Der Hype um Kryptowährungen wie den Bitcoin treibt ungeahnte Blüten. Sein Preis steigt in immer neue Dimensionen. Schon heute ist er mehr wert als Konzerne wie Adidas, Linde oder die Deutsche Bank. Anleger sollte das misstrauisch machen. Ein Absturz ist nicht unwahrscheinlich.

In den dreißiger Jahren des 17. Jahrhundert waren die Niederländer verrückt nach Tulpen. Die Preise für Tulpenzwiebeln kletterten im Lauf von ein paar Jahren in astronomische Höhen – ehe sie im Februar 1637 schlagartig brutal abstürzten. Aus heutiger Sicht war der damalige Tulpenwahn ein völlig absurdes, nicht nachvollziehbares Ereignis. Doch womöglich werden künftige Generationen genauso verständnislos auf das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts zurückblicken. Denn auch aktuell spielt sich möglicherweise eine Spekulationsblase ab, die irrationale Züge trägt. Die Rede ist vom Bitcoin: eine digitale Währung, die dafür geschaffen wurde, unabhängig von Banken und staatlicher Überwachung Transaktionen zu tätigen.

Mehr wert als Adidas

Den Bitcoin gibt es nicht als Münzen oder Scheine. Er besteht lediglich aus Bits und Bytes im Internet. Und die Nachfrage nach ihm ist gigantisch: Allein seit Jahresanfang 2017 hat sich der Preis des Bitcoins von rund 1.000 US-Dollar auf aktuell etwa 2.800 Dollar fast verdreifacht. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Kurs sogar versechsfacht. Zum Vergleich: Zu seinem Start im Oktober 2009 war er noch weniger als ein Dollar wert. Zum Start wurde festgelegt, dass ein Dollar 1,309 Bitcoins wert sei sollte. Wer seit Anfang an beim Bitcoin dabei ist, hat also ein ziemlich gutes Investment getätigt.
Im Umlauf sind 16,4 Millionen Bitcoins. Der Hype um sie treibt im Moment ähnliche Blüten wie die Tulpen in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. Zum aktuellen Kurswert bringen es die Bitcoins heute auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 45 Milliarden Dollar. Damit sind die Bitcoins aktuell mehr wert als DAX-Konzerne wie Adidas, die Deutsche Bank oder Linde. Mit Hilfe kryptographischer Techniken wird sichergestellt, dass Transaktionen mit Bitcoins nur vom jeweiligen Eigentümer vorgenommen und die Geldeinheiten nicht mehrfach ausgegeben werden können. Daher wird der Bitcoin auch als Kryptowährung bezeichnet.

Anders als Euro, Dollar, Yen oder Franken und alle anderen konventionellen Währungen, die nach Belieben ihrer Notenbanken vermehrt werden können, ist die Zahl der Bitcoins begrenzt: Die maximale Bitcoin-Geldmenge ist auf 21 Millionen Stück festgelegt. Diese Knappheit nährt die Fantasie vieler Spekulanten. An manchen Tagen gibt es praktisch keine Verkäufer. Dann treiben schon kleine Kaufaufträge den Preis kräftig nach oben. Auch als Zahlungsmittel werden Bitcoins immer öfter akzeptiert. So hat die japanische Regierung Anfang April die Währung als legales Zahlungsmittel eingestuft und dieses wird von immer mehr Firmen in Asien entgegengenommen. Doch nicht nur auf der großen politischen Bühne spielt der Bitcoin eine Rolle. Auch im praktischen Leben ist er längst angekommen. So akzeptieren ihn einige Berliner Kneipen – vor allem in Szene-Kiezen in den Stadtteilen Kreuzberg und Friedrichshain – schon seit geraumer Zeit als Zahlungsmittel.

Wie man den Bitcoin kauft

Doch wie besorgt man sich Bitcoins überhaupt? Einsteiger brauchen zunächst ein sogenanntes Wallet, also eine virtuelle Brieftasche. Dahinter verbirgt sich eine Software, die es für alle Betriebssysteme und Plattformen gibt. Mit dem Wallet können Bitcoins versendet und empfangen werden. Zu erwerben ist die Währung unter anderem auf einem der Bitcoin-Marktplätze im Netz. Anleger müssen sich anmelden und ihre Kontodaten hinterlegen. Manche Anbieter ermöglichen den Bitcoin-Kauf auch per Kreditkarte.

Die Wahl des Marktplatzes sollte mit Sorgfalt erfolgen. Denn die Marktplätze können pleitegehen oder gehackt werden, was beides schon geschehen ist. So musste im Jahr 2014 der damals weltgrößte Handelsplatz für Bitcoins, Mt.Gox, Insolvenz anmelden, nachdem es Ziel von massiven Hacker-Angriffen geworden war und große Mengen von Bitcoins plötzlich verschwunden waren.

In Deutschland führend ist heute die Plattform bitcoin.de. Dort bieten Bitcoin-Besitzer ihre Bitcoins wie bei Ebay zu einem bestimmten Preis an, den Käufer akzeptieren können oder nicht. So bestimmt sich der Marktpreis. Der Marktplatz selbst nimmt eine Transaktionsgebühr. Wenn der Kaufpreis auf das Konto des Verkäufers überwiesen ist und der Empfänger den Empfang bestätigt, fließen die Bitcoins in die Wallet des Käufers. Weit verbreitet für den Handel mit Bitcoins ist auch die Plattform coinbase.com.

Die dunkle Seite des Bitcoin

Doch der Bitcoin hat auch eine dunkle Seite. Weil er, wie bereits erwähnt, außerhalb der Kontrolle von Staaten und Banken eingesetzt werden kann, wird er auch für kriminelle Geschäfte genutzt. Der Bitcoin, ein beliebtes Zahlungsmittel im Darknet, ein Bereich des Internets, in dem Nutzer anonym und unerkannt surfen, downloaden und mailen können – und somit keine digitalen Spuren hinterlassen. Über das Darknet werden deshalb häufig Geldwäsche-, Drogen- und Waffengeschäfte abgewickelt. So besorgte sich zum Beispiel der 18jährige Schüler, der im Juli 2016 in München bei seinem Amoklauf neun Menschen tötete, seine Waffe im Darknet und bezahlte sie vermutlich mit Bitcoins.

Dem Erfolg des Bitcoins tun solche dunklen Geschäfte keinen Abbruch. Im Gegenteil. Sie erhöhen seinen Bekanntheitsgrad und machen ihn noch begehrter. Und wer erfolgreich ist, wird meistens schnell kopiert. So auch der Bitcoin: Mittlerweile gibt es bereits Hunderte weitere digitale Währungen. Der bekannteste Bitcoin-Konkurrent ist Ethereum: Die erst vor zwei Jahren gegründete Kryptowährung bringt es bereits auf einen Marktwert von fast 36 Milliarden Dollar, ist also nur noch etwa zehn Milliarden Dollar weniger wert als der Bitcoin. Der Abstand hat sich zuletzt dramatisch schnell verkürzt. Allein seit Jahresanfang legte Ethereum um 3.000 Prozent zu – und stellt damit sogar sein großes Vorbild weit in den Schatten. Das hat auch damit zu tun, dass für viele Experten Ethereum dem Bitcoin als Kryptogeld überlegen ist. Denn Ethereum ist nicht nur, wie Bitcoin, eine digitale Währung, mit der Zahlungen abgewickelt werden können, sondern es können damit auch Aktien und andere Wertpapiere, Mitgliedsnachweise und andere Dinge abgebildet werden. Geht es in dem Tempo mit dem Preisanstieg weiter, dürfte Ethereum den Bitcoin beim Marktwert schon bald überflügeln.

Wie lang hält der Hype?

Fragt sich nur, wie lange der Hype um die bekanntesten Kryptowährungen noch andauert. Mehrere Indizien weisen bereits darauf hin, dass sie bereits mitten in einer weit aufgeblähten Spekulationsblase stecken. So vertreiben findige Finanzunternehmen bereits Aktien, die von der Kursentwicklung von Bitcoins und Ethereum profitieren sollen. Am meisten profitieren diese Firmen selbst davon: Anleger, die Anteile erwerben, werden jährlich mit einer hohen Gebühr belastet. Selbsternannte Experten wiederum gehen von weiteren aberwitzigen Kurssteigerungen aus. So prophezeit Jim Cramer, Analyst des Börseninformationsdienstes CNBC, dem Preis des Bitcoins schon einen Anstieg auf eine Million Euro. Begründung: Den Banken bliebe gar nichts anderes übrig, als im großen Stil Bitcoins aufzukaufen, um Lösegeld anzusammeln, dass sie im Fall von Hackerangriffen benötigen.

Es wäre nicht verwunderlich, wenn Bitcoin, Ethereum und andere gehypte Kryptowährungen am Ende ein ähnliches Schicksal erleiden würden wie vor fast 400 Jahren die Tulpen in Holland.

Was Befürworter und Kritiker vom Bitcoin halten, lesen Sie hier.

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