Das Ende der Kostenlos-Kultur

Einige Banken gehen mit Gebühren-
erhöhungen zu weit

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LIQID Investments GmbH

Die Banken verdienen immer weniger am Zinsgeschäft und werden deshalb kreativ, um sich neue Einnahmequellen zu erschließen. Am weitesten gehen bislang ausgerechnet einige Sparkassen und Volksbanken: Für Geldabhebungen am Automaten nehmen sie inzwischen sogar Gebühren von eigenen Kunden. Damit tun sie sich auf lange Sicht keinen Gefallen.

Wer häufig Geld bei einer Fremdbank abhebt, die in keinem Geldautomatenverbund mit der eigenen Bank ist, kennt das Ärgernis schon lange: Ihm werden in vielen Fällen mehrere Euro Gebühren von der Fremdbank berechnet. Neuerdings gehen einige Kreditinstitute noch einen Schritt weiter: Sie verlangen auch Gebühren für Auszahlungen an eigene Kunden. Es handelt sich ausgerechnet um Sparkassen und Volksbanken, die eigentlich als besonders kundenfreundlich gelten.

Untersuchungen des Finanzdienstleisters Biallo zufolge kann es bei mehr als 40 Sparkassen bis zu zwei Euro kosten, vom eigenen Konto Geld abzuheben. Laut Biallo haben damit rund zehn Prozent aller Sparkassen in Deutschland das gebührenfreie Abheben an den hauseigenen Geldautomaten eingeschränkt oder gleich ganz abgeschafft.

Noch deutlich höher ist die Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken (VR), die bei den eigenen Kunden kräftig für Auszahlungen zulangen: Biallo zufolge haben mindesten 150 VR-Banken die Gebührenfreiheit am Schalter und an den Automaten teilweise oder sogar ganz abgeschafft. Einige dieser Banken kassieren für Auszahlungen nicht nur bei Kunden, die das günstige oder kostenlose Girokontomodell gewählt haben, sondern sogar bei allen Kunden. Einige VR-Banken erheben diese Gebühren demnach sogar zeitgesteuert: Sie fallen dort nur in der Mittagszeit und am frühen Abend an, also genau dann, wenn besonders viele Kunden Geld abheben.

Üblich ist diese Praxis laut Biallo vor allem in ländlichen Regionen – dort wo Sparkassen und Volksbanken kaum Konkurrenz haben. Viele dieser Institute gewähren ihren Kunden Biallo zufolge eine gewisse Zahl von kostenlosen Abhebungen pro Monat und berechnen Gebühren ab der dritten oder fünften Auszahlung. Einige Häuser kassieren aber schon ab der ersten Abhebung.

Der Vorstoß dieser Sparkassen und VR-Banken ist der bisherige Höhepunkt einer Welle von Gebührenerhöhungen, wie sie Bankkunden derzeit hinnehmen müssen. Denn aufgrund der niedrigen Zinsen verdienen die Geldhäuser so gut wie nichts mehr im Einlagengeschäft: Kundeneinlagen können sie kaum mehr gewinnbringend als Kredite weitervergeben. Für überschüssige Einlagen müssen sie sogar Strafzinsen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen. Die wegbrechenden Einnahmen versuchen sie deshalb durch höhere Gebühren von ihren Kunden wenigstens teilweise wieder wettzumachen.

In ihrer Not sind die Geldhäuser durchaus erfinderisch: Erst schafften viele das kostenlose Girokonto ab oder setzten den monatlichen Mindestgeldeingang herauf, ab dem das Konto kostenlos geführt wird. Andere, bei denen die Kontoführung schon zuvor kostenpflichtig war, erhöhten die Preise oder führten Gebühren für bestimmte Dienstleistungen ein, die vorher in der monatlichen Pauschale enthalten war – beispielsweise für Kreditkarten oder für Überweisungen, die nicht online, sondern noch mittels Beleg durchgeführt werden. Zudem erhöhten viele Geldinstitute die Preise für Abhebungen von Fremdkunden.

Und jetzt also verlangen zahlreiche Sparkassen und Volksbanken sogar Geld für Abhebungen ihrer eigenen Kunden. Kurzfristig mag das ein cleverer Zug dieser Geldinstitute sei, um ihre Einnahmesituation zu verbessern. Doch langfristig tun sie sich damit keinen Gefallen. Sie verärgern damit ihre Kundschaft und schaden ihrem Ruf. Da es vor allem Sparkassen und VR-Banken in Regionen sind, in denen sie keine Konkurrenz haben, die solche Gebühren nun verlangen, müssen sie zwar vermutlich kaum mit einer größeren Abwanderungswelle rechnen: Die meisten Kunden werden es zähneknirschend hinnehmen, weil sie keine Alternative haben. Doch wollen diese Kunden einmal ein bedeutendes Geschäft wie die Finanzierung einer Immobilie oder die Anlage eines größeren Geldbetrages tätigen, werden es sich viele von ihnen überlegen, ob sie ihrer Sparkasse oder Raiffeisenbank die Treue halten oder sich nicht doch lieber einen günstigeren Anbieter – zum Beispiel im Internet – suchen. Zu Recht!

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