Performance-Gebühren bei aktiven Fonds klingen nach einer fairen Vereinbarung: Nur wenn der Fondsmanager erfolgreich ist, erhält er eine Prämie. Das soll positive Leistungsanreize schaffen. Doch in Wahrheit gibt es dabei immer einen Verlierer: den Anleger.

Performance-Gebühren bei aktiven Fonds klingen nach einer fairen Vereinbarung: Nur wenn der Fondsmanager erfolgreich ist, erhält er eine Prämie. Das soll positive Leistungsanreize schaffen. Doch in Wahrheit gibt es dabei immer einen Verlierer: den Anleger

Viele Fondsgesellschaften bitten ihre Kleinanleger mit Performance-Fees über Gebühr zur Kasse und versorgen Großanleger mit günstigeren Fondstranchen, bei denen keine Performance-Fees anfallen. Sie begründen das damit, dass Kleinanleger angeblich einen deutlich größeren Betreuungsbedarf hätten und Großanleger durch die hohen Summen die sie investieren, eine Art Mengenrabatt verdient hätten.

Weit verbreitete Praxis

Insgesamt verlangen rund 400 in Deutschland aufgelegte Publikumsfonds von Kleinanlegern im Erfolgsfall eine Performancegebühr. In diesen Fonds wird etwa ein Viertel des insgesamt in deutschen Publikumsfonds angelegten Vermögens von rund 250 Milliarden Euro verwaltet. Zu diesen Fonds gehört auch einer der bekanntesten und ältesten deutschen Aktienfonds: der im Jahr 1956 aufgelegte Fonds Concentra A, der heute zur Gesellschaft Allianz Global Investors gehört. Auch die beiden Fonds UniEuroAktien und UniGlobal net von Union Investment, der Fondsgesellschaft der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken, zählen dazu. Bei ihnen kann die Performancegebühr sogar bis zu 25 Prozent betragen.

Auch die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, nimmt bei einigen Fonds Erfolgsgebühren; ebenso die Finanzdienstleister Flossbach von Storch und DJE. Aber nicht nur Aktienfonds, auch einige Anleihenfonds (Rentenfonds) behalten Erfolgsgebühren ein. Beim Ethna Aktiv E zum Beispiel sind es bis zu 20 Prozent der über fünf Prozent hinausgehenden Wertentwicklung.

Positive Grundidee, die selten funktioniert

Die Grundidee einer Performancegebühr ist durchaus positiv: Sie soll dem Fondsmanager einen zusätzlichen persönlichen finanziellen Anreiz schaffen, besonders gute Leistungen abzuliefern und damit hohe Renditen für die Anleger zu erwirtschaften. Der gleiche Gedanke stand ursprünglich auch hinter der Einführung von Erfolgsboni, die viele Unternehmen und Banken ihren Top-Managern zahlen.

Doch genauso wie das mit den Manager-Boni in der Praxis nur selten funktioniert, haben auch die Performancegebühren für Fonds gewaltige Schwächen. Die meisten aktiv gemanagten Fonds schneiden deutlich schlechter ab als ihre Benchmark.

Keine einheitlichen Regelungen für
Performance-Gebühren

Besonders ärgerlich aus Anlegersicht ist: Manche Fonds nehmen selbst dann noch Erfolgsgebühren, Jede Fondsgesellschaft legt selbst fest, woran sie ihren Erfolg misst. Und je niedriger sie die Latte legt, desto einfacher wird es für den Fondsmanager, sie zu überqueren. wenn ihre Wertentwicklung unterdurchschnittlich ist. Denn für die Performance-Gebühr gibt es keine einheitlichen Regelungen: Jede Fondsgesellschaft legt selbst fest, woran sie ihren Erfolg misst. Und je niedriger sie die Latte legt, desto einfacher wird es für den Fondsmanager, sie zu überqueren. So wird bei einigen Fonds schon dann eine Erfolgsgebühr fällig, wenn sie eine positive Rendite erzielen – selbst wenn der Markt im Durchschnitt deutlich stärker zulegt.

Andere Fonds, wie der Ethna Aktiv E, wenden das sogenannte High-Watermark-Prinzip an: So fällt eine Erfolgsgebühr nur dann an, wenn der Preis des Fonds seine bisherige Höchstmarke überschritten hat. Alternativ wird häufig auch das Prinzip der Hurdle Rate genutzt. Hier wird die Performance-Gebühr nur fällig, wenn eine bestimmte Mindestrendite, also die Hürde, erreicht oder übertroffen wird. Auch diese beiden Verfahren schließen allerdings nicht aus, dass eine Erfolgsgebühr selbst dann anfällt, wenn der Fonds schlechter abschneidet als der Marktdurchschnitt.

Weit verbreitet ist schließlich die Benchmark-Performance: Hier wird die Erfolgsgebühr dann fällig, wenn es dem Fonds gelingt, eine bestimmte Benchmark, (zum Beispiel einen Index) zu übertreffen. Doch auch diese Konstruktion kann einen gewaltigen Haken für Anleger haben. Denn die Benchmark, an der sich der Fondsmanager messen lässt, wird von der Fondsgesellschaft selbst festgelegt. Sie kann hier zum Beispiel einen Index wählen, der Dividenden nicht mit einbezieht (einen so genannten Kursindex). Einen solchen Index zu schlagen, ist verhältnismäßig leicht, denn jedes Mal, wenn eine in dem Vergleichsindex enthaltene Aktie Dividenden ausschüttet, belastet das den Index um die Höhe der Dividende. Der Fonds aber nimmt die Dividende ein und kann sie dem Fondsvermögen gutschreiben.

Das Hauptproblem: unverhältnismäßig hohe Risiken

Das Hauptproblem an der Performance-Gebühr ist jedoch gar nicht die hohe Kostenbelastung für die Anleger. Viel gravierender ist: Sie kann dazu führen, Performance-Gebühren können dazu führe, dass die Fondsmanager unverhältnismäßig hohe Risiken eingehen. Denn je höher das Risiko, desto höher die Wahrscheinlichkeit von hohen Kurszuwächsen für die Anleger – und damit auf eine hohe Performance-Gebühr. dass die Fondsmanager unverhältnismäßig hohe Risiken eingehen. Denn die Fondsmanager selbst können dadurch nur gewinnen. Je höher das Risiko, das sie eingehen, desto höher die Wahrscheinlichkeit von hohen Kurszuwächsen für die Anleger – und damit auf eine hohe Performance-Gebühr für sie selbst (oder ihren Arbeitgeber). Geht das Ganze aber schief und entstehen dem Fonds durch übertriebene Risiken hohe Verluste, hat das für den Fondsmanager keine negativen Konsequenzen: Er muss dann lediglich auf eine Erfolgsgebühr verzichten. So gesehen kann sich der ursprüngliche Zweck der Erfolgsgebühren, einen Leistungsanreiz für die Fondsmanager zu schaffen, ins Gegenteil verkehren – mit fatalen Folgen für die Anleger.

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