Der neue Wirtschaftsnobelpreisträger Richard Thaler ist der wahrscheinlich bekannteste Verhaltensökonom: Ungleichgewichte an den Märkten sind für ihn auch die Folge davon, dass sich Menschen nicht immer rational verhalten. Der digitale Vermögensverwalter LIQID greift diese Erkenntnisse auf und nutzt solche Ungleichgewichte aus. Das sollte sich langfristig positiv auf die Performance auswirken.

Um die wissenschaftliche Leistung von Richard Thaler am besten zu verstehen, dem gerade der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zugesprochen wurde, muss man sich an einen Ort begeben, an dem man sich gewöhnlich nur dann aufhält, wenn es wirklich sein muss: eine öffentliche Herrentoilette, zum Beispiel in einer Kneipe. Manchmal sind dort in den Pissoirs Fliegen aufgemalt, oder es sind darin sogar kleine Fußballtore aus Plastik inklusive Ball installiert. Beides dient als Anreiz für die Nutzer, an die richtige Stelle zu zielen. Kleiner Aufwand, große Wirkung: In mit derartigen Accessoires ausgestatteten Toiletten passieren deutlich weniger „Unfälle“ als in WCs, in denen diese Gimmicks fehlen.

Freiwillig kluge Entscheidungen anstoßen

Nudges nennt Richard Thaler solche kleinen Anreize, mit denen das Verhalten der Menschen in die richtige Richtung gelenkt werden soll – zu Deutsch „Schubser“. Die Menschen sollen also bewusst nicht dazu gezwungen werden, etwas zu tun, das für sie selbst oder die Allgemeinheit von Nutzen ist, sondern sie sollen dazu gebracht werden, es freiwillig zu tun.

Genau das ist das Thema von Thalers bekanntestem Werk: Nudge – wie man kluge Entscheidungen anstößt, das er gemeinsam mit dem Juraprofessor Cass Sunstein verfasst hat: Thaler beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen Entscheidungen treffen und wie man sie in ihrer Entscheidungsfindung beeinflussen kann. Es geht ihm dabei darum, eine Entscheidungshilfe auf spielerische Weise zu vermitteln. Denn Thaler ist der wahrscheinlich wichtigste Vertreter der Verhaltensökonomie (behavioral finance). Und die geht davon aus, dass die meisten Menschen in vielen Situationen falsche oder irrationale Entscheidungen treffen. Deshalb sollen sie Thaler zufolge um ihrer selbst Willen oder auch zum Nutzen der Allgemeinheit sanft dazu gebracht werden, das Richtige zu tun.

Wo Modelle in der Realität versagen

Thaler greift Erkenntnisse der klassischen ökonomischen Theorien heraus und kombiniert diese mit Erkenntnissen aus anderen Wissenschaften, vor allem aus der Psychologie. Er untersucht, welche Vorhersagen der ökonomischen Modelle richtig sind und wo sie in der Realität versagen, weil sich Menschen eben nicht immer rational verhalten.

Damit hat Thaler in gewisser Weise die traditionelle klassische Wirtschaftstheorie revolutioniert. Denn diese sieht den Menschen als Homo oeconomicus, dessen Entscheidungen immer rational und zur Maximierung des eigenen Nutzens erfolgen. Verhaltensökonomen wie Thaler sind dagegen überzeugt, dass Menschen aus verschiedenen Gründen eben nicht immer die sinnvollste Entscheidung treffen. Demnach analysieren sie in der Regel nicht nüchtern alle Möglichkeiten, sondern halten sich bei ihren Entscheidungen oft an eine einfache Daumenregel. Beeinflusst werden sie dabei vielfach von Vorurteilen oder sie lassen sich von falschen Tatsachen blenden. Die Folge sind Fehleinschätzungen, die sie zu Fehlentscheidungen verleiten.

Wie Marktanomalien entstehen

In einigen Fällen kann es dazu kommen, dass nicht nur einzelne Individuen, sondern ganze Gruppen oder sogar die meisten Marktteilnehmer die gleichen Fehlentscheidungen treffen und dadurch eine Entwicklung, die fundamental nicht begründet ist, sogar noch verstärken. Auf diese Weise entstehen Marktanomalien. Ein Paradebeispiel dafür ist eine heftige Börsen-Baisse, die trotz positiver wirtschaftlicher Rahmendaten entsteht, weil einige nervöse Anleger andere mit ihrer negativen Stimmung anstecken und schließlich Panik am Markt aufkommt. Umgekehrt kann es durch eine wachsende Euphorie auch zu einer maßlosen Übertreibung der Kurse nach oben kommen.

Eine solche Situation hat zum Beispiel der Ökonom Robert Shiller – ebenfalls Nobelpreisträger – in seinem Buch Irrational Exuberance (irrationaler Überschwang) beschrieben. Er bezog sich dabei in den 90er Jahren auf die sehr hoch bewerteten Aktienmärkte in Folge der Dotcom-Blase und sollte Recht behalten: Anfang 2000 platzte die Blase und es folgte einer der größten weltweiten Börsenabstürze der Geschichte. Der 1945 geborene US-Amerikaner Thaler ist Professor an der Universität Chicago und Präsident der American Economic Association. Er ist einer der bekanntesten Forscher weltweit zur Verhaltensökonomie und zählt zu den prominentesten Ökonomen in den USA. In dem Oscar-prämierten Hollywoodfilm The Big Short, in dem es um die Entstehung der Finanzkrise geht, hat Thaler sogar einen Gastauftritt. Darin erklärt er den Ausbruch der Finanzkrise mithilfe von Verhaltensökonomie. ##Berater von Obama Konkret beschäftigt sich Thaler mit der Frage, wie Menschen sparen, ob sie genügend für das Alter vorsorgen und falls sie es nicht tun, welche die Gründe dafür sind. Seine Erkenntnisse fanden bereits praktische Anwendung in der Politik. So war Thaler Berater des ehemaligen Präsidenten Barack Obama. Diesen überzeugte er dafür zu sorgen, dass US-Unternehmen einen Teil des Gehalts ihrer Angestellten für deren Altersvorsorge zurücklegen. Denn schließlich kann man sich – siehe oben – nicht darauf verlassen, dass sie von sich aus genügend sparen. Mit einer freiwilligen Entscheidung der Angestellten habe das allerdings nichts zu tun, wandten Kritiker ein, sondern eher mit Bevormundung. Etwas wohlwollender formuliert: Es ging Thaler auch darum, die Angestellten ein Stück weit zu ihrem Glück zu zwingen. Auch im Vereinigten Königreich hat Thaler konkrete Spuren hinterlassen: So wurden dort Anreize zu einer stärkeren Beteiligung der Bevölkerung an Pensionsfonds eingeführt, um die Menschen zu einem ökonomisch rationaleren Verhalten zu motivieren. Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel arbeitet mit Verhaltensökonomen zusammen. ##Wie LIQID die Erkenntnisse umsetzt. Die Stockholmer Jury begründete die Wahl Thalers für den diesjährigen Nobelpreis damit, dieser habe wichtige psychologische Einsichten in der Wirtschaftswissenschaft vermittelt und die Ökonomie damit menschlicher gemacht. Thaler kann es durchaus als ein besonderes Privileg ansehen, dass er den Preis alleine erhält und das gesamte Preisgeld von immerhin umgerechnet rund 940.000 Euro mit niemandem teilen muss. Denn in den letzten Jahren wurde es immer häufiger Usus, dass der Nobelpreis an drei Ökonomen vergeben wurde. Nebenbei bemerkt ist der Wirtschaftsnobelpreis streng genommen gar kein echter Nobelpreis. Denn der 1896 gestorbene Stifter Alfred Nobel, der Erfinder des Dynamits, hatte in seinem Testament lediglich Preise für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden ausgelobt. Die schwedische Reichsbank führte den Wirtschaftsnobelpreis erst 1968 ein. Offiziell heißt er deshalb Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie im Allgemeinen und Thalers im Besonderen finden übrigens auch in der Anlagestrategie des digitalen Vermögensverwalters LIQID Anwendung. Denn das LIQID-Investment-Team handelt bewusst antizyklisch und nutzt Marktungleichgewichte, die auch als Folge menschlicher Fehleinschätzungen entstehen, konsequent aus. Konkret: Sind die Märkte oder einzelne Marktsegmente unterbewertet, erhöhen die LIQID-Experten dort das Engagement, sind sie dagegen überbewertet, reduzieren sie Positionen. Denn die Erfahrung lehrt, das Märkte auf lange Sicht stets zu ihrer durchschnittlichen Bewertung zurückkehren. Ein zusätzlicher psychologischer Vorteil ergibt sich für LIQID-Kunden dadurch, dass sie sich in der Regel langfristig engagieren und dadurch nicht dazu verleitet werden, bei der kleinsten Marktschwäche zu verkaufen.

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