Diversifizierung

US-Aktienmärkte sind überbewertet – was Anleger jetzt tun sollten

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LIQID Investments GmbH

Die US-Aktienmärkte gelten im Vergleich zu anderen Anlageregionen als überbewertet. Viele deutsche Anleger sind aber sehr stark in den USA investiert, ohne dass ihnen das bewusst sein dürfte – zum Beispiel, weil sie auf den MSCI World Index setzen. Das sollten sie dringend korrigieren.

Als Gradmesser für die Entwicklung der weltweiten Aktienmärkte gilt der MSCI World Index. Das hoch angesehene globale Börsenbarometer, das ursprünglich von der Investmentbank Morgan Stanley entwickelt wurde, wird von Analysten und Journalisten regelmäßig für Vergleiche herangezogen. Kein Wunder daher, dass zahlreiche (ETF) den MSCI World abbilden. Viele Millionen Anleger haben, auch aufgrund von Analysten-Empfehlungen und Medienberichten, auf diese Weise ihr Geld 1:1 in den Index investiert. Und zahlreiche aktive Fonds, institutionelle und private Anleger haben den MSCI World als Benchmark, an der sie sich messen, auserkoren. Doch Anleger sollten genau verstehen, wie der MSCI World aufgebaut ist, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.

US-Unternehmen machen 60 Prozent im MSCI World aus

Zum einen bildet der MSCI World nicht wirklich die weltweiten Aktienmärkte ab, sondern lediglich die Aktienmärkte von 23 Industriestaaten. Wichtige Regionen bleiben damit außen vor, zum Beispiel bedeutende Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien oder Russland. Zum anderen, und das ist das größere Problem: US-amerikanische Aktien haben heute ein sehr hohes Gewicht im MSCI World Index. Sie machen nämlich rund 60 Prozent seines Gewichts aus. Auch die zehn größten in dem Index repräsentierten Aktien sind US-Unternehmen.

Das liegt daran, dass der Anteil einer Aktie am Index nach Marktkapitalisierung, also nach dem Börsenwert berechnet wird. Der Aktienmarkt in den USA hat, auch durch den aufwertenden Dollar, in den vergangenen Jahren stärker zugelegt als der von anderen großen Industrienationen. Dadurch ist das Gewicht von US-Aktien im MSCI World von gut 40 Prozent im Jahr 2010 auf aktuell etwa 60 Prozent gestiegen.

Zum Vergleich: Ende der 80er Jahre lag das Gewicht von US-Aktien im MSCI World sogar nur bei rund 30 Prozent. Damals nämlich erlebten die japanischen Aktienmärkte einen gewaltigen Boom – und kamen ihrerseits auf einen Anteil von rund 50 Prozent am MSCI World. 1989 platzte jedoch die Blase am japanischen Aktienmarkt: In den darauf folgenden 14 Jahren verlor der heimische Nikkei-Index fast drei Viertel seines Wertes und das Gewicht der japanischen Aktien im MSCI World sank auf unter zehn Prozent. Auf diesem Niveau liegt es noch heute.

Parallel dazu verdoppelte sich das Gewicht der US-Aktien im MSCI World von 1989 bis heute von 30 auf 60 Prozent. Denn trotz zwischenzeitlicher Kursverluste – vor allem zwischen 2000 und 2003 – legte der maßgebliche US-Aktienindex S&P 500 seitdem gewaltig zu.

Auch europäische und deutsche Aktien, abzulesen an den Indizes Stoxx Europe 600 und DAX, entwickelten sich nicht so gut, wie US-amerikanische. Dementsprechend ist ihr Gewicht im MSCI World aktuell nur verhältnismäßig gering: Britische Aktien kommen auf rund 6,6 Prozent, französische auf 3,9 Prozent und deutsche sogar nur auf 3,5 Prozent. Zum Vergleich: Allein das Gewicht der wertvollsten Aktie im MSCI World, die des iPhone-Herstellers Apple, ist mit 2,1 Prozent mehr als halb so groß, wie der gesamte im MSCI World vertretene deutsche Aktienmarkt.

Berechnungsmethode berücksichtigt nur den Börsenwert

Sowohl der historische Rückblick als auch die aktuelle Zusammensetzung des MSCI World verdeutlichen also: Wer heute über einen ETF in den MSCI World in dem Glauben investiert, dass er auf diese Weise sein Geld weltweit gleichmäßig streut, unterliegt einem Irrtum. Der MSCI World hat ein erhebliches Übergewicht in großen Aktienmärkten, aktuell besonders in den USA. Grund für diese Verzerrungen ist die Berechnungsmethode des MSCI World. Die Gewichtung der Aktienmärkte erfolgt streng nach Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Über das Gewicht eines Landes im MSCI entscheidet allein der Börsenwert der Aktien.

Das führt zu einem Klumpenrisiko in den USA, das für Anleger gefährlich sein können: Aktuell kauft ein Anleger mit einem ETF auf den MSCI World faktisch zu 60 Prozent einen US-Aktienfonds – mit allen Chancen und Risiken, die damit verbunden sind. So halten viele Investoren die US-Aktienmärkte aktuell im Vergleich zu den europäischen, aber auch zu Japan und den Schwellenländern für deutlich überbewertet.

Die skeptischen Investoren machen ihre Einschätzung unter anderem am hohen durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des US-amerikanischen Aktienmarktes fest. Je höher das KGV, umso höher bewertet, also umso teurer, ist eine Aktie oder ein Aktienmarkt. So liegt das durchschnittliche KGV des S&P 500 aktuell bei rund 20, was deutlich über dem historischen Durchschnitt von 14 ist. Legt man den Shiller-KGV zugrunde, ist die Bewertung der US-Aktien noch höher. Das Shiller-KGV wurde von dem Wirtschaftsnobelpreisträger und Professor an der Yale-Universität Robert Shiller entwickelt. Er berechnet das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie (KGV), für das normalerweise der Gewinn eines einzigen Jahres herangezogen wird, auf der Basis der durchschnittlichen Gewinne der vergangenen zehn Jahre. Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Bewertung auf einer größeren Datenreihe als einem Jahr beruht und damit Ausreißer bei den Gewinnen nach oben und nach unten weniger ins Gewicht fallen. Aktuell liegt das Shiller-KGV für den breiten US-Aktienmarkt bei rund 30.

BIP-gewichtete Indizes sind für Anleger besser geeignet

Die hohe Bewertung des US-Aktienmarktes muss natürlich nicht bedeuten, dass es dort zu einem Kurssturz kommt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er sich im Vergleich zu anderen Märkten wie den europäischen und japanischen künftig schwächer entwickelt, ist höher als bei einem niedrigen Shiller-KGV. Denn langfristig, das lehrt die Erfahrung, nähern sich die Bewertungen der Aktienmärkte tendenziell wieder ihrem historischen Durchschnitts-KGV.

Anleger haben aber eine Alternative: Sie können zum Beispiel ETF kaufen, die sich am MSCI World GDP messen. Bei diesem Index wird die Gewichtung der einzelnen Länder nicht auf Basis der Marktkapitalisierung des jeweiligen Aktienmarktes bestimmt, sondern anhand der wirtschaftlichen Leistung (BIP). Das sorgt dafür, dass von der Wirtschaftskraft stark abweichende Anteile einzelner Länder und Regionen nicht entstehen können.

LIQID setzt für seinen passiven Anlagestil LIQID Global auf eine BIP-Gewichtung, die wir über regionale Aktien-ETF umsetzen. Diese ETF werden entsprechend der Wirtschaftskraft der jeweiligen Region gewichtet. Die Daten zur Wirtschaftskraft werden jährlich aktualisiert. Doch das Investment-Team von LIQID tut noch mehr, um zu verhindern, dass ein zu großer Teil der in LIQID Global investierten Kundenportfolios in hoch bewertete Märkte investiert wird. So werden die Portfolios durch den LIQID-Algorithmus so gesteuert, dass die Anteile von unterschiedlichen Märkten gleichmäßig verteilt bleiben: Steigen etwa die Aktienmärkte in einer Region (zum Beispiel den USA) besonders stark, wird der Anteil der US-Aktien zu Gunsten von Aktien in anderen Regionen reduziert. Dieser Vorgang wird Rebalancierung genannt. Durch dieses antizyklische Handeln sorgt LIQID dafür, dass die Kundenportfolios stets in der Balance bleiben und die erwartete Rendite der Portfolios optimiert wird.

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