Immer mehr Anleger setzten auf börsengehandelte Indexfonds (ETF). Die Produkte kopieren die Wertentwicklung von Aktien-, Renten- und Rohstoffindizes. Weil sie ohne Manager auskommen, sind ihre Kosten sehr niedrig. Zudem sind ETF vergleichsweise transparent und pflegeleicht. Anders als bei aktiv gemanagten Fonds müssen Investoren ETF nicht ständig im Auge behalten.

Wenn es in den vergangenen Jahren in der skandalgebeutelten Finanzbranche so etwas wie eine Erfolgsgeschichte gab, dann sind es börsengehandelte Indexfonds, auch Exchange Traded Funds, kurz ETF genannt. In Europa ist das in ETF investierte Anlagekapital nach Angaben der Deutschen Bank seit 2003 von gut 16 auf 454 Milliarden Euro gestiegen (Stand: 30. Juli 2016). Das meiste Geld, 305 Milliarden Euro, steckt in Aktien-ETF. 131 Milliarden Euro legten Investoren in Renten-ETF an, die Anleihen enthalten. Börsengehandelte Indexfonds auf Rohstoffe spielen mit einem Volumen von derzeit 16 Milliarden Euro dagegen nur eine untergeordnete Rolle, was auch auf die sehr begrenzte Produktauswahl zurückzuführen sein dürfte.

Mit dem investierten Kapital ist auch die Anzahl der ETF kräftig angestiegen. Sie verfünfzehnfachte sich von 100 auf 1539 Produkte, die an Europas Börsen gelistet sind. Allein an der Börse in Frankfurt können Anleger 1125 ETF handeln.

Anlagevolumen in ETF in Milliarden Euro (linke Skala) und Anzahl der Produkte (rechte Skala) in Europa

Quelle: Deutsche Bank, Stand: 30. Juni 2016

So funktionieren Indexfonds

Indexfonds machen das, was ihr Name nahelegt: Sie kopieren Aktien-, Anleihe- oder Rohstoffindizes und entwickeln sich deswegen fast genauso wie sie. So gesehen sind ETF gewissermaßen das Ratiopharm der Fondsbranche. Der Arzneimittelhersteller wurde mit preiswerten Nachahmerpräparaten bekannt, die etablierte Markenmedikamente kopieren.

Auch ETF zeichnen sich durch niedrige Kosten aus. Weil sie jeweils einen Index nachbilden, brauchen ETF im Gegensatz zu klassischen Investmentfonds keinen aktiven Manager, der Anlageentscheidungen trifft. Deswegen werden ETF als passive Fonds bezeichnet. Für Anleger bietet dieses Konzept einige Vorteile: Böse Überraschungen wegen Fehlentscheidungen eines Fondsmanagers bleiben ihnen erspart. Indexfonds schneiden immer ähnlich wie der Index abzüglich der Verwaltungskosten ab. Auch die Transparenz ist vergleichsweise hoch: Zwar werden auch in Indizes regelmäßig Unternehmen ausgetauscht, etwa weil sie die Aufnahmekriterien nicht mehr erfüllen oder wegen einer Übernahme ganz vom Markt verschwinden. Doch diese Änderungen sind marginal im Vergleich zu den Umschichtungen in einem aktiv gemanagten Aktienfonds. Bei den meisten Aktienindexfonds wissen Anleger also, auf welche Firmen sie langfristig setzen.

Es gibt zwei Sorten von Indexfonds. Die klassischen, die die amerikanische Fondsgesellschaft Vanguard Mitte der 1970er-Jahre entwickelte, sind nicht börsennotiert. Anleger kaufen sie über einen Vermittler, etwa eine Bank, bei einer Fondsgesellschaft und geben ihre Anteile bei Verkäufen wieder an sie zurück. ETF, die hierzulande Anfang des neuen Jahrtausends auf den Markt kamen, werden dagegen an Börsen ge- und verkauft.

Aktien-ETF kopieren Indizes abzüglich der Quellensteuern

ETF, die Aktienindizes kopieren, beziehen sich in der Regel auf sogenannte Total-Return-Net-Indizes. Sie spiegeln die Wertentwicklung aller im Index enthaltenen Aktien inklusive der gezahlten Dividenden, aber abzüglich der Quellensteuer wider. Quellensteuern ziehen die Finanzbehörden direkt in den Ländern, in denen Aktiengesellschaften ihren Sitz haben, von den Dividendenzahlungen ab. Meistens sind das zwischen 10 und 35 Prozent. Es gibt aber auch Länder, in denen keine Quellensteuer erhoben wird. Dazu zählt Großbritannien.

Die um die Quellensteuer bereinigten Netto-Indizes sind nicht die Kursbarometer, deren Entwicklung Anleger auf Finanzseiten im Internet verfolgen können. Dort werden die sogenannten Kursindizes veröffentlicht. Sie bilden die Wertveränderungen der enthaltenen Aktien ohne Dividendenzahlungen ab. Zu den Ausnahmen zählt der Dax, der als Total-Return-Index konzipiert ist. In seiner Wertentwicklung sind alle Dividendenzahlungen ohne Abzug von Quellensteuern enthalten.

Ein wesentlicher Grund für die wachsende Beliebtheit von Indexfonds dürfte die zunehmende Erkenntnis unter Anlegern sein, dass es nur sehr wenige Fondsmanager über einen längeren Zeitraum schaffen, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Das liegt neben Fehlentscheidungen beim Market-Timing und bei der Auswahl einzelner Aktien vor allem an den hohen Kosten von aktiv gemanagten Fonds. Ihr Verwaltungsaufwand übersteigt den von Indexfonds zum Teil um mehr als 1,5 Prozent pro Jahr. Das zehrt an der Rendite.

Physische Indexfonds

Aber auch Indexfonds haben Haken. Sie bergen versteckte Risiken, die für Anleger schwer erkennbar und noch weniger kalkulierbar sind. Das liegt vor allem an ihrer häufig komplizierten Konstruktion.

Grundsätzlich wird zwischen „synthetischen“ und „physischen“ Indexfonds unterschieden. Ihr Vergleich ähnelt dem zwischen echtem Käse und Käseimitat, sogenanntem Analogkäse. Echter Käse wird immer aus dem Originalgrundstoff Milch hergestellt so wie physische Indexfonds aus Original-Wertpapieren bestehen. Kauft der Fonds alle Werte in der Gewichtung, wie sie im Index enthalten sind, nennt man das „Vollreplikation“. Hält er nur eine repräsentative Auswahl der Indexwerte, wird das als „teilreplizierend“ bezeichnet. Diese Methode nutzen ETF-Anbieter bei Indizes mit sehr vielen oder schlecht handelbaren Werten, um den Aufwand und die Kosten niedrig zu halten.

Doch auch physisch replizierende Fonds können einen Nachteil haben: Häufig verleihen physische Indexfonds ihre Wertpapiere gegen Sicherheiten und kassieren dafür eine Prämie. Häufig verleihen sie ihre Wertpapiere gegen Sicherheiten und kassieren dafür eine Prämie. Damit verbessern sie die Wertentwicklung des Fonds und verdienen selbst etwas Geld. Die Sicherheiten sind für den Fall, dass der Leihpartner pleitegeht und die ausgeliehenen Papiere nicht zurückgeben kann. Diese Sicherheiten bestehen aus Bargeld oder aus Wertpapieren. Die Gefahr ist, dass letztere im Krisenfall nicht schnell genug oder nur mit Abschlag verkauft werden können und der ETF Verlust macht.

Aber wer sind eigentlich die Leihpartner? Dazu zählen zum Beispiel Hedgefonds. Sie borgen sich Aktien, verkaufen sie weiter und hoffen, dass sie sie später billiger wieder kaufen und dann zurückgeben können. Mit diesen Geschäften setzen die Fonds auf fallende Aktienkurse.

Die Indexfonds dürfen bis zu 100 Prozent ihrer Wertpapiere verleihen. Der Anbieter iShares verleiht beispielsweise durchschnittlich 20 Prozent des Portfolios. Meist erhält der Fonds um die 50 Prozent der Leiherträge, die andere Hälfte behält der Anbieter. Je mehr der Anbieter behält, desto größer ist die Versuchung, dass er immer einen möglichst großen Teil der Wertpapiere verleiht – und dabei womöglich die Risiken vernachlässigt.

Synthetische Indexfonds

Bei der Produktion von Kunstkäse wird Milch teilweise oder ganz durch andere Fette und Eiweiße ersetzt. Ähnlich geht auch die Finanzindustrie bei der Konstruktion von künstlichen ETF vor. An die Stelle der Original-Indexwertpapiere treten andere Wertpapiere und Finanzwetten. Das Motiv für dieses Vorgehen ist dasselbe wie bei Käseimitat: Synthetische ETF lassen sich billiger herstellen als physische. Möglich machen das vor allem sogenannte Swaps. Das sind finanzielle Tauschgeschäfte zwischen zwei Handelspartnern.

Beispiel: Ein ETF auf den Weltaktienindex MSCI World kauft mit dem Geld der Anleger ein beliebiges Aktien-Portfolio. Die Wertentwicklung dieses Portfolios tauscht der ETF-Anbieter bei einer Bank gegen die Wertentwicklung des MSCI World ein. Nehmen wir an, das ETF-Portfolio hat ein Volumen von 100 Millionen Euro. In nächster Zeit steigt der MSCI World um 5 Prozent, während das ETF-Portfolio nur 3 Prozent zulegt. Die Differenz beträgt 2 Prozent. Der Swap entspricht damit 2 Millionen Euro, die die Bank dem Fonds schuldet. Wie sie dieses Geld erwirtschaftet, ist unklar. Umgekehrt schuldet der Fonds der Bank Geld, wenn die Rendite des ETF-Portfolios in einem bestimmten Zeitraum höher ist als die des MSCI World. Tauschpartner sind übrigens meistens die Mutterkonzerne der ETF-Anbieter.

Die größte Gefahr für Anleger ist das Ausfallrisiko des Swap-Partners. Laut Gesetz dürfen deshalb maximal 10 Prozent des Fondsvermögens aus einem ungesicherten Swap mit einem einzelnen Partner bestehen. Demnach könnte ein Fonds theoretisch zehn Swaps mit zehn verschiedenen Banken Die Größe der Swaps wird gesteuert, indem die Bank ihre Schuld regelmäßig mit Geld oder Wertpapieren ausgleicht. eingehen, ohne diese abzusichern. In der Praxis kommt das allerdings nicht vor. Die meisten Anbieter vereinbaren Swaps nur mit einem Partner und bleiben dann entweder unter der vorgeschriebenen 10-Prozent-Grenze oder sie sichern den Swap ab. Die Größe der Swaps wird gesteuert, indem die Bank ihre Schuld regelmäßig mit Geld oder Wertpapieren ausgleicht. Der französische Anbieter Lyxor etwa, Tochter der Société Générale, stellt die Swaps seiner ETF täglich glatt. Das heißt, bis am nächsten Tag die Börsen wieder öffnen, ist der Fonds immer genauso viel wert wie der Index, obwohl er andere Werte enthält.

Der Anbieter Comstage lässt sich für die Swap-Geschäfte Sicherheiten geben – auch dann, wenn der Swap-Anteil unter 10 Prozent liegt. Er sichert sich damit quasi gegen eine Pleite seiner Mutter, der Commerzbank, ab. Noch gewissenhafter geht iShares vor. Für die wenigen synthetischen Fonds im Angebot schließt iShares Swaps mit jeweils drei Banken ab, bleibt damit auch insgesamt unter der 10-Prozent-Marke – und sichert darüber hinaus noch ab.

Indexfonds ohne Wertpapier-Portfolio

Die Herstellung von Indexfonds funktioniert sogar ganz ohne Wertpapiere. Die Fonds bestehen dann nur aus einem Swap. Anleger erkennen sie an der Bezeichnung „Fully Funded Swap“. Die Fondsgesellschaft db x-trackers bietet zum Beispiel solche ETF an. Diese Fonds übertragen ihr ganzes Kapital an den Swap-Partner, meist die Mutterbank, quasi als Kredit. Die Bank verspricht, das Geld zurückzuzahlen. Zusätzlich verpflichtet sie sich, die Höhe der Schulden an die Indexwertentwicklung anzupassen – wie ein flexibler Schuldschein, für den der Swap-Partner Sicherheiten, meist Wertpapiere, stellen muss, die nicht verliehen werden dürfen.

Oftmals sichern Anbieter die Swaps nicht nur mit den vorgeschriebenen 90 Prozent, sondern mit mehr als 100 Prozent ab. Wie wirkungsvoll dieser Schutz im Ernstfall ist, hängt von der Qualität der hinterlegten Wertpapiere ab und davon, wie schnell der Fonds sie verwerten darf. Da sie nicht im Fonds liegen, kann das unter Umständen etwas dauern – etwa wenn der Insolvenzverwalter sie erst freigeben muss. Der Anbieter db x-trackers verwendet ein Sicherheitenportfolio aus Aktien und Anleihen und hat direkten Zugriff darauf vereinbart.

Verbraucherschützer bleiben neutral

Die ETF, deren Fondsvermögen nur zu einem kleinen Teil aus Swaps besteht, sind nach Ansicht von Verbraucherschützern nicht risikoreicher als physisch replizierende ETF, die Originalaktien exakt in der Indexgewichtung kaufen. Mit Swap-ETF verhält es sich letztlich auch in diesem Punkt so ähnlich wie mit künstlichem Käse: Der ist vielen Verbrauchern suspekt, aber laut Experten weder schädlich noch ungesünder als echter Käse.

Die Kosten von Indexfonds

Die jährlichen Verwaltungskosten von ETF hängen von dem jeweiligen Markt ab, den sie abbilden. Der Ausgabeaufschlag entfällt, weil ETF an Börsen ge- und verkauft werden. Bei gefragten Produkten wie ETF auf den Weltaktienindex MSCI World liegen die Kosten unter einem halben Prozent pro Jahr. Zudem entfällt der Ausgabeaufschlag, weil ETF an Börsen ge- und verkauft werden. Dafür zahlen Anleger einen sogenannten Spread. Das ist die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis (Geld- und Briefkurs). Die Höhe des Spread hängt auch davon ab, wie häufig Fondsanteile beziehungsweise die Wertpapiere, die der ETF enthält, gehandelt werden. Je größer die Umsätze, desto niedriger ist der Spread. Beispielsweise ist er bei einem exotischen Indexfonds auf den vietnamesischen Leitindex deutlich höher als auf den deutschen Dax.

Zusätzlich zum Spread fallen beim Kauf eines ETF noch Kosten für die Wertpapierorder und die Nutzung der Börse an. Privatanleger und auch die meisten institutionellen Investoren wie Versicherungen und Stiftungen können nicht selbst an der Börse handeln. Sie müssen ihre Kauf- und Verkaufaufträge über Banken oder sogenannte Broker platzieren, die zum Handel zugelassen sind und sich für ihre Dienstleistungen bezahlen lassen.

Auch die Verwahrung von Fondsanteilen in Wertpapierdepots ist häufig nicht umsonst. Die gekauften Wertpapiere werden einem speziell dafür eingerichteten Konto, dem sogenannten Depot, gutgeschrieben. Wie viel das Depot kostet, hängt vom Anbieter ab. Die Preise differieren zum Teil erheblich. Die besten Konditionen bieten Online-Banken. Bei ihnen ist die Depotführung in der Regel kostenlos. Die Fonds und Wertpapiere in den Depots werden meistens täglich auf Basis der Börsenschlusskurse neu bewertet. So können Anleger verfolgen, ob ihre Anlagen steigen oder fallen.

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