ETF sind enorm beliebt. Doch so paradox es klingt: Von der zunehmenden Beliebtheit der ETF werden am Ende die aktiven Fonds profitieren.

Der Boom der börsengehandelten Indexfonds (ETF) scheint unaufhaltsam. Jahr für Jahr stecken die Anleger rund um den Globus mehr Geld in diese passiven Anlageprodukte. Eine Entwicklung, die nicht wirklich verwundert angesichts der klaren Vorteile von ETF:

  • Sie sind sehr kostengünstig (die Jahresgebühren liegen meist unter 0,5 Prozent)
  • Sie sind transparent (sie bilden Indizes, wie zum Beispiel den DAX, genau ab)
  • Sie geben Anlegern Sicherheit (durch gute Abbildung der Wertentwicklung)

Und so haben es die ETF, die es erst seit rund zwei Jahrzehnten gibt, bereits auf ein globales Volumen von rund vier Billionen Dollar gebracht.
Leidtragende des ETF-Booms sind die Emittenten von aktiv gemanagten Fonds. Kein Wunder. Denn die Kosten von aktiven Fonds sind in der Regel wesentlich höher. Hinzu kommt: Sofern es sich um Aktienfonds handelt, gelingt es nur wenigen aktiven Fonds dauerhaft, den Index zu schlagen, an dem sie sich messen. Die meisten aktiven Aktienfonds schneiden sogar schlechter ab als ihr Vergleichsindex.

Quelle: Morningstar Direct

Diese Fakten sprechen eindeutig für ETF. Doch was für den einzelnen Anleger durchaus sinnvoll ist, kann für den Gesamtmarkt problematisch werden. Was für den einzelnen Anleger durchaus sinnvoll ist, kann für den Gesamtmarkt problematisch werden. Davor hat ausgerechnet der Vater des passiven Investments, John Bogle, ausdrücklich gewarnt. Bogle, der als erster großer Vermögensverwalter mit seiner Fondsgesellschaft Vanguard konsequent auf ETF setzte, sagt nun: „Wenn jeder nur noch in Indizes investiert, dann kann man das nur als Chaos, Katastrophe beschreiben.“ Dahinter steckt die Sorge, dass die Märkte irgendwann nicht mehr funktionieren, wenn immer mehr Anleger nur noch auf Indexfonds setzen und nicht mehr zwischen guten und schlechten Aktien unterscheiden, sondern einfach den Markt abbilden. Dadurch entstehe ein Herdentrieb, der dazu führe, dass sich Trends an der Börse und damit die Kursausschläge (Volatilitäten) verstärken.

Ein Ereignis vom August 2015 bestätigte die ETF-Kritiker. Damals stürzten die Märkte an einem Tag massiv ab. Viele ETFs schafften es nicht, so viele Wertpapiere zu verkaufen, wie die Anleger wünschten. Die Kurse der ETFs fielen deutlich stärker als die Indizes an denen sie sich messen. Nach wenigen Tagen kam der Kurs dieser ETF aber wieder ins Lot.

Aktiven Fonds kann das, zumindest in diesem Ausmaß, nicht passieren. Denn anders als ETF halten sie meistens eine bestimmte Menge an Liquidität. Damit verhindern sie, dass sie bei fallenden Kursen sofort Wertpapiere abstoßen müssen oder können solche Gelegenheiten sogar nutzen, um billiger Wertpapiere hinzuzukaufen. Sie können also gegen einen Abwärtstrend wirken oder einen solchen zumindest abschwächen.

Nicht jedem Trend nachlaufen

ETF sind also nicht völlig risikolos. Doch die Risiken bedrohen eher das System und die Märkte, weniger den einzelnen Investor. Aus der Flut von ETF aber erwachsen neue Chancen für aktive Fonds. Denn deren Fondsmanager können zum Beispiel übertriebene Kursstürze, die durch die Wirkung von ETF noch verstärkt werden, nutzen, um sich günstig mit Wertpapieren einzudecken.

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Letztlich muss sich der Anleger die Frage stellen: Setze ich auf eine reine ETF-Strategie oder will ich eine Kombination aus ETF und aktiven Fonds? Digitalen Vermögensverwaltern, die ausschließlich Anlagen in ETF oder nur in aktiven Fonds anbieten, sollten Anleger deshalb mit Skepsis begegnen. Denn auch in der Welt der Fonds ist nicht alles schwarz oder weiß.



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