Viele Anleger zögern aufgrund des aktuell hohen Bewertungsniveaus mit einem Einstieg am Aktienmarkt. Auch wir halten Bewertungen an einigen Stellen für hoch und haben das in unserer Select Strategie reflektiert. Dabei spielt der Zeitpunkt der Investition für den langfristigen Anlageerfolg keine große Rolle. Wichtig ist es dagegen, immer investiert zu sein. Sonst riskieren Anleger, die besten Tage zu verpassen – und verhageln sich damit die Rendite.

Die Deutschen sind im internationalen Vergleich extrem aktienscheu. Die meisten Menschen hierzulande halten Unternehmensbeteiligungen nämlich für eine riskante Anlageform, von der man die Finger lassen sollte. Nur rund zehn Prozent der Bundesbürger besitzen daher Aktien oder Aktienfonds.

Die dauerhaft niedrigen Zinsen haben inzwischen zwar viele zum Umdenken bewegt. Die meisten scheuen aber noch den entscheidenden Schritt und halten sich weiterhin mit einem Einstieg an der Börse zurück. Der Grund: das relativ hohe Bewertungsniveau an den Aktienmärkten. Immerhin sind die Kurse mittlerweile fast neun Jahre lang kontinuierlich gestiegen. „Was, wenn ich jetzt kaufe und die Kurse genau dann einbrechen?“, fragt sich so mancher besorgte Anleger.

Optimale Einstiegszeitpunkte lassen sich nicht zuverlässig bestimmen

Natürlich besteht diese Gefahr grundsätzlich immer. Richtig ist aber auch: Auf lange Sicht spielt der Einstiegszeitpunkt an der Börse kaum eine Rolle. Selbst wer zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt kauft, also bei hohen Bewertungen, ist an der Börse erfolgreich, wenn er seine Anlagen breit diversifiziert und über einen längeren Anlagehorizont hält. Wer mit dem Einstieg zögert, geht ein viel höheres Risiko ein. Denn er läuft Gefahr, die besten Tage an der Börse zu verpassen.

Dies untermauern zahlreiche Untersuchungen. So kommt eine Studie der Fondsgesellschaft Fidelity zu dem Schluss: Erfolgreich ist, wer seine Anlagen breit diversifiziert und über einen längeren Anlagehorizont hält Wer mit Einführung des Euro am 1. Januar 1999 einen Betrag von 1.000 Euro investiert und nur die zehn Börsentage mit den höchsten Kurszuwächsen verpasst hätte, hätte bis Ende April 2017 mit deutschen Standardaktien nicht einmal halb so viel aus seinem Vermögen gemacht wie ein Anleger, der die ganze Zeit dabei gewesen wäre: So wären aus den 1.000 Euro über den gesamten Anlagezeitraum 2.557 Euro geworden, ohne die besten zehn Tage dagegen nur 1.159 Euro. Hätte der Anleger die besten 20 Tage verpasst, hätte er sogar einen Verlust erlitten: Es wären gerade einmal 665 Euro übrig. Ohne die besten 30 Tage wären aus den 1.000 Euro am Ende sogar nur 406 Euro und ohne die besten 40 Tage sogar nur 260 Euro geworden. [1]


Wertentwicklung einer Anlage in deutsche Standardaktien

Angelegter Betrag 1000€
1998 - 2017 2557€
1998 - 2017 (ohne die 10 besten Tage) 1159€
1998 - 2017 (ohne die 20 besten Tage) 665€
1998 - 2017 (ohne die 30 besten Tage) 406€
1998 - 2017 (ohne die 40 besten Tage) 260€

Quellen: MSCI, Fidelity

Das Beispiel belegt: Ein erheblicher Teil der historischen Rendite von Aktienanlagen ist auf lange Sicht auf wenige Tage mit hohen Kurssteigerungen zurückzuführen. Anleger sollten also möglichst frühzeitig investieren und nicht versuchen, durch geschicktes Timing den Markt zu schlagen: Wer zum Beispiel Aktien in der Hoffnung verkauft, sie später günstiger zurückkaufen zu können, fährt damit meist schlechter als wenn er die Aktien einfach behalten würde.

Dabei hätte es in dem Zeitraum des obigen Beispiels scheinbar durchaus gute Gelegenheiten für die Anwendung einer solchen Strategie gegeben: Denn zwischen März 2000 und März 2003 verlor der DAX rund 75 Prozent seines Wertes. Wer rechtzeitig verkaufte und wieder einstieg, hätte sich also einen der dramatischsten Kurseinbrüche der Börsengeschichte erspart. Doch den richtigen Zeitpunkt für Ein- und Ausstieg zu finden, gleicht eben einem Lottospiel. Deshalb ist es gewinnbringender – und auch nervenschonender – immer entsprechend seines Risikoprofils investiert zu bleiben.

Wer langfristig investiert gewinnt

Ein weiteres Beispiel, diesmal aus den USA, untermauert diese Erkenntnis. So kommt eine Studie der Organisation Chartered Financial Analysts (CFA), die die Entwicklung des US-amerikanischen S&P-Index von 1970 bis 2016 untersucht hat – also ein deutlich längerer Zeitraum als die Fidelity-Studie zum deutschen Markt – zu folgendem Ergebnis: Ein Anleger, der über den gesamten Zeitraum investiert gewesen wäre, hätte seinen Einsatz um 2.151 Prozent vermehrt. Hätte er nur die beste Handelswoche (also die Woche mit den höchsten Kurszuwächsen) verpasst, hätte seine Rendite 1.873 Prozent betragen. Ohne die drei besten Wochen wären es noch 1.223 Prozent gewesen, ohne die fünf besten Wochen noch 820 Prozent und ohne die 20 besten Wochen nur noch 383 Prozent. [2]

Ich überlege
für
Jahre anzulegen.

Auch Verbraucherschützer raten Anlegern deshalb, möglichst frühzeitig anzulegen und immer voll investiert zu bleiben. „Niemand kennt den optimalen Einstiegszeitpunkt“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Anleger, die über zehn Jahre zum Beispiel auf den breiten MSCI World Index gesetzt haben, konnten mit einem Sparplan im ungünstigsten Fall 40 Prozent ihres Einsatzes verlieren. Mit einer Einmalanlage verloren sie dagegen im ungünstigsten Fall lediglich 21 Prozent. Mit kurzfristigen Schwankungen müssen Anleger deshalb leben – zum Wohle ihrer langfristigen Rendite. [3]

  1. [1] Wertentwicklung einer Anlage in deutsche Standardaktien gemessen am MSCI (LC) Germany im Zeitraum: 31.12.1998 bis 28.04.2017 (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [2] CFA Institute: Missing the best weeks: a mistake investors should fear (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)
  1. [3] Focus: Sparplan oder Einmalanlage? - Was der Cost-Average-Effekt bringt (Um in den Fließtext zurückzukehren, drücken Sie bitte die Zahl.)