Viele Banken suggerieren ihren Kunden in ihrer Werbung, dass die Anlage in Investmentfonds bei ihnen völlig kostenlos sei. Damit führen sie ihre Kunden jedoch in die Irre. Gebühren fallen nämlich immer an, auch bei ETFs. Was der Kunde tatsächlich zahlt, ist ihm aber nur selten bewusst. Denn die Banken verstehen es meisterhaft, die Gebühren gut zu verstecken.

„20.000 Fonds ohne Ausgabeaufschlag” wirbt ein Anbieter im Internet in dicken Lettern. Und weiter: „Wir bieten unsere Leistungen kostenlos an”. Dann heißt es: „Für Sie entstehen keine weiteren Kosten”.

Ähnlich verlockend klingt ein Angebot einer Fondsplattform: „Sichern Sie sich Ihr Fondsdepot zu Sonderkonditionen: Kein Ausgabeaufschlag, keine Transaktionskosten, keine Depotgebühren”.

Angebote wie diese suggerieren dem Kunden: Es fallen absolut keine Kosten für den Anleger an. Die Geldanlage in diesen Fonds ist komplett gratis. Doch das täuscht. An irgendeiner Stelle wird doch abkassiert, meistens an mehreren. Das muss auch so sein, schließlich sind die Anbieter keine Wohlfahrtsunternehmen. Aber die Art, wie sie ihre Produkte anpreisen, ist durchaus fragwürdig.

Auf die laufenden Kosten achten

Bei Aktienfonds liegt der Ausgabeaufschlag normalerweise nicht selten bei 5 Prozent der gesamten Anlagesumme. Wer also beispielsweise 100.000 Euro investiert, zahlt auf einen Schlag 5.000 Euro Gebühren. Diese Gebühr ist für den Vertriebspartner der Fondsgesellschaft gedacht, also in der Regel eine Bank. Doch in vielen Fällen kann der Kunde den Ausgabeaufschlag sparen: Zum Beispiel, indem er die Fondsanteile über die Börse kauft. Dadurch fallen zwar auch Gebühren an, aber deutlich geringere als wenn 5 Prozent Ausgabeaufschlag gezahlt werden müssen. Die laufenden Kosten werden dem Anleger nicht gesondert in Rechnung gestellt, sondern die Fondsgesellschaft behält sie vom Fondsvermögen ein Wer seine Fondsanteile viele Jahre im Depot hält, für den fallen auf Dauer aber ohnehin weniger die Anschaffungskosten als vielmehr die permanent anfallenden laufenden Kosten des Fonds ins Gewicht. Sie liegen bei aktiv gemanagten Aktienfonds in der Regel zwischen 1,5 und 2 Prozent der Anlagesumme pro Jahr. Davon wird unter anderem der Fondsmanager bezahlt, der die Auswahl der Aktien trifft. Bei börsengehandelten Indexfonds (ETF) sind die laufenden Kosten deutlich niedriger und bewegen sich üblicherweise zwischen 0,1 und 0,5 Prozent pro Jahr. Die laufenden Kosten werden dem Anleger nicht gesondert in Rechnung gestellt, sondern die Fondsgesellschaft behält sie vom Fondsvermögen ein, so dass der Anleger keine separate Abrechnung erhält. Faktisch drücken die laufenden Kosten aber die Rendite des Fonds.

Mit den Anschaffungskosten und den laufenden Kosten sind aber immer noch nicht die tatsächlichen Gesamtkosten abgedeckt. Für den Kunden können noch zusätzliche Kosten anfallen, zum Beispiel für Wertpapier-Umschichtungen, die der Fonds vornimmt. Diese werden aber in der Regel nicht ausgewiesen.

Dennoch sind die laufenden Kosten immerhin ein relativ zuverlässiger Indikator für die Kosten, die ein Fonds über die Haltedauer für den Kunden verursacht.

Die Tücken der Typ-0-Fonds

Eine weitere Masche, mit denen Anlegern gern vorgegaukelt wird, dass keine Kosten entstehen, sind so genannte Typ-0-Fonds. Das sind Fonds, für die grundsätzlich kein Ausgabeaufschlag anfällt. Der Anleger kann sie also tatsächlich gebührenfrei über die Fondsgesellschaft erwerben. Der Haken: bei diesen Fonds sind die laufenden Kosten in der Regel besonders hoch. Denn auch bei Typ-0-Fonds erhält die Vertriebsstelle (also die Bank) eine Vertriebsvergütung. Und da der hierfür normalerweise vorgesehene Ausgabeaufschlag wegfällt, erhält die Bank in diesem Fall einen Teil der laufenden Kosten. Deshalb fällt bei diesen Fonds für die Kunden neben hohen laufenden Kosten nicht selten auch noch erfolgsabhängige Gebühren an.

Doch für die Fonds (und die Banken, die die Fonds vertreiben) gibt es noch andere Einnahmequellen. Viele Fondsemittenten von aktiven Fonds und ETFs verleihen ihre Wertpapiere (gegen eine Sicherheit) und nehmen dadurch eine zusätzliche Gebühr ein. Entleiher sind beispielsweise Leerverkäufer, also Investoren, die Aktien verkaufen ohne sie zu besitzen, weil sie mit fallenden Kursen rechnen. In der Regel schreiben die Fondsemittenten nur einen Teil der Leihgebühr dem Fondsvermögen gut. Mit dem Rest bessern sie ihre eigenen Erträge auf. Diese Leihgeschäfte sind normalerweise für die Fonds nahezu risikolos. Geht der Entleiher Pleite, kann die Fondsgesellschaft die hinterlegten Sicherheiten verkaufen und mit dem Ertrag die verliehenen Wertpapiere zurückkaufen. Für den Privatanleger sind diese Geschäfte allerdings häufig nicht transparent.

Besondere Gebührenfalle bei ETFs

Eine besondere Gebührenfalle lauert für Anleger ausgerechnet bei den eigentlich kostengünstigen ETFs. Auf Fondsplattformen im Internet können Kunden dort nun ETFs einmal täglich zum Nettoinventarwert des Fonds handeln und müssen zusätzlich zu dafür anfallenden Ordergebühren ein Transaktionsentgelt zahlen, die sogenannten Additional Trading Costs (kurz ATCs). ATCs können die Gesamtkosten für die ETFs erheblich nach oben treiben. Diese Kosten liegen im Schnitt bei etwa 0,25 Prozent und fallen sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf an. In Einzelfällen werden auch schon mal bis zu 3 Prozent ATCs verlangt. Die ATCs sind also so etwas wie das Äquivalent zum Ausgabeaufschlag bei aktiven Fonds. Sie können die Gesamtkosten für die ETFs erheblich nach oben treiben.

Einen besonderen Marketing-Gag hat sich der Fondsanbieter Fidelity einfallen lassen. Für zwei ETFs fallen dort tatsächlich überhaupt keine Gebühren und Kosten an – allerdings nur unter ganz bestimmten Bedingungen. So gilt das Angebot nur für Anleger, die ihren Sitz in den USA haben und auch nur, wenn die ETFs auf einem Depot der Fondsgesellschaft deponiert werden. Wer aber für dieses Depot zusätzlich noch Fonds von anderen Anbietern kauft, muss dafür eine nicht unerhebliche Gebühr zahlen.

Angeblich kostenlose Fondssparpläne

Viele Banken werben im Internet auch für angeblich kostenlose Fondssparpläne, bei denen jeden Monat für eine feste Summe Fondsanteile (oder Bruchstücke davon gekauft werden). Kostenlos ist allerdings in der Regel nur der Erwerb der Fonds. Laufende Verwaltungskosten fallen trotzdem an. Und wenn ein Anleger die Fondsanteile irgendwann wieder verkaufen möchte, wird er in vielen Fällen ebenfalls zur Kasse gebeten.

Aufgrund dieser zahlreichen versteckten Kosten werden bankenunabhängige, alternative Angebote zur Geldanlage, die ohne Provisionsinteressen arbeiten, für viele Anleger immer interessanter. Das können zum Beispiel Vermögensverwalter sein.

Ich überlege
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Jahre anzulegen.

Sonderkonditionen, die sonst nur für institutionelle Kunden gelten

Neben den traditionellen Vermögensverwaltern bei denen die Kunden meist mindestens eine halbe Million Euro mitbringen müssen, gibt es mittlerweile auch digitale Vermögensverwalter, bei denen die Mindestanlagesummen deutlich geringer sind. Die Konditionen dieser digitalen Anbieter sind oft sehr attraktiv, denn die meisten von ihnen nehmen nur eine geringe Verwaltungspauschale. Zudem handeln einige von ihnen mit den Fondsgesellschaften Sonderkonditionen für ihre Kunden aus, die sonst nur institutionellen Anlegern gewährt werden.

Die Folge dieser Entwicklung: Das Wachstum der unabhängigen Vermögensverwalter hat 2017 hinsichtlich der Kundenzahl und der verwalteten Kundengelder deutlich zugenommen. Das geht aus einer wissenschaftlichen Untersuchung des Instituts für Vermögensverwaltung (InVV) an der Hochschule Aschaffenburg hervor. Viele ihrer neuen Kunden waren unzufrieden mit ihrer Bank.

Und dieser Trend dürfte sich fortsetzen: Über zwei Drittel der vom InVV befragten Vermögensverwalter rechnen mit einem weiteren kräftigen Wachstum beim verwalteten Kundenvermögen.
Doch nicht nur aufgrund der gestiegenen Kundenzahl konnten die Vermögensverwalter stark wachsen, sondern auch dank kräftiger Wertzuwächse des verwalteten Vermögens.