Geldanlage

Verlassen Sie sich nicht auf Prognosen!

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Die künftigen Kurse von Wertpapieren lassen sich ebenso wenig zuverlässig vorhersagen wie beispielsweise das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Ihre Entwicklungen hängen von dem Verhalten von Menschen ab und das ist bekanntlich unstet und schwer zu ergründen. Menschliche Entscheidungen werden von einer Vielzahl von Faktoren und Ereignissen beeinflusst, von denen heute noch keiner weiß, dass sie überhaupt stattfinden.

Wirtschaft und Finanzmärkte funktionieren nicht nach verlässlichen Naturgesetzen wie die Physik und die Chemie. Einmal ausgemachte Zusammenhänge zwischen einzelnen Faktoren sind über die Zeit nicht stabil. An der Börse können dieselben Zutaten heute eine andere Reaktion hervorrufen als in der Vergangenheit. Denn Marktdaten lassen sich immer unterschiedlich interpretieren. Sicher ist an den Finanzmärkten nur die Unsicherheit. Ob der Dax in einem Jahr bei 12.000 oder bei 8.000 Zählern stehen wird, weiß niemand.

Die meisten Banken sind immer optimistisch

Dennoch produziert die Finanzindustrie zahllose Prognosen: Zu den Entwicklungen von Zinsen, Aktienkursen, Währungen, Rohstoff- und Immobilienpreisen und vielem mehr. Zum Jahresende veröffentlichen Zeitungen und Magazine gerne die Aktienkursprognosen der wichtigsten Banken zum deutschen Aktienindex Dax.

Machen Sie sich mal die Mühe und studieren Sie eine solche Übersicht. Sie werden feststellen, die meisten Prognosen sind positiv und viele liegen sehr nah beieinander oder sind sogar identisch. Es gibt Würden Sie einen Aktienfonds kaufen, wenn Ihre Bank fallende Kurse prognostiziert? Eben. meistens einige Ausreißer nach oben und nur sehr wenige nach unten. Zumindest das ist schon fast ein Naturgesetz, dessen Ursprung in den Geschäftsinteressen der Banken zu suchen ist. Seien Sie ehrlich: Würden Sie einen Aktienfonds kaufen, wenn Ihre Bank fallende Kurse prognostiziert? Eben.

Auf der anderen Seite erregen zu optimistische Vorhersagen schnell den Verdacht, unseriös zu sein. Deshalb sind Banken meistens „verhalten optimistisch“. Folgt man ihren Aktien-Prognosen, dann wird fast jedes neue Jahr schwieriger als das vergangene, aber so gut wie immer soll ein Kursplus von 7 bis 9 Prozent drin sein. Mit so einer Prognosestrategie schürt man die Hoffnung der Kunden und lehnt sich gleichzeitig nicht zu weit aus dem Fenster. Liegt man daneben, steht man nicht alleine da. Schließlich hat es die Konkurrenz auch nicht besser gewusst.

Dass dieses Vorgehen schon statistisch blanker Unsinn ist, interessiert offenbar kaum jemand: Zwischen Ende 1948 und Ende 2012 war die Jahresrendite des Dax in 46 von 63 Jahren zweistellig, davon in 13 Jahren negativ. In nur elf Fällen endete das Jahr mit einem einstelligen positiven Ergebnis.

Auch Börsengurus haben keine übernatürlichen Fähigkeiten

Vergleichen Sie einmal die Dax-Prognosen mit dem tatsächlichen Indexstand zum Jahresende: Die Ein Schuss ins Schwarze ist eher Glücksache als auf die Fähigkeiten eines Analysten zurückzuführen. Abweichungen sind in der Regel erheblich. Meistens gibt es einen oder zwei Prognostiker, die einen Treffer landen. Nur: Im nächsten Jahr gelingt ihnen das mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht noch einmal. Ein Schuss ins Schwarze ist eher Glücksache als auf die Fähigkeiten eines Analysten zurückzuführen.

Wem einmal eine spektakuläre Vorhersage glückt, wird von den Medien zum „Börsenguru“, „Star-Ökonomen“, zur „Investmentlegende“ oder Ähnlichem stilisiert. Doch auch diese vermeintlichen Super-Prognostiker wissen es nicht besser als die anderen. Sie können ihre Erfolge in der Regel nicht wiederholen. Ein Beispiel ist der Ökonom Nouriel Roubini. Ihm wird nachgesagt, die Finanzkrise, die kaum jemand kommen sah, richtig vorhergesagt zu haben. In den folgenden Jahren lag er mit seinen Prognosen aber häufig daneben.

Natürlich stellt sich die Frage, warum das Prognose-Theater jedes Jahr aufs Neue aufgeführt wird, wenn Vorhersagen derartig unzuverlässig sind. Hier liefert das unumstößliche Gesetz von Angebot und Nachfrage eine mögliche Antwort: Offenbar sind den meisten Anlegern schlechte Prognosen lieber als gar keine.

Fazit: Niemand kennt die Zukunft

Stützen Sie Anlageentscheidungen nicht auf schnelllebige und interessengeleitete Finanzmarkt-Prognosen. Bisher konnten sich Anleger darauf verlassen, dass zumindest langfristig die Aktienkurse der Gewinnentwicklung der Unternehmen folgen. Über lange Zeiträume betrachtet sind Aktienpreise demnach kein Zufall.

Auch die Bewertung von Aktien gibt Auskunft über künftige Renditen. Ein Zusammenhang zwischen Bewertungen gemessen beispielsweise am sogenannten Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis und den durchschnittlichen Jahreserträgen für die nächsten zehn Es kann zwischendurch einige Crashs geben – oder eben auch nicht Jahre ist statistisch nachweisbar. Die Renditen fallen mit großer Wahrscheinlichkeit höher aus, wenn die Bewertungen niedrig sind und umgekehrt. Doch auch dafür gibt es keine Garantie. In der Vergangenheit gab es genügend Beispiele dafür, dass die Kursgewinne trotz niedriger Bewertungen mager blieben. Völlig im Dunkeln bleibt zudem, auf welchem Pfad die prognostizierten jährlichen Durchschnittsrenditen erzielt werden. Es kann zwischendurch einige Crashs geben – oder eben auch nicht.

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