schürt Ängste, dass sensible Daten abfließen könnten. Zudem sind viele Vermögen so komplex, dass Banken keine ganzheitliche Verwaltung anbieten können.

Das wichtigste Argument dürften aber die Interessenkonflikte sein, denen Mitarbeiter von Banken ausgesetzt sind. Bankberater sind immer auch Verkäufer. Sie sind in erster Linie ihrem profitorientierten Arbeitgeber verpflichtet, der oft Umsatz- und Vertriebsvorgaben macht. Hohe Profite für die Banken können aber nur mit möglichst vielen Transaktionen und mit teuren Finanzprodukten erwirtschaftet werden. Doch was für die Geldinstitute vorteilhaft ist, schmälert in aller Regel die Renditen der Kunden.

Das Problem der Interessenkonflikte teilt der Geldadel mit dem einfachen Volk, das täglich in den Bankfilialen schlecht beraten wird, wie zahlreiche Untersuchungen belegen. Sie zeigen etwa, dass häufig Finanzprodukte in den Depots der Kunden landen, die nicht ihren Bedürfnissen entsprechen. Zudem sind die Produkte meistens teuer. Die Vertriebs- und ein Teil der hohen Verwaltungskosten fließen als Provisionen an die vermittelnden Banken.

Eine Studie der Frankfurt School of Finance & Management legt nahe, dass Banken ihren Kunden in der Vergangenheit sogar Aktien unterschoben, die sie selber loswerden wollten. Sie verkauften zudem Schrottpapiere, verschleierten deren Risiken und lösten so die Finanzkrise aus.

Für Privatanleger gibt es heute Alternativen zu Banken

Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass Multi-Millionäre sich bei Family Offices besser aufgehoben fühlen. Doch auch Privatanleger mit kleinen Vermögen sind nicht auf Banken angewiesen. Sie können sich an einen digitalen Vermögensverwalter wenden. Seriöse Anbieter wie LIQID kassieren keine Provisionen von den Produktanbietern, sondern nehmen lediglich eine moderate Verwaltungspauschale von ihren Kunden. Interessenkonflikte sind damit ausgeschlossen: Die digitalen Anbieter arbeiten ausschließlich im Interesse ihrer Kunden.