Ausblick

10 Prognosen für 2017

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LIQID Investments GmbH

Der Jahresbeginn ist immer ein guter Zeitpunkt für Ausblicke und Prognosen. Summit hat Makroökonom und Wirtschaftsexperte Dr. Daniel Stelter gebeten, seine Sicht auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2017 kurz und knapp in zehn Prognosen zusammenzufassen.

Der Blick in die Glaskugel wird es nicht verraten und niemand kann ernsthaft vorhersagen, wo der Dax, die Zinsen oder der Euro am Ende dieses Jahres stehen werden. Für den langfristigen Anlageerfolg zählen ohnehin nicht einzelnen Tipps, denn auch den erfahrensten Experten gelingt es nicht mit aktivem Handeln dauerhaft und auf lange Sicht den Markt zu schlagen. Wichtiger ist das große Ganze und eine klare Linie! Allein eine strategische Asset Allokation aus Aktien, Immobilien, Gold und Cash/Anleihen kann nachhaltige Überrenditen erzielen.

Meine zehn Prognosen zum Gesamtbild 2017 sind sicher nicht konsensfähig, vielleicht auch zu pointiert. Aber das Schöne an solchen – gern auch von den Global Playern der Anlageszene veröffentlichten – Listen ist, dass sie nicht in sich logisch konsistent sein müssen. Meine geheime Hoffnung ist es sogar, dass sich nicht gleich alle 10 Prognosen bewahrheiten, denn es sind ja nicht nur schöne Aussichten dabei. Allerdings ist meine Befürchtung, dass die Erfüllungs-Quote bei über 50 Prozent liegen wird.
Hier nun meine Top 10 für 2017:

1. Der Verfall der Eurozone ist nicht aufzuhalten

Im Schatten der italienischen Bankenkrise und der sich abzeichnenden dortigen Neuwahlen kommt in den Niederlanden die Partei der Freiheit (PVV) unter Führung des Rechtspopulisten Geert Wilders zum Wahlsieg. In einer Koalitionsregierung mit der bisherigen Regierungspartei VVD betreibt er energisch den Ausstieg aus EU und Euro.

Für Anfang 2018 ist in den Niederlanden eine Volksabstimmung geplant, in der über einen Austritt abgestimmt wird – zeitgleich mit einer ähnlichen Abstimmung in Italien. Einziger Trost aus Sicht der Pro-Europäer ist der Wahlsieg des konservativen Reformers François Fillon. Er setzt sich in einer Stichwahl gegen Marine Le Pen durch, weil selbst linke Wähler den Konservativen angesichts der Alternative wählen. Ob dieser wie versprochen Reformen durchsetzen kann, bleibt angesichts der Generalstreiks, die das Land seither erlebt, jedoch zweifelhaft.

2. Die EZB lässt letzte Hemmungen fallen

Die EZB geht vor dem Hintergrund der zunehmenden politischen Spannungen in EU und Euroraum, der Abschwächung der Weltwirtschaft und des erstarkenden Euro aufs Ganze.
Statt wie noch im Frühjahr erwartet folgt die EZB dem Beispiel Japans und beginnt, neben Anleihen auch Aktien direkt aufzukaufen.

Dadurch wird das Vertrauen an den Kapitalmärkten erschüttert. Im Ergebnis zeigt die EZB ihre Bereitschaft, Anleihen der EU zur Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen und weiteren Zukunftsprojekten zu kaufen. Das Helikopter-Geld wird Wirklichkeit – und ein Billionen-Programm gegen die Stagnation auf den Weg gebracht. Zugleich wächst der Unmut in den Gläubigerländern weiter stark an.

3. Das Abkommen mit der Türkei zerbricht

Das Verhältnis der EU zur Türkei verschlechtert sich im Laufe des Jahres konstant weiter. Die türkische Strategie für den Nahen Osten und die Bereitwilligkeit zur nötigenfalls militärischen Durchsetzung eigener Interessen wird immer offensichtlicher. Daher kommt es zur Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Blick auf eine Begrenzung der Migrationsströme. In der Folge wird die Balkan-Route wieder zum bevorzugten Weg für die Migranten aus Afrika und dem Nahen Osten.

4. In Deutschland regiert Schwarz-Rot-Grün

Nach einem der intensivsten Wahlkämpfe der bundesdeutschen Geschichte erzielen weder Schwarz-Rot, noch Schwarz-Grün oder Rot-Rot-Grün eine Mehrheit. Die Regierungsbildung wird durch eine deutlich erstarkte AfD, eine weiterhin stabile Linke und eine in den Bundestag zurückgekehrte FDP erschwert. Schließlich findet sich eine große Koalition der Verlierer zusammen, nachdem die SPD sich geweigert hat, eine Koalition mit der FDP einzugehen.

5. Das Comeback der Deflation

Derzeit wird eine breite Diskussion über die Rückkehr der Inflation entfacht. Eine Hoffnung ruht zum einen darauf, die neue US-Regierung könnte mit ihren Maßnahmen die US-Wirtschaft beleben und die Inflationsrate nach oben treiben.

Zum anderen entfällt die preissenkende Wirkung des tiefen Ölpreises. Da das Öl schon vor einem Jahr billig war, entfällt der sogenannte Basiseffekt. Daher ist es sicherlich möglich, dass in den kommenden Monaten höhere Inflationsraten zu beobachten sind.

Dies dürfte aber nur ein temporäres Phänomen sein. Hierfür sprechen viele Gründe: Der Anstieg der Zinsen führt zu einer Abschwächung der Wirtschaft, der starke US-Dollar erhöht den Druck auf die Emerging Markets. Darüber hinaus muss China die eigene Wirtschaft über Exporte stärken und die grundlegenden Probleme von global schrumpfenden Erwerbsbevölkerungen sowie schwachem Produktivitätswachstum bleiben ungelöst. Im Herbst 2017 reden wir wieder von Deflation.

6. Eine Rezession in den USA?

Obwohl im historischen Vergleich schwach, ist der Aufschwung der US-Wirtschaft schon sehr alt. Der Konsument spielt nach wie vor eine zentrale Rolle, denn trotz geringer Lohnsteigerungen setzt dieser immer noch auf Schulden. Seine Kaufkraft wird zusätzlich von höheren Zinsen und einer kurzfristig höheren Inflation belastet. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Bilanzen der deutlich höher verschuldeten Unternehmen, die Kosten senken müssen und Arbeitsplätze abbauen, um ihre Erträge trotz steigender Zinsen und starkem Dollars zu verteidigen. Ohnehin niedrige Investitionen gehen noch weiter zurück und der Druck auf die US-Regierung, wie versprochen mit Protektionismus zu reagieren, nimmt zu.

7. Wertverlust für den US-Dollar

Nach einem mehrjährigen Aufschwung des US-Dollar-Index herrscht unter Marktbeobachtern Einigkeit, es müsse genau so weitergehen. Allein dieser breite Konsens spricht schon dafür, dass eine Trendwende oder zumindest eine Unterbrechung dieser Entwicklung eintreten wird.

Die Rezession in den USA führt zu einer Abkehr von Zinserhöhungen und einer neuen Phase des Abwertungswettlaufs. Die USA sind erfahren darin, dieses Spiel zu spielen. Allen Problemen der EU und der Eurozone zum Trotz wird der Euro steigen – und die Probleme in Europa verschärfen.

8. Gespaltenes Jahr für Anleihen

Anleihen rentieren sich 2017 wieder. Die Zinsen auf 10-jährige US-Treasuries steigen im ersten Halbjahr auf über 3 Prozent. In der zweiten Jahreshälfte wird es zu einer massiven Rallye kommen und der Zins wird Ende 2017 bei 1,5 Prozent liegen. Widerspiegelt wird dies durch die wirtschaftliche Abkühlung, die gestiegene Deflationsgefahr und die aggressiven Versuche der Notenbanken, die Wirtschaft zu beleben. Allerdings gelten die positiven Aussichten nicht für alle Anleihen. Denn Anleihen von Schuldnern mit schlechter Bonität erleiden Abschläge und der Risikozuschlag gegenüber sicheren Staatsanleihen nimmt wieder deutlich zu. Auslöser hierfür sind die Rezession und zunehmende Zahlungsausfälle.

9. Talfahrten an den Börsen

Nach einem guten Start wird an den Aktienmärkten rasch klar, dass sich eine wirtschaftliche Abkühlung anbahnt. Die Märkte drehen nach unten, angeführt von den USA. In der Folge werden zyklische Werte gemieden, die Qualitätsaktien und Dividendenpapiere können sich relativ besser entwickeln. Die Börsen stehen Ende 2017 dennoch unter den Höchstständen vom Jahresbeginn.

10. Gold bleibt eine Alternative

Gold-Skeptiker behalten zunächst recht. Bei steigenden Zinsen und festem Dollar wird Gold nicht gesucht und die Preise bleiben ungeachtet zwischenzeitlicher Erholung weiterhin unter Druck. Mit der Öffnung der monetären Schleusen zur Bekämpfung der immer offensichtlicher werdenden Rezession und den wieder zunehmenden Sorgen um das Weltfinanzsystem zieht Gold wieder deutlich an – und ist am Ende einer der Gewinner des Jahres.

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