Ein Beitrag aus unserer Reihe Im Gespräch.

Ist der Bitcoin die beste Erfindung seit es Geld gibt oder ist er nur ein nützliches Werkzeug für Kriminelle? Ist er die Investmentchance des Jahrhunderts oder eine gigantische Blase? Auch bei LIQID sind die Meinungen darüber gespalten. Ein Streitgespräch zwischen dem Bitcoin-Fan Pascal Lamouric und dem Bitcoin-Skeptiker Kim Felix Fomm, moderiert von Summit-Redakteur Sebastian Wolff.


WOLFF: Herr Lamouric, Sie sind ein glühender Verfechter des Bitcoins. Was macht die Kryptowährung in Ihren Augen so sexy?

LAMOURIC: Es gibt unzählige Gründe für den Bitcoin. Wenn ich Ihnen alle aufzähle, sitzen wir noch morgen hier.

WOLFF: Dann beschränken Sie sich bitte auf die wesentlichen.

LAMOURIC: Früher waren die großen Währungen wie der Dollar, der Franken oder die D-Mark mit echten Werten unterlegt – zum Beispiel mit Gold. Doch die Zeiten sind vorbei. Heute steht rein gar nichts mehr hinter diesen Währungen. Die Notenbanken können sie in beliebiger Menge drucken und tun dies auch, in der Hoffnung, die Wirtschaft anzukurbeln. Doch auf lange Sicht werden sie damit nur eine Hyperinflation verursachen.

FOMM: Hinter dem Bitcoin stehen doch erst recht keine realen Werte. Der Bitcoin ist lediglich eine virtuelle Währung.

LAMOURIC: Auch die traditionellen Währungen sind faktisch nur noch virtuell, weil sie nichts mehr wert sind. Im Gegensatz zu ihnen ist aber die Menge des Bitcoins strikt begrenzt. Diese Knappheit wird automatisch dafür sorgen, dass sein Wert immer weiter steigt und stellt zudem sicher, dass eine Inflation mit dem Bitcoin nicht passieren kann.

FOMM: Knappheit eines Gutes ist noch kein Garant für seinen Wert. Nach der üblichen volkswirtschaftlichen Definition für Geld muss ein Gut drei Kriterien erfüllen, um sich als Geld zu qualifizieren: Es muss als Zahlungsmittel genutzt werden, muss als zuverlässiges Wertaufbewahrungsmittel dienen und als Wertmaßstab bzw. als allgemein anerkannte Recheneinheit gelten. Der Bitcoin erfüllt diese Kriterien in deutlich geringerem Maße als die meisten globalen Währungen. Ein weiteres Problem: Durch die extreme Verknappung (stärker als Gold) wird es eine Tendenz zum Horten des Bitcoin geben. Dies steht in direktem Konflikt zur Nutzung als Zahlungsmittel.

LAMOURIC: Trotzdem steigt der Wert des Bitcoins unaufhörlich. Mit kaum einer Aktie hätten Sie in den vergangenen Jahren einen solch hohen Wertzuwachs erzielt, wie mit dem Bitcoin. Und ich wage die Prognose: Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Der Wert des Bitcoins wird unter großen Schwankungen weiter kräftig zulegen.

FOMM: Das sehe ich differenzierter. Da besteht das Risiko, dass sich eine riesige Blase entwickelt hat. Fast 3.000 Dollar werden im Moment für einen Bitcoin bezahlt. Für ein Gut, das sich nur schwer in größerem Umfang in gängige, offizielle Währungen tauschen lässt. Wenn es sich um eine Blase handelt, und dafür gibt es aus der Wirtschaftsgeschichte reichlich Beispiele, wird sie irgendwann platzen und dann wird der Bitcoin nur noch zu einem Bruchteil seines heutigen Preises gehandelt werden. Darauf können Sie sich verlassen. Das gleiche kann übrigens mit den anderen Kryptowährungen wie dem Ethereum passieren. Dessen Preisanstieg verlief zuletzt sogar noch spektakulärer als der des Bitcoins. Insgesamt gibt es bereits mehr als 700 Kryptowährungen. Das müssen Sie sich mal vorstellen! Bei den Kryptowährungen ist die inflationäre Entwicklung, die Sie für die traditionellen Währungen vorhersagen, bereits Realität!

LAMOURIC: Vielleicht wird sich am Ende nicht jede Kryptowährung durchsetzen. Aber grundsätzlich sind Kryptowährungen wie der Bitcoin eine Antwort auf Korruption und die Profitgier der Mächtigen in vielen Ländern der Welt. Gäbe es nur noch die Kryptowährungen, könnten Gelder nicht mehr einfach hin und hergeschoben werden, ohne Spuren zu hinterlassen. Beim Bitcoin können alle Transaktionen nachvollzogen werden. Mit ihm können Sie nicht einfach Millionen in dunkle Kanäle verschwinden lassen, wie das zum Beispiel einige Banken getan haben.

FOMM: Genau das Gegenteil stellt sich doch gerade heraus: Die Anonymität des Bitcoins verleitet geradezu zum Missbrauch. Heute wickeln Kriminelle rund um den Globus ihre Zahlungen per Bitcoin ab. Der Bitcoin erleichtert ihnen ihre Machenschaften ungemein. Das ist ein Grund, warum der Preis des Bitcoins so stark gestiegen ist. Gerade unter diesem Gesichtspunkt werden Regierungen irgendwann eingreifen müssen, um kriminelle Aktivitäten zu erschweren.

LAMOURIC: Hier wird bewusst maßlos übertrieben, um den Bitcoin zu diskreditieren. Auch das Internet wurde in seinen Anfangszeiten, in den 90er Jahren als großer Tummelplatz für Kriminelle verunglimpft. Und was ist passiert? Das Internet hat sich weltweit durchgesetzt und bestimmt heute unser Leben. Natürlich finden dort auch kriminelle Aktivitäten statt. Aber deshalb würde doch niemand ernsthaft den Nutzen des Internets in Frage stellen. Historische Daten belegen, dass die Verbreitung eines Mediums oder eben einer Währung nicht automatisch dazu führt, dass dort die Kriminalität in gleichem Maße zunimmt.

FOMM: Sie glauben doch nicht im Ernst, dass der Bitcoin eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie das Internet wird. Schon die begrenzte Menge verhindert eine starke Verbreitung. Der Bitcoin wird deshalb eine Randerscheinung bleiben, bis er irgendwann in die Bedeutungslosigkeit zurückfällt. Als interessantes Experiment wird er aber in die Finanzgeschichte eingehen, das gestehe ich dem Bitcoin durchaus zu. Das Interessante am Bitcoin und anderen Kryptowährungen ist aus meiner Sicht die zugrundliegende Technologie Blockchain. Für sie gibt es enormes Anwendungspotenzial in den unterschiedlichsten Bereichen.

LAMOURIC: Sie unterschätzen den Bitcoin völlig. Er hat ein gewaltiges Potenzial. Allein was die Sicherheit betrifft, ist der Bitcoin traditionellen Währungen weit voraus. Seine Verschlüsselungstechnik ist stark ausgereift. So sind Bitcoins praktisch absolut sicher vor Fälschungen.

FOMM: So? Erst mal muss ein Nutzer in der Lage sein, festzustellen, ob es sich um echten Bitcoin handelt. Der Großteil der Nutzer muss sich einfach darauf verlassen, dass seine Plattform ihm auch tatsächliche Bitcoin verkauft. Und was ist mit Vorfällen wie bei der Bitcoin-Handelsplattform MtGox, die Insolvenz anmelden musste, nachdem ihr Bitcoins im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro gestohlen wurden?

LAMOURIC: Daran war nicht der Bitcoin schuld, sondern die laxen Sicherheitsstandards von MtGox. Die haben praktisch ihren Tresor offenstehen lassen und sich dann gewundert, warum der Inhalt gestohlen wurde. Und ja, auch dem normalen Bitcoin-Besitzer kann es passieren, dass ihm die Wallet, also die virtuelle Bitcoin-Börse, im Internet gestohlen wird. Aber das kann ihm mit seiner realen Geldbörse auch passieren. Vorsichtig muss man überall sein. Der Bitcoin wird dazu beitragen, dass der globale Handel und damit auch die Beschäftigung weltweit stärker steigen kann als je zuvor. Der Bitcoin sorgt also für mehr Wohlstand auf der Welt.

FOMM: Ich würde Ihnen ja gerne glauben, aber da ist Ihr Wunsch doch leider Vater des Gedankens. Seit Ende der 90er Jahre geht die Produktivität weltweit zurück, trotz Einführung des Internets. Die globale Wirtschaft ist bereits stark verflochten, auch ohne Kryptowährung. Die Blockchain-Technologie könnte hier mit Sicherheit zu einer effizienteren und günstigeren Abwicklung internationaler Transaktionen beitragen. Aber reduzierte Transaktionskosten von vielleicht einigen Bruchteilen eines Prozentes werden bestimmmt keinen riesigen Wachstumsschub auslösen. Der Bitcoin löst kein großes Problem.

WOLFF: Herr Fomm, Herr Lamouric, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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