Kapitalmarktausblick

Sachwerte bevorzugt

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LIQID Investments GmbH

Wer heute sein Erspartes in festverzinsliche Staatsanleihen mit guter Bonität investiert, sollte sich keine Hoffnung auf positive Erträge machen. Nach Abzug von Inflation und Steuern dürfte die Rendite in den kommenden Jahren negativ ausfallen. Sowohl bei deutschen als auch bei amerikanischen Staatsanleihen. Bei Schuldtiteln von vielen weiteren Ländern mit einer ähnlich hohen Kreditwürdigkeit sieht es nicht anders aus. An diesen Märkten hat sich im Zuge der Finanzkrise eine gewaltige Blase aufgepumpt. Trotz steigender Staatsschulden, mit denen auch die Ausfallwahrscheinlichkeit von Anleihen zunimmt, sind die Zinsen immer weiter gesunken, angetrieben von einer extrem expansiven Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken rund um den Globus. Sie senkten die Leitzinsen, zu denen sich Banken Zentralbankgeld leihen, auf null. Gleichzeitig griffen sie direkt in die Anleihemärkte ein und kauften in großem Stil Zinspapiere auf. Schon die Ankündigung solcher Maßnahmen ließ die Anleiherenditen weiter zusammenschmelzen.

Auf einem funktionierenden Kreditmarkt ohne Interventionen wäre das Gegenteil eingetreten: Mit wachsender Staatsverschuldung wären die Zinsen gestiegen. Nur so werden Investoren für die gestiegenen Risiken angemessen entschädigt. Nun aber ist eine geradezu perverse Situation eingetreten: Anleger müssen manchen Industrieländern, darunter auch Deutschland, etwas dafür bezahlen, dass sie ihnen Geld leihen dürfen. Hierzulande ist die Rendite von Bundesanleihen mit Laufzeiten von bis zu acht Jahren negativ – vor Inflation und Steuern. Eine zehnjährige Bundesanleihe wirft derzeit lediglich 0,16 Prozent pro Jahr ab (Stand: 9. Mai 2016). Für die kommenden zehn Jahre erwarten wir für diese Papiere eine Rendite von 0,1 Prozent pro Jahr. Nach Inflation und Steuern dürfte ein realer Verlust von etwa 2 Prozent zu Buche schlagen. Sicher sind Bundesanleihen also in einem Punkt: Innerhalb von zehn Jahren haben Anleger dann fast 20 Prozent ihrer Kaufkraft eingebüßt.

Jahrzehntelange Talfahrt: Die aktuelle Rendite von Staatsanleihen ist ein guter Indikator für deren Wertentwicklung in den folgenden Jahren

Quelle: Datastream, Monatliche Werte, HQ Trust-Berechnungen, Stand: Mai 2016.

An den niedrigen Zinsen dürfte sich langfristig wenig ändern. Denn abgesehen von Schuldenschnitten, die zu einem heftigen Einbruch der Wirtschaftsleistungen führen könnten, bleiben den Ländern nur zwei Stellschrauben, um ihre ausufernden Schuldenquoten in den Griff zu bekommen:

  1. Hochverschuldete Volkswirtschaften müssten schneller wachsen als bisher. Doch dafür wären tief greifende Strukturreformen und eine verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik Voraussetzung. Beides ist nicht in Sicht.
  2. Die Zinsen werden über einen längeren Zeitraum gedrückt, aus Sicht des Staates im besten Fall unter die Inflationsrate. Auch auf diese Weise lässt sich die Schuldenquote senken.

Die Politik niedriger Zinsen wird derzeit in Japan, der Eurozone, in der Schweiz und den USA praktiziert. Geld verdienen mit Anleihen, lässt sich nur noch auf den intakten Märkten der Schwellenländer. Dort müssen Staaten mit schlechter Wirtschaftspolitik, mäßigem Wachstum und hohen Schulden höhere Zinsen bezahlen als Länder, die besser dastehen. So gesehen sind Schwellenländer-Anleihen noch attraktiv. Ansonsten setzen wir als Ersatz für Staatsanleihen mit guter Bonität Hedgefonds ein, die eine wenig schwankungsanfällige Anlagestrategie verfolgen. Bei diesen Fonds rechnen wir mit einer jährlichen Rendite von zwei bis vier Prozent.

Keine schlechten Aussichten für Aktien

Weniger düster als für Staatsanleihen sind unsere Projektionen für die Aktienmärkte. Zwar ist der US-Markt sehr hoch bewertet. Doch im Vergleich zu Europa stehen die Amerikaner auch besser da: Die Notenbank hat die Finanzkrise gleich nach ihrem Ausbruch ohne zu zögern bekämpft. In der Folge ist die Gesamtverschuldung der USA auf relativ moderate Werte gesunken. Die Unternehmensbilanzen erscheinen stabil, die Gefahr weiterer Pleitewellen gering. Nichtsdestotrotz rechnen wir in den USA wegen der hohen Bewertung in den kommenden zehn Jahren mit unterdurchschnittlichen Aktienrenditen von etwa 5 Prozent pro Jahr. Wir haben den Markt deswegen untergewichtet.

Höher sind unsere langfristigen Rendite-Erwartungen in Europa, wo Aktien in etwa auf ihrem langfristig durchschnittlichen Bewertungsniveau notieren. Ein Ertrag von im Schnitt 10 Prozent pro Jahr bis 2026 ist aus diesem Grund nicht unrealistisch.

Günstig bewertet sind die Aktienmärkte der Schwellenländer. Allerdings ist diese Gruppe von Staaten so heterogen, dass eine allgemeine Aussage nicht möglich ist. Die Aktien aus Ländern wie Russland, Brasilien oder der Türkei werden zu Recht mit hohen Abschlägen gehandelt. Denn diese Staaten werden schlecht regiert und haben finanzielle Probleme. Anders sieht es dagegen in manchen asiatischen Volkswirtschaften aus, deren Regierungen für ein stabiles Wirtschaftsumfeld sorgen. Dazu zählen beispielsweise Korea, Singapur und Indien. Wir konzentrieren uns auf solche Länder.

Aktien Europa: Das Verhältnis von Kursen und den jüngsten Höchstständen der Unternehmensgewinne (Peak-Earnings) ist ein Indiz für die künftige Rendite von Aktien

Quelle: Datastream, Monatliche Werte, HQ Trust-Berechnung, Stand: Mai 2016.

Gold kostet keine Zinsen

Seit seinem Allzeithoch im August 2011 von gut 1900 US-Dollar hat der Goldpreis um rund 30 Prozent nachgegeben. In den kommenden Jahren könnten die Notierungen aber wieder spürbar anziehen. Viele Anleger betrachten Gold als stabile Währung, die wegen der hohen Verschuldung vieler Staaten Auftrieb bekommen dürfte. Schuldenschnitte könnten erneut eine Flucht in Gold auslösen. Bleiben solche sogenannten Haircuts und notwendige Strukturreformen aus, steigt in den nächsten Jahren die Wahrscheinlichkeit für eine höhere Inflation. Anleger werden dann aus Staatsanleihen fliehen und in Gold umschichten, was den Preis kräftig nach oben treiben wird. Allerdings lässt sich der genaue Zeitpunkt nicht bestimmen. Wir haben bereits jetzt eine kleine Gold-Position in unseren Portfolios aufgebaut, die wir bei Gelegenheit weiter erhöhen werden.

Anleger können mit Gold nur Erträge erzielen, wenn dessen Preis steigt. Denn das Edelmetall wirft keine Zinsen ab. Dieses gängige Argument gegen Goldanlagen hat sich vor dem Hintergrund negativer Realzinsen nun ins Gegenteil verkehrt: Gold kostet keine Zinsen – und kann nicht pleitegehen.

Goldpreis und Realzinsen im Vergleich: Negative Realzinsen gaben dem Goldpreis in der Vergangenheit Auftrieb

Quelle: Datastream, HQ Trust-Berechnungen, Stand: Mai 2016.

Auch Industrierohstoffe wie Energie und Metalle gehören in geringen Dosen weiterhin in ein gut diversifiziertes Portfolio. Als die Rohstoffpreise Anfang des neuen Jahrtausends stark zu steigen begannen, bauten die Förderkonzerne ihre Kapazitäten aus. Das steigende Angebot und die wegen der Finanzkrise nachlassende Nachfrage drückten die Preise wieder nach unten. Inzwischen bauen die Konzerne ihre Förderkapazitäten wieder ab, Investitionen werden gestrichen. Derzeit sind die Preise stark von dem Rohstoffbedarf Chinas beeinflusst. Doch langfristig wird die Nachfrage unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung im Reich der Mitte anziehen und auf ein knapperes Angebot treffen. Das führt tendenziell zu steigenden Rohstoffpreisen.

Keine Preisblase am Immobilienmarkt

Während die Gold- und Rohstoffnotierungen in den vergangenen Jahren fielen, schossen die Preise für Immobilien in die Höhe. Vor allem in deutschen Großstädten reißen sich Investoren und Selbstnutzer um Mietshäuser und Wohnungen. Das hat eine Debatte losgetreten, ob die Preise nicht mittlerweile hoffnungslos überhöht sind. Wir sind der Ansicht, dass sich in Deutschland noch keine Immobilienblase gebildet hat. Gleiches gilt für die USA, Spanien und England, wo die Preise ebenfalls kräftig gestiegen sind. Denn auch die Einkommen sind deutlich in die Höhe geklettert und mit ihnen die Mieten. Gleichzeitig sind die Zinsen für Immobilienkredite auf historische Tiefstände gesunken. Obwohl die Kaufpreise schneller gestiegen sind als die Mieten, rechnen sich Immobilien wegen der niedrigen Zinsen unter dem Strich nach wie vor. Insofern gehen wir davon aus, dass die Immobilienpreise in den kommen Jahren noch weiter steigen können.

Die Aussichten sind nicht so schlecht, wie sie scheinen

Die größten Risiken für die internationalen Finanzmärkte gehen weiterhin vor allem von China und Europa aus. In China lenkt die Regierung Kapital in kreditfinanzierte Immobilien- und Infrastrukturprojekte, die wenig Rendite bringen. Das ist nicht nachhaltig. In den nächsten Jahren dürften sich die Wirtschaftsdaten wieder verschlechtern. In Europa müssen Anleger damit rechnen, dass das ungelöste Staatsschuldenproblem immer wieder in den Vordergrund rückt und die Märkte verunsichert.

Dennoch sind die Aussichten für Sachwerte wie Aktien und Immobilien in den nächsten zehn Jahren gar nicht so schlecht, nicht zuletzt wegen der expansiven Geldpolitik, die die Europäische Zentralbank vorerst fortsetzen wird. Weniger gut sieht es allerdings für diejenigen aus, die einen Großteil ihres Geldes in Staatsanleihen anlegen. Mit einer solchen Strategie wird es kaum möglich sein, die Kaufkraft des Kapitals zu erhalten, geschweige denn, es zu vermehren.

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