Sie haben beim Geld den Dreh heraus. Den sechs Investoren, die wir Ihnen hier vorstellen, gelingt es seit Jahrzehnten, ihr eigenes oder das ihnen anvertraute Vermögen rasant zu vermehren. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Wir beginnen mit Warren Buffett. Lassen Sie sich überraschen, wer noch folgt.

Erfolgreich Geld anlegen scheint eine simple Angelegenheit: Man kauft zu tiefen Kursen und verkauft später zu hohen Kursen. Et voilà!

Wenn es nur so einfach wäre! In Wahrheit sind nur die allerwenigsten Anleger dauerhaft an der Börse erfolgreich. Am Ende bleibt für die meisten die Erkenntnis, dass erfolgreiche Geldanlage eine Kunst ist, die sehr viel Talent und noch mehr harte Arbeit voraussetzt. Und natürlich hat diese Kunst auch wahre Meister hervorgebracht. Bei den sechs Star-Investoren, die wir für diese Artikelserie ausgewählt haben, um sie Ihnen zu präsentieren, handelt es sich ohne auch nur eine Spur zu übertreiben, um lebende Legenden.

Jeder einzelne von ihnen steht für einen bestimmten Ansatz, der sich von den anderen teilweise erheblich unterscheidet. Doch die unterschiedlichen Wege haben sie alle zum gleichen Ziel geführt: Dank ihrer herausragenden Fertigkeiten und Fähigkeiten haben sie es alle zu Multimilliardären gebracht – oder die Firmen und Institutionen für die sie arbeiten steinreich gemacht. Wir stellen ihnen diese sechs Meister der Geldanlage vor, beschreiben ihre wesentlichen Methoden und begeben uns auf die Spur ihrer Erfolgsgeheimnisse.

Natürlich kann eine solche Auswahl nicht zu 100 Prozent objektiv sein. Dass alle sechs Auserwählten US-Amerikaner sind (wenn auch mit teilweise ausländischen Wurzeln), ist nicht wirklich ein Zufall. Denn die USA haben nun einmal die längste Tradition, was das Investieren an den Kapitalmärkten angeht.

Auch dass es keine Frau in unsere Top-6 geschafft hat, ist keine Absicht und schon gar kein böser Wille des (männlichen) Autors dieses Beitrags. Vielmehr scheint es sich mit der Geldanlage ein bisschen so wie mit der Kochkunst zu verhalten: In der Breite sind die Frauen besser und erfolgreicher, das belegen zahllose Studien. Doch die Spitze wird eben von Männern dominiert. Und nur wegen der Quote wollten wir dann doch keine Frau aufnehmen, auch wenn die eine oder andere Investorin bei der Vorauswahl schon eine Rolle spielte.

Warren Buffett – Die Leseratte (geboren 1930)

Dass Frauen insgesamt erfolgreicher anlegen als Männer bestätigt kein geringerer als der unbestritten berühmteste und erfolgreichste Investor der Welt (dem in dieser Artikelserie aufgrund seiner Sonderstellung deshalb auch am meisten Platz eingeräumt wird): Warren Buffett. Als er einmal gefragt wurde, ob er selbst wie ein Mädchen investiert, stimmte Buffett zu. Was er damit meinte: Viele Männer neigen dazu, sich bei der Geldanlage zu überschätzen, sie schichten ihr Depot viel zu häufig um und zocken eher als dass sie investieren.

Das Markenzeichen von Buffett, der in dem US-Provinzstädtchen Omaha im Bundesstaat Nebraska geboren ist und auch heute noch dort lebt, ist es, das genau andersherum zu machen: Buffett investiert fast immer sehr langfristig und kauft nur Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodell er versteht. Nach diesem Prinzip handeln auch viele weibliche Anleger.

Kein Wunder deshalb, dass Coca-Cola seit Jahrzehnten zu den Lieblingsunternehmen Buffetts gehört. Denn deren Geschäftsmodell ist für jedes Kind verständlich: möglichst viel Brause verkaufen. Das veranschaulichte Buffett vor einigen Jahren auf humorvolle Weise auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main, an der auch der Autor dieses Textes teilnehmen durfte: Vor jedem Journalisten stand eine Dose Coca-Cola. Er begrüßte die Medienvertreter mit den Worten: „Bitte öffnen Sie Ihre Dose“. Die Journalisten blickten ihn verwundert an. Daraufhin ergänzte Buffett: „Sie müssen den Inhalt nicht trinken, Hauptsache, Sie öffnen die Dose. Das ist gut für mein Geschäft“. Damit hatte er die Lacher auf Anhieb auf seiner Seite. Denn die Anwesenden wussten natürlich, dass Buffett über seine Holding Berkshire Hathaway Coca-Cola-Aktien im Wert von über 15 Milliarden Dollar besitzt.

Jede geöffnete Dose des bekannten Softdrinks lässt damit die Kassen des 87-Jährigen klingeln. Mit Coca-Cola-Dosen verdiente Buffett übrigens schon im Alter von sechs Jahren sein erstes Geld: Er kaufte Sixpacks für 25 Cent und verkaufte die Einzelflaschen wieder für jeweils fünf Cent. Selbstverständlich ist ein einfaches Geschäftsmodell wie das von Coca-Cola nicht das einzige Kriterium für Buffett. Damit eine Aktie für ihn als Investment infrage kommt, muss sie auch stark unterbewertet sein. Der Preis, den der Markt im Moment für sie zu zahlen bereit ist, muss also deutlich unter ihrem fairen Wert liegen – genauer gesagt unter dem Wert, den Buffett aufgrund seiner Analyse für angemessen hält. Damit ist Warren Buffett der erfolgreichste Vertreter des sogenannten Value Investing, deren Urheber der 1976 verstorbene Benjamin Graham ist. Dessen Schüler war Buffett an der Columbia University in New York. Das Ziel von Value-Investoren ist es, durch fundierte Analyse unterbewertete Aktien zu identifizieren. Denn sie sind überzeugt davon, dass Aktien zwar starken Kursausschlägen ausgesetzt sind, langfristig aber immer wieder zu ihrem fairen Wert gelangen – analog einem Pendel. Value-Investoren versuchen also solche Ausschläge nach unten für den Einstieg zu nutzen und sehen deshalb ihre Gewinnchance im günstigen Einkauf. Buffett und sein Team analysieren ein Unternehmen lange, bevor sie sich für einen Einstieg entscheiden. Spontane Käufe nach Bauchgefühl gibt es bei ihm nicht. Denn die Grundlage für den Erfolg auch eines genialen Investors wie Warren Buffett ist harte Arbeit: „Die meiste Zeit verbringe ich mit lesen“, hat Buffett einmal verraten. Doch wenn Buffett einsteigt, dann geht es meist um gewaltige Summen. Unter einer Milliarde Dollar investiert Buffett normalerweise nicht. Sonst würde der hohe Aufwand sich nicht lohnen. Zwischen 1965 und 2012 erwirtschaftete Buffett eine Jahresrendite von im Schnitt rund 20 Prozent. Seitdem ist die Rendite nicht mehr ganz so hoch, aber immer noch zweistellig. Der Aktienkurs seiner Holding Berkshire Hathaway, einer ehemaligen Textilfabrik, die Buffett Anfang der 60er Jahre erwarb und heute bedeutende Beteiligungen an Dutzenden Unternehmen umfasst, lag 1969 noch bei rund 43 Dollar. Heute steht der Kurs bei fast 270.000 Dollar. Damit ist Berkshire Hathaway die teuerste Aktie der Welt. Um auch Kleinanlegern den Einstieg zu ermöglichen, hat Berkshire vor einigen Jahren eine B-Aktie emittiert. Sie ist aktuell für rund 180 Dollar zu haben. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 76 Milliarden Dollar ist Buffett laut dem US-Magazin Forbes aktuell der zweitreichste Mensch der Erde – nach Microsoft-Gründer Bill Gates, der es der Zeitschrift zufolge auf 86 Milliarden Dollar bringt. Mit Gates verbindet Buffett übrigens nicht nur den Reichtum, sondern auch die Großzügigkeit: Beide haben einen Großteil ihres Vermögens der von Gates ins Leben gerufenen Stiftung versprochen. Und was bleibt dann für seine Erben? Vergleichsweise wenig: Vor einigen Jahren hat er seinen drei Kindern einen Teil seiner Berkshire-Aktien versprochen, aber um es für einen guten Zweck einzusetzen. Aktuell sind diese Aktien rund zwei Milliarden Dollar wert. „Ich bin überzeugt, dass ihr das Geld klug nutzen werdet, jeder auf seine Weise“, schrieb er ihnen. Welche Summe seine Kinder für sich persönlich bekommen sollen, ist noch offen. Buffett sagte dazu im Magazin Fortune nur: „Es sollte genug Geld sein, damit sie das Gefühl haben, alles tun zu können – aber nicht so viel, dass sie meinen, nichts tun zu müssen.“ _Fortsetzung folgt_

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