2018 ändert sich bei der Besteuerung von Investmentfonds einiges. Wer noch Fondsanteile besitzt, die er vor 2009 erworben hat, muss dann Kursgewinne versteuern. Ansonsten profitieren Anleger aber von der Reform. Vor allem weil dann vieles einfacher wird.

Bis Ende 2008 genossen deutsche Anleger noch ein besonderes Privileg: Alle Kursgewinne waren steuerfrei, wenn Wertpapiere mindestens ein Jahr lang im Depot gehalten wurden. Die Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 bereitete dem ein Ende. Seitdem werden beim Verkauf auf sämtliche seit dem Kauf angefallene Kursgewinne 25 Prozent Abgeltungsteuer (plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer) abgezogen. Einheitlich behält der Fiskus seitdem unmittelbar bei jeder Zins- und Dividendenausschüttung ebenfalls Abgeltungsteuer ein.

Die Abgeltungsteuer auf Zinsen und Dividenden wird zwar auch bei Wertpapieren erhoben, die Anleger vor 2009 erworben haben. Immerhin aber sorgte eine Bestandsgarantie bislang dafür, dass Kursgewinne auf diese Altbestände nicht der Steuer unterliegen, egal wann die Papiere verkauft werden. Die Bestandsgarantie bedeutet, dass der Steuervorteil ewig gilt, Anleger können ihn sogar vererben. Eigentlich. Doch, soweit es sich um Investmentfonds handelt, macht ihnen die Politik zum Jahresende 2017 nun einen Strich durch die Rechnung. Dann werden alle Fondsanteile, die vor 2009 gekauft wurden, steuertechnisch so behandelt als würden sie am 31.12.2017 verkauft und am 01.01.2018 wieder neu gekauft. Das geht aus einer Änderung im Investmentsteuergesetz hervor.

Maßnahme gegen Luxemburger Millionärsfonds

Wenn der Anleger seine vor dem 1. Januar 2009 erworbenen Anteile später dann tatsächlich verkauft, bleiben die bis Ende 2017 angefallenen Kurszuwächse unversteuert, für die ab 2018 angefallenen Kurszuwächse wird dann aber Abgeltungsteuer einbehalten. Allerdings gibt es einen Freibetrag von 100.000 Euro pro Anleger. Diese Summe hört sich zwar nach viel an, kann aber relativ schnell erreicht werden. Hat der Anleger beispielsweise im Jahr 2008 Fondsanteile im Wert von damals 100.000 Euro gekauft, sind diese heute möglicherweise 200.000 Euro wert. Erhöht sich deren Wert in den nächsten Jahren um weitere 100.000 Euro fällt für jeden weiteren Euro Abgeltungsteuer an. Natürlich gilt der Freibetrag für jeden Anleger nur einmal. Besitzt er also noch andere Fondsanteile, kann der Freibetrag entsprechend schneller ausgeschöpft sein.

Vor dem 1. Januar 2009 gekaufte Aktien, Anleihen, Derivate und andere Wertpapiere sind von der Reform ausgenommen. Für sie fällt auch nach 2017 keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne an. Bei Investmentfonds aber will der Gesetzgeber bewusst vermögende Anleger belasten, die 2008, vor Einführung der Abgeltungsteuer, noch in extra zu diesem Zweck aufgelegte sogenannte Luxemburger Millionärsfonds investierten. Diese Fonds wurden formal vom Anleger selbst eröffnet und sind nur für ihn und für seine Angehörigen offen. Über diese Fonds können hochvermögende Anleger ihre Wertpapiere beliebig umschichten, womit sie bislang faktisch auch bei Neuanlagen um die Abgeltungsteuer herumkommen. Alle anderen Anleger müssen dagegen für Kursgewinne auf alle Neuanlagen, die sie seit 2009 getätigt haben, Abgeltungsteuer zahlen, sobald sie die Papiere verkaufen.

Der Politik ist deshalb ein Dorn im Auge, dass ausgerechnet viele vermögende Anleger weiterhin keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne zahlen. Dieser Steuervorteil von Fonds im Vergleich zu anderen Wertpapieren soll mit der Reform beseitigt werden, damit Inhaber sogenannter Millionärsfonds künftig, so das Argument des Gesetzgebers, allen anderen Anlegern gleichgestellt werden. Nur gemeinnützige Anleger und Investmentfonds-Anteile, die im Rahmen zertifizierter Altersvorsorge-Verträge (Riester-Rente) oder Basisrentenverträge (Rürup-Rente) erworben wurden, bleiben von der Reform verschont.

Die Steuerreform sollte Anleger aber nun nicht dazu verleiten, sich voreilig von ihren Fondsanteilen zu trennen, die sie vor 2009 erworben haben. Schließlich kann ja vorher noch der oben erwähnte Freibetrag von 100.000 Euro ausgeschöpft werden. Spätestens wenn dies geschehen ist aber sollten Anleger diese Fonds, die sie womöglich nur aus steuerlichen Gründen noch im Depot liegen haben, auf den Prüfstand stellen. Insbesondere wenn es sich um teure gemanagte Fonds handelt, gibt es oft bessere Alternativen. Hier kann es sinnvoll sein, sich an einen digitalen Vermögensverwalter zu wenden: Seriöse, auf Fonds spezialisierte Anbieter kennen sich im Angebotsdschungel aus und treffen darin eine sinnvolle Auswahl im Interesse ihrer Kunden.

Der Wegfall des Bestandsschutzes für Altbestände ist für viele Anleger der folgenreichste Aspekt, aber nur ein Bestandteil der Investmentsteuerreform, die ab Januar 2018 greift.
Entscheidende Änderung der Reform ist die Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens: Inländische und ausländische Fonds werden künftig gleichmäßig besteuert. Die Besteuerungshöhe lässt sich dann bewertungstäglich ermitteln. Bei Fonds, die Erträge wie Zinsen oder Dividenden ansammeln und nicht ausschütten (thesaurierende Fonds) konnte die Abgeltungsteuer bislang erst beim Verkauf der Fondsanteile durch die Depotbank abgezogen werden. „Dadurch konnte es in der Steuererklärung des Anlegers zu einer temporären Doppelbesteuerung kommen, das ist jetzt ausgeschlossen“, erklärt Oliver Bösen, Steuerberater von HQ Trust, der Vermögensverwaltung der Familie Harald Quandt. „Künftig fällt die Besteuerung für alle Fonds jährlich als Vorab-Pauschale an: entweder mit Steuerabführung durch die Depotbank oder im Rahmen der Steuererklärung“, so Bösen.

Der Sinn der Vorabpauschale

Die sogenannte Vorabpauschale, die künftig abgezogen wird, ist an den Wert des Fonds und an einen Basiszins gekoppelt, dessen Höhe sich wiederum am allgemeinen Zinsniveau orientiert und jährlich neu festgelegt wird. 2017 liegt der Basiszins noch auf dem Niveau von 2016 mit 1,1 Prozent. Um die Vorabpauschale zu bestimmen, errechnet der Fondsanbieter den sogenannten Basisertrag. Bemessungsgrundlage ist der Wert der Fondsanteile zu Jahresbeginn (bewertungstäglich veröffentlichter Rücknahmepreis der Anteile). Dieser wird mit dem Basiszins und dem Faktor 0,7 multipliziert. Ausnahme: Für Rürup- und Riesterverträge ändert sich nichts. Hier bleibt es dabei, dass die Besteuerung erst beim Verkauf der Anteile erfolgt.

Verkauft der Anleger seine Fondsanteile, werden alle bis dahin gezahlten Vorabpauschalen voll auf den Verkaufserlös angerechnet. Verkauft er seine Anteile mit Verlust, bekommt er die Besteuerung der Vorabpauschalen über die Verlustverrechnung zurückerstattet. Außerdem kann er den Verlust ins nächste Steuerjahr vortragen. Hat der Anleger einen Gewinn erzielt, der jedoch niedriger ausfällt als die Vorabpauschalen, bekommt er die Differenz erstattet. Darüber hinaus sind bei Aktienfonds ab 2018 pauschal 30 Prozent aller Erträge steuerfrei. Zu den Erträgen zählen Pauschalen, Dividenden und Kursgewinne. Bei Mischfonds sind 15 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei.

Diese Teilfreistellungsquoten sind eine Kompensation dafür, dass künftig ein Teil der Besteuerung direkt auf Ebene der Investmentfonds erfolgt: Inländische Dividenden werden dann mit 15 Prozent Körperschaftsteuer inklusive Solidaritätszuschlag, inländische Mieten und Veräußerungsgewinne aus Immobilien mit 15 Prozent Körperschaftsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag, also insgesamt mit 15,825 Prozent vorbelastet. Ausländische Quellensteuer wiederum wird dann nicht mehr anrechenbar sein.

In der Summe klingt die Reform also kompliziert. Für Anleger bedeutet sie aber faktisch eine deutliche Vereinfachung, sagt HQ-Trust-Steuerberater Bösen: „Im Idealfall müssen künftig keine Angaben zu Fondserträgen in der Steuererklärung gemacht und keine Unterlagen vorgehalten werden“, so Bösen. „Anleger müssen bei der Auswahl der Fonds künftig nicht mehr auf steuerliche Aspekte achten, sondern können sich für die Fonds entscheiden, die sie qualitativ am besten finden. Das kann man nur begrüßen.“ Das Fazit des Experten: „Insgesamt ist die Reform mit derzeitiger Ausgestaltung positiv für Anleger.“

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