Vermögensverwaltung

Gewichtung und Rebalancing der
Liqid-Portfolios

liqid.de
LIQID Investments GmbH

Um Strategien für das Rebalancing der passiven Liqid-Portfolios festzulegen und zu optimieren, hat HQ Trust auf Basis historischer Marktdaten Tausende mögliche Kursverläufe über mehrere Jahrzehnte simuliert. Die Daten führen zu Konzepten, bei denen die Einhaltung von Schwellenwerten in festgelegten Zeitintervallen überprüft wird.

Rebalancing der Liqid-Index-Portfolios

Die Index-Strategie besteht aus zwei Indexfonds. Der eine bildet die internationalen Aktienmärkte ab, der andere die globalen Anleihenmärkte. Je nach Risikoneigung können Anleger zwischen einer Aktienquote von 10 bis 100 Prozent wählen. Da das Portfolio aus zwei Indexfonds besteht, ist Rebalancing nur zwischen den beiden Anlageklassen Aktien und Anleihen möglich. Entfernt sich die Gewichtung einer Anlageklasse um plus oder minus 5 Prozentpunkte von der ursprünglich gewählten Quote, wird das Portfolio auf die Anfangswerte zurückgesetzt.

Die Index-Portfolios, bei denen das Vermögen je zur Hälfte auf Aktien und Anleihen verteilt wurde, müssen am häufigsten rebalanciert werden. Damit beispielsweise ein Index-Portfolio mit einer Aktienquote von 80 Prozent die Rebalancierungsschwelle reißt, muss der globale Aktienmarkt um 42 Prozent steigen. Denn bei dieser Gewichtung der Anlageklassen ist die geringste Wertentwicklung notwendig, bis die 5-Prozent-Schwelle erreicht ist. Bei steigenden Märkten ist das bei einem Plus von 22 Prozent der Fall, bei sinkenden Notierungen bei minus 18 Prozent, unter der Annahme, dass der Wert der anderen Anlageklasse unverändert bleibt. Die ein Rebalancing auslösenden Renditewerte steigen umso weiter an, je asymmetrischer das Verhältnis zwischen den beiden Anlageklassen ist. Damit beispielsweise ein Index-Portfolio mit einer Aktienquote von 80 Prozent die Rebalancierungsschwelle reißt, muss der globale Aktienmarkt um 42 Prozent steigen oder der Anleihenmarkt um 33 Prozent.

Verkäufe vermeiden spart Steuern

Beispiel: Ein Anleger hat ein Portfolio gewählt, das aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen besteht. Im Laufe der Zeit steigt der Aktienanteil auf 55 Prozent, der Anleihenanteil fällt auf 45 Prozent. Das Portfolio wird nun rebalanciert. Dazu werden Aktienanteile verkauft und Anleihen gekauft. Nehmen wir an, das Portfolio hätte einen Gesamtwert von 120.000 Euro und Steuern sowie Transaktionskosten spielten keine Rolle. Der Wert der Anteile an dem Aktien-Indexfonds beträgt 66.000 Euro, der der Anteile am Anleihen-Indexfonds 54.000 Euro. Nun werden für 6.000 Euro Aktien verkauft und dafür Anleihen gekauft, sodass das ursprüngliche gewählte Verhältnis zwischen den Anlageklassen wiederhergestellt wird.

Der Verkauf von Fondsanteilen hat allerdings den Nachteil, dass für die realisierten Gewinne Steuern anfallen. Sie werden dem Portfolio vorzeitig entzogen und schmälern somit den künftigen Ertrag. Dieses Problem lässt sich umgehen, indem Anleger frisches Kapital in ihr Portfolio investieren und dieses Geld für das Rebalancing nutzen. In unserem Beispiel wäre der Kauf von Anteilen am Anleihen-Indexfonds in Höhe von 12.000 Euro nötig, um das Portfolio wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Um die 5-Prozentpunkte-Regel einzuhalten, überprüfen wir die Gewichtung aller Portfolios täglich. Zusätzlich dazu findet alle sechs Monate (jeweils letzter Handelstag im April und Oktober) eine Überprüfung statt. Ein Index-Portfolio wird zu diesen Terminen rebalanciert, falls die aktuelle Gewichtung um plus oder minus 2 Prozent von den ursprünglich gewählten Quoten abweicht.

Unter dem Strich führte das ausgewählte Regelwerk zum Rebalancing in unserer Simulation zu dem besten Chance-Risiko-Verhältnis bei den Index-Portfolios.

Rebalancing der Liqid-Global-Portfolios

Bei den Global-Portfolios ist das Rebalancing komplizierter. Im Vergleich zu den Index-Portfolios enthalten sie zusätzliche Anlageklassen (Rohstoffe, Gold und Hochzinsanleihen). Zudem werden die globalen Aktienmärkte nicht mit einem, sondern mit fünf verschiedenen Indexfonds abgedeckt, die jeweils regionale Aktienmärkte abbilden: Nordamerika, Europa, Japan, den pazifischen Raum (Australien, Hongkong, Neuseeland und Singapur) und die Schwellenländer. Letztere sehen wir auf Portfolioebene als eine Anlageklasse an. Die vier anderen Regionen sind in der Anlageklasse „Aktien entwickelte Länder“ zusammengefasst.

Für jede Anlageklasse haben wir Schwellenwerte definiert. Werden sie erreicht oder überschritten, rebalancieren wir das Portfolio. Die Grenzwerte gelten für jedes Liqid-Global-Portfolio. Ihre Einhaltung wird täglich überprüft.

Bei Erreichen eines Schwellenwertes werden die Liqid-Global-Portfolios rebalanciert

AnlageklasseSchwellenwert (in %-Punkten)
Aktien entwickelte Länder3.13
Aktien Schwellenländer1.87
Anleihen guter Bonität4.75
Hochzinsanleihen0.25
Gold1.5
Rohstoffe1

Quelle: Liqid

Vorteile der Gewichtung nach Wirtschaftsleistung

Der Aktienanteil in den Global-Portfolios ist nach der Wirtschaftsleistung der einzelnen Regionen strukturiert, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Je größer das BIP einer Region, desto höher ist deren Gewicht innerhalb des Aktienanteils. Bei der Index-Strategie wird das Gewicht der Länder dagegen von deren Marktkapitalisierung bestimmt, die sich aus dem Börsenwert aller öffentlich handelbaren Unternehmensaktien ergibt. Das hat zur Folge, dass Länder, deren Börsen zeitweise besonders gut laufen, immer höher gewichtet werden, während der Portfolio-Anteil von Staaten mit relativ schwächer laufenden Börsen sinkt. Eine Gewichtung nach Marktkapitalisierung ist deshalb ein prozyklisches Konzept, bei dem teure Aktienmärkte tendenziell über- und günstige Börsen untergewichtet sind.

Weniger schwankungsanfällig als eine Gewichtung nach Marktkapitalisierung ist die Strukturierung des Aktienanteils nach der regionalen Wirtschaftsleistung. Denn die Fluktuation des BIP ist deutlich geringer als die der Aktienbörsen. Deswegen bleiben die Gewichte einzelner Länder im Zeitablauf stabiler. Daraus wiederum resultiert eine tendenziell antizyklische Positionierung.

Als beispielsweise in den 1980er-Jahren die Aktienkurse in Japan geradezu raketenartig anstiegen, erreichten die Pazifik-Staaten in globalen Aktienportfolios, die nach Marktkapitalisierung gewichtet waren, einen Anteil von mehr als 50 Prozent. Ein BIP-gewichtetes Portfolio hätte diesen Crash deutlich besser überstanden. Entsprechend hoch waren die Verluste, als die Blase schließlich platzte und die Kurse zusammenbrachen. Ein BIP-gewichtetes Portfolio hätte diesen Crash deutlich besser überstanden, weil der Anteil der Pazifik-Staaten nur zwischen 15 und 20 Prozent betragen hätte. Durch das regelmäßige Rebalancing wäre dieses Gewicht im Laufe der Zeit weitgehend konstant geblieben.

Die BIP-Gewichtung kann also die Folgen von Aktienmarktblasen dämpfen. Darüber hinaus brachte dieses Konzept in der Vergangenheit auf lange Sicht auch höhere Renditen als der Marktkapitalisierungs-Ansatz. Zwar war auch die Schwankungsbreite etwas größer. Doch insgesamt war das Rendite-Risiko-Verhältnis von BIP-gewichteten Portfolios besser, wie etwa die Finanzmarktforscher Heiko Jacobs, Sebastian Müller und Martin Weber von der Universität Mannheim in einer Untersuchung zeigen.

Rebalancing-Regeln innerhalb des Aktienanteils

Aus dem jeweiligen Anteil der Schwellenländer und der entwickelten Länder an der Weltwirtschaftsleistung ergibt sich deren Gewicht im Portfolio. Diese beiden Anlageklassen werden nach den oben genannten Regeln rebalanciert. Innerhalb der Anlageklasse „Aktien entwickelte Länder“ werden die Gewichte der vier enthaltenen Indexfonds angepasst, wenn eine Region um mehr als 2 Prozentpunkte von der aktuell gültigen BIP-Gewichtung abweicht. Ob die Werte noch im Gleichgewicht sind, überprüfen wir täglich.

Die Liqid-Select-Portfolios

Bei den Select-Portfolios wird kein regelbasiertes Rebalancing durchgeführt. Denn diese Portfolios managt HQ Trust aktiv. Durch Über- und Untergewichtungen einzelner Anlageklassen und -segmente versuchen die Portfoliomanager kurzfristige Chancen an den Finanzmärkten zu nutzen und Risiken zu reduzieren. Ob und welche Veränderungen in der Depotstruktur vorgenommen werden, diskutiert das Investmentkomitee einmal im Monat auf Basis einer Vielzahl von Marktindikatoren.

Umschichtungen in den Select-Portfolios sind aber Grenzen gesetzt. Abhängig von der vom Anleger gewählten Risikostruktur dürfen die Gewichte bestimmte Ober- und Untergrenzen nicht über- beziehungsweise unterschreiten. Entscheidet sich ein Anleger beispielsweise für ein Select-Portfolio mit einer Aktienquote von 70 Prozent, darf diese im Rahmen des aktiven Managements maximal auf 90 Prozent erhöht werden. Der minimale Aktienanteil, den so ein Portfolio immer enthalten muss, beträgt 40 Prozent. Die Grenzwerte für alle Select-Portfolios und die darin enthaltenen Anlageklassen sind in den Anlagerichtlinien festgelegt.

Kostenloser Newsletter

Sollen wir Sie über das Thema Geldanlage auf dem Laufenden halten? Dann melden Sie sich für unseren monatlich erscheinenden Newsletter an.

Sie können diese kostenlosen Informationen jederzeit abbestellen und der Verwendung Ihrer Daten für Werbezwecke widersprechen.