Alarmierende IW-Studie

Warum die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben

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Die niedrigen Zinsen sind für Sparer kein vorübergehendes Problem. Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge bleiben sie bis zum Jahr 2050 ein Dauerthema. Es führt deshalb kein Weg daran vorbei, bei der Geldanlage umzusteuern.

Für viele Beobachter ist die Europäische Zentralbank (EZB) schuld an der Misere. Ihre Politik des billigen Geldes sei allein dafür verantwortlich, dass deutsche Bundesanleihen, Festgeld oder das Sparbuch praktisch keine Zinsen mehr bringen. Die EZB setze damit die Altersvorsorge einer ganzen Generation aufs Spiel.

Realzins-Prognose für zehn große Industriestaaten

Land 2016 2025 2035 2050
Australien 1,0 0,4 0,2 -0,7
Deutschland -0,4 1,3 0,5 0,0
Frankreich 0,3 -0,1 -0,4 -1,3
Großbritannien 0,6 -1,0 -1,7 -3,5
Italien 1,6 1,5 1,1 -1,0
Japan 0,1 1,2 2,0 1,6
Kanada -0,2 -0,4 -1,0 -2,3
Spanien 1,6 3,7 4,6 3,0
Südkorea 0,8 1,6 1,1 1,2
USA 0,6 0,7 -0,4 -1,9

Institut der Deutschen Wirtschaft

Doch diese Einschätzung greift dem Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge zu kurz. In einer aktuellen Studie [1] weist das IW nach, dass die inflationsbereinigten Zinsen nicht erst seit der Finanzkrise sondern schon seit den 1990er Jahren zurückgehen – und zwar in allen Industrieländern. Denn heute werde deutlich mehr gespart als früher. So würden Unternehmen mittlerweile mehr in Lizenzen und Daten investieren als in Maschinen und Gebäude. Das koste sie weniger und erlaube es ihnen, mehr zu sparen, was wiederum die Zinsen drücke. Doch auch viele Staaten verstärken dem IW zufolge ihre Sparanstrengungen dauerhaft. Sie fahren die Investitionen zurück und legen deshalb weniger Anleihen auf: Eine steigende Nachfrage nach Anleihen trifft also auf ein geringeres Angebot. Das drückt die Zinsen zwangsläufig.

Demografischer Wandel beeinflusst Sparquoten

Der wichtigste Grund für die steigenden Sparquoten in Industrienationen wie Deutschland sei jedoch der demografische Wandel, schreibt das IW. Seit Jahrzehnten steige die Lebenserwartung. Der wichtigste Grund für die steigenden Sparquoten in Industrienationen wie Deutschland ist der demografische Wandel Die Menschen würden sich deshalb auf ein langes Leben einstellen und mehr sparen als frühere Generationen. „Dieser Trend lässt sich in den kommenden Jahrzehnten nicht aufhalten”, sagt IW-Ökonom und Studienautor Markus Demary. „Er führt dazu, dass die Zinsen auch in absehbarer Zeit nicht nennenswert steigen.”

Anhand von Bevölkerungsprognosen hat Demary die Zinsentwicklung bis zum Jahr 2050 vorausberechnet. Ergebnis: Selbst wenn die EZB aus der expansiven Geldpolitik aussteigt, steigen die Zinsen in Deutschland bis 2025 nur auf 1,3 Prozent. Anschließend werde der demografische Trend wieder die Zinsentwicklung bestimmen. Bis zum Jahr 2035 werde in Deutschland der Realzins (also Zinssatz abzüglich Inflation) auf 0,5 Prozent fallen, bis 2050 sogar auf 0,0 Prozent, so der Wissenschaftler. Natürlich handelt es sich hierbei nur um eine Prognose. Allerdings belegt sie sehr schlüssig die Treiber des langfristigen Zinsniveaus.

Erfolgreiche Anlage am Kapitalmarkt erfordert eine durchdachte Strategie mit regelmäßigen Anpassungen

Sparer und Anleger sollten die IW-Studie in ihre Überlegungen mit einbeziehen. Denn kommt es so wie vom IW vorausgesagt dürften sie auf Jahre oder sogar Jahrzehnte hinaus kaum Erträge erwirtschaften, wenn sie nur in Staatsanleihen und ähnliche Nominalwerte investieren. Nach Steuern müssten sie demnach vermutlich real sogar Verluste hinnehmen. Im Hinblick auf ihre Altersvorsorge wäre das ein alarmierendes Signal. Nach Steuern werden Sie vermutlich real sogar Verluste hinnehmen müssen

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Besonders ausgeprägt ist das Problem in Deutschland. Denn hierzulande ist die Angst vor dem Kapitalmarkt besonders stark ausgeprägt. Laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) besitzt nur etwa jeder achte Bundesbürger Aktien oder Aktienfonds.

Doch nur wer neben sicheren Zinspapieren auch in Aktien, Aktienfonds und Unternehmensanleihen investiert, kann dauerhaft mit Renditen deutlich oberhalb der Inflationsrate rechnen. Zwar sind die Kursschwankungen bei diesen Wertpapieren mitunter hoch. Langfristuntersuchungen zeigen aber, dass in der Vergangenheit eine breit gestreute Aktienanlage trotz zwischenzeitlicher Einbrüche durchschnittliche Jahresrenditen von rund 7 Prozent brachte. Eine Anlage am Kapitalmarkt erfordert allerdings eine durchdachte Strategie und regelmäßige Anpassungen. Nur wenige Privatanleger sind in der Lage, eine solche Strategie zu entwickeln, umzusetzen und durchzuhalten. Alle anderen sollten sich an Experten wenden, die diese Aufgabe kostengünstig für sie übernehmen.


Der Artikel bezieht sich auf die Ergebnisse aus folgender Studie:

  1. [1] German Economic Institute: Reasons for the declining real interest rates (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)


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