Für immer mehr Anleger spielen nicht nur Zinsen und Dividenden, sondern auch ethische und ökologische Kriterien eine Rolle. Doch jeder hat dazu seine eigenen konkreten Vorstellungen. Seriöse Angebote der nachhaltigen Geldanlage müssen deshalb strengen Kriterien unterliegen - und sich aber auch wirtschaftlich rechnen.

Eigentum verpflichtet, sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen, heißt es im Grundgesetz. Für Vermieter bedeutet das zum Beispiel, dass sie nicht einfach, wann immer ihnen gerade danach ist, die Miete erhöhen oder gar dem Mieter kündigen können, sondern dass sie sich an gewisse Regeln halten müssen.

Für Anleger, die ihr Geld am Kapitalmarkt investieren, gibt es Restriktionen, die denen des Mietrechts ähneln, nicht. Sie können in jede börsennotierte Firma investieren, egal was diese produziert oder welche ethischen Grundsätze sie verfolgt und sich auch jederzeit von ihrem Investment wieder trennen.

Was will ich mit meinem investierten Geld erreichen?

Jeder Anleger muss selbst entscheiden, was für ihn persönlich die Eigentumsverpflichtung bedeutet und wie er sie umsetzen möchte.Jeder Anleger muss also selbst entscheiden, was für ihn persönlich die Eigentumsverpflichtung bedeutet und wie er sie umsetzen möchte. Immer mehr Menschen ziehen daraus und auch aus vielen anderen Motiven heraus den Schluss, dass sie mit ihrem Geld nicht nur eine attraktive Rendite erzielen, sondern auch Positives für Mitmenschen und Umwelt bewirken möchten.

Daraus ist ein Trend bei der Geldanlage entstanden, für den es viele unterschiedliche Begriffe gibt: nachhaltig, grün, ökologisch, oder ethisch. Im Finanzjargon hat sich für diese Form der Geldanlage ein Begriff durchgesetzt. Er lautet: Socially Responsible Investment (SRI), also sozial verantwortliche Geldanlage. Doch was versteht man eigentlich genau darunter?

Attraktive Rendite vs. Umwelt und Mensch?

Einer der es wissen muss, ist Constantin Lisson, Analyst im Investment-Team von LIQID. Er hat zusammen mit HQ Trust, der Vermögensverwaltung der Familie Harald Quandt, die Auswahl der Fonds für das neue SRI-Angebot LIQID Global Impact getroffen. „Nachhaltig investieren bedeutet zum Beispiel, auf solche Profite zu verzichten, die nur auf Kosten von negativen Auswirkungen auf die Umwelt oder auf Menschen in den Entwicklungsländern erzielt werden können”, sagt Lisson.

„Entscheidend ist, dass die Anleger keine Kompromisse zwischen wirtschaftlicher Rentabilität und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage eingehen müssen”, ergänzt Lisson. Um das zu gewährleisten, sollten Anleger bei der nachhaltigen Geldanlage auf ausreichende
Diversifikation sowie auf eine faire Kostenquote achten. Leider erfüllen viele klassische Nachhaltigkeitsprodukte diese Anforderungen nicht, sodass sie sich nicht zum Vermögensaufbau eignen. Inzwischen gibt es aber zunehmend fair bepreiste und diversifizierte Produkte, aus denen Nachhaltigkeitsportfolios konstruiert werden können.

Bei SRI werden also auch Kriterien berücksichtigt, die bei einer klassischen Geldanlage nicht beachtet werden müssen. Doch das bedeutet nicht, dass Anleger, die ihr Geld sozial verantwortlich investieren, auch generell Abstriche bei der Rendite machen müssen. Im Gegenteil: Einer Studie der Stanford University von 2016 zufolge zeigte sich zum Beispiel für den Zeitraum von 2005 bis 2015, dass CO2-effiziente Unternehmen durchschnittlich höhere Erträge erzielten, dem Anleger höhere Erträge brachten und auch einen höheren Cash-Flow (Zahlungsfluss) hatten.

„Das Interesse der Anleger für dieses Thema ist heute sicherlich deutlich größer als noch vor wenigen Jahren”, sagt Lisson. Doch das bedeutet nicht, dass jeder Anleger heute sein Geld nach den SRI-Kriterien investieren möchte. Nicht jeder wird Tabak, Alkohol oder Glücksspiele verteufeln. Sie können als bereichernde Angebote in einer pluralistischen Gesellschaft angesehen werden. Und bei Unternehmen, die die Umwelt stark belasten oder zu niedrigen Löhnen in den Entwicklungsländern herstellen lassen, kann man sich die Frage stellen, ob man sie als Investment ablehnen sollte, obwohl man auf ihre Produkte nicht verzichten möchte.

Nach welchen Kriterien wird gemessen?

Am Ende ist es immer die persönliche Entscheidung des Anlegers, ob er auf die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien Wert legt oder nicht. Doch auch diejenigen, die sich für SRI-konforme Investments entscheiden, ticken nicht alle gleich. Dem einen sind ökologische Kriterien wichtiger, dem anderen soziale. Und auch innerhalb dieser Kriterien gibt es unterschiedliche Ansichten. So wird beispielsweise von zwei Anlegern, denen die soziale Komponente wichtig ist, der eine den Kauf von Anteilen an einem Tabakkonzern ablehnen, der andere wird darin überhaupt kein Problem sehen.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Auch kann einem Anleger die Kultur im Unternehmen selbst sehr wichtig sein, ein anderer wird sich vor allem dafür interessieren, ob der Konzern nach außen hin verantwortungsvoll agiert, ob er also zum Beispiel dafür sorgt, dass alle, die an der Wertschöpfungskette seines Produkts beteiligt sind, also etwa afrikanische Bauern oder Textilarbeiter in Bangladesh, fair behandelt werden oder nicht. Eine sozial und ökologisch verantwortungsvolle Geldanlage ist immer auch eine Frage des Standpunktes.

Die Grenzen bei SRI sind also fließend. „Für den Anleger kommt es deshalb darauf an, dass unter der Maßgabe der Wirtschaftlichkeit das bestmögliche Nachhaltigkeitsprofil erreicht wird“, sagt Lisson. Denn SRI werde gesellschaftlich und ökologisch nur dann etwas bewirken, wenn es sich in breiten Bevölkerungsschichten durchsetze. Und das wiederum werde nur geschehen, wenn nachhaltige Geldanlagen für den Anleger auch wirtschaftlich attraktiv und entsprechende Produkte auch verfügbar seien. Deshalb ist es umso wichtiger, dass seriöse Anbieter von nachhaltigen Investments möglichst strenge Kriterien anwenden, damit sie die unterschiedlichen Vorstellungen vieler verschiedener Anleger unter einen Hut bekommen. Perfekt wird das kein Anbieter umsetzen können, auch LIQID nicht. Doch der Anspruch von LIQID ist es, diesem Ziel mit dem nachhaltigen Portfolio Global Impact möglichst gerecht zu werden.

Eines steht aus Sicht von LIQID-Analyst Lisson schon lange fest: „Die nachhaltige Geldanlage ist kein Trend, der wieder vorbeigeht, sondern der sich immer weiter entwickelt und längst unumkehrbar geworden ist”.




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