Zum Thema Geldanlage gibt es viele Allgemeinplätze, von denen sich Anleger beeinflussen lassen. Doch auch durch häufige Wiederholung werden sie nicht wahr. Wir entlarven die sieben größten Mythen bei der Kapitalanlage und erklären, warum es ein Fehler ist, ihnen zu folgen.

Aktien sind nur etwas für Zocker

Aktien haben in Deutschland einen schlechten Ruf. Viele Anleger sind hierzulande der Meinung, dass sie nur für Zocker und Spekulanten geeignet seien, die auf den schnellen Gewinn aus sind und dafür bereit sind, hohe Risiken einzugehen. Diese weit verbreitete Ansicht ist auch die Folge davon, dass in Deutschland Generationen von Politikern vermeintlich sicheren Anlageformen wie Lebensversicherungen, Immobilien , Bausparverträgen oder auch der gesetzlichen Rente das Wort redeten und sie teilweise auch steuerlich unterstützten.

Zudem waren die ersten Erfahrungen vieler Deutscher mit Aktien schlecht: Ende der 90er Jahre legten sich Millionen Bundesbürger die als Volksaktie gepriesene Aktie der Deutschen Telekom ins Depot und erlitten damit Schiffbruch.

Doch solcher Negativerfahrungen zum Trotz: In Wahrheit sind Aktien die liquide Anlageform, mit der langfristig die höchsten Erträge zu erzielen sind. Das belegen zahlreiche Untersuchungen. So weist zum Beispiel eine Studie von Allianz Global Investors[1] nach, dass Aktien über lange Anlagezeiträume fast immer bessere Renditen erzielen als Anleihen hoher Bonität.

Das gilt natürlich nicht für jede Aktie (siehe Deutsche Telekom), sondern für den Aktienmarkt in seiner Gesamtheit. Allerdings können die Schwankungen bei Aktien kurz- und mittelfristig sehr hoch sein. Anleger sollten deshalb ihr Geld möglichst breit über verschiedene Regionen und Branchen streuen und einen langen Anlagehorizont haben. Das dämpft die Schwankungen der Aktienmärkte und verspricht höhere langfristige Renditen als andere Anlageformen.

Fazit: Mit einzelnen Aktien kann man kurzfristig zocken. Auf lange Sicht ist ein breit diversifiziertes Aktienportfolio aber eine Anlageform, die kurzfristige Schwankungen mit hohen erwarteten Renditen entschädigt. Wer sein Vermögen langfristig vermehren oder auch nur real, also nach Abzug von Inflation und Steuern erhalten möchte, kommt gerade im aktuellen Umfeld nicht um Aktien oder Aktienfonds herum.

Garantieprodukte sind sicher

Kunden, die eigentlich schwankungsreiche Anlageklassen wie Aktien scheuen, lassen sich manchmal von ihrem Bankberater dazu verleiten, ihr Geld in Garantieprodukte zu investieren. Die vermeintlichen Vorteile der Garantieprodukte: Der Anleger profitiert von den Kurschancen des Aktienmarktes und ist gleichzeitig gegen Verluste abgesichert: Eine Mindestrückzahlung ist ihm sicher. Das klingt attraktiv – besonders in Zeiten, in denen andere Anlageklassen wie Staatsanleihen bester Bonität oder Tages- und Festgeld keine Zinsen mehr abwerfen.

Beispiele für Garantieprodukte sind Garantiefonds- oder –zertifikate. Ihnen liegt ein Basiswert zugrunde, beispielsweise ein Aktienindex. Die Anbieter der Garantieprodukte garantieren den Anlegern zum Ende der Laufzeit mindestens das eingesetzte Kapital oder einen bestimmten Teil davon zurückzuzahlen.

Das hat für den Anleger natürlich einen Preis: Er partizipiert nur zum Teil an Kurssteigerungen des zugrunde liegenden Basiswerts.

Wie hoch dieser Anteil genau ist, wird mit der Partizipationsquote in den Bedingungen des Garantieprodukts festgelegt. Der Emittent verwendet einen Teil des Kapitals des Produkts zur Absicherung vor Kursverlusten. Dies geschieht beispielsweise durch den Kauf von Put-Optionen. Handelt es sich um Garantiezertifikate, droht dem Anleger bei einer Insolvenz des Emittenten ein Totalverlust. Bei Garantiefonds droht diese Gefahr immerhin nicht. Denn das Fondskapital ist juristisch gesehen Sondervermögen, das auch im Insolvenzfall weiter dem Kunden gehört.

Schon die Konstruktion der Garantieprodukte macht deutlich: Die Absicherung, die dem Anleger das vollständige Kapital oder einen Teil davon garantiert, kommt ihn teuer zu stehen. In der Regel wird seine Partizipationsrate an den Erträgen des Basiswerts umso geringer sein je höher die vereinbarte Absicherung ist: Garantiert ihm der Emittent des Produkts die hundertprozentige Rückzahlung seines Einsatzes ist die Partizipationsrate an den Erträgen in der Regel verschwindend gering. Ist die Partizipationsrate höher, holt sich der Emittent sein Geld auf andere Weise: So werden Garantieprodukte zum Beispiel häufig auf Indizes wie den Eurostoxx 50 begeben. Dieser Index rechnet alle Dividenden heraus. Das bedeutet: Der Emittent finanziert die Garantie, in dem er die Dividenden für sich behält.

Andere Varianten bei denen der Emittent dem Anleger eine höhere Partizipation an den Erträgen in Aussicht stellt, sehen vor, dass nur die Rückzahlung eines Teils des Kapitals garantiert ist – zum Beispiel 80 Prozent zum Laufzeitende.

Fazit: Insgesamt zahlen Anleger für solche Produkte Verbraucherschützern zufolge in aller Regel einen zu hohen Preis: Die Kosten für die Absicherung und die Gebühren, die der Emittent nimmt, addieren sich normalerweise zu einer Summe, die das Produkt unattraktiv macht. Außerdem sind die möglichen Renditen meistens so niedrig, dass nach Inflation und Steuern kein Gewinn mehr übrigbleibt.

Immer Stop-Loss-Order setzen

Die Regel ist einfach und klingt überzeugend: Anleger setzen für jedes Wertpapier, das sie im Depot liegen haben eine Order, die zu einem automatischen Verkauf führt, wenn der Kurs eine bestimmte Grenze nach unten erreicht oder unterschreitet. Damit, so scheint es, profitieren die Anleger ungebremst von Kursanstiegen und haben eine wirksame Absicherung, wenn der Kurs wieder fällt. Ist der Stop-Loss-Auftrag ausgeführt, warten sie einfach ab, bis sich die Lage an den Märkten beruhigt und kaufen dann das Papier zu einem deutlich niedrigeren Kurs wieder zurück. Soweit die Theorie.

Das Problem: Sehr häufig passiert es, dass Aktienkurse fallen und sich dann schnell wieder erholen. Hat der Anleger Pech, wird durch einen kurzzeitigen Kurssturz die Stop-Loss-Order ausgelöst. Steigt der Aktienkurs dann wieder, ist er nicht mehr dabei. Denn den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg zu finden, ist äußerst schwer. Und ist die Aktie erstmal teurer als zum Verkaufszeitpunkt, entsteht für viele Anleger eine psychologische Hemmschwelle, die Aktie nun zu einem höheren Preis wieder zurückzukaufen.

Mindererträge nach Ausstieg aus dem Aktienmarkt ggü. investiert bleiben (nach Verlustschwellen)

HQ Trust Berechnungen (2017)

Was zeigt dieser Chart? Anleger, die schon nach geringen Verlusten verkaufen und sich dann jeweils eine Weile lang vom Markt verabschieden, erzielen auf Dauer deutlich geringere Renditen als Anleger, die erst nach höheren Verlusten verkaufen und dann dem Markt eine Weile lang fernbleiben. Hinzu kommt: Je länger die Dauer des Ausstiegs, desto negativer ist die Auswirkung auf die Gesamtrendite.


Einige Anleger versuchen das Problem zu umgehen, indem sie die Stop-Loss-Marke möglichst niedrig ansetzen und mit steigenden Kursen immer wieder anheben. Doch auch diese Strategie schützt nicht vor einem plötzlichen Kurssturz, der eine Stop-Loss-Order auslöst. Und ist die Stop-Loss-Marke extrem niedrig gesetzt, so dass sie praktisch nicht ausgelöst werden kann, kann man auch gleich darauf verzichten.

Fazit: Stop-Loss-Strategien sind in der Regel nicht empfehlenswert. Ausnahme: Der Anleger hält das Wertpapier inzwischen für überteuert und will sich mittelfristig ohnehin davon trennen. Dann kann ein Stop-Loss-Auftrag eine sinnvolle Methode sein, um sich einen bestimmten Kurs zu sichern, ohne die Aktie sofort verkaufen zu müssen. Wer sich dagegen schnellstmöglich von einem Wertpapier trennen möchte, sollte einen limitierten Verkaufsauftrag erteilen: Dann wird das Papier verkauft, sobald der vom Anleger genannte Mindestkurs aufgerufen wird.

Anlageformen mit niedrigen Kursschwankungen sind besser

Kursschwankungen stellen Anleger auf eine harte Probe. Wenn der Wert ihres Portfolios innerhalb kurzer Zeit um 10, 20 oder gar 30 Prozent nachgibt, was in bestimmten Marktphasen vorkommen kann, beginnen viele, sich große Sorgen zu machen oder gar an ihren Investments zu zweifeln.

Je niedriger die Kursschwankungen (auch Volatilität genannt), desto sicherer ein Anlageprodukt, lautet daher die (simple) Schlussfolgerung vieler Anleger. Doch das kann ein echter Trugschluss sein. So ist zum Beispiel ein Wertpapier, das über Jahre kontinuierlich gleichbleibende, geringe Verluste erleidet, sehr schwankungsarm – und dennoch zweifellos eine schlechte Anlage. Umgekehrt kann sich ein Wertpapier, dessen Kurs enormen Schwankungen unterworfen ist und zeitweise auch deutlich unter dem Kaufpreis notiert, auf lange Sicht noch als gutes Investment herausstellen. Die Volatilität eines Wertpapiers sagt also nichts über dessen Qualität aus. Wer sein Kapital real, also nach Abzug von Inflation und Zinsen erhalten möchte, muss also gewisse Schwankungen in Kauf nehmen.

Grundsätzlich gilt indes: Schwankungsreiche Anlageklassen wie Aktien bieten höhere Renditechancen als schwankungsarme Anlageklassen wie Anleihen. Und: Je länger die Anlagedauer, desto weniger fallen Kursschwankungen ins Gewicht. Wer sein Geld breit gestreut über viele Regionen und Branchen am Aktienmarkt investiert, muss sich um Schwankungen bei einer Anlagedauer von zehn Jahren kaum sorgen.

Erwartete Durchschnittserträge eines Portfolios (50 % Aktien / 50 % Renten) in verschiedenen Szenarien

Berechnungen HQ Trust (2017)

Was zeigt dieser Chart? Zugrunde liegt eine Simulation der erwarteten Durchschnittserträge für ein Portfolio mit 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Renten. Die Quantile beschreiben unterschiedliche Szenarien für die Entwicklung: Das 50 %-Quantil gibt den erwarteten Mittelwert wieder, das 10 %-Quantil zeigt ein sehr negatives, das 90 %-Quantil ein sehr positives Szenario. Am Chart wird deutlich, dass sich die erwarteten Erträge in negativen und positiven Szenarien langfristig annähern. Das heißt: je länger die Anlagedauer, desto geringer das Risiko negativer Renditen.


Fazit: Anleger, die nur eine begrenzte Anlagedauer zur Verfügung haben und ihr Kapital nach wenigen Jahren wieder benötigen, müssen einen großen Teil davon in schwankungsärmere Anlageklassen wie Anleihen investieren. Anleger, die ihr Kapital dagegen viele Jahre nicht benötigen, sollten einen höheren Anteil an schwankungsreichen Anlageklassen wie Aktien wählen. Aktuellen Berechnungen von LIQID zufolge muss ein Portfolio mindestens zu 50 Prozent aus schwankungsreichen Anlageklassen bestehen, damit langfristig überhaupt ein realer Kapitalerhalt (also nach Steuern und Inflation) erzielt werden kann.

ETF sind besser als aktive Fonds

Börsengehandelte Indexfonds (ETF) erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei den Anlegern. Dafür gibt es auch gute Gründe. Zum einen gelingt es nur den wenigsten aktiv gemanagten Aktienfonds, dauerhaft den Marktdurchschnitt zu schlagen. Die allermeisten dieser Fonds liegen sogar, teilweise auch deutlich, unter dem Marktdurchschnitt. ETF aber replizieren Indizes und bilden damit ziemlich genau den Marktdurchschnitt ab.

Zum anderen sind die Kosten von ETF deutlich geringer als die von aktiven Fonds: ETF-Aktienfonds zum Beispiel kosten in der Regel je nach Fondsgesellschaft und abgebildetem Index zwischen 0,1 Prozent und 0,5 Prozent pro Jahr, aktive Fonds dagegen im Schnitt gut 1,5 bis zwei Prozent – vereinzelt sogar noch deutlich mehr. Hinzu kommen oft noch Ausgabeaufschläge und Erfolgsbeteiligungen – beides gibt es bei ETF nicht.

Einige Vermögensverwalter sind deshalb dazu übergegangen, aktive Fonds komplett aus den Kundenportfolios zu verbannen oder haben von Anfang an nicht in solche Fonds investiert. Ihr Argument: Aktive Fonds lohnen sich grundsätzlich nicht. Doch das ist zu kurz gesprungen. In bestimmten Marktphasen gibt es durchaus gute Gründe, die für aktive Fonds sprechen. So können Aktienfondsmanager dann in bestimmten Regionen sich bietende Chancen nutzen oder in Phasen, in denen die Märkte korrigieren wirksam gegensteuern, indem sie beispielsweise die Aktienquote senken oder in schwankungsärmere Titel umschichten. Allerdings hat sich herausgestellt, dass es auch den meisten guten Fondsmanagern nicht gelingt, über lange Zeiträume Überrenditen zu erzielen. Deshalb sollten auch die besten aktiven Aktienfonds laufend kontrolliert werden.

Anders verhält es sich bei aktiven Anleihenfonds. Im Gegensatz zu Aktienfonds gelingen diesen durchaus auch über längere Zeiträume überdurchschnittliche Ergebnisse. Laut dem Finanzdatendienstleister Morningstar konnten zum Beispiel die meisten Anleihefondsmanager in den vergangenen zehn Jahren bei US-Anleihen mittlerer Laufzeit den Marktdurchschnitt schlagen.

Fazit: Für ETF spricht eine Menge. In bestimmten Situationen bieten aktive Fonds aber Chancen auf Überrenditen. Für Privatanleger ist es allerdings nicht empfehlenswert, selbstständig in aktive Fonds zu investieren, weil sie unter Tausenden Produkten die vielversprechendsten auswählen und ständig am Ball bleiben müssten, um gegebenenfalls umzuschichten. Darauf spezialisierte Vermögensverwalter aber können die Chancen, die aktive Fonds bieten, wirkungsvoll für ihre Kunden nutzen und die Kosten dabei geringhalten, weil sie keine Ausgabeaufschläge zahlen müssen und Zugriff auf institutionelle Anteilsklassen haben, bei denen die laufenden Gebühren geringer sind als bei den Anteilsklassen für Privatanleger.

Value-at-Risk-Steuerung ist eine überlegene Strategie

Value-at-Risk (VaR) ist eine häufig verwandte Risikokennzahl, um die erwartete Schwankung einer Geldanlage zu messen. Er kombiniert die historischen Schwankungsrisiken und den erwarteten Ertrag einer Geldanlage. Konkret zeigt er an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Anlage in einem festgelegten Zeitraum einen höheren als den zuvor maximal definierten Verlust erleidet.

So sagt beispielsweise ein 95%-VaR von zehn Prozent aus, dass eine Anlage mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf Jahressicht keinen höheren Verlust als zehn Prozent erleiden wird. Anders ausgedrückt: Im Durchschnitt tritt nur in einem von 20 Jahren ein höherer Verlust als zehn Prozent auf. Der entsprechende Conditional Value-at-Risk wiederum zeigt an, wie hoch ein Verlust bei den verbleibenden fünf Prozent dann im Durchschnitt ausfällt.

Der VaR ist also ein sehr sinnvoller Maßstab, um das Risiko einer Geldanlage auszudrücken. Zur Vermögenssteuerung ist der VaR aber nur bedingt geeignet. Denn solche Konzepte reduzieren häufig dann den Anteil schwankungsstärkerer Anlageklassen wie Aktien, wenn deren Schwankung (Volatilität) im Zuge einer Korrektur gestiegen ist und bauen Positionen wieder auf, wenn das Schwankungsrisiko nach erfolgtem Kursanstieg zurückgegangen ist. Sie agieren also prozyklisch und können daher oft nicht mit der Rendite von Buy-and-Hold-Ansätzen, bei denen Wertpapiere gekauft und langfristig im Portfolio gehalten werden, mithalten. Ein simpler Grund dafür ist, dass vor allem bei Aktien die aktuelle kurzfristigere Volatilität kein guter Indikator für den zukünftigen Ertrag ist.

Fazit: Value-at-Risk (VaR) ist ein nützliches Analyseinstrument, aber zur Portfoliosteuerung nicht wirklich geeignet. Es führt tendenziell dazu, dass Wertpapiere gekauft werden, wenn sie teuer sind und verkauft werden, wenn sie preiswert sind. Das wirkt sich naturgemäß negativ auf die langfristige Rendite eines Portfolios aus. Zudem wird in entsprechend verwalteten Depots sehr viel gehandelt.

Lebensversicherungen und Bausparverträge eignen sich als langfristige Geldanlage

Lebensversicherungen und Bausparverträge gehören nach wie vor zu den beliebtesten Anlageformen der Deutschen. Jahrzehntelang war das auch gerechtfertigt: Die Renditen waren attraktiv, bis zu einem gewissen Ausmaß garantiert und es bestanden nur geringe Verlustrisiken. Dafür nahmen die Kunden gerne lange Vertragslaufzeiten, hohe Abschluss- und Verwaltungsgebühren sowie unflexible Kündigungsregelungen in Kauf.

Doch mittlerweile ist die Situation eine ganz andere. Wer heute eine Lebensversicherung oder einen Bausparvertrag abschließt, dem wird nur noch eine sehr magere Verzinsung garantiert. Kein Wunder, angesichts des allgemein extrem niedrigen Zinsniveaus können die Produktanbieter nicht zaubern. Die Nachteile dieser Produkte aber sind geblieben: Bei Vertragsabschluss ist eine saftige Gebühr fällig, über die Jahre fallen weiter regelmäßig hohe Kosten an, die Vertragslaufzeiten sind im Allgemeinen nach wie vor sehr lange und wer früher als geplant an sein Geld heran möchte, muss mit hohen Abschlägen rechnen. In manchen Fällen werden die Verträge dann sogar zu einem Verlustgeschäft für den Anleger.

Die Beliebtheit von Lebensversicherungen und Bausparverträgen ist deshalb ökonomisch heute nicht mehr gerechtfertigt. Doch mächtige Vertriebsstrukturen der Produktanbieter sorgen nach wie vor für einen guten Absatz dieser Produkte.

Dabei raten mittlerweile sogar unabhängige Verbraucherschützer offen davon ab: „Es lohnt sich nicht mehr, klassische Lebens- und Rentenversicherungen neu abzuschließen. Das liegt an den niedrigen Zinsen und hohen Kosten. Von 0,9 Prozent Garantiezins verbleiben im Durchschnitt nur 0,11 Prozent an garantiertem Wertzuwachs“, schreibt zum Beispiel das renommierte Verbraucherportal Finanztip. Schlecht seien auch die Aussichten für die über den Garantiezins hinausgehende Überschussbeteiligung. Auch die neuen sogenannten Indexpolicen seien nicht besser, so Finanztip. Hierbei schreiben die Anbieter die Überschüsse den Kundenkonten nicht mehr einfach gut, sondern koppeln sie an die Entwicklung eines Aktienindex. Das soll langfristig mehr Rendite bringen. Die Rendite-Chance erkaufe sich der Anleger aber durch geringere Sicherheiten. Einen Garantiezins gebe es bei diesen Verträgen meist gar nicht mehr. Zudem sei die Struktur dieser Policen häufig undurchsichtig. „Die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten rechnen sich meist nicht“, so das Finanztip-Urteil.

Ähnlich skeptisch ist Finanztip bei Bausparverträgen: „Ein Bausparvertrag lohnt sich nur, wenn die Bauzinsen bis zur Zuteilung deutlich steigen und Sie den Baukredit auch tatsächlich in Anspruch nehmen.“ Der Grund: Ein Bausparvertrag ist eine Kombination aus einem Sparplan und einer Immobilienfinanzierung. Während der Ansparphase bekommt der Anleger angesichts des niedrigen Zinsniveaus heute praktisch überhaupt keine Zinsen mehr. Doch da Baudarlehen bei Banken heute auch sehr günstig zu haben sind, bieten Bauspardarlehen heute keinen Zinsvorteil mehr. Insofern dient ein Bausparvertrag heute nur noch als Versicherung gegen steigende Bauzinsen. Als langfristige Geldanlage aber ist diese Sparform ebenfalls ungeeignet.

Fazit: Wer einen bestehenden Lebensversicherungs- oder Bausparvertrag besitzt, sollte ihn laufen lassen. Denn eine vorzeitige Kündigung oder ein Weiterverkauf sind im Regelfall mit hohen Kosten verbunden. Der Neuabschluss dieser Produkte lohnt sich für Anleger, die ihr Kapital langfristig vermehren oder auch nur real, also nach Abzug von Inflation und Steuern erhalten wollen, aber nicht mehr.


  1. [1] Allianz Global Investors: Aktie – die „neue Sicherheit“ im Depot (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)

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