Wer noch einen hochverzinsten alten Bausparvertrag hat, muss sich Sorgen machen: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat es für zulässig erklärt, dass Bausparkassen diese Verträge in bestimmten Fällen einseitig kündigen dürfen.

Für die Bausparkassen sind diese Altverträge nämlich zu einer Riesenbelastung geworden. Sie müssen hohe Zinsen von teilweise drei Prozent oder mehr auf die Guthaben bezahlen – können diese Zinsen in der nun schon seit Jahren andauernden Niedrigzinsphase aber durch Kreditvergabe nicht wieder hereinholen. Sie zahlen mit diesen Verträgen also drauf.

Eigentlich sind Bausparverträge dazu gedacht, Geld anzusparen, um damit später eine Immobilie zu bauen oder zu kaufen. Der Kunde zahlt regelmäßig Beiträge ein, bis ein bestimmter vertraglich festgelegter Ansparbetrag – meist 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme – erreicht ist (Ansparphase). Damit ist der Vertrag zuteilungsreif. Er erhält dann den Rest der Bausparsumme als Kredit von der Bausparkasse ausbezahlt, um sein Projekt zu finanzieren. Den Kredit zahlt er dann in monatlichen Raten ab. (Darlehensphase).

Zu lukrativen Geldanlagen geworden

Jahrzehntelang funktionierte Bausparen nach folgendem Prinzip: Der Kunde gibt sich während der Ansparphase mit einem bescheidenen Zinssatz zufrieden (meist etwa drei Prozent jährlich) und wird dann in der Darlehensphase mit einem Zinssatz zu besonders günstigen Konditionen belohnt (üblich war ein Darlehenszinssatz von etwa fünf Prozent). Denn Baudarlehen bei Banken waren früher deutlich teurer als heute. In Hochzinsphasen lag der jährlich fällige Zinssatz zeitweise sogar bei über zehn Prozent. (siehe Grafik)

In den 90er Jahren und auch noch zu Beginn des neuen Jahrtausends lockten Bausparkassen ihre Kunden sogar mit Prämien, wenn sie freiwillig auf das Darlehen verzichteten und den Bausparvertrag nur zum Sparen nutzten. Darauf ließen sich viele Kunden ein. Genau diese Altverträge sind es, die den Bausparkassen heute so zu schaffen machen. Für die Kunden dagegen haben sich diese Altverträge im Zinstief zu lukrativen Geldanlagen entwickelt, die sie auch nach Erreichen der Ansparsumme weiter besparen. Das konnten sie bislang so lange tun, bis die gesamte Bausparsumme erreicht war.

Bereits mehr als 250.000 Kündigungen

Deshalb tun die Bausparkassen alles, um diese Altverträge loszuwerden. Seit 2015 haben sie bereits mehr als 250.000 Kündigungen solcher Altverträge verschickt – ohne eine eindeutige Rechtsgrundlage dafür zu haben. Denn mehrere Oberlandesgerichte, die bislang mit der Thematik betraut waren, hatten unterschiedlich darüber geurteilt.

Die klare Rechtsgrundlage liefert ihnen nun der BGH mit seinem Urteil: Es gestattet es den Bausparkassen Verträge zu kündigen, die seit mindestens zehn Jahren zuteilungsreif sind. Verbraucherschützer rechnen deshalb damit, dass demnächst noch deutlich mehr Bausparern die Kündigung ihrer Verträge ins Haus flattert – auch von Verträgen, die noch nicht so lange zuteilungsreif sind. Sie empfehlen Bausparern deshalb dringend genau zu prüfen, ob die Kündigung ihres Vertrages rechtmäßig ist.

Umstrittene Servicepauschale als neues Kunden-Ärgernis

Rechtlich weiterhin umstritten bleibt eine neue Initiative einiger Bausparkassen: Seit kurzem verlangen sie eine Servicepauschale von ihren Kunden und ziehen diese einfach vom angesparten Guthaben ab. Damit wollen die wegen des Zinstiefs unter Druck geratenen Bausparkassen offensichtlich ihre Einnahmesituation verbessern und womöglich auch erreichen, dass einige Kunden freiwillig aus ihren hochverzinsten Altverträgen aussteigen. Verbraucherschützer halten diese Servicepauschale bei Altverträgen allerdings für ungerechtfertigt und raten Bausparern dringend, der Gebühr zu widersprechen. Bei Neuverträgen seien diese Gebühren dagegen zulässig.

Neukunden, die diese Gebühren nicht hinnehmen wollen, haben eine einfache Option: Sie sollten auf den Abschluss eines Bausparvertrags verzichten. Die Verzinsung von neuen Bausparverträgen ist ohnehin nicht mehr attraktiv.

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