In der Vermögensverwaltung werden als Gradmesser für Risiko häufig Begriffe wie Volatilität, Value at Risk oder gar Conditional Value at Risk verwendet. Doch was bedeuten diese und was sind aus Sicht eines langfristigen Anlegers die wirklichen Risiken?

Warum Risiko nicht gleich Risiko ist

Bei der Geldanlage scheuen sich gerade deutsche Privatanleger häufig vor Aktien. Denn sie fürchten die unvermeidlichen Kursschwankungen, auch Volatilität genannt, die für sie gleichbedeutend mit Risiko sind. Zwar ist es empirisch gut belegbar, dass derartige Schwankungen eine immer kleinere Rolle spielen, je länger der Anlagezeitraum ist und sich zwischenzeitliche Kursrückgänge und Phasen deutlicher Anstiege im Zeitverlauf mehr und mehr ausgleichen. Doch blenden viele Anleger diese Fakten aus: Kommt es zu deutlichen Kursrückgängen, verkaufen sie ihre Aktien und beschädigen so – häufig unwissend – nachhaltig ihre Performance.

Die große Mehrheit der Anleger investiert aus Sorge vor Schwankungen und Verlusten erst gar nicht in Aktien. Stattdessen parken sie ihr Geld lieber unverzinst auf dem Konto oder investieren in kaum noch verzinste Tages- oder Festgelder. Sie ruhen in der Gewissheit, das Risiko von Kursschwankungen vermieden zu haben, übersehen dabei aber den schleichenden Vermögensverlust durch Inflation und Steuern. Dies ist eine Form des Risikos, welches bei Tages- und Festgeldkonten heute fast garantiert eintreten wird.

Anlageziel, Risikotragfähigkeit und Anlagehorizont sind zentrale Ausgangspunkte

Selbst bei einem reinen Aktienportfolio tendiert das Risiko eines Totalverlusts gegen Null, wenn es ausreichend über verschiedene Unternehmen, Branchen und Länder diversifiziert ist. Dann käme ein Totalverlust nämlich einem Ende der Weltwirtschaft gleich – ein sehr unrealistisches Szenario. Dennoch gilt: Der Anteil an Aktien und anderen stärker schwankenden Anlageklassen in einem Portfolio sollte nie höher sein, als ein Anleger in zwischenzeitlichen Krisenphasen aushält – sei es emotional oder bezogen auf Entnahmeerfordernisse. Vor allem sollte er dem Anlagehorizont entsprechen.

Denn viele langfristig ertragsstarke Anlageklassen können sich kurzfristig sehr unterschiedlich entwickeln. Mittel- und langfristig sind ihre Erträge hingegen deutlich weniger volatil. Dies lässt sich mit einem Aktien-/Renten-Portfolio (50 Prozent Aktien / 50 Prozent Renten) illustrieren: Während der erwartete Ertrag im ersten Jahr noch zwischen -11,2 und +17 Prozent schwankt, pendelt er sich nach zehn Jahren in einer engen Spanne von +1,5 Prozent und +4,3 Prozent ein.

Erwartete Durchschnittserträge eines Portfolios (50 % Aktien / 50 % Renten) in verschiedenen Szenarien

HQ Trust Berechnungen (2017)

Was zeigt dieser Chart? Zugrunde liegt eine Simulation der erwarteten Durchschnittserträge für ein Portfolio mit 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Renten. Die Quantile beschreiben unterschiedliche Szenarien für die Entwicklung: Das 50 %-Quantil gibt den erwarteten Mittelwert wieder, das 10 %-Quantil zeigt ein sehr negatives, das 90 %-Quantil ein sehr positives Szenario. Am Chart wird deutlich, dass sich die erwarteten Erträge in negativen und positiven Szenarien langfristig annähern. Das heißt: je länger die Anlagedauer, desto geringer das Risiko negativer Renditen.


Wenn ein Anleger schon heute weiß, dass er in zwei Jahren Zugriff auf einen Teil seiner Anlage braucht, muss er sein Portfolio so ausrichten, dass es genügend Wertpapiere enthält, deren Wert wenig schwankt und die jederzeit veräußerbar sind. Denn Kursschwankungen führen nur dann zu echten Kapitalverlusten, wenn ein Wertpapier zum falschen Zeitpunkt verkauft werden muss.

Anders für einen Anleger mit einer zehnjährigen Perspektive und dem Ziel, sein Kapital real zu vermehren: Wenn dieser aus Angst vor Kursschwankungen zu sehr auf weniger schwankende, aber langfristig ertragsschwächere Wertpapiere setzt, droht ihm das Risiko eines sukzessiven Kapitalverlusts durch Inflation und Steuern.

Fokus auf Schwankungsrisiken kann nachteilig für Vermögen sein

Niedrige Kursschwankungen in einem Portfolio sollten nicht mit niedrigem Risiko verwechselt werden. Denn die Volatilität kann auch dann niedrig sein, wenn eine Anlage Jahr für Jahr reale Verluste einfährt.

In diesem Kontext hilfreich sind Risikokonzepte, welche Schwankungsrisiken und den erwarteten Ertrag kombinieren. Ein prominentes Beispiel ist das 95 %-Value-at-Risk-Niveau: Das ist der Wert, welcher auf Jahressicht in 95 Prozent der Fälle nicht unterschritten wird – immer vorausgesetzt, dass sich die menschlichen Experten in ihrer Prognose der Erträge nicht irren. Der entsprechende Conditional Value-at-Risk wiederum zeigt an, wie hoch ein Verlust bei den verbleibenden 5 Prozent dann im Durchschnitt ausfällt. Wir bevorzugen hier das intuitiv verständlichere Konzept des Verlustrisikos bezogen auf passende Betrachtungszeiträume.

Vorsichtig sein sollte man jedoch bei Anlagekonzepten, die Risikomaße wie den Value-at-Risk zur aktiven, kurzfristigen Vermögenssteuerung einsetzen: Solche Konzepte reduzieren häufig dann den Anteil schwankungsstärkerer Anlageklassen wie Aktien, wenn deren Volatilität im Zuge einer Korrektur gestiegen ist, und bauen Positionen wieder auf, wenn das Schwankungsrisiko nach erfolgtem Kursanstieg zurückgegangen ist. Sie agieren also prozyklisch und können daher oft nicht mit der Rendite von Buy-and-Hold-Ansätzen mithalten. Ein simpler Grund dafür ist, dass vor allem bei Aktien die aktuelle kurzfristigere Volatilität kein guter Indikator für den zukünftigen Ertrag ist:

Erträge über 10 Jahre im Verhältnis zur Volatilität des DAX (VDAX)

HQ Trust Berechnungen (2017)

Was zeigt dieser Chart? Die jeweilige Schwankungsintensität (Volatilität) des DAX zu einem bestimmten Zeitpunkt sagt nichts über die Ertragschancen für Anleger aus. Zwei Beispiele: Ende 1998 war die Volatilität im DAX kurzzeitig enorm hoch. Hätte ein Anleger zu diesem Zeitpunkt investiert, wären seine Erträge in den folgenden zehn Jahren aber relativ mager ausgefallen. Auch Im März 2003 war die Volatilität sehr hoch. Ein Investment zu diesem Zeitpunkt hätte sich trotzdem gelohnt: Der DAX war nach drei Jahren Talfahrt auf ein Mehrjahrestief gefallen und erholte sich danach rasant. Entsprechend hoch wäre die Zehn-Jahres-Rendite für Anleger ausgefallen.


Wie sieht es aus bei den bei manchen Anlegern beliebten Stop-Loss-Strategien? Diese verkaufen dann automatisch Wertpapiere, wenn deren Kurs unter ein bestimmtes Niveau fällt. Damit werden Verluste zwar unter gewissen Umständen begrenzt, doch gleichzeitig läuft der Anleger Gefahr, künftige Gewinne zu verpassen, wenn die Kurse wieder nach oben drehen. Denn den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg finden die meisten Anleger bekanntlich nicht. Wie schon mein Kollege und LIQID-Beirat Prof. Enrico De Giorgi kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung berichtete, schneiden Anleger daher langfristig schlechter ab als der Marktdurchschnitt.

Mindererträge nach Ausstieg aus dem Aktienmarkt ggü. investiert bleiben (nach Verlustschwellen)

HQ Trust Berechnungen (2017)

Was zeigt dieser Chart? Anleger, die schon nach geringen Verlusten verkaufen und sich dann jeweils eine Weile lang vom Markt verabschieden, erzielen auf Dauer deutlich geringere Renditen als Anleger, die erst nach höheren Verlusten verkaufen und dann dem Markt eine Weile lang fernbleiben. Hinzu kommt: Je länger die Dauer des Ausstiegs, desto negativer ist die Auswirkung auf die Gesamtrendite.

Systematische Szenario-Analysen reduzieren Risiken bei Fehleinschätzungen

In der Investment-Philosophie von LIQID und HQ Trust nimmt die systematische Untersuchung der langfristigen Ertrags- und Risikoprojektionen über alle Anlageklassen eine zentrale Bedeutung ein. Denn diese ist Basis der persönlichen Anlagestrategie, die wir für jeden Kunden entwickeln und sie bestimmt den tatsächlichen späteren Anlageerfolg.

Ausgangspunkte sind unsere langjährigen eigenen Investmenterfahrungen in vielen Anlageklassen, ergänzt um die Analyse langfristiger ökonomischer Zusammenhänge unter Nutzung einer Vielzahl weit zurückreichender, historischer Daten. Wichtige Faktoren sind dabei unsere Einschätzungen zu Inflations-, Zins- und Gewinnentwicklung sowie aktuelle Bewertungen, auch vor dem Hintergrund der fortschreitenden Globalisierung und Automatisierung sowie dem Verhalten der Zentralbanken im Umfeld hoher Staatsschulden. Die Erstellung verschiedener ökonomischer Szenarien dient der Überprüfung der Robustheit unserer Prognosen und hilft, Risiken aufgrund von Fehleinschätzungen zu reduzieren.


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Für jede von uns eingesetzte Anlageklasse wie Aktien, Renten oder Gold münden unsere Analysen in langfristige Ertragsprojektionen, die wir regelmäßig aktualisieren. Sofern kein Paradigmenwechsel erwartet wird, gehen wir davon aus, dass die Kapitalmärkte niemals dauerhaft unter- oder überbewertet bleiben und deshalb im Lauf der Zeit stets zu einer fairen Bewertung zurückkehren. Teure Anlagen erhalten so Abschläge beim erwarteten Ertrag, günstige erhalten Aufschläge. Wir gehen somit systematisch antizyklisch vor, was der Wertentwicklung zuträglich ist. Denn nicht nur an den Kapitalmärkten gilt: Preiswert kaufen bringt Ertrag.


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Diversifikation über viele Anlageklassen reduziert Risiken

Auch wenn das Investment-Team von LIQID und HQ Trust seinen Ertragsprojektionen in der Regel eine hohe Wahrscheinlichkeit beimessen kann, verbleibt noch immer das Risiko unvorhersehbarer Entwicklungen. Denn ungeachtet eines noch so systematischen und fundierten Ansatzes ist klar, dass Projektionen für einzelne Anlageklassen fast nie exakt so eintreten und sich Anlageklassen gerade auf kürzere Sicht sehr unterschiedlich entwickeln können.


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Um dies zu entschärfen, investieren wir systematisch und breit gestreut über viele, teils nur gering korrelierte Anlageklassen. So kompensieren gut laufende Anlageklassen Verluste in anderen Anlageklassen und einzelne Prognosefehler wirken sich im Portfoliokontext nicht gravierend aus.

Auch bei der Auswahl der Wertpapiere ist eine breite Streuung Trumpf. So vermeiden wir konsequent Einzeltitel und investieren stattdessen mit ausgewählten ETF und aktiven Fonds in Tausende Unternehmen aus einer Vielzahl von Branchen und in fast allen Regionen der Welt. Selbst desaströse Ereignisse in einzelnen Unternehmen werden sich deshalb nur wenig auf die Gesamtperformances unserer Portfolios auswirken.

Fazit

Risiken bei der Geldanlage lassen sich nie vollständig vermeiden. Anders als viele Privatanleger glauben, liegt die größte Gefahr jedoch nicht in den zwischenzeitlichen Kursschwankungen.

Mit einer realistischen, den Bedürfnissen des Anlegers entsprechenden Strategie lässt sich das Risiko eines Kapitalverlusts – schleichend oder aufgrund von Panikverkäufen – deutlich reduzieren. Die persönliche Strategie sollte deshalb das Anlageziel, den Anlagehorizont und die Risikotragfähigkeit des Anlegers umfassend reflektieren.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Die konsequente Berücksichtigung von Bewertungen ermöglicht es uns dabei, das Risiko eines Investments in überbewertete Anlagen mit nachfolgend hohen Verlusten zu begrenzen. Effekte aufgrund von Fehleinschätzungen zukünftiger Entwicklungen sowie aufgrund von kurzfristigen Schwankungen lassen sich durch eine breite Streuung der Investments über verschiedene, teils nur gering korrelierte Anlageklassen begrenzen.

Mit LIQID profitieren Anleger von der jahrzehntelangen Kapitalmarkterfahrung von HQ Trust, dem Vermögensverwalter der Familie Harald Quandt. Ein einfacher, wissenschaftlich fundierter Prozess ermöglicht es Interessenten, innerhalb weniger Minuten eine Anlagestrategie zu entwickeln, die genau zu ihren persönlichen Umständen passt. Diese können sie dann papierlos umsetzen und in der Gewissheit ruhen, dass sich eines der renommiertesten Investment-Teams Deutschlands in allen Marktphasen um ihre Anlage kümmert.

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