Die meisten Emittenten von Gold-Schuldverschreibungen besichern ihre Papiere mit physischem Gold. Bei einigen Anbietern können sich Anleger das Edelmetall auf Wunsch sogar ausliefern lassen. Voraussetzung ist allerdings, dass ihre depotführende Bank mitspielt. Und das ist längst nicht immer der Fall.

Anfang September 2016 ging ein Aufschrei durch die Anleger-Foren im Internet: Ein Kunde der Deutschen Bank hatte Xetra-Gold-Anteile in seinem Depot und wollte sich das physisch hinterlegte Gold ausliefern lassen, mit dem die Schuldscheine abgesichert sind. Laut der Emittentin des Xetra-Golds, der Deutsche Börse Commodities GmbH, ist dies grundsätzlich möglich. Das Gold wird im Rahmen eines bestimmten Prozedere über die depotführende Hausbank des Anteilseigners ausgeliefert, nachdem die Bank dazu ihre Zustimmung gegeben hat. Genau diese Zustimmung hatte die depotführende Filiale in dem Fall aber verweigert. In den Anleger-Foren brach daraufhin ein Sturm der Entrüstung los. Tenor: Xetra-Gold sei eben doch nur Papier-Gold, und als Anlagevehikel nicht mit echtem Gold zu vergleichen.

So genannte Exchange Traded Commodities (ETC) sind Inhaberschuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten, die die Entwicklung des Goldpreises abbilden. Bei den meisten ETC hinterlegt der Emittent die Schuldverschreibungen mit physischem Gold in gleicher Höhe als Sicherheit. Die Nachfrage nach Xetra-Gold erreichte im Zuge der diesjährigen Gold-Renaissance immer wieder neue Höchststände. Kauft ein Anleger Anteile eines ETC, kauft der Emittent entsprechend physisches Gold. Die Nachfrage nach Xetra-Gold erreichte im Zuge der diesjährigen Gold-Renaissance immer wieder neue Höchststände, derzeit sind in den Frankfurter Tresoren rund 111 Tonnen Gold eingelagert, Anfang des Jahres waren es erst 59 Tonnen. Der Vorteil der ETC gegenüber physischem Gold sind die deutlich geringeren Kosten: Während die Handelsspanne beim Kauf von Barren und Münzen schnell einige Prozent ausmacht, sind es zum Beispiel bei Xetra-Gold nur zwei Cent pro Gramm. Die große Mehrheit der Anleger will sich das physische Edelmetall freilich auch gar nicht ausliefern lassen. Ihnen genügt die Gewissheit, dass das Gold in den Tresoren der ETC-Emittenten lagert. Dennoch bekräftigt die Deutsche Börse Commodities, dass die Auslieferung des Xetra-Goldes möglich sei: Allein in Deutschland habe man seit Auflegung des ETC im Jahr 2007 in 900 Fällen insgesamt rund 4,5 Tonnen Gold über 80 verschiedene Banken ausgeliefert. Dennoch könne man Situationen nicht ausschließen, in denen Banken die Auslieferung an einen Kunden verweigern: „Solche Vorfälle kommen immer wieder vor, schlicht weil Bankmitarbeiter in einzelnen Filialen das Produkt und den Auslieferungsprozess nicht kennen“, sagt Steffen Orben, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities. „In einem solchen Fall sollten Kunden die Xetra-Gold-Hotline anrufen, dann setzen wir uns mit der Bank in Verbindung.“

Ohne die Hausbank geht es nicht

Bei Anlegern bleibt die Sorge: Ob ein Xetra-Gold-Anleger sein Gold schließlich bekommt oder nicht, hängt von seiner depotführenden Bank ab. Die Deutsche Bank mochte auf Anfrage nicht mitteilen, ob der besagte Kunde sein Gold mittlerweile in Empfang genommen hat. Grundsätzlich stehe man aber zu seiner Zusage, als depotführende Bank Xetra-Gold an Kunden auszuliefern. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, weil die Deutsche Börse Commodities ein Gemeinschaftsunternehmen und die Deutsche Bank einer der Eigentümer ist. Das gleich gilt für die Commerzbank, die ebenfalls zu den Xetra-Gold-Partnerbanken zählt. Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge für alle Filialen verbindliche Prozesse zur Auslieferung von physischem Gold aus entsprechenden ETC festgelegt. Demnach sollte die Auslieferung von Xetra-Gold für Commerzbank-Kunden kein Problem sein, zumal die Bank eigenen Angaben zufolge regelmäßig Xetra-Gold an Kunden ausliefert. Dafür berechnet die Bank eine Pauschale, deren Höhe vom Gegenwert des ausgelieferten Goldes abhängt.
Bei den dezentral organisierten Sparkassen entscheidet jedes Institut selbst, ob es das Gold aus einem ETC an seine Kunden ausliefert oder nicht, ebenso handhaben es die Volks- und Raiffeisenbanken. Die Regelungen sind entsprechend unterschiedlich, wie eine stichprobenartige Nachfrage bei den größten Instituten des Landes ergab: Die Hamburger Sparkasse (Haspa) bietet ihren Kunden den Service an, physisches Gold aus einem ETC ausliefern zu lassen. Auslieferungen von Xetra-Gold kommen demnach „immer wieder mal vor“, die Haspa berechnet dafür 60 Euro. Die Sparkasse Köln/Bonn hingegen bietet den Service nicht an. Auch bei der Stadtsparkasse München ist es für Kunden nicht möglich, sich physisches Gold aus einem ETC liefern zu lassen.

Die Volks- und Raiffeisenbanken handhaben die Auslieferung ebenfalls unterschiedlich. Die Berliner Volksbank liefert physisches ETC-Gold zumindest an Private-Banking-Kunden aus, für gewöhnliche Privatkunden sei das Produkt Gold-ETC gar nicht vorgesehen. Die Dortmunder Volksbank hat mangels Nachfrage ihrer Kunden bislang noch kein ETC-Gold ausgeliefert, wäre dazu aber grundsätzlich bereit. Die Frankfurter Volksbank möchte sich dazu „unter Sicherheitsaspekten“ lieber gar nicht äußern.

Physischer Goldkauf über einen ETC kann sich rechnen

Ob sich die Auslieferung des Edelmetalls finanziell lohnt, ist eine ganz andere Frage. Für die Auslieferung eines Kilogramms Xetra-Gold in Form eines Barrens müssen Anleger zum Beispiel 275 Euro zahlen. Bei geringeren Mengen sinkt der Preis nur unwesentlich, die Auslieferung von 100 Gramm kostet 250 Euro, bei 500 Gramm 265 Euro. Wer sich sein Gold in klein gestückelt ausliefern lässt, zahlt deutlich mehr, bei einem Kilogramm in Form von zehn 100-Gramm-Barren sind bereits 675 Euro fällig. Ob sich der Kauf von physischem Edelmetall über Xetra-Gold lohnt, hängt von der Menge ab. Dennoch kann der Kauf von Xetra-Gold tatsächlich günstiger sein als der direkte Kauf von Barren oder Münzen. Grund sind die großen Handelsspannen bei physischem Gold, die schnell mehrere Prozent ausmachen können. Xetra-Gold verspricht hingegen ab dem ersten Gramm die Großhandelsspanne von zwei Cent – macht zum Beispiel bei einem Kilogramm 20 Euro plus Gebühren und damit rund 300 Euro. Die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs für einen 1-Kilogramm-Goldbarren liegt bei Händlern schnell beim doppelten Betrag. Ob sich der Kauf von physischem Edelmetall über Xetra-Gold lohnt, hängt demnach von der Menge ab. Und davon, ob die Hausbank bei der Auslieferung des Goldes mitspielt.

Xetra-Gold ist hierzulande vermutlich der bekannteste Gold-ETC, doch es gibt weitere Anbieter, bei denen Anleger sich das Gold ausliefern lassen können. Der ETC Euwax Gold der Börse Stuttgart Securities GmbH geht dabei einen anderen Weg: Anleger können sich das physisch hinterlegte Gold direkt nach Hause oder an eine andere Adresse liefern lassen – und das innerhalb Deutschlands kostenlos. Lediglich wenn die Zustellung beim ersten Mal nicht klappt, müssen Kunden die Auslieferung beim nächsten Versuch bezahlen. Einzige Voraussetzung: Der Kunde lässt sich mindestens 100 Gramm ausliefern. Bislang haben Euwax-Anleger von der Option rund 250-mal Gebrauch gemacht und haben sich insgesamt 140 Kilogramm Gold ausliefern lassen – gemessen am physisch eingelagerten Edelmetallbestand von derzeit rund 5,5 Tonnen ein relativ kleiner Teil. Ganz ohne Hausbank geht das Ganze allerdings auch bei diesem Prozedere nicht über die Bühne: Anleger müssen den Antrag für die Auslieferung des physischen Goldes aus dem Euwax Gold über ihre depotführende Bank einreichen. Immerhin dürfte den Banken diese Vorgehensweise unterm Strich weniger Probleme bereiten, als wenn sie das Gold tatsächlich auch entgegen nehmen müssen. Zum Beispiel können sich Kunden der Sparkasse Köln/Bonn zwar kein ETC-Gold an das Institut ausliefern lassen, wohl aber den Antrag zur Auslieferung von Gold aus dem Euwax an ihre eigene Adresse dort einreichen. Laut der Emittentin Börse Stuttgart Securities unterstützen die meisten depotführenden Banken diesen Weg der Auslieferung des Goldes. Völlig kostenlos ist der Service der Banken allerdings auch hier nicht, die Sparkasse Köln/Bonn etwa erhebt für die Bearbeitung des Auslieferungsantrags eine Gebühr in Höhe von 23,80 Euro.

Auf nach Wales

Wer einen Gold-ETC des Marktführer ETF-Securities (ETFS) mit Sitz in London im Depot hält, muss wiederum deutlich mehr Aufwand treiben, falls er das physisch hinterlegte Gold tatsächlich besitzen will. Und den richtigen ETC gewählt haben: Beim größten Gold-ETC Europas, dem 5,2 Milliarden Euro schweren Physical Gold, ist die Auslieferung schlicht nicht vorgesehen, beim knapp vier Milliarden Euro großen Schwester-Produkt Gold Bullion Securities hingegen schon – allerdings ist das in der Realität die absolute Ausnahme. Lediglich zwei Kunden haben bislang von der Option Gebrauch gemacht. „Es ging darum zu zeigen, dass die physische Auslieferung möglich ist, das genügt unseren Anlegern“, sagt Jan-Hendrik Hein, Vertriebsleiter für die deutschsprachige Region bei ETFS. Grundsätzlich ist die Auslieferung in 12,5 Kilogramm-Barren möglich, oder, für das Gold-Vermögen der meisten Privatanleger vermutlich eher passend, in Münzen. Die Kosten dafür sind allerdings mit rund 4,5 Prozent des Goldwertes wiederum recht hoch, weil die Münzen eigens bei der Prägeanstalt des Vereinigten Königreichs in Auftrag gegeben werden. Kunden können sich die Münzen auf einem Kurztrip nach Wales bei der Royal Mint persönlich abholen oder auf Anfrage zusenden lassen. Den Antrag auf die Auslieferung müssen Anleger – man ahnt es bereits – auch hier über ihre depotführende Bank stellen.

Fazit: Wer schon vor dem Kauf von Gold-ETC-Anteilen mit dem Gedanken spielt, sich das Edelmetall ausliefern zu lassen, sollte sich das Prozedere der ETC-Anbieter genau anschauen. Und mit seiner Bank vorab über Formalitäten und Kosten reden. Wenn Anleger das Gold als reine Währungsreserve für Wirtschafts- und Systemkrisen mit katastrophalen Ausmaßen vorhalten wollen, dürfte der physische Goldkauf sinnvoller sein als eine Investition über ETC. Für die langfristige Anlage sind ETC hingegen aufgrund der niedrigeren Aufschläge auf den Goldpreis und die Sammelverwahrung eine attraktive Anlageform.