Altersvorsorge

Die Deutschland-Rente – ein Nachruf

liqid.de
LIQID Investments GmbH

Nachhaltigkeit ist in Deutschland „in“. Für die Energiewende nehmen die Deutschen gern Zusatzkosten für Strom in zweistelliger Milliardenhöhe pro Jahr in Kauf, gewaltige Windräder werden gern akzeptiert, zumindest außer Sichtweite des eigenen Wohnorts. Neuerdings werden sogar politische Maßnahmen gegen Kaffee-Aluminiumkapseln erwogen, da diese pro Bundesbürger bedrohliche 62 Gramm Restmüll pro Jahr erzeugen.

Nur bei der Altersvorsorge ist Nachhaltigkeit verpönt. Da eine saubere Umwelt nur bedingt erquicklich ist, wenn ein erheblicher Teil insbesondere der jüngeren Bevölkerung einem Ruhestand in Armut – definiert als Einkommen von unter 60 Prozent des Durchschnittswertes – entgegensieht, plädieren wir hier für eine Ausweitung des Nachhaltigkeitsbegriffs auf die Altersvorsorge. Die Fakten sprechen eindeutig dafür, dass der Vorschlag der hessischen Politiker Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) und Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), eine Deutschland-Rente mit hohem Aktienanteil und ohne Kosten einzuführen, genau richtig ist.

Historische Wertentwicklung spricht für Aktien

Zunächst sprechen historische Daten über den langfristigen Ertrag für diese These. In den USA, wo die Datenbasis für Kapitalanlagen besonders weit zurückreicht und wo festverzinsliche Anlageformen wie Geldmarkt- oder Rentenanlagen nicht wie in Deutschland zweimal nach den Weltkriegen fast völlig vernichtet wurden, ergibt sich bei Wiederanlage der Zinsen, Dividenden und Mieterträge folgendes Bild: am Geldmarkt wurden von 1914 bis 2015 aus 100 US-Dollar 3.552 US-Dollar (Rendite 3,6 Prozent p.a.). Ein in Staatsanleihen angelegtes Vermögen wuchs von 100 auf 20.680 US-Dollar (Rendite 5,4 Prozent p.a.). Mit Wohnimmobilien konnte man aus 100 rund 100.000 US-Dollar machen (7,1 Prozent p.a.) und am Aktienmarkt entstanden aus 100 bis heute 1,6 Millionen US-Dollar (10,1 Prozent p.a.). Nur im 30-Jahres-Zeitraum von 1985 bis 2015 haben Rentenanlagen im Durchschnitt von 19 Industrieländern leicht besser abgeschnitten als Aktien; das gab es seit dem Jahr 1900 ansonsten nie.

US-amerikanische Aktien und Anleihen im langfristigen Vergleich (in US-Dollar)

Quellen: Quelle: Dimson, Marsh und Staunton, Datastream, HQ-Trust-Berechnung, logarithmierte Darstellung, Stand: 31. Dezember 2015.[[newline]]

Allerdings hat dieser künstliche, durch verschärfte Anlagevorschriften zur Altersvorsorge und die Geldpolitik der Zentralbanken erzeugte Rentenboom dazu geführt, dass inzwischen Staatsanleihen in Höhe von 8.000 Milliarden US-Dollar negative Renditen haben. Daher werden diese in den nächsten zehn Jahren mit weltweit 1 Prozent p.a. viel schlechter als Aktien rentieren.

Die aktuelle Bewertung von Aktien ist im Moment weltweit durchschnittlich. Das bedeutet eine Renditeerwartung von (unterdurchschnittlichen) 6 Prozent pro Jahr für die nächsten zehn Jahre. Global lag der Mehrertrag von Aktien im Vergleich zu Renten seit dem Jahr 1900 bei 4 Prozentpunkten. Unter diesen (bezüglich Aktien konservativen) Annahmen entsteht für einen Durchschnittsverdiener (2015: 34.999 Euro Bruttogehalt, jährlicher Rentenbeitrag insgesamt 6.545 Euro) unter der Annahme einer Gehaltssteigerung von 2,4 Prozent pro Jahr nach 45 Jahren folgendes Ergebnis: Eine vom Staat kostenfrei verwaltete Aktienfondsanlage erwirtschaftet aus den Einzahlungen von insgesamt 530.000 Euro bis 2060 gut 2,2 Millionen Euro Endvermögen. Das entspricht einem Wertzuwachs von 1,7 Millionen Euro. Eine kostenfreie Rentenfondsanlage mit 4 Prozentpunkten weniger Jahresrendite bringt nur einen Wertzuwachs von 280.000 Euro. Das Endvermögen beträgt 811.000 Euro.

Kostenfreiheit verbessert das Anlageergebnis erheblich

Damit wäre ein aktienbasierter Fonds ohne Arbeitgeberbeteiligung sogar besser als ein rentenbasierter Fonds, bei dem der Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge übernimmt. Ein Arbeitnehmer, der nur die Hälfte der 6.545 Euro in den Aktienfonds einzahlt, hätte 2060 immerhin gut 1,1 Millionen Euro, während der andere, der ebenfalls die Hälfte einzahlt und die andere Hälfte der Beiträge vom Arbeitgeber geschenkt bekäme, aber in den Rentenfonds investiert, nur 811.000 Euro besitzt.

Die Auswirkungen der Kostenfreiheit sind erheblich. Wird der Aktienfonds mit 1,8 Prozent Kosten belastet, was bei vielen Altersvorsorgeprogrammen durchaus üblich ist, halbiert sich der Wertzuwachs von 1,7 Millionen auf 840.000 Euro. Selbst ein Durchschnittsverdiener verliert damit den Gegenwert einer Luxuswohnung an den Fondsanbieter. Das erklärt die massive Lobbyarbeit gegen die Deutschland-Rente. Für die Rentenfondsanlage würde das Ergebnis bei 1 Prozent Kosten immerhin um 158.000 Euro geschmälert.

Die Gegenargumente sind nicht stichhaltig. So sind Aktien keine Zockerpapiere, sondern Sachwertanlagen, deren Erträge letztlich aus der intelligenten Zusammenarbeit von Unternehmern, Forschern, Angestellten und Arbeitern entstehen und die daher sogar Ereignisse wie den Zweiten Weltkrieg überstehen. Ein Aktienfonds wäre sowohl gegen Währungskrisen als auch gegen die schrumpfende Zahl der Rentenbeitragszahler immun und damit ideal für eine sichere Altersvorsorge.Der Staat machte Pleite, aber die Firmenbelegschaften fanden sich wieder zusammen und bauten die Betriebe neu auf. Mit internationaler Streuung wäre ein Aktienfonds sowohl gegen Währungskrisen als auch gegen die schrumpfende Zahl der Rentenbeitragszahler in Deutschland immun und damit ideal für eine sichere Altersvorsorge. Da die Anlage und auch die Rentenauszahlung ab 2060 nicht in einem Betrag, sondern jeweils in mehreren hundert Monatsraten erfolgt, sind kurzfristige Kursschwankungen völlig irrelevant. Auch das Lebenszyklusmodell, wonach ältere Menschen geringere Aktienquoten haben sollten, ist unsinnig, da Aktienanlagen nur dann niedrig sein sollten, wenn sie gegenüber Renten extrem teuer sind, aber nicht, weil der Anleger jung oder alt ist.

Völlig grotesk ist das Argument, der Staat könnte diesen Fonds plündern. Dies geschieht bei der Rentenkasse nämlich seit Jahrzehnten durch Manipulation der Rentenformel. Jüngstes Beispiel: Die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Die Kosten der Fonds der Finanzindustrie erzeugen die gleiche Wirkung und werden angesichts einer durchschnittlichen Underperformance von über 1 Prozent auch nicht durch einen Mehrertrag des aktiven Fondsmanagements ausgeglichen.

Der Übergang vom bisherigen System auf die Deutschland-Rente ist nicht trivial, aber machbar. Angesichts der langfristig riesigen Vorteile der Deutschland-Rente für breite Bevölkerungsschichten sind die schnelle Ablehnung und das offensichtliche Desinteresse der Bundesregierung verantwortungslos.

Kostenloser Newsletter

Sollen wir Sie über das Thema Geldanlage auf dem Laufenden halten? Dann melden Sie sich für unseren monatlich erscheinenden Newsletter an.

Sie können diese kostenlosen Informationen jederzeit abbestellen und der Verwendung Ihrer Daten für Werbezwecke widersprechen.